. ^ayrgang.
Markurg, Mittwoch, 12. März 1884.
r. 61
OnlieWe jfitiino
»«.eigen nimmt entgegen: Kie Expedition d. Blattes, <«mie d Ännoncen-Bureaux von Haasenstem und Vogler Frankfurt a M , Ham- La, Magdeburg u.Wien; Rudolf Masse in Frankfurt a M.,Berlin, München und adln- G L. Daube und Co. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover u. Paris.
Anzeigen nimmt entgegen: die^Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in FrankfurtsaM; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i.Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis |füt das Quartal mit der wöchentlicher deilage ,, Muf^irteS «unntagSblatt durch ^g^bdition (Koch sche Ö W Buchdruckerei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (erd- »Ä“’’V»?«fHS “ ö
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden Za Pfg
Uf
Salb. ।
Vor. tanzen, l
d ander.
lrz 1883. «a««.
«T kiirz et., will btt rivatwch nd einig, tenb bet« rrz 1884. häusct.
-fische, Stück,
l ■
hle
auf dem [1021
). 60 Pf. [1022
w, koth-«. emachtk rbelure.
he 3.
eien
Mpfiehlt Kein.
einer, 13
[rt, mit er sorg-! stellung,1 stolireu g reeller
[72
h meine Wege
Baron oh ent« me und he Mit- ranlaßt
1884. aal.
Äaf:3l J4.
siina. Stamm'
gesagt, ert.
Deutscher Reich.
Berlin, 10. März. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Amerikanische Blätter, welche sich über die amtliche Form
Zurückjendung der von dem Repräsentanten Ochiltree angeregten Resolution beschweren, vergrößern die Anteze- dentien des Vorgangs. Kurz vorher sei die Bill auf Ergreifung von Repressalien in der Schweineeinfuhr-Angelegen- heil bet dem Repräsentantenhause eingebracht worden, die einen unverkennbar feindlichen Charakter getragen habe. Der amerikanische Gesandte Sargent aber habe der deutschen Neuerung gegenüber durch seine Haltung hier und durch seine journalistische Thätigkeit in Amerika eine eigentümliche Stellung eingenommen. Wenn Sargent die üblichen Vertrauensbeziehungen wie seine Vorgänger angeknüpft hätte, so würde ihn das Auswärtige Amt vertraulich darauf aufmerksam gemacht haben, daß sich der Reichskanzler nicht zum Organ der Anerkennung für die gegen ihn gerichtete OppofitionSpolitik machen könne und würde. Sargent »Dürre somit anheim gestellt worden sein, ob er nicht in Washington auf diesen Gesichtspunkt Hinweisen wolle, bevor er die amtliche Behandlung seiner Mitteilung ver- langte. Die Ausnahmestellung, welche Sargent im Gegensätze zu allen seinen Kollegen im diplomatischen Korps gewählt, habe diesen vertraulichen Weg verschlosien und denjenigen bedingt, der dem internationalen Herkommen entspreche, so daß die Rücksendung der Resolution nur durch Vermittelung des deutschen Gesandten in Washington erfolgen konnte. — Die Kommission für daS Kommunal- notstcuergefetz nahm mit 10 gegen 9 Stimmen einen von dem Abg. Zelle beantragten neuen Paragraphen an, welcher den Höchstbetrag der Hundesteuer für die zur Hundesteuer- Erhebung berechtigten Städte aus 20 Mark festsetzt. Die Gegner des Antrages kündigten für die zweite Lesung die Aufnahme des ganzen Hundesteuergesetzes in die Vorlage an. — Die Steuerkommisston hat bei der Veranlagung der Kapitalrentensteuer daS Rechtsmittel der Remonstration, welches der Regierungsentwurf beseitigt hatte, einstimmig wtederhergestellt. Dies geschah in der Form, daß zu dem 8 26 folgender Zusatz gemacht wurde: „In dieser Zuschrift ist dem Steuerpflichtigen zu eröffnen, daß ihm gegen die Veranlagung binnen einer Präklusivfrist von 14 Tagen die bei dem Vorsitzenden der Veranlagungs - Kommission einzureichende Remonstration zustehe." Außerdem wurde folgender § 26a eingeschoben: „dem Remonstranten steht es frei, zur Rechtfertigung der Remonstration nach seiner Wahl entweder durch fchristliche oder mündliche Verhandlungen, persönlich oder durch Vermittelung von höchstens drei Vertrauensmännern oder durch andere Beweismittel der Kommission die erforderliche Ueberzeugung von der angeblichen Ueberbürdung durch die erfolgte Abschätzung zu verschaffen. Hebet die Remonstration beschließt die Verwendungskom-
........
20 Die Schützlinge des Grotze« Kurfürsten.
Historische Erzählung von Max Ring.
Nachdem sich ihr Begleiter vor der Thür der Herberge »um Hirschen" verabschiedet hatte, begab sich die Familie, von der langen, anstrengenden Reise ermüdet, sogleich zur Rübe, nicht ohne vorher des freundlichen jungen ManneS mit gebührender Anerkennung zu gedenken, der unter feinen rohen Landsleuten eine rühmliche Ausnahme durch feine nächstm°'Morgen"kam HanS Lieberkühn zur bestimmten Stunde, um sich nach dem Befinden zu »k -ndig-n und die verabredete Wanderung durch die Stadt mit ihr anzutreten. Auf dem Wege unterließ er nicht, die Fremden au die fehenswürdigsten Gebäude und Anlagen aufmerksam zu machen und dabei ganz besonders die Verdienste des großen Kurfürsten um die Verschönerung und Vergrößerung °°" *
ta '»>>« ZE
nnb addfaffcn hat. Als er vor einigen vierzig Zähren rur Regierung gelangte, «ar die Stadt durch die Verwüstungen deS dreißigjährigen Krieges und allerlei pefttlenzialifchen Krankheiten so h^unterg^ommen, daß sie nur noch sechstausend Bewohner zählte. Die Häuser waren verwüstet und das groß- Schloß verfallen, ta d-n Straßen lief das Vieh herum und der Schmutz stand berghoch. Handel und Gewerbe lagen tief danieder und überall henschte NN und Elend. Wie durch ein Wunder erhob sich auf tp:n ßutwtfa aus Schutt und Trümmern eine neue Stadt,
»«&<»S-2-h°-i°dlschm Baumrtstrr otrtoanoelttn ba< Derfaöuie Schl-b *n bm
Mission, falls aber der Vorsitzende derselben Berufung gegen ihren Beschluß einlegt, die Berufungökommisston." Es wurden ferner die Abschnitte von der Berufung und dem Kaffationsrekurs verhandelt. Der erstere wurde ohne erhebliche Diskussion angenommen; dagegen hat zu dem Kaffatio-Srekurs der Abg. Büchtemann den Antrag gestellt, die Entscheidung nicht in die Hände deS Finanzministers, sondern eines neu zu errichtenden Finanzhofes zu legen. Dieser Antrag wird abgelehnt, dagegen ein Amendement von Quast angenommen, wonach cer Finanzminister, wenn er den KassationSrekurS für begründet erachtet, die Sache zur Entscheidung an die BerufungS - Kommission zurückweist, welche die von dem Finanzminister ausgesprochenen Rechtsgrundsätze zu Grunde legen muß.— Wie das.Berl.Tbl." hört, beschloß die deutsche freisinnige Partei, morgen den Minister deS Innern darüber zu interpellieren, welche Vorkehrungen in Neustettin getroffen waren, um Unruhen zu verhüten, und was der Minister zu thun gedenke, um der Wiederholung solcher Vorkomm- niffe vorzubeugen. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt über die Deutsche freisinnige Partei: Die Verschmelzung, heißt eS darin, beweise, daß die bisherige Trennung auf Unwahrheit beruhte. Beide Parteien seien anti-monarchisch. Die Versicherung loyaler Gesinnung sei nur Mittel zum Zweck, da die Republikaner deS NamenS deS Kaisers oder Königs bedürften, um auf das monarchisch gesinnte Volk Einfluß zu gewinnen. Die im Programm ausgestellte Entwickelung eines wahrhaft konstitutionellen Lebens stehe im flagrantesten Widerspruch mit der Treue gegen die Reichsverfaffung. Die Herstellung eines verantwortlichen Reichsministeriums .bedeute die Abschaffung des BundeS- ratS. Rickert habe seine Verfassungstreue gleich dadurch bewiesen, daß er in den Prärogativen deS Kaisers bezüglich der auswärtigen Politik einzugreifen und direkte Fühlung deS Reichstags mit dem amerikanischen Repräfentanten- hause herzustellen versuchte. Mit ihrer Stellungnahme gegen den Armeeseptenat habe sich die neue Fraktion ihr Urteil gesprochen. Ihre weitere Entwickelung sei mehr kulturgeschichtlich als politisch interessant. — Dem Bundesrat ist der in Aussicht gestellte Antrag Preußens, betr. die Fürsorge für die Witwen und Wüfen von Angehörigen deS Reichsheeres und der kaiserlichen Marine, nebst Begründung, nunmehr zugegangen. Der Antrag, welcher den in der abgelaufenen Session vorgelegten, damals aber unerledigt gebliebenen bezüglichen Gesetzentwurf unverändert von neuem zur Vorlage bringt, ist gemäß dem dieferhalb bereits gefaßten Beschlüsse deS BundeSratS den zuständigen Ausschüssen zur Vorberatung überwiesen worden. — Die
N. A. Ztg." schreibt: Wie wir aus England erfahren, hat sich jüngst wieder die schützende Hand der Vorsehung, welche über unserem Herrscherhause ruht, in nahezu wunderbarer Weise offenbart. Zur selben Stunde nämlich, schönsten Palast der Welt, mit kostbaren Statuen, Bildern und Kunstwerken geschmückt. Den wüsten Lustgarten ließ er mit den seltensten Blumen und Bäumen bepflanzen, daß man im Paradiese zu wandeln glaubt. Handel und Wandel blühten unter ihm wieder auf, der Wohlstand wuchs mit jedem Tage und zugleich die Macht des Staates, da er nicht nur ein weiser, sondern auch ein gar tapferer Herr ist, wie -S kaum einen Zweiten in Europa gibt."
.In der That", versetzte Raoul, .verdient er den Namen des „'Großen" mehr, als mancher Fürst, der nur aus Kosten seiner Unterthanen sich berühmt zu machen sucht. Wir aber sind dem Kurfürsten noch zu ganz besonderem Dank verpflichtet, da er unS ein sicheres Asyl gewährt und uns mit Wvhlthaten überhäuft."
.Auch ist der Kurfürst um so mehr zu bewundern", fügte der Goldschmied hinzu, .da sein Land von der Natur nicht begünstigt und die Bildung der Bewohner noch etwa« vernachlässigt scheint."
„Allerdings", erwiederie HanS errötend, „ist der Boden der Mark nur arm, aber auf demselben lebt ein fleißiges Volk, daS im Schweiße seines Angesichts sich redlich nährt, durch schwere Arbeit stark und tüchtig, nüchtern, genügsam und verständig. Unter der rauhen Außenseite schlägt ein treues Herz und die unansehnliche Schale birgt einen guten Kern. Hoffentlich werdet auch Ihr besser von uns denken, wmn Ihr uns erst näher kennen lernt."
.Verzeiht", entschuldigte der Goldschmied, „wenn ich Euch gekränkt habe. Ich wollte Euch nicht verletzen, um so weniger, da Euch ter Vorwurf einer mangelhaften Bildung nicht treffen kann. Man sieht und hört Euch an, daß Ihr eine bessere Erziehung genoffen und Euch in der Welt umgesehen habt."
als auf der Viktoria Bahnstation in London eine Höllen« mafchine explodirrte, eine andere auf der Paddingtonstation befindliche aber versagte, befand sich Prinz Heinrich In Begleitung des deutschen Botschafters auf dieser letzteren, und zwar in einem Zimmer gerade über dem Raum, wo jene Maschine lagerte. Diese versagte lediglich deshalb, weil das Oel in der Uhr zu dick geworden war. Sobald der untersuchende Polizeibeamte den Koffer, der die Maschine enthielt, berührte, begann die Uhr wieder zu gehen, und die kleine Pistole, welche die Explosion hervorgerufen haben würde, war gespannt, so daß bei regelmäßigem Gang des Uhrwerks die Vernichtung des Zimmers, in dem sich unter anderen Prinz Heinrich und Graf Münster befanden, unvermeidlich gewesen wäre. — Dem Reichstage ist heute der Gesetzentwurf betreffend die Verlängerung deS Sozialistengesetzes zugegangen. Der Inhalt desselben, der die Verlängerung bis zum 30. September 1886 ausspricht, sowie die kurze Begründung sind bekannt und bereits von uns mitgeteilt worden. Ebenso ist dem Reichstage der Gesetzentwurf betreffend die Anfertigung und Verzollung von Zündhölzern zugegangen. Derselbe bestimmt, daß die Anfertigung von Zündhölzern unter Verwendung von weißem Phosphor nur in Anlagen stattfinden darf, welche ausschließlich für die Herstellung von Zündhölzern benutzt werden. In § 2 wird bestimmt, daß in Räumen, in welchen das Zubereiten der Zündmaffe, daS Betunken der Hölzer und das Trocknen derselben erfolgt, jugendlichen Arbeitern und in den Verpackungsräumen Kindern der Aufenthalt nicht gestattet weroen darf. Zuwiderhandeln gegen S 1 wird mit Geldstrafe bis zu 300 Mk. beziehungsweise Haft, zuwiderhandeln gegen § 2 mit Geldstrafe bis 2000 Mk. beziehungsweise Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft. Auf die zur Zeit des Erlasses des Gesetzes bestehenden Betriebe finden die Bestimmungen erst nach einem Jahre Anwendung. Im letzten Paragraphen des Gesetzes wird als Zusatz zum Zolltarif der Zoll auf Zündhölzer und Zündkerzchen, der jetzt 3 Mk. bis 100 Kilogr. beträgt, auf 10 Mk. erhöht.
— Dem Reichstage ist der Rechenschaftsbericht über die Anordnungen zugegangen, welche auf Grund des § 28 deS Sozialistengesetzes von der königlich preußischen und der hamburgischen Regierung unter dem 25. Ott., 29. Olt. und 26. Nov. 1883 mit Genehmigung des BunresrateS getroffen worden sind. Nach dieser Darlegung beruhen die Anordnungen, welche für die Stadt Berlin und die angrenzenden Bezirke zuerst am 28. Nov. 1878 getroffen, seitdem alljährlich erneuert worden und mittelst Beschlusses vom 26. Nov. v. I. bis zum 30. Sept. d. I. von neuem erlassen sind, auf nachstehenden Erwägungen: Mit^ Hülfe der mit Einführung deö Ausnahmezustandes der Staatsregierung übertragenen besonderen Befugniffe und namentlich durch entsprechende Handhabung der Ausweisungs- ermächligung, von welcher, abgesehen von Erneuerungen
„Um mich in unserem Gewerbe zu vervollkommnen", entgegnete Hans besänftigt, „und etwa« zu lernen, bin ich nach altem guten Brauch auf die Wanderschaft gegangen und habe in Nürnberg, Augsburg, Wien und auch in Venedig bei den besten Meistern gearbeitet, bin aber zmück- gekommen, obgleich es mir nicht an Anerbietungen gefehlt hat, weil es mir nirgends so gut gefallen, wie In der Heimat und mein Ohm nach mir verlangt hat. Seinetwegen aber möchte ich Euch bitten, Euch aller tadelnden Reden zu enthalten, da er Berlin über alles liebt und leicht in Zorn gerät, wenn man darauf schmäht, so herzensgut er auch sonst ist."
Unter solchen Gesprächen gelangten die Flüchtlinge mit ihrem Begleiter zu dem Hause des Kurfürstlichen Hof-Gold- fchmiedS Gottlieb Lieberkühn, das in der Nähe des alten Molkenmarktes an dem sogenannten Mühlendamm lag, wo sich damals die ersten Geschäfte und die vornehmsten Kaufläden, so wie die Börse der Residenz befanden.
AIS aber die Familie des französischen Goldschmieds sich vor der Thür empfehlen wollte, um nach ihrer Herberge zurückzukehren und daselbst den Vater zu erwarten, forderte Hans auch sie auf, ihm zu folgen und mit einzutreten.
„Meine Tante und meine Base", sagte e , „würden eS mir übel nehmen, wenn ich Euch nicht mitbrächte und werden sich sehr freuen, Euch zu sehen und kennen zu lernen.“
So höflich eingeladen gingen Alle in das äußerlich unansehnliche, aber im Innern behaglich ausgestaltete HauS, wo sie von dem Hof-Goldschmied und seinen Angehörigen so freundlich empfangen wurden, wie dies beider beiderseitigen Unkenntnis der verschiedenen Sprachen möglich war.
(Fortsetzung folgt )