XIX. Jahrgang.
Alarburg, Sonnabend, 1. März 1884.
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(Fortsetzung folgt.)
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sich die trotzdem sehr mächtige wissenschaftliche Thätigkeit im Geräusch und der Unruhe de« allgemeinen Lebens, man hört den lärmenden Schall derer, welche sich vergnügen, oder die schmerzlichen Anstrengungen derer, welche ihre Kräfte erschöpfen um zu leben, man ist zerstreuter durch daö Spiel der weltlichen Jntrtgue oder des politischen Ehrgeize«, al« durch die hartnäckige und weife Arbeit dcs Mannes, der im Kampfe mit dem Unbekannten, Siege über die Un» wifsenheit und den Irrtum gewinnt und in der Stille die Schüler bildet, welche nach ihm den Weg der Erkenntnis wandern. Der Geist erkennt das bester, was er ohne Störung beobachten kann oder sich gleich einem Relief aus einem ruhigen Hintergründe hervorheben steht.
-,ch habe niemals die wahre wistenfchaftliche Thätigkeit bester verstanden, als in diesen kleinen deutschen Städten, die von Profestoren und Studenten bewohnt werden, denen die Universität alles ist.
Gewöhnlich sind eS alte Städte, deren Aeußerrs, mit ihrem festen Schlosse, mit Häusern, zwei oder drei Etagen hoch von denen die eine über die andere hervorragt, mit ihren schroff abfallenden Dächern, von zwanzig kleinen Dach, fenstern durchbrochen, aus dem Mittelalter zu uns herüber gekommen sind. Die Gräben der alten Wälle sind aus- gefüllt und in grüne Gärten verwandelt. Riesige Bäume bedecken st- und der Weg der Ronde ist heutigen TageS rin schattiger Spaziergang, auf dem die denkenden Geister lange Mt ihrem stillen G-dankengange folgen können. Die alte Festung ist abgetragen und hat ihr rauheS Aeußere verloren; nicht mehr ist ste daS unzugängliche Asyl dcS kriegführenden Herren und ferner Gewappneten, sie ist wie in Tübingen eia- Bibliothek, di- Rüstkammer der Wistenfchast geworden. Glaubt deswegen abcr nicht, daß die bewaffnete Macht zerstört wäre, ste hat nur tyten Sitz und ihr AeußereS
Unmöglichkeit fei. Bedürfe eS noch einer Befestigung der Ansichten und Entschließungen der Regierung, so würde der Artikel des „Kuryer Poznanki" das beste Material dazu liefern. — Wie der „Nat.-Ztg." berichtet wird, sollen die Gerüchte über Differenzen zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Minister von Goßler mit den Verhandlungen innerhalb der Regierung über daS Schuldotattons- Gcsetz im Zusammenhang stehen. — Die JagdordnungS- Kommisston hat di- zweite Lesung deS Gesetzentwurfes beendet und ist dabei im wesentlichen bei den früher gefaßten Beschlüssen stehen geblieben. — In der Stadtverordnetensitzung beantragten bei der Etatsberatung Pickenbach und Genossen, von den zwei untersten Stufen keine G-meinde- einkommensteuer zu erheben, die Privat-Feuerversicherungs- anstalten zu den Kosten für die Feuerwehr heranzuziehen, den Magistrat um Vorlage wegen anderweiter Regelung der Mietssteuer im Sinne geringerer Besteuerung der kleinen Wohnungen, Werkstätten und Geschäftslokale zu ersuchen. Die meisten Redner sprachen sich gegen eine Erhöhung der Gemeindesteuer über hundert Prozent der Einkommensteuer hinaus aus, sowie gegen Erhöhung der Kanaltsations- abgabe. Der Etat wurde dem Etatsausschuß überwiesen.
Darmstadt, 27. Febr. Die Abgg. Schaum und Gen. haben einen Gesetzentwurf zwecks Herstellung eines Bahn- anschlustes der Aktt-nzuckerfabrtk Büdingen in Stockheim an die Oberhesstschen Eisenbahnen eingebracht. Außerdem ist eine Jnteipellation des Abg. Osann folgenden Inhalts eingelaufen: „Im Großherzogtum Hesien ist die Hrfsen- Rassauische Viehverstcherungs-Gesellschaft zum Betrieb ihres Geschäfts zugelassen. Ausweislich de« Rechnungsabschlusses der gedachten Gesellschaft ist der Verstcherungsstand im Großherzogtum Hessen Mk. 126028; die Prämienein- nähme beträgt Mk. 8269; dagegen steht eS mit dem Vermögen der Gesellschaft sehr wenig zufriedenstellend aus. Die Versicherten, welche auf die Zulasiung des Großh. Ministeriums vertrauen, laufen bei dem sich gerade aus diesem veröffentlichten Rechnungsabschlüsse ergebenden mißlichen Vermögensstand der Gesellschaft Gefahr, ihrer Ansprüche auS den Versicherungsverträgen verlustig zu gehen. Glaubt Großh. Ministerium angesichts dieser Verhältnisse die der genannten Gesellschaft erteilte Zulasiung noch fortbestehen lasien zu dürfen, oder erachte sich dasselbe nicht viel- mebr veranlaßt, diese Zulassung zurückzuziehen?" (Der Sitz der erwähnten Gesellschaft ist bekanntlich hier in Marburg.)
München, 28. Febr. Die Kammer erledigte heute den Staatsschulben-Etat nack dem Anträge des Ausschusses. Referent Frankenburger konstatierte die erheblichen EtatS- Ersparungen in der Ftnanzvermaltung, die Finanzlage gestatte daher für dieses Jahr eine größere Tilgung, bei der Weitertilgung komme jedoch vorerst die unifizierte 4proc. Staatsschuld nicht in Betracht. ______________________
gefördert habe, sondern daß derselbe von den Freiheits- reunden der ganzen Welt zu betrauern sei. Unser Berliner Korrespondent sendet unS nun Nachrichten, aus denen hervorgeht, daß man daselbst entgegengesetzte Ansichten von dem politischen Wirken jenes hervorragenden Deutschen hat. ES war Mn glücklicher Gedanke, daß der Kongreß, wenn er seiner Ansicht über LaSker Ausdruck zu geben für nötig fand, oder wenn Mr. Ochiltree dieses Bedürfnis fühlte, ste sich beide damit nicht begnügten, dies für sich zu thun, sondern daß st- dies in offizieller Weife und auf diplo- mattfchem Wege zum Gegenstand einer Kundgebung machten. Ein Stier in einem Porzellangewölbe mag ein unschuldige« Wesen sein im Vergleich zu einem Staatsmann von der Art des Mr. Ochiltree, der in der Nähe einer so empfind, lichen Maschine umherschnaubt und wütet. Wie angedeutet wird, werden in Berlin Komplimente an die Adresse von LaSker Vorwürfen an diejenige des Fürsten Bismarck gleicherachtet. Möge nun die Verschiedenheit der Ansicht über diesen Punkt mit dem Volk jenes Landes auch nicht groß sein, so ist eS dennoch, wenn diese Anschauung Im geringsten für den leitenden deutschen Staatsmann etwas Beleidigendes hat, sicherlich von sehr schlechtem Geschmack, denselben in offizieller Weise Ausdruck zu geben. Gleichviel wahrlich, ob eS sich um Sammy Coxs Ansicht über das Hängen O'DonnelS obe OchiltreeS Meinungen über deutsche Staatsmänner handelt, unsere Shvo - fly - Politiker verleiten den Kongreß zu oft dazu, auf thörichte Art seine Finger in alles zu stecken." — Eine Aeußerung des Reichskanzlers gegenüber einem holländischen Diplomaten teilt der „Hamb. Äon." mit, ohne sie jedoch verbürgen zu wollen. Dieselbe lautet: „Ihr könntet eine von allen lebenden Holländern unterzeichnete Petition um Einverleibung in Deutschland an den Kaiser richten, ich würde doch dagegen sein; wir haben an den Polen, Dänen, Welfen und elsässischen Parisern centri- fugale Elemente genug und mehr als genug; wir können nicht noch 3 Millionen Holländer gebrauchen, die uns Deutsche jeder Zeit als Anhängsel der Musirika (Meppen) mit Geringschätzung behandelt haben. — Bezüglich der Meinungsverschiedenheiten zwischen dem KultuSminist-r und dem Reichskanzler bemerkt die „Germania", dieselben bezögen sich k-ineSwegS auf untergeordnete Fragen und ständen mit im Parlamente besprochenen Dingen im Zusammenhang. Einige wollten darin die Geburtswehen neuer kirchen- politischer Beschlüsie sehen. Die „Nordd. Allg. Zeitung" reproduziert die Bemerkungen deS „Kuryer Poznanki zur Erklärung deS Kultusministers im Landtag über Ledo- chowSki und bemerkt dazu: dieselben können nur von neuem di- Ueberzeugung stärken, daß die Wiedereinsetzung Ledochowskis nicht nut im preußischen Interesse, sondern auch wegen der auf die befreundeten Nachbarländer Oester« reich und Rußland zu nehmenden Rücksichten eine absolute
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@ine französische Stimme über deutsche Universitäten.
(Fortsetzung)
Diese 22 Universitäten sind eben so viel Mittelpunkte, an denen die Wissenschaft in stet-r B-wegung ist^ Sie leben einen Generalstab von mehr al« 2000 L-hrern und eine Armee von mehr als 25000 Arbeitern voraus« DK Gleichmäßigkeit der Organisation «ud die Brüderlichkeit, welche unter allen Universitäten des Reich« herrscht, ge- statkn den Studenten von einer Universität zur anderen überzugehen, in Berlin, in Leipzig, München, Halle oder Tübingen die berühmtchen Lehrer zu hörm und zu. Mchn Zeit, ähnlich unseren Gesellen, die von Werkstatt zu W r statt ziehend ihre Tont de France machen, da« deutsche Vaterland zu durchwandern. Q,6,„aknft
So mächtig ist in Deutschland die Lebenskraft der Universitäten, so gewaltig die Verehrung der Wissenschaft, daß eine Universität sich nicht nur ^bst genügt, sondern auch stark genug ist, durch dk Macht Interessen, welche sich um sie vereint, eine Stadt zu fäanen:
Wi <« Z-duM-ftidl- gut! und °°d'7 d,« woBuer sich bau,1(44114 der Kunst befleißigen, wir es S gffl, bst nm b« miMriiKn Jnk-ch-n erbaut und andere, die fast nur d-r R^gton geweiht, wi- -s Seestädte, Handel«, und Gewerbstädte gtebt, o Webte» jenf-itS des Rhein«, ein sehr ch^akterstsch-rZug.StLbte die einzig und allein durch ihre Un versttät existieren. Götiingen, J-na, Tübingen zum Beispiel.
In solchen Städten muß man gelebt haben, wenn man in der Nähe und ohne Störung den friedlichen Stru el de« geistigen Leben« der freisinnigen Jngend D -ntschland beobachten will. In Berlin, in Wien »k in Pari» verliert
vom Landtag.
Berlin, den 28. Febmar.
In seiner heutigen 56. Plenarsitzung genehmigte das Abgeordnetenhaus den Gesetzentwurf, betreffend die Feststellung eines Nachtrages zum StaatShauöhaltsetat für 1884/85, debattelvS tu zweiter Lesung, und erklärte demnächst eine Reihe von Wahlen in Gemäßheit der Kom- misstonSbeschlüsse für gültig. Schließlich wurden verschiedene Berichte der Budgetkommisston zu dem Berichte über die bisherige Ausführung des Gesetzes vom 20. Dezember 1879, betreffend den Erwerb mehrerer Prtvateisenbahnen für den Staat, sowie zu dem Berichte über die Ergebmsfe de« Be- tii-be« der für Rechnung deS Staates verwalteten Eisenbahnen im Jahre 1882/83, endlich zu dem Nachweise über di- Verwendung des für dieses EtatSjahr im Extraordi- narium der Eisenbahnverwaltung vorgesehenen Dispositionsfonds, nach den Anträgen der Kommission durch Kenntnisnahme für erledigt erachtet. — Nächst- Sitzung Montag, 3. März; Tagesordnung: Dritte Beratung des StaatS- hauShaltS-EtatS.__________________
Deutsche« Reich.
Berlin, 28. Febr. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Gegenüber den Auslassungen unserer heimischen OppositionS- vr-fse ist eS von erhöhtem Interesse, wie sich d-r New- york Herald", bekanntlich daS verbreitetste Blatt in der Union, in Angelegenheit der Ochiltreeschen Resolution äußert. Da« amerikanische Blatt sagt: „Unser h-utig-S Pnva ele. gramm aus Berlin wird dem -twaS voreiligen Mr. Ochiltree zeigen, daß man jenseits de« OzeanS nicht ganz derselben Ansicht ist, wie er über die Bedeutung, die der verstorbene LaSker als Staatsmann hatte. —Die am 9. Januar vom Kongreß angenommene Ochiltreesche Resolution erklärte, daß der Tod LaSkerS nicht allein von dem Volke seines Heimatlandes zn beklagen wäre wo seine feste und be än- diae Entwickelung freier und liberaler Ideen die sozial^ politische und wirtschaftliche Lage jene« Volkes wesentlich
Anzeigen nimmt entgegen: die.Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureauk Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a.M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle; $8. Thienes in Elberfeld.
geändert. Blickt in die Ebene, ein wenig außerhalb der kleinen Stadt; dort jenes weitläufige Gebäude, welches zugleich wie ein Pallast und eine Festung aussieht, daS ist die Kaserne.
Die Universitätsstadt ist ruhig und heiter. Die Deutschen haben eS verstanden, der französischen Leidenschaft zu wider, stehen, die alles in bestimmte Formen zwängt, allen die freie Bewegung nimmt, alles einzusperren sucht. Der Student ist frei geblieben: Ohne sich wie bei unS in den Strudel de« weltlichen Lebens zu stürzen, hat er feine Heiterkeit und die volle Frische seiner zwanzig Jahre bewahrt. Er teilt nicht die spöttisch- Zweifelsucht jener vor der Reit alt und hinfällig gewordenen Geister, welche niemals weder ein Ideal noch einen ©tauben besessen haben. Sie find zu gleicher Zeit Träumer und Realisten, welche, da sie keineswegs bk Strenge bet Sitten kennen, -s viel leichter finden ihren Neigungen zu folgen, al» ste zu besingen. Sie sind streitsüchtig und Trinker, die unfähig sind, auch nur einen Tag dem Biere zu entsagen, und doch rächt eS sich ohne Gnade durch einen dummen Kopf an dem, welcher deS Guten zu viel thut. Aber ruhig unterwirft sich d-r Deutsche seiner Herrschaft.
Gewisse Universitätsstädte, wie Heidelberg und Göttingen z. B. find berühmt durch da« ungestüme Wesen der Studierenden. Das Duell ist hier häufig, man zählt mehr als 100 in jedem Jahre; es ist in die Sitten -ingedrung-n, wie eine kriegerische aber barbarische Gewohnheit. „Hüten Sie sich, sagte mir lächelnd ein Student in Berlin, in Göttingen einen Burschenschafter, sei es auch auS Unachtsamkeit, mit dem Ellbogen anzustoßen: -S ist eine H-raus-
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