Marburg, Dienstag, 4. März 1884,
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Geräusches der öffentlichen Meinung, welche in kielen Ländern so drückend ist, diese kritischen, philosophischen, philologischen Werke, oder wissenschaftliche Werke auSge- arbeitet, welche nicht immer die Fragen lösen, aber sie oft mit einer eigentümlichen Macht aufstellen; wirklich unabhängige Werke, welche daS Gepräge des freien Genius ihres Ber- fasierS oder seiner unerschütterlichen Geduld tragen.
Die bei unS so ausgebildete Kunst, die Wissenschaft volkstümlich zu machen, ist jenseits des Rheins wenig gebräuchlich; fie verlangt zu gleicher Zeit mitteilsame Naturen und einen Hellen Geist. Aber diese Eigenschaften find selten bet den Deutschen. Wir Franzosen schreiben für die größere Zahl, die Gelehrten in Deutschland für den geringen Teil deS Publikums, welcher Teil an ihren Arbeiten nimmt und fähig ist, sie zu beurteilen. Ihre Bücher, reicher an Inhalt, als geschmackvoll durch ihr AeußereS, sind gewöhnlich die Frucht eines langen ProfefforatS, Zeugen sind die Werke der Philosophen wie Wolff, Kant, Jacobi, Fichte, Schelling, Hegel, Herbart, der Theologen und Kritiker wie Paulus, de Wette, Schleiermacher, Sartorius, Neander, Bruno Bauer, Ewalv Köhler und der Geschichtsforscher wie Müller, Ranke, Preller und Mommsen. Die Schrift, da« Buch ist nur das Mittel, die Worte des Lehrers weithin auszustrahlen. DaS Mittel, seine Lehre festzustellen oder zu verbreiten und auf anderen Schulen Nebenbuhler und neue Schüler zu gewinnen. Sobcüd ein Lehrer sich durch den Glanz seiner Worte vor allem aber durch die eigene Art und die Neuheit seiner Gedanken bemerklich macht, zögern die jungen und heftigen Geister nicht, sich an
ihm zu reiben. Wenn die neue Lehre den in der Religion, der Philosophie, der Kritik herrschenden Ideen ^widerspricht, sofort ist der Krieg entbrannt, ein wilder Krieg der Geister, in welchem die Leidenschaften oft den Fortschritt der Wahrheit hemmen, aber in der die Wahrheit endlich die eigensinnige Herrschaft der Gewohnheit, sowie falfcher Ueber- lieferungen und die Tyrannei dies selbst bei einem geistreichen Denker immer engherzigen persönlichen System«, zum Scheitern bringt.
Der Kampfplatz ist bald eine einzelne Universität, bald sind es mehrere nebenbuhlerische Universitäten, zuweilen das ganze Deutschland. Die rivalisierenden Professoren meffen sich von weitem und die zahlreichen gelehrten Revüen stehen zum Angriff, wie z u Verteidigung zu ihrer Verfügung. Der Deutsche — soweit er nicht zu dem idealen Geschlecht seiner großen Dichter oder seiner großen Denker gehört — kennt keineswegs die Feinheit der Formen, den feinen Spott und die heimlichen Vorbehalte. Sobald sein fchwersällige« Temperament in die Schranken tritt, begleiten heftige Worte seine Beweisgründe und dicht, wie schwere Pflastersteine, fallen sie in den gelehrten Streit. Die Streiter stehen sich jetzt wie ftemde Kämpfer gegenüber. Der Genius selbst bewahrt sie nicht immer vor diesen Ausschreitungen und drei Jahrhunderte der Civilisation und Bildung haben ihnen nichts von der Heftigkeit und den Eifer der Tischreden Luther« genommen, den die Deutschen ihren großen Reformator nennen.
(Schluß folgt.)
zugestellt werden. Nach [langet Debatte wurden die Anträge, obgleich sich der Regierungsvertreter dagegen aussprach, angenommen. Auf großen Widerstand stieß der Absatz 2 des § 21, wonach Staats- und Kommunalbehörden, sowie Privatpersonen, Gesellschaften^ Vereine u. s. w. über Besoldung und Löhne, welche steuerpflichtige Personen von ihnen beziehen, Auskunft geben müffen. Die Liberalen, Zentrum und ein Teil der Konservativen bekämpften diese Bestimmung, die hauptsächlich nur von Dr. Wagner und Freiherrn von Hammerstein dertetdigt und schließlich mit 17 gegen 6 Stimmen abgelehnt wurde. Zu einer langen Debatte gab sodann der Antrag des Abg. Freiherrn v. Zedlitz Anlaß, .wonach für alle Einkommen über 3000 M. Deklarationspflicht etngeführt werden soll. Diese Debatte wurde abgebrochen und wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. — Die Jagdordnungskommission des Abgeordnetenhauses erledigte gestern den vierten und fünften Abschnitt der Vorlage (Jagdschein und Schon« Vorschriften) in zweiter Lesung und trat in die Beratung des sechsten Abschnitts (Wildschaden) ein. In 8 62, welcher in erster Lesung neu eingestellt worden und welcher bestimmt, daß Schwarz-, Rot« und Damwild nur in geschloffenen Wildgärten unterhalten werden darf, welche dergestalt eingefriedtgt (vergattert) sind, daß das Wild weder ausbrechen, noch an fremdem Grundeigentum Schaden anrichten kann, wurde das Rot- und Damwild gestrichen. — Die Unterrichtskommission des Abgeordnetenhauses hat gestern mit 9 gegen 7 Stimmen beschlossen, eine Petition aus Solingen um Aufhebung der dort seit 1877 bestehenden Simultanschulen der ^Regierung zur Erwägung zu überweisen. — Der Polizeipräsident von Berlin, Herr v. Madai, wird heute abend auf 2 oder 3 Wochen nach Frankfurt a. M. verreisen, da er sich mit der dortigen Stiftsdame Fräulein v.Ziegesar verlobt hat und am 15. d. M. Hochzeit halten wird.
•Ibtttg, 1. März. In der vergangenen Nacht ist ein Teil der Schichau'schen Maschinenfabrik abgebrannt. 600 Arbeiter sind infolgedessen augenblicklich brotlos.
Kouitz, 1. März. Die neue Verhandlung des Prozesses wegen des Neustettiner Synagogenbrandes begann heute um 91/2 Uhr vormittags nach telegraphischer Vorladung noch einiger Zeugen mit dem Verhöre von 5 Arbeitern, welche die Ausräumungsarbeiten auSgesührt haben. Ihre Aussagen widersprechen teilweise den Aussagen der Sach- verständigm. Regierungsrat Benoit hält es für durchaus nicht geboten, anzunehmen, daß Petroleum angewendet worden sei. Landgerichtsdirektor Helft wohnte der Sitzung bet. Unter den dann vernommenen Zeugen waren Lehrer Hübner, Bertha Hilger, Dienstmädchen beim Angeklagten Heydemann jun., die Kanzlisten Ebel und Jordan, der Klempner Werner, der Kontroleur Dalitz, Lehrer Pieper. Letzterer vom Vorsitzenden ausgefordert, ob er einmal einen Verweis seiner vorgesetzten Behörde erhalten habe, weil er im Religionsunterricht eine beschimpfende Aeußerung gegen eine alttestamentarische Persönlichkeit gebraucht, will sich hierüber
hat in seiner heutigen Plenarsitzung sowohl das Aktten- gesetz wie daS UnfallverstcherungSgesetz angenommen; außerdem einige kleinere Vorlagen erledigt, so daS Gesetz betreffend den Feingehalt von Goldwaren und daS Gesetz über Fabrikation von Zündhölzchen auS weißem Phosphor, durch welches diese Fabrikation gewiffen Beschränkungen und Kau- telen unterworfen wird. Das Akttengesetz ist, wie verlautet, entsprechend den Anträgen der Ausschüsse, also mit den von diesen beschlossenen und im wesentlichen bereits mitgeteilten Abänderungen zur Annahme gelangt. Beim Unfallver- ficherungSgesetz sind nicht alle Beschlüffe der AuSschüffe vom Plenum acceptiert worden. Die AuSschüffe hatten die -i,u- lasiung von Berufsgenoffenschaften für einzelne Teile deS Reiches und gewissermaßen als Konsequenz davon neben der ReichSverstcherungSanstalt LandeSverstcherungSanstalten vorgeschlagen. Der Bundesrat hat nur den ersten Teil dieser Beschlüffe, also die Zulassung von BerufSgenossenschasten für Einzelstaaten acceptiert. Die nächste Plenarsitzung findet Mittwoch statt. — Ueber die Verlängerung deS Sozialistengesetzes erfährt man jetzt aus BundeSratskreisen, daß dem Reichstage der Antrag auf einfache Verlängerung des Gesetzes ohne jede Abänderung zugehen wird. Wahrscheinlich ist, daß die Verlängerung wieder auf 31/* Jahre beantragt wird. — Der Gesetzentwurf über Bewilligung von Mitteln zu Marinezwecken enthält außer der bereits mttgeteilten einmaligen Forderung von 18790000 Mark für Anschaffungen von Torpedomaterial noch die Ermächtigung, für die nächsten drei Rechnung- - Jahre von 1884 bis 1887 900 Seeleute mehr einzustellen, und zwar sechs Deckosfiziere, 90 Unteroffiziere und 804 Matrosen, im im Betrage von jährlich 48912 M.; 300 Köpfe Matrosen« Artillerie, und zwar 30 Feldwebel und Unteroffiziere und 270 Manu im Betrage von 16006 M.; 300 Köpfe Ma- schinenpersonal, und zwar 24 Maschinisten, 48 Maschinisten, Maate und Feuermeister und 228 Heizer im Betrage von 38413 M.; 100 Schiffsjungen im Betrage von 1128 bezw. 1092 M. Die Ausgaben hierfür, die nicht einmalige, sondern dauernde find, werden nicht durch eine Anleihe bestritten. — Die Steuerkommisflon deS Abgeordnetenhauses hat heute wieder eine lange Sitzung abgehalten, in der an der Hand des 8 21 des Einkommensteuergesetzes über daS Verfahren zur Ermittelung deS mutmaßlichen Einkommens der Steuerpflichtigen und im Anschluß daran über dir Deklarationspflicht debattiert wurde. Der Paragraph will die Voreinschätzung in die Hand der Gemeindevorstände bezw. der Gildcvorsteher legen. Statt dessen wurde von dem Abg. v. Rauchhaupt beantragt eine VoreinschätzungS- Kommisston, bestehend aus dem Gemeindevorstand als Vorsitzenden und Mitgliedern einzurichten, die unter möglichster Berücksichtigung der verschiedenen EinkommenSarten gewählt worden sind. Ihr soll daS vom Gemeindevorstande gesammelte Material übergeben werden. Eine ähnliche Voreinschätzungskommisston beantragt Abg. Büchtemann, aber nur in Orten unter 10000 Einwohnern; in anderen Orten soll daS Material dem Veranlagungs-Kommissar (§ 23)
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Deutsche, Reich.
Berlin, 1. März. Der Kaiser konferierte gestern nachmittags mit dem Minister v. Bötticher und hierauf mit dem Minister v. Puttkamer. Die Ankunft des Prinzen Heinrich in Kiel ist etwa am 9. März zu erwarten. Der Kronprinz wird denselben dort empfangen. — Die Eröffnung des Reichstags am 6. März wird dem Vernehmen nach nicht durch Seine Majestät den Kaiser in Person vollzogen werden. Ob fie durch den Reichskanzler Fürsten von Bismarck oder den Staatssekretär v. Bötticher erfolgen wird, steht zur Zeit noch nicht fest. Für den Fall, daß der Reichskanzler nicht im stände sein sollte, schon zur Eröffnung des Reichstages nach Berlin zu kommen, ist eS wahrscheinlich, daß Herr von Bötticher sich vorher noch einmal nach FriedrtchSruh begiebt, um mit dem Kanzler auf die bevorstehende Session bezügliche Angelegenheiten zu besprechen. — Gegenüber der neuerdings wiederholten Behauptung, Fürst Bismarck habe im Jahre 1881 einen polnischen Hochtory nach Barzin eingeladen und mit demselben die polnischen Aspirattonen gegenüber Rußland besprochen, sagt die „Nordd. Allg. Ztg/: Fürst BiSmarck hat den mttgeteilten Brief nie geschrieben, überhaupt seit Jahren keinen Brief an einen Polen gerichtet. Seit Jahren war kein Pole in Barzin. Der Reichskanzler erinnert sich überhaupt nicht, seit Jahren einen Polen gesehen und gesprochen oder mit solchem korrespondiert zu haben. Wir sind ermächtigt, de« Vorzeiger deS betreffenden Briefes oder auch nur einer Einladung nach Varzin hunderttausend Mark und dem Urheber der ganzen Erfindung hundert Mark Prämie zu bezahlen. Außer dem Grafen Buinski, dessen freundschastliche Beziehungen zum Hause BiSmarckS jeder polnischen Färbung entbehren und der auch während der letzten 5 Jahre nicht in Varzin gewesen, ist während der letzten 15 Jahre kein Pole Nach Varzin gekommen.— Der „Reichs - Anzeiger" veröffentlicht den Staatsvertrag zwischen Preußen und Schaumburg - Lippe betreffend den in Schaumburg-Lippe belegenen Teil der Hannover-Mindener Eisenbahn. Auch dieser Vertrag enthält einen Artikel, wonach der preußische Staat berechtigt ist, alle für ihn aus diesem Vertrage hervorgehenden Rechte und Verpflichtungen auf das Reich zu übertragen. — Der Bundesrat
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Eine frauzöftscht Stimme über deutsche Universitäten.
(Fortsetzung.)
Nichts zerreißt die Bande der Kameradschaft zwischen den deutschen Studenten. Diejenigen, welche der Reichtum ober das Talent über die anderen erhebt, erinnern fich ihrer weniger glücklichen Gefährten. Wie viele unter den jungen Genossen des Fürsten Bismarck haben fich nicht Glück dazu zu wünschen gehabt, daß fie die nämliche ziegelrote Kappe getragen hatten, welche das Haupt deS Kanzler« damals schmückte, als er in Göttingen durch zwanzig glückliche Duelle seine Fortuna und seine streittustige Laune verkündete.
Die Studenten, welche etwas geworden, find in der Universitätsstadt nicht vergessen. Man zeigt sich da« Hau«, welches fie bewohnten und ihr Andenken lebt von Generatton zu Generation, der Eigentümer trägt Sorge, daß eine kleine marmorne Platte in der Mauer eingelassen wird, auf welcher der Reisende den Namen des großen Manne« mit der Jahreszahl seiner Studienjahre lesen kann. Seit einem Jahrhundert gibt eS nicht eine Berühmtheft in Deutschland — die Göthe, die Heine, die Müller, die Humbold, die Fichte, die Hegel, die BiSmarck — die nicht auf diese Weise ihren Gedenkstein besäße.
Diese in wahrem Sinne des Worte« arbeitsamen Städte scheinen der Arbeit de« Gedanken« zu helfen. Man findet dort Ruhe und Einsamkeit nnd eine den Geist erfrischende Atmosphäre; dort leben vorzugsweise gern die fleißigen Studenten; dort werden langsam und geduldig, fern deS
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atueigen nimmt entgegen: die Ekp-dition b. Blatte«, (otoie b Annoncen-Bureaux »onHaasenstein und Vogler in Frankfurt a M.Ham- dura, Magdeburgu.'toten; Rudolf Masse in Frankfurt a Ai., Berlin, München und a»ln: G L. Daube und 60. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
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