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Rr. 70.

Marburg, Sonnabend, 22. März 1884.

XU. Jahrgang.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M , Ham­burg, Magdeburg ».Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München und Mn; G L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Pari-.

Erscheint täBch außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerer) bezogen 2 /. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (eget. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Seile 10 Bia

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Anzeigen (nimmt entgegen: diczExpedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurtla.M.; Hennann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

Ium 22.

o ist denn wiederum der frohe Tag erschienen, Da treu des ganzen deutschen Volkes Schar, Mit in der Festes-Freude strahlenden Mienen Dem Kaiser bringt die Glückes-Wünsche dar. Und wie aus grauem Märzgewölk hervor Der Sonne goldige Strahlenblitze dringen, So, der Parteienkämpfe fern, empor Zum Kaiserthron auch heut die Wünsche klingen: Heil Kaiser Wilhelm, Heil! Und Glück und Ehr Zu seines Wiegenfestes froher Wiederkehr!

Das deutet ja des Volkes treue Liebe Zu dem erlauchten, teuren Kaiserhaus, Daß stehend über dem Parteigetriebe Des Volkes Jubel tönt in's Land hinaus. Der Jubel, der dem treuesten Herzen gilt, Das je für Deutschlands Volkeswohl geschlagen, Dem Fürsten, der von treuester Pflicht erfüllt, Hielt Deutschlands Banner hoch in Deutschlands schwersten Tagen.

Dem ritterlichen Helden, hehr und stark, Dem tapfer« Sohn von echtem deutschen Mark.

Ein Fürst des'Friedens und ein Fürst der Milde Hat er des Friedens Segen uns bescheert, Gezwungen nur in's schwere Schlachtgefilde, Zog er gen Feindes Hohn das gute deutsche Schwert. Doch wie ein ganzer Mann in Friedenszeit, So auch ein ganzer Held in Krieges Ungewittern Hat er sein Volk geführt in blut'gem Streit, Da mußt der Feind vor deutschem Schwert erzittern.

So flicht des Lorbeers immergrünes Reis Sich um die Stirne sein als Siegespreis.

So sind denn siebenundachtzig Jahr verflossen; Ob auch die Stirne kraus und silberweiß das Haar, Das treueste Herz, dem treuesten Volk entsprossen, Es schlägt noch jung für Deutschland immerdar. Und heute nun, da um den Heldengreis, Zum frohen Feste sammeln sich die Glieder Des Kaiserhauses im Familienkreis, Da blickt mit mildem Lächeln er hernieder. Dann schaut er demutsvoll zu seinem Schöpfer auf, Der ihn behütet hat auf seinem Lebenslauf.

Wir aber, die wir immerdar und heute Uns seines Seepters Segnungen erfreu'«, Wir mischen in der Glocken Festgeläute, In der Kanonen Donner unfern Jubel ein. Erhalten möge Gott noch manches Jahr Für's heilige deutsche Reich das teure Leben, Und ferne halten jegliche Gefahr Und allen Werken feinen Segen geben;

Wir Alle aber schwören heut aufs Reu' Dem deutschen Kaiserhause echte deutsche Treu'j!

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ZUM 87Meömtsiage.

Wenn des Winters Macht sich ihrem Ende naht, wenn bereits des Frühlings erste schüchterne Boten ihre Grüße senden, wenn jenes, das Wiedererwachen der schlafbefangenen Erde kündende Rauschen und Schwellen durch die Natur geht, dann kehrt auch der Tag jenes Festes wieder, das in allen deutschen Gauen freudigen Wiederhall findet, die Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms, des deutschen Kaisers. Wenn Feste giebt, die mehr gewohnheitsmäßig, weil immer wiederkehrend gefeiert werden, so ist gewiß der 22. März einer der Tage des Jahres, an dem ein wirk­licher Festtag dem deutschen Volke erscheint, ein Tag, desicn Bedeutung von jedem deutschen Herzen voll empfunden und gewürdigt wird. DaS beweist ja eben die innige Zusammen­gehörigkeit, die das deutsche Volk mit feinem Kaiserhause vereint, die Liebe und Verehrung, mit der ein jeder Deutscher zu seinem Kaiser aufsteht, daß der 22. März der Geburts­tag Kaiser Wilhelms nicht nur im engen kaiserlichen Familien­kreise, sondern vom ganzen Volke, in der anspruchlosesten Hütte, wie im stolzen Palaste, mitgefetert wird. Und man kann wohl sagen: Jetzt erst recht, je mehr sich das Leben deS kaiserlichen Greise« den Jahren nähert, deren Zahl selten einem Sterblichen gegönnt ist, desto lebhafter, all­gemeiner und enthusiastischer ist die Feier des Kaiserlichen Geburtstages. Und so erschallen auch heute wiederum zu deS Thrones Stufen die Jubelrufe de« Volkes, das seinen geliebtem Herrscher die GlückeSwünsche darbrinat. die in dem Rufe sich einen:

Lang lebe der Kaiser!

Stebenundachtzig Jahre! Schon diese Zahl, die selten einem Menschenleben, am seltensten denjenigen beschieden, die auf der Menschheit Höhen wandelnd auch der Menschheit schwerste und verantwortlichste Bürde zu tragen berufen sind, sie deutet so klar, wie deS Allmächtigen be­sondere Huld dem deutschen Kaiser zu teil geworden. Wenn aber jemals rin Mensch mit Befriedigung, mit jener inneren Befriedigung, die sich selbst sagt, daß man da« Gute und Rechte vollauf gelhan, auf eine so lange Reihe von Jahren zurückblicken durfte, so darf eS sicher der Mann, der an der Spitze des großen deutschen Reiches stehend, mit so stcherem Auge und klarem Blicke die Bestimmung dieses Reiches erkannt und es siegreich derselben entgegengeführt hat. Wenn je des Dichter« inhaltschwere Worte

Wer sich selbst und wer den Besten seiner Zeit

Genug gethan, der hat gelebt für alle Zeit." überhaupt auf einen Menschen Anwendung finden dürften, so ist Kaiser Wilhelm unter all den großen Männern der Geschichte sicherlich der Mann, auf den dies stolze Dichter­

wort paßt. Denn all die großen Thaten, die von Kaiser Wilhelms Majestät die Weltgeschichte kündet, sie sind nicht das Ergebnis eines zufälligen Glückes, sondern die Thaten eines echten, ritterlichen Helden, eines gewaltigen Recken, wie solchen die Jahrhunderte selten und unser Jahrhundert überhaupt nicht wieder hervorgebracht, der sich dessen, waS er that, und was er wollte, vollkommen bewußt war. Gleich jenen alten, sagenhaften Helden, die UebermenschlicheS zu ihren Füßen niederzwangen, zwang auch Kaiser Wilhelm das Glück, daS was wir Menschen das Glück nennen und das doch oft nichts anderes als der Erfolg der kühnen That ist, vor sich nieder, zwang er das Glück an feine Waffen in Kriegszeiten, an seine Thaten in Friedenszeiten. Als ein Mann von echtem und deutschem Schrot und Korn, voll Energie unbjiftrn festem Willen, voll Gottvertrauen und bescheidenem Sinn, voll Wohlwollen für den geringsten Bürger im weiten Lande steht deS Kaisers Majestät vor seinem Volke. So weist denn auch das Leben deS fleben- undachtzigjährigen Greises gar viele Merksteine auf, die von weittragender Bedeutung für die Geschicke deS Landes gewesen, so ist sein ganzes thatenreiches Leben eng verknüpft mit der Geschichte deS deutschen Reiches. Und wenn heut der kaiserliche Herr Rückschau hält auf sein reiche« Leben, so mag wohl das ihm eigene stillbescheidcne Lächeln über seine Lippen gleiten und die Millionen Glückwünsche, die bis in das stille Arbeits-Kabinett deS Schlöffe« hallen, sie haben auch ihr Teil an diesem Freudenlächeln; denn diese Glückwünsche, sie beweisen, daß sich des deutschen Reiches Herrscher das Höchste errungen, was ein Herrscher sich erringen kann: Des Volkes Liebe.

Und nun, welch' erhebend schöne« Bild gerade am heutigen Tage: der deutsche Kaiser im Kreise seiner Familie. Ist ihm doch auch hier daS hohe Glück zu Teil geworden, noch bei Lebzeiten den Stamm der Familie sich auSbreiten zu sehen bis zum kleinen Urenkel, der ihm seine Wünsche entgegenlallt und ist doch daS Familienleben des deutschen Kaiserhauses ein Muster für jede deutsche Familie. Zwar fällt auch am heutigen Tage, wie im vergangenen Jahre, ein Schatten auf das Kaiserliche Geburtstagsfest; denn an befreundetem sächsischem KönigShofe hat der Tod mit rauher Hand Einzug gehalten; aber noch ist der Geist und Körper Kaiser Wilhelms, ein so frischer, starker, fester und wider­standsfähiger, daß wir hoffen dürfen, noch manches Jahr das Fest de« 22. März in alter Treue und Liebe zu dem erlauchten Herrscher zu feiern.

Nun will eS wieder Frühling werden; schon regen und dehnen sich die belebenden Kräfte, die in dem ewigen Füll­horn der Natur im Winterschlaf verborgen lagen, schon rauscht e« durch die Bäume, schon murmeltS in der spru­delnden Quelle, schon braust eS auch durch den Sturm:

| Frühling, Frühling! Und jene geschäftigen Geister der Natur, sie haben noch jedes Jahr auch unferm Kaiser neue«, frisches Leben, neue Kräfte und Säfte für deS Lebens Reise zuge­führt, so daß er unbekümmert um der Jahre Last, weiter frohen Mutes in die Zukunft blicken konnte. Und jene wohlthätigen Kräfte, sie mögen auch in diesem Jahre wieder thätig sein und ans deS Lebens ewigem Born dem Kaiser Kraft und Stärke zuführen, daß unS noch lange das teure Leben erhalten bleibe, in körperlicher und geistiger Frische. Und in diesem Sinne wälze sich in tausendstimmigem Echo durch alle deutschen Gauen der Jubelruf, daß er sich in gewaltiger Brandung an des Thrones Stufen breche, der Jubelruf:

Heil ttnferm Kaiser, Heil!

U»d Gottes Segen zu seines Wiegenfeste« fiebenundachtzigster Wiederkehr.

Reichstag.

n Berlin, den 20. März.

9. Plenarsitzung. Haus und Tribünen sind stark be­setz. Am BundeSratStische: Staatsminister v. B ö t t i ch e r, BundeSkommiffar König!, preuß. Staatsminister v. Putt- kamer und mehrere Kommiffarien.

Zweiter Vizepräsident Hoffmann eröffnet die Sitzung um 11 Vi Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung des mündlichen Berichts der WahlprüfungS - Kommisston, betreffend die Wahl deS Abg. v. Levetzow im dritten Wahlkreise des Regierungsbezirks Frankfurt a. O.

Referent Abg. Dr. Dohrn beantragt namens der Kommisston die GtltigkeitSerklärung der Wahl. Da« Haus beschließt debattelos demgemäß.

Es folgt die Beratung der Darlegung über die von der König!, preußischen und hamburgischen Regierung auf Grund des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestre­bungen j>er Sozialdemokratie getroffenen Anordnungen.

Abg. H a s e n c l e v e r (Sozialdem.) kritisiert in längerer Rede die vorliegende Denkschrift, deren Logik er als eine verzweifelte" bezeichnet. Man möge den Sozialdemokraten eine heftige Kritik über ein Gesetz nicht verargen, welches einzelne Personen mit der größten Härte verfolge. Damit werde übrigen« die Bewegung selbst nicht unterdrückt, die Sozialdemokraten würden dadurch nur gezwungen, ihre Kongreffe im Auslande abzuhalten. Wenn man ihnen daraus den Vorwurf der internationalen Verbrüderung bei­spielsweise mit den dänischen Sozialisten mache, so sei die­selbe insofern vorhanden, als die dänischen Genoffen auf demselben Standpuntte ständen, wie die deutschen. ES sei dies also keine andere Verbindung, wie etwa die Verschmel­zung der Fortschrittspartei mit den früheren Sezesstonisten.