Rr. 69.
Marburg, Freitag, 21, März 1884.
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__ S«r m btt Exped.twn zu erteilende Auskunft und Annahme von Abreffen werden 25 Pfg. berechnet SCpaltene Zeile 10 Pf,.
vom Landtag.
Ae Absicht vor, die Regierung auf irgend einen bestimmten Weg der Lösung dieser schwierigen Aufgabe hinzuweisen,
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d Annoncen-Bureaux von Haasensteiu und Vogler in Frankfurt a M , Ham- hnrg, Magdeburg ».Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt e. R., Berlin, Atünchen und Adln; G L. Daube und 6o. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
'NN sei ein schriftlicher Bericht nötig. Im Interesse der lasteten Grundbesitzer beantrage er daher, diese Petitionen Hufs Erstattung eines schriftlichen Bericht« an die Kom- ission zurückzuverweisen.
-richtete Vorlage möglichst bald herbeigeführt werde.
In der Debatte befürwortet zunächst Abg. Dr. Mannte dir Annahme des KommifstonSantrageS, indem er n der Hand der Petition des rheinischen Bauernvereins uf die Kalamitäten hinweist, unter denen namentlich der lauernstand im Westen zu leiden habe.
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An unsere Leser
richten wir die freundliche Bitte es nicht zu übersehen, daß vor dem 1. April die Zeitrrng.bei der Post neu bestellt werden muß, wenn eine Unterbrechung nicht stattfinden soll. Nach allen Seiten hin wird die Redaktion der „Oberhessischen Zeitung" bemüht sein, den Anforderungen ihres Leserkreises stets zu entsprechen und alle politischen, provinziellen und lokalen Nachrichten so rasch als möglich mitzuteilen.
Bei der großen Verbreitung die die „Oberh. Ztg." hat, sind Anzeigen in derselben stets von wirksamem Erfolg begleitet.
Neu zugehende Abonnenten Verhalten die Zeitung mit ihren Beiblättern von jetzt ab bis, zum 1. April gratis. Exped. der Oberh. Ztg.
Der Antrag wurde indes abgelehnt und nach kurzer weiterer Debatte, in welcher der RegierungSkommistar, Generalinspektor des Katasters Gauß erklärt hatte, daß die Regierung nach wie vor den Wunsch nach einer Entlastung des Grundbesitzes hege und damit Vorgehen werde, sobald die finanziellen Mitteln dazu vorhanden, — wurde der Kommisstonsantrag vom Hause genehmigt.
Eine Petition des Kreisausschusses des Kreises Braunsberg und des Magistrats der Stadt Braunsberg um Ueber- nahme der Kosten der Unterhaltung der SchiffahrtSanlagen im Frischen Haff und im Passargestrom auf den Staat gab zu einer längeren Diskussion Veranlassung. Die Budget- kommisston beantragt, mit Rücksicht auf die vom Regierungs- Vertreter in der Kommisston abgegebene Erklärung, die Petition durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen, während Abg. Ho brecht den Antrag stellt, die Petition der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen, indem er zur Begründung desselben auSführt, daß hier unzweifelhaft ein fiskalisches Jntercffe zur Erhaltung der SchtffartSanlage vorliege. Die Abgg. vr. K o l b e r g und Büchtemaim schließen sich diesen Ausführungen an. Letzterer 'verweist auf die veränderte Grundlage der früheren Ver- hältniffe, an ver dortigen Hafenanlage sei nicht mehr die Stadt BrannSberg allein, sondern das gesamte Hinterland in gleicher Weise beteiligt, die Forderung der Stadt BraunS- berg, eine neue Grundlage für die Unterhaltung der Hafenanlage zu vereinbaren, sei daher vollauf gerechtfertigt. Abg. v. Rauchhaupt wünscht ebenfalls, daß der Staat, ohne die Rechtsfrage in den Vordergrund zu stellen, sich ent» schlöffe, eine neue Vereinbarung mit der Stadt Braunsberg zu treffen. Dagegen betonen sowohl der Abg. Kieschke als auch die Vertreter der Regierung, Geheimrat von Kügelgen und Geh. Ober-Baurat Hagen, die Rechtsfrage. Letzterer warnt davor, durch die Annahme des Antrages Hobrecht einen Präzedenzfall zu schaffen, der für den Etat von bedenklichen Folgen werden könnte. Bei Ueber- nahme der Unterhaltungspflicht auf den Staat würden sich nicht nur die Anforderungen an den Staat wesentlich erhöhen, sondern es würden auch eine große Anzahl anderer Städte gleiche Anträge stellen, und es sei zu erwarten, daß dann das Budget für Hafcnbauten sehr erheblich belastet wird.
Das Haus schließt sich indes dem Anträge des Abg. Hobrecht mit geringer Majorität an.
Von dem Rittergutsbesitzer Sch ulz-Kösternitz ist eine Petition, betreffend die Aufbringung der Schullasten, eingegangen. Die Petition geht dahin: an die Staatsregierung das Ersuchen zu richten, von der Anwendung des § 33 II. 12 des Allgemeinen Landrechts, wonach die Schullasten, so weit sie von den gutsherrlichen Insassen nicht aufgebracht werden können, von der Gutsherrschaft zu tragen seien, überhaupt, jedenfalls aber insoweit Abstand zu nehmen, Graf Beauvau empfahl. Das ist etwas anderes. Ich freue mich, einen so wackern und geschickten Mann zu sehen."
„Und ich", crwiederte der Goldschmied mit einer tiefen Verneigung, „fühle mich glücklich, Eurer kurfürstlichen Gnaden für die mir und meinen GlaubrnSgenoffcn erwiesenen Wohlthaten meinen unterthänigsten Dank abstatten zu können."
Mit der ihm eigenen Huld und HerzenSgüte erkundigte sich der Kurfürst nach den Verhältnisien der Familie und ließ sich alle Etnzelnheiten der von ihr erlittenen Verfolgungen und ihrer Flucht berichten, welche im hohen Grade seine Teilnahme und sein Mitleid zu erregen schienen. Ebenso verlangte er eine genaue Auskunft über die jetzige Lage und Aussichten de« Goldschmieds, über den Geschäftsbetrieb und di ihm aufgelragenen Arbeiten, indem er ihn wiederholt seines Schutzes und Beistandes versicherte."
„Ich wünsche nur", fügte er freundlich hinzu, „daß Ihr in Eurer neuen Heimat gedeiht und sie mit der Zeit so lieb gewinnt, wie Euer früheres Vaterland. WaS ich dazu thun kann, soll geschehen."
„Gott segne Eure Kurfürstliche Gnaden", rief der Goldschmied begeistert, „und vergelte tausendfach, waS Sie bereits an uns gethan haben und noch thun werden."
„Kurze Zeit nach diesen so glücklichen Ereignissen fuhr der Kurfürst, der unterdeffen von seinem Gichtanfall wieder genesen war, mit seiner Gemahlin durch die von dieser begründeten und nach ihr genannten Dorotheenstadt, um die daselbst entstandenen neuen Bauten zu besichtigen.
Als sie in die Nähe der seit Kurzem erst vollendeten Kirche kamen, bemerkte der Kurfürst ein kleines Haus, das ihm besonders durch seinen sorgfältig gepflegten Garten und den reichen Blumenflor ausfiel. Da er selbst ein großer Blumenfreund war, ließ er den Wagen halten und sich durch den Lakaien eikundtgen, wem der schöne Garten gehörte.
Abg. Hobrecht ist dagegen der Meinung, daß, wenn er Beschluß des Hauses etwas nützen solle, man demselben uch einen Inhalt geben müffe. Der vorliegende Kom- lisstonSantrag bringe aber nur einen allgemeinen Wunsch im Ausdruck, wie er schon ost ausgesprochen worden. Liege
Bei einem Feste', welches der Kurprinz veranstaltete. Id auch dem Kurfürsten und besonders der Kurfürstin I Dorothea, seiner zweiten Gemahlin, die schöne Arbeit auf, v daß sie sich nach den näheren Umständen erkundigten, iurg, D°bei verfehlte nicht der ebenfalls anwesende Ober-Stall- neistcr, Graf LouiS de Beauvau die Kunstfertigkeit seines ranzöstschen LandSmannS zu rühmen und dir ihm bekannten khatjachen den hohen Herrschaften mitzuteilen.
I Infolge dieser Empfehlungen erhielt der bisher unbe» _ ^hteie Goldschmied zahlreiche Aufträge und Bestellungen. - pelbft die Kurfürstin ließ ihn eines Tages nach dem Schlöffe touL^tn unb vertraute ihm einen kostbaren Schmuck an, den iOST na$ ihren Angaben neu fasten sollte.
-! Bei dieser Gelegenheit zeigte sie ihm auch die sorgsam M^ehütkten, in ihrem Zimmer verwahrtm Kronjuwelen und 681 rrdertc ihn auf, dieselben abzuschätzen. Während dieser 98* 'Mäßigung ließ sich der Kurfürst, der grade einen heftigen 1031 M'anfall hatte, auf seinem Krankenstuhl in das Gemach rollen.
Nicht wenig überrascht, in den Händen eines ihm fremden 1 gänzlich unbekannten Mannes die so kostbaren Kron- Wjen zu sehen, konnte er einen leichten Vorwurf über solche Unvorsichtigkeit nicht unterdrücken.
„Mein Gott!" sagte die Kurfürstin. „Der Herr ist 2264 t! Refugiö, ver Goldschmied Roustel —" M / .Derselbe", versetzte der Kurfürst, „der da« Tafel- —wn des Kurprinzen gearbeitet hat und den uns der
Anzeigen (nimmt entgegen; die»Sxpebition b. Blattes, sowie b. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt!«. M.; Hermann- scheBuchhanblung baselbst; Abolf Steiner i. Hamburg; Jnvalibenbank in Berlin,
Inweisung v.Trunk- llst. zu be- lerlin C..
DreSben unb Leipzig; I Barcl u. Co. in Halle; W. ThieneS in Elbrrfelb.
H Berlin, den 20. März.
• 62. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. Das
herzlicher! Präsidium wird beauftragt, Sr. Majestät demKaiser and Be- an Allerhöchst besten bevorstehendem Geburtstage die Glückes wünsche deö Hauses zu übermitteln.
lk®* Aus der Tagesordnung stehen Petitionen. — Eine An- (1193, zahl städtischer Kommunalverwaltungen bezw. Grundbesitzer- 1884 s vereine petitionieren um Revision des Gesetzes, betreffend ebrnr». die Einführung einer allgemeinen Gcbäudesteuer. Die Budget- kommisston beantragt, die Petitionen der StaatSregterung dahin zur Berücksichtigung zu überweisen, daß eine Ent- igst jedes lastung des Grund- und GebäudebesttzeS durch eine darauf [997 «richtete Vorlage möglichst bald herbeiaeführt werde.
! Die Schützlinge -es Groszen Kurfürsten.
Historische Erzählung von Max Ring.
Durch alle diese Vorgänge wurde aber der Name und e Geschicklichkeit des französischen Goldschmieds nicht nur । der ganzen Stadt, sondern auch am Hofe bekannt, da ts Tafelgeschirr allgemeines Aufsehen und die größte Be- underung erregte.
daß nicht die Gutsherrschaft für die Schulgemeinde überhaupt nach einem bestimmten Bruchteile der Klastensteuer in Anspruch genommen, sondern in jedem einzelnen Falle das Unvermögen speziell festgestellt werde, und daß endlich der Schulgemeinde zu Kösternitz ein jährlicher Staatszuschuß von mindestens 1000 Mk. gewährt werde.
Die Unterrichtökommisston beantragt: 1. Die Petition der Staatsregierung zur Berücksichtigung bei der neuen gesetzlichen Regelung der Schulunterhaltungslast zu überweisen ; 2. die königliche Staatsregierung aufzufordern, da- hm zu wirken, daß bis zum Erlaß des vorgedachten Gesetzes bei der Handhabung des § 33 U 12 Allgemeinen Landrechts seitens der Regierungen besondere Härten ver- m eben werden, und die Leistungsfähigkeit des Gutsherrn bet seiner Heranziehung auf Grund deS § 33 qu. nicht werd l e^ltch entscheidendes Moment in betracht gezogen
In der Diskussion spricht zunächst Abg. v. Zitzewitz im Sinne deS KommissionSbeschlusteS. Mit Recht müsse verlangt werden, daß in der Handhabung deS § 33 des ?eloe andere Praxis eingeführt und daß möglichst bald der § 33 selbst auf dem Wege der Gesetzgebung beseitigt werde.
Regierungskommissar Regierungsastestor v. Bremen erklärt, daß die Regierung überall bestrebt sei, auch die Hintersassen nach Maßgabe ihrer genau sestzustellenden Leistungsfähigkeit im einzelnen heranzuztehen. Große Belastungen entstehen nur dort, wo auf einzelne Güter besondere Schulen eingerichtet sind; wo aber die Güter mit den Dorfgemeinden vereinigt sind, falle auf den Gutsherrn nur ein kleiner Teil. Im übrigen sei die Regierung gern bereit, eine milde Praxis in Anwendung zu bringen. Was die Petition des Herrn Schulz betreffe, so stehe dieselbe mit der Frage der Belastung des Großgrundbesitzes an sich gar nicht in Verbindung; denn der Petent habe groß- industrielle Unternehmungen.
Abg. Dr. Langerhanö findet, daß derUeberbürdustg nur durch leistungsfähige Gemeinden, durch Gründung von Dchulgemeinfchaften werde abgeholfen werden können. Dir Gutsbesitzer dürften übrigens von der Neuregelung dieser Materie keine Erleichterung erhoffen.
Nachdem sodann noch Abg. v. Körber die Kommis» stonSbeschlüsse befürwortet, werden dieselben mit großer Majorität angenommen.
Die Lehrerkollegien deö Gymnasiums und des Realgymnasiums zu Görlitz und anderer städtischer Gymnasien der Provinzen Schlesien und Posen petitionieren um gesetzliche Regelung der WohnungSgeldzuschußfrage, eventuell um Zahlung der WohnungSgeldzuschüffe au« Staatsmitteln bis zur gesetzlichen Regelung. Die Petenten verweisen darauf, daß der Herr Kultusminister das Recht
„Dem Goldschmied Pierre Rouffel", antwortete die vor der Thüre stehende Perrette.
„DaS trifft sich ausgezeichnet", bemerkte die Kurfürstin, „da ich ohnehin wegen meines Schmuckes mit ihm reden wollte. Wenn Euer Liebden gestatten, so wollen wir den Meister rufen lassen."
„Wir können ja absteigen", versetzte der Kurfürst, „und in dem Garten warten, bis er kommt."
Zugleich gab er dem Diener den Befehl, den Gold- scbmied zu benachrichtigen, während er selbst mit der Kurfürstin in den freundlichen Garten trat, der ihm bei jedem Schritt bester gefiel und ihn immer mehr interessierte. An leichten Spalieren rankte der Wein, indem er schattige Lauben bildete, und an den Wänden de« HauseS breiteten sich Aprikosen- und Pfirstchbäume mit ihren sruchtbeladenen Besten aus.
Die zierlichen Beete waren mit Buchsbaum eingefaßt, mit bunten Aurikeln, Anemonen und Stiefmütterchen bedeckt, zwischen denen die schönsten und seltensten Rosen in allen Farben blühten, wie sie damals in der Mark nur selten oder gar nicht gesehen wurden.
Ein anderer Teil des Gartens war mit Arznetgewächsen und Küchenkräutern bepflanzt, mit wohlriechender Münze, Kreste, jungen Schoten, Endiviensalat und den in Berlin noch nicht bekannten Artischocken, welche die Auswanderer aus Frankreich mitgebracht hatten und die jetzt die höchste Aufmerksamkeit und Bewunderung des Kurfürsten erregten.
„Artischocken I" rief er überrascht. „DaS hält' ich nicht für möglich gehalten. Unser Gärtner behauptet, daß sie in unserem Sande nicht fortkommen. Da will ich gleich mich erkundigen, wie eS die Franzosen anfangen."
(Fortsetzung folgt )