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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a M , Ham­burg, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München und Mn; G L. Daube und Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Pari-.

Marburg, Donnerstag, 13. März 1884.

XU. Jahrgang.

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Anzeigen nimmt entgegen: die.Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Franksurt,a. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Invalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thiene- in Elberfeld.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis Mr das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2'/. «art, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertronsgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg berechnet

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Nochmals die neueste Partei.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß eine ungeheure R'klcime für die neuedeutsche freisinnige Partei" vor­bereitet wird. In den nächsten Wochen werden wir den ganzen Preß- und Versammlungsapparat in Tbätigkfit sehen, über den die bisher äußerlich getrennten Parteien zu verfügen haben, und ein jeder weiß, daß das nicht wenig ist. Wenn wir also auch dabei bleiben, daß daS geistige Machtgebiet des Liberalismus durch diese mechanischen Mittel nicht erweitert werden kann, daß von einer ideellen Propaganda somit auch keine Rede sein wird, so wisien wtc die Leistungsfähigkeit einer auf der »Höhe der Zeit" stehenden politischen Technik doch hinlänglich zu würdigen, um die Tragweite dcS Kommenden in keiner Weise zu unterschätzen. Auch durch die Fehler im einzelnen, welche wir der reuen Partei schon heute nachweisen können siehe Rick rt in derLaSkerfrage" werden wir uns dazu nicht verleiten lasten. Bet so großen Verhältnisten, wie die, mit denen wir es hier zu thun haben, gilt eS auss Ganze sehen, sich nicht an Untergeordnetes klammern. Unter demGanzen" aber ist zunächst di-Wahlagitations- Maschinerie zu verstehen, welche ohne Zweifel nach ebenso einheitlichen Gesichtspunkten geleitet werden wird, als ihr bedeutende Mittel an Geld und an Einfluß aller Art sicher zur Verfügung stehen. Darauf also kann eS von unserem Standpunkt jetzt nicht ankommen, ob wir dem Gegner im Parlamente diese oder jene Schlappe beibringen, sondern das wesentlichste ist, daß wir ihrer Organisation außerhalb des Parlaments eine ähnliche thatkräftige Leitung entgegensetzen, während wir in demselben dafür sorgen, daß sie kein Schlagwort ausgeben können, welches der Be­wegung ihr eigentliches Leben giebt.

' Bis jetzt fehlt es daran, und diesen Mangel vermag alle Kunst der Technik nicht zu ersetzen. Phrasenhafte Be­hauptungen zwar lasten sich schon heute reichlich vernehmen; damit allein ist jedoch nichts auSgerichtet, so lange nicht greifbare Thatsachen vorliegen, die von niemand wegge- lcugnet werden können.

Eine solche Thatsachc glaubten die Gegner z. B. in der Stellung der Konservativen zur Jagdordnung gefunden zu haben. Der Verlaus der Dinge im preußischen Ab­geordnetenhause hat ihnen aber gezeigt, daß daS ein Irr­tum war, daß die Konservativen sich nicht zu der anti­sozialen Austastung bekennen, auS der sich allerdings viel Kapital hätte schlagen lasten. Noch weniger kann aus der Behandlung der Steuer frage gemacht werden, die in der gegnerischen Agitation denn auch durchaus keine Rolle spielt. Auch unsere Stellung zum Sozialistengesetz ist unangreif­bar ; wenn wir einer kurz bemessenen Verlängerung jetzt zustimmen, so wird auch die große Mehrzahl der Bevöl­kerung damit einverstanden sein. Dafür sorgen die unaus­gesetzten Enthüllungen aus dem Lager der Anarchisten, die

2i Die Schützlinge des Große« Kurfürst««.

Historische Erzählung von Max Ring.

In d(M treulichen Gemach, in welchem der große braune Kachelofen eine gemütliche Wärme verbreitete, fehlte es nicht an blanken zinnnernen und kupfernen Schüsteln, an silbernen selbst goldenen Prunkstücken, Bechern und Schalen, an chinesischem Porzellan und Delfter Vasen, die mehr für die Wohlhabenheit als für den Geschmack der Bewohner ein Zeugnis ablegten.

Herr Gottlieb Lieberkühn, ein breiter, untersetzter Mann mit rotem Gesicht begrüßte seine Gäste, deren Besuch ihm Hans angekündigt hatte, mit einer steifen würdevollen Neigung seines Haupte« und lud sie mit einer herablasten­den Bewegung seiner fetten Hand zum Sitzen ein. Seine Gattin Ursula, eine stattliche Matrone mit gutmütigen Lügen schien mehr verlegen als erfreut von der Ankunft der Fremden, obgleich sie dieselben mit märkischer Gast­freundschaft aufnahm und fortwährend zum Esten und Trinken dcS reichlich aufgetragencn Imbisse« nötigte.

Einen um so angenehmeren Eindruck machte die Tochter des Hauscs, die schöne Agnes eine schlanke Jungfrau mit rosigen Wangen, blauen Augen und goldblonden Haaren, welche wie ein Kranz die marmorweiße, nur etwas zu hohe irb stark gewölbte Stirn umgaben. Um den roten, feinen, aber energischen Mund spielte ein anmutiges Lächeln, daS den Ernst dcS länglichen edlen Gesichtes milderte.

Wie sie so stltig, mit niedergeschlagenen Augen den Wein kredenzte, erschien sie dem für Frauenschönheit sonst wenig empfänglichen Raoul wie die fromme Rahel am Brunnen, als sie dem durstenden Elieser den Krug reichte und ihn mit frischem Trunk labte. Gern hätte er ihr gr-

offenbar auch in Deuschland Boden gewinnen, wenn eS damit im Vergleich zu andern Ländern auch nur langsam vorwärts gehen mag.

Genug, der Boden, auf dem wir den Kampf aufnehmen müstcn, ist für uns nicht schlecht gewählt. Sorgen wir dafür, daß dieser Vorteil durch unrichtige Benutzung nicht verloren geht.

Die englische« Radikale« und Deutschland.

DieKölnische Zeitung" bringt hierüber einen Artikel, der, wennschon er viele gute Lehren für unsere sogenannten Liberalen und Manchesterleute enthält, trotzdem von den Hiuptorgancn des Manchestertums unbeachtet geblieben ist. Es empfiehlt sich jedoch, da dieser Artikel in einem Blatt, w lches der Wirtschaftspolitik der Regierung auf so vielen Punkten entgegensteht, und dessen liberale Traditionen wohl selbst von den Organen des Fortschritts und der Sezession nicht verdächtigt werden können, um weil derselbe ruhig und sachlich darstellt, wohin daS Manchestertum in Cobdenö und John Brights eigenem Vaterlande geführt hat und Deutschland führen würde, wenn man eS hier ruhig ge­währen ließe, ihn nochmals zum Abdruck zu bringen. Der Artikel lautet in seinen wesentlichen Stellen wie folgt:

Vergleicht man die verhältnismäßige Gleichgültigkeit, die England der Einbringung der neuen Reformvorlage ent­gegenbrachte, mit der Aufregung, welche die jüngste Ent­wickelung der egyptisch-sudanestschen Schwierigkeiten erzeugte, so ist die Frage erlaubt, ob die Quäkerpolitik des Man­chestertums wirklich noch die liberale Mehrheit für sich hat; ob nicht vielmehr die Theorie, daß England den Händeln der Welt teilnahmloS zuschauen könne, bei den jüngsten Er- kignissen Schiffbruch gelitten hat.

ES geht ein anderer Wind im englischen Volke. Das Veiständnis für das frühere liberale Quäkertum wird sel­tener, die Anhänger desselben schwinden von Jahr zu Jahr. Die Grundlagen der Weltanschauung haben sich geändert. Jenes alte Geschlecht wuchs heran unter dem Baume des Freihandels und des Cvbdenklubs; es glaubte an den stt- tigeneen Einfluß des ungehemmten Austausches aller Be- dürfniSgegenstände, an daS Aufhören aller Kriege und die allgemeine Verbrüderung der Menschheit auf Grün läge billigerer Einfuhr und steigender Produktion. Von diesen Hoffnungen bat sich keine erfüllt. Die Zunahme des Nationalwohlstandes, welche der Freihandel als sein Werk betrachtet, wird von anderen Nationen, vielleicht mit ebenso viel Recht, den Fortschritten der angewandten Wistenschaften und den verbesterten Verkehrsmitteln zugcschrieben. Die beiden großen Republiken» an welche daS Evangelium des Freihandels besonders gerichtet war, Frankreich und Amerika, sträuben sich dagegen und erwidern die englischen kom­merziellen Liebeserklärungen mit Zollschranken. An Kriegen fehlt eS nicht; das liberale England selbst entging einem dankt, aber da sie ihn nicht verstand, begnügte er sich damit, sie freundlich anzusehen und ihr znzuuickcn, worüber sie lieblich errötete.

Die Kosten der Unterhaltung mußte allein HanS tragen, der, so gut wie er konnte, zwischen seinen deutschen Ver­wandten und den französischen Flüchtlingen ein Gespräch vermittelte und sich der Mühe unterzog, eine leidliche Ver­ständigung zwischen Beiden herbeizusuhren.

Seinen Bemühungen gelang es auch, ein ernste« Zerwürfnis abzuwendcn, als der französische Goldschmied trotz aller Warnungen bei der Verhandlung wegen seiner Niederlassung erklärte, daß er laut der Verordnung de« Kurfürsten nicht gezwungen werden könne, der Innung bei­zutreten und sich den herkömmlichen Gesetzen zu unter­werfen, was er für eine erniedrigende Beschränkung hielt, da er abgesehen ton der ihm zugesicherten Befreiung von jedem Zunftzwang, kein gewöhnlicher Handwerker sondern ein wirklicher Künstler sei.

Dagegen wollte Herr Lieberkühn von einer so uner­hörten und gefährlichen Neuerung, von der er den Unter­gang des Gewerbes und aller Zucht und bürgerlichen Ordnung befürchtete nichts wissen. Zugleich vermaß er sich hoch und teuer, solch eine Verletzung der guten allen Einrichtungen nicht ruhig zu dulden, sondern im Namen der Innung dagegen zu protestieren und dem Kurfürsten wegen sothaner Ungerechtigkeit und Benachteiligung der LandeSkinder ernste Vorstellungen zu machen.

Glaube nur", versetzte HanS,daß eS nicht viel nützen wird, so wenig wie eS den Zünften geholfen hat, als sie sich wegen des Befehl« beschwerten, die so lange für un­ehrlich gehaltenen Wenden und Kinder der Weber zur Innung zuzulasten. Auch die Stände hat der Herr Kurfürst

solchen mit dem französischen Nachbar nur durch eine be­deutende Einbuße seiner internationalen Ehre. Die Ver­brüderung der M nschheit erscheint ferner als zuvor. Einen zeitweiligen Triumpf feierte die Manchesterpartei in der Herstellung besserer Beziehungen zu Frankreich und Nord­amerika. Der alte Haß der Franzosen gegen das treulose Albion, der sich aus den napoleonischen Kriegen herschrieb, ist verschwunden, und in den Vereinigten Staaten denkt niemand mehr an den Uebermut des Mutterlandes, welche- die amerikanische Tochter zur Tilgung der englischen Schuld heranziehen wollte und im letzten Kriege auf Seiten der südlichen Sklavenhalter stand. Aber wie unwürdig haben sich beide Republiken ihrem Wesen nach der hohen Achtung bewiesen, die ihnen der Cobdcnklub zollte!

In beiden Repliken spielt das Auswärtige Amt eine traurige Rolle. Amerika läßt sein Heer und seine Flotte in einer für ein großes Land schimpflichen Weise verfallen. Frankreich dagegen opfert ihrer unnatürlichen Vergrößerung seinen Wohlstand und die Ausbildung seiner republikanischen Einrichtungen. In keiner Weise entsprechen somit die bei­den Schooßkinder der Manchestcrmänner den gehegten Er­wartungen. Daß Amerika zudem noch die Apostel der Dynamitwissenschaft ungestört bei sich schalten und walten läßt, wird ihm nicht einmal allgemein verübelt, weil es ans die Dauer mehr von den Iren zu leiden haben wird, als Großbritannien selbst.

Bekanntlich war Rußland daS dritte Schooßkind der Kobdenisten. Es nahm im Sklavenkriege für den Norden Partei und spielte die Poste der Menschenliebe mit solcher Meisterschaft, daß man ihm einen Ebrenposten unter den Vorkämpfern der Gesittung zuwies. Alexander II. ver­stand eS, diesen Eindruck durch seine persönliche Liebens­würdigkeit zu verstärken, und so verblendet waren Glad- stone und seine kurzsichtigen Anhänger, daß sie ihm die Befreiung der Südslawen vom türkischen Joche ohne Hinter­gedanken zumuteten. Der Pferdefuß der russischen Politik trat schon durch den Vorfrieden von San Stefano zu Tage; doch war es der Besetzung von Merw Vorbehalten, die Herren Gladstone, Bright, Dilke und Chamberlain über die wahren Absichten der russischen Diplomatie aufzuklären. Dilke gestand die Enttäuschung öffentlich auch jetzt noch nicht ein; aber um so lauter verkünden sie die auserkorenen Blätter der radikalen Partei.

Damit aber ist die Enttäuschung der Manchestermänner noch nicht erschöpft. So wohlwollend sie Frankreich, Amerika und Rußland behandeln, so verächtlich schauten sie auf Deutschland und Oesterreich herab. Seinen Gefühlen gegen Oesterreich hat bekanntlich Gladstone zur Zeit seiner Amts- lostgkeit unverhohlenen Ausdruck verliehen. Gegen Deutsch­land war man vorsichtiger; jedoch ließen die radikalen Blätter bei jeder Gelegenheit durchblicken, daß es ein despotisch regierter Militärstaat sei, eine Last für seine

abschlägig mit ihrer Klage über die Aufnahme der Juden beschieden. Darum fürchte ich, daß Du Dir nur den Mund verbrennen und einen ungnädigen Bescheid zuziehen wirst, weshalb ich Dir raten möchte, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und Fünfe grade sein zu lasten, zumal die französischen Auswanderer und besonders die Famllie Roussel mir geschickte und tüchtige Leute zu sein scheinen, wenn sie auch nicht zu unserer Innung gehören wollen. Außervem darfst Du nicht vergessen, daß sie um ihres (Glaubens willen die schwersten Verfolgungen erlitten haben und daher Anspruch auf unsere Nachsicht und unseren Beistand machen dürfen."

In solcher Weise suchte der eben so gute al« kluge HanS den aufsteigcnden Zorn und die Empfindlichkeit des auf seine Würde eifersüchligen Zunftmeisters zu beschwich­tigen, obgleich derselbe nach wie vor fest entschlosten war, den Gerechtsamen der Innung nichts zu vergeben und sich deshalb bei dem Kurfürsten zu beschweren.

Das hielt ihn jedoch nicht ab, den Flüchtlingen mit Rat und Thal beizustehn, und ihnen, da sie wegen eine« pasten en Unterkommens in Verlegenheit waren, sein eben fertig gewordene« Haus in der neu entstandenen Dorotheen- stadt mit dem dazu gehörigen Garten für einen billigen Preis zur Miete zu überlasten.

So schieden die beiden Familien im besten Einvernehmen und Frieden trotz der Ungleichheit ihrer Sprachen, Sitten und Lebensanschauungen, was hauptsächlich dem Verdienst des modern HanS zuzuschreiben war, der die fremden Ele­mente und schroffen Gegensätze wie ein geborener Diplomat mit bewunderungswürdigem Geschick auszugleichen und mit einander zu versöhnen wußte. (Fortsetzung folgt )