XU. Jahrgang.
Marburg, Freitag, 14. März 1884.
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GchcMche jiitinig
Groß besitz ist im Westen gleichfalls viel kleiner, aber auch minder zahlreich als im Osten. In Aachen hat eine große Besitzung durchschnittlich 63,5 Hektaren FlLchenraum, in Danzig beinahe 257 Hektaren; in Aachen giebt es nur 479 solcher Besitzungen, in Danzig 1060; in Aachen beträgt die vom Großbesttz eingenommene Fläche nicht ganz 15 Prozent der gesamten nutzbaren Fläche, in Danzig dagegen 46,7 Prozent. Auch hieraus geht hervor, daß die 63,5 Hektaren im Westen durchschnittlich denselben Grundsteuer-Reinertrag bringen wie tie 257 Hektaren im Osten, mit anderen Worten, daß der Osten zwar ausgedehntere und größere Besitzungen hat, aber verhältnismäßig minder steuerkräftig und ertragsfähig ist als der Westen.
Die Gruudeigeutumsstatistik der Regierungsbezirke Aachen »ab Danzig.
Das von dem Minister für Landwirtschaft jüngst im deutschen LandwiitschastSrat angekündigte Ergebnis der Probeerhebung einer Statistik des Grundeigentums und der Gebäude in den Regierungsbezirken Danzig und Aachen liegt uns gegenwärtig vor. Mit dieser ist ein Versuch gemacht worden, aus dem statistischen Material, welches in den behufs Revision der Gebäudesteuer - Veranlagung angefertigten Gebäu^ ebeschreibungen enthalten ist, die Verteilung dcS Grundeigentums nach bestimmten Größcnver- häitnissen zu ermitteln, eine Arbeit, deren Ausdehnung auf die ganze Monarchie Vorbehalten ist. Die zur Probeerhebung gewählten Regierungsbezirke vertreten gewisiermaßen typisch den Osten und Westen der Monarchie und bieten also in den Zahlen viel wertvolles Material. Indem wir uns auf diejenigen Zahlen beschränken, welche vte Grundeigentumsstatistik enthalten, dagegen die betreffs der Gebäude außer acht lasten, teilen wir hier folgendes mit.
Im Regierungsbezirk Danzig giebt es überhaupt 44,471 Besitzungen, ländliche und städtische. Von kiesen sind im Prtvatbesitz un» mit nutzbaren Grundstücken versehen 21,150 ländliche Besitzungen, deren nutzbare Fläche 582,268 Hektaren beträgt. Diese Besitzungen lasten sich in verschiedene Kategorien einteilen, nach dem Grundsteuer- Reinertrag und nach der Fläche. In dieser Probeerhebung ist nach dem Beschluß der statistischen Zentral-Kommisston unterschieden, statt nach spannfähigen, mittleren Besitzungen uns Rittergütern, zwischen selbständigen und unselbständigen (im Sinne der Grundsätze für die Gebäudesteuerveran- logung). Von den genannten 21,150 Besitzungen giebt eS 13,060 unselbständige, d.h. solche, welche einen Grundsteuer-Reinertrag von weniger als 30 Thalern, in Elbing- Niederung, Marienburg uns Danzig-Niederung von weniger als 50 Thalern Reinertrag haben. Hiermit ist also im vulgären Sprachgebrauch der Kl ei »besitz gemeint, der im Regierungsbezirk Danzig eine nutzbare Fläche von 74,797 Hektaren — von im ganzen 582,268 Hektaren, also etwa 13 pCt. — einnimmt; im Durchschnitt entfallen auf eine unselbständige Besitzung etwa 6 Hektaren. An selbständigen Besitzungen giebt eS 8090 Besitzungen mit 507,268 Hektaren. Von diesen haben ü b e r 500 Thlr. Grundsteuerreincrtrag —die Grenze, welche für denGroß- grunobesitz zu ziehen ist, während man früher die Besitzungen nach Rittergütern unterschied —1060 mit 272,242 Hektaren, d. h. also die Fläche dieser größeren Besitzungen beträgt 46,7 pCt. der gesammten nutzbaren Fläche, und eine größere Besitzung hat im Durchschnitt beinahe 257 Hekt. Für den Mittelbesttz, d.h. an selbständigen Besitzungen unter 500 Thaler Grundsteuer-Reinertrag, bleiben
22 Die Schützlinge des Große« Kurfürste«.
Historische Erzählung von Max Ring.
Ebenso half er den Fremden bei ihrem Umzug und der Einrichtung ihrer Wohnung, indem er mit Hilfe seiner gutmütigen Tante und der Base für den nötigen HauSrat sorgte, die Handwerker und Krämer antrieb, alle« zur rechten Zeit herbeizuschaffen und einen solchen Eifer zeigte, als ob es sich um seine eigene Niederlaffung handelte.
Immer von neuem bewunderte die Familie Roussel, ganz besonder« aber die holde Gabrielle die Unermüdlichkeit, Anstelligkeit und die Kraft deS jungen Mannes, ohne welchen sie nicht so gut und so schnell fertig geworben wären. Es war aber auch eine Freude, ihm zuzusehen, wenn er mit seinen starken Armen den schwersten Tisch wie einen Federball in die Höhe hob, die großen Eichenschränke zusammenrückte und mit Leichtigkeit die Arbeit von drei Männern verrichtete.
Ihm dagegen gefielm an den französischen Flüchtlingen die Anmut und der feine Geschmack, die guten Manieren und Formen, welche er im Stillen mit dem plumpen Benehmen und dem steifen schwerfälligen Wesen seiner deutschen Lanksleute und seiner eigenen Verwandten verglich. Vor allem aber entzückte ihn Gabrielle durch ihren Takt, ihre Grazie und ein angeborenes Schönheitsgefühl.
Sie wußte nicht nur immer ihren Gedanken den paffendsten Ausdruck zu geben, sondern auch der unbedeutendsten Beschäftigung, der gewöhnlichsten Arbeit einen eigenen Reiz zu verleihen, j dem Stück in der Wtrthschaft den richtigen Platz anzuwetsen und durch eine unscheinbare Zuthat eine überraschende Wirkung hervorzubringen, durch ein buntes Band, eine kleine Schleife ihren bescheideum Anzug zu
also 7030 Besitzungen mit 235,026 Hektaren — also 40,3 pCt. der gesamten Fläche — übrig, von denen eine im Durchschnitt 33,4 Hektar beträgt.
Ganz anders gestalten sich die Verhältniffe im Re- gierungsbcziik Aachen Hier giebt eS überhaupt 82804 Besttzungen, ländliche wie städtische. Hiervon sind im Privatbesitz befindliche ländliche Besitzungen mit nutzbarem Grundstück 44232, welche eine nutzbare Fläche von 197580 Hektaren umsaffeu — im Vergleich zu Danzig also mehr als noch einmal soviel ländliche Besitzungen mit beinahe dem dritten Teil des Flächenraums, der auf die Danziger Besitzungen fällt. Von diesen 44232 Besitzungen sind 36066 unselbständig, d. h. mit 30, in einigen Gegenden mit 50, ja auch — wie in Jülich — mit 80 Thalern Grundsteuer-Reinertrag; diese haben nur 77 739 Hektaren nutzbaren FlLchenraum, im Durchschnitt also kommt auf eine unselbständige Besitzung in Aachen etwas mehr als 2 Hektaren, während in Danzig beinahe 6 Hektaren kommen. Dagegen beträgt der von den unselbständigen Besitzungen, also von dem Kl et »besitz eingenommene Flächenraum 39,3 Prozent — in Danzig nur 13 Prozent — des gesamten 197580 Hektaren betragenden Flächenraums. An selbständigen Besitzungen giebt eS 8166 mit 119 841 Hektaren. Von diesen haben über 500 Thaler Grundsteuer Reinertrag — gehören also zu den größeren Besitzungen — 479 mit einem Flächenraum von 30447 H klaren, also nicht ganz 15 Prozent, während der Großgrundbesitz in Danzig 46,7 Prozent der Fläche inne hat. Im Durchschnit beträgt eine große Besitzung 63,5 Hektaren. Für den Mittelbesitz, v. h. an selbständigen Besitzungen unter 500 Thaler Grundsteuer- Reinertrag, bleiben also 7687 Besitzungen mit 89393 Hektaren — also 45 Prozent der gesamten nutzbaren Fläche — übrig.
Die Unterschiede und Aehnlichkeiten fallen in die Augen und sind schon angedeutet. Der Mittelbesitz ist der Zahl nach in beiden Regierungsbezirken ziemlich gleichmäßig vertreten, in Danzig 7030, in Aachen 7687 mittlere Besttzungen; sein Verhältnis zu der gesamten nutzbaren Fläche ist auch ziemlich gleich, kort 40 3 Prozent, hier 45 Prozent; aber im Durchschnitt beträgt eine mittlere Besitzung in Danzig 33,4 Hektaren, in Aachen nur 11,6 Hektaren; ihre GlciLh.it besteht darin, daß diese 11,6 Hektaren durchschnittlich denselben (unter 500 Thalern betragenden) Grundsteuer Reinertrag geben wie die 33,4 Hektaren im Osten. Der Kleinbesitz ist im Westen viel kleiner und bedeutend zahlreicher als im Osten; dort beträgt er etwa 2 Hektaren, hier beinahe 6; dort — in Aachen — ist seine Zahl 36 066, hier — in Danzig — 13060; dort nimmt er 39,3 Trozent des nutzbaren FlächenraumS ein, in Danzig nur 13 Prozent. Der heben nnd durch einen verschoffenen Teppich, eine alte Decke, die kahlen Wände zu schmücken.
Mehr als alles schätzte Hans an ihr die echt französische Leichtigkeit, mit der st: sich in die neuen, ungewohnten Verhältnisse zu schicken wußte, die Gedulo, womit sie die unvermeidlichen Unannehmlichkeiten ihrer Lage ertrug und den heiteren Sian, den sie sich zu allen Zeiten bewahrte.
Unter solchen Umständen rückten beide sich immer näher und befreundeten sie sich immer mehr mit einander. Wenn Hans auf der obersten Sproße der hohen Leiter stand, um einen Nagel in die Wand zu schlagen oder einen Haken zu befestigen, hielt Gabrielle ängstlich die Leiter mit beiden Händen fest, damit er nicht herunter fiele; und wenn sie in dem Garten mit der treuen Perrette Pflanzen einfctzte, stand er mit der Gießkanne daneben, um die Erde z i benetzen, oder half er Gabrielle beim Oculieren der jungen Bäume.
„Ich weiß wirklich nicht", sagte Gabrielle bei einer solchen Gelegenheit, „rote ich Euch für alles danken soll, wa» Ihr an uns gethan habt."
„Das habt Ihr nicht nötig', erwiderte Hans, „da ich mehr Euch schulde, als Ihr mir."
„Wollt Ihr mir nicht sagen, wofür?
„Dafür, daß Ihr mein Wiffen und meine Kenntnisse bereichert, mich nicht auslacht, wenn ich schlecht französisch spreche und Nachsicht mit meiner mangelhaften Bildung habt. Damm wollte ich Euch schon längst bitten, meine Lehrmeisterin zu werden und mich i» Eurer Muttersprache zu unterrichten, damit ich mich bester darin auszudrücken lerne, als ich bisher ve mag."
Da« will ich gern thun", versetzte Gabrielle freundlich, „unter der Bedingung, daß Ihr mich das Deutsche lehrt, von dem ich noch weniger verstehe, als Ihr vom Französischen,
Reichstag.
Berlin, den 12. März.
Der R e i ch t a g beschäftigte sich heute in seiner 3. Sitzung zunächst mit Rechnungssachen. Eine kurze Debatte knüpfte sich an die allgemeine Rechnung über den Reichshaushalt pro 1880/81, indem Abg. Rickert sein Bedauern über den fortbestehenden Mangel des seit langem in Aussicht gestellten Gesetzes über die Einnahmen und Ausgaben (Komptabilitäts- gesetz) aussprach. Zugleich fragt er au, ob das Regulativ über die Dienstwohnungen bald zu erwarte» stehe. Bezüglich der Etatsüberschreitungen aber hält er dafür, daß wenn dieselben auch materiell begründet seien, vom Hause doch Indemnität ober nachträgliche Genehmigung gefordert werben müsse, da bie Justifizierung durch Allerhöchste Kabinettsorbre nicht genügen könne. — Geh. Kriegsrat Gabow motivierte das bisherige Verfahren und hoffte, baß in der Kommission über bie staatsrechtliche Leite ber Frage eine Verständigung werde herbeigeführt werden. Direktor im Reichsschatzamt Aschenborn stellte die Vorlage eines Regulativs bezüglich der Dienstwohnungeu in Aussicht. — Die RechnungL - Vorlagen wurden demnächst mit Ausnahme der Uebcrsicht über die Einnahmen und Ausgaben des Jahres 1882/83, welche an die Budget - Kommissto» ging, der Rechnungs-Kommissto» zur Vorberatung überwiesen. — Die Uebereinkunft mit Luxemburg wegen gegenseitiger Zulassung der an der Grenze wohnenden Medizinal- personen zur Ausübung bet Praxis gelangte in erster und zweiter Lesung debattelos zur Annahme. — Den letzten Geg'nstand der Tagesordnung bildete ber Gesetzentwurf, betreffend den Feingehalt der Gold- und Silberwaren. In der längeren Diskussion erklärten sich fast sämtliche Redner mit rem Prtnzipe des Gesetzes einverstanden, selbst bet Abgeordnete Bamberger, welcher bei der ersten Einbringung bet Vorlage im Jahre 1878 einen gegnerischen Standpunkt vertrat, ist inzwischen von demselben zurückgetreten. Dagegen war man allseitig der Meinung, daß ber Gegenstanb einer gründlichen Prüfung bedürfe, unb daß eine kommst, so notwendig ich dasselbe auch brauche. Auf diese Weise wirb uns beiben geholfen sein."
Damit war Hans um so mehr einverstanbm, als er eines Vorwandes bedurfte, um seine häufigen Besuche zu entschuldigen, nachdem bie Familie Roussel schon längst in ber neuen Wohnung eingerichtet war und seiner Hilfe nicht mehr bedurfte. Als et das zwischen ihm und Gabrielle getroffene Uebeteinkommen seiner Base Agnes mitteilte, zeigte auch diese eine unerwartete Lust, an dem französischen Unterricht teil zu nehmen; obgleich ber würbige Zunftmeister von ber wälschen Sprache nichts wiffen wollte, vermochte er schließlich, wie gewöhnlich, bett Bitten seiner Tochter nicht zu widerstehen und gab nach.
Merkwürdigerweise interessierte sich auch Raoul für die deutsche Sprache, deren Kenntnis er für seine Praxis unumgänglich nötig hielt, so daß sämtliche jüngeren Mitglieder der beiden Famllien sich an dem gegenseitigen Unterricht beteiligten unb einen so außerordentlichen Eifer entwickelten, daß sie um keinen Preis bie dafür bestimmten Stunden versäumten.
Da wurde denn fleißig dekliniert und konjugiert, französisch parliert und deutsch geradebrecht, wobei es nicht an Scherz und Lochen fehlte, wenn Einer ein Wort falsch gebrauchte, die Artikel verwechselte ober mit ben Substantiven unb Zeitwörtern sich allzu große Freiheiten erlaubte.
Diese Stunden, welche abwechselnd in dem Garten der französischen Flüchtlinge ober in dem Hause bes Zunftmeisters am Mühlendamm abgehalten wurcen, waren für vie Beteiligten ebenso lehrreich wie angenehm, besonders als bie jungen Leute mit der Zeil so weit fortgeschritten waren, um sich nicht nur unter einander zu verstehen, sondern auch einen ober den anderen Schriftsteller zu lesen.
(Fortsetzung folgt.)
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a M, Hamburg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Mofse in Frankfurt 0 M., Berlin, München und «bin; G L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
Anzeigen nimmt entgegen: die^Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jügersche Buchhandlung in Frankfurt!«. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i.Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis ,für das Quartal mit b« «»$«.««*« Beilage; ^“UftrtrteS bürg o
Buchdruckerei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg (erd. Bestellgebühr.) -Jnser . nsgebahr für bie gespaltene Zeile 10 Psg.
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet
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