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JRarÖUtg, Donnerstag, 28. Februar 1884,
XIX. Jahrgang.
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Die Schützlinge des Große« Kurfürsten.
Historische Erzählung von Max Ring.
Vorlage Aussicht auf Annahme in der Kommission. DaS HauS verwies den Entwurf an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern und beraumte die nächste Sitzung auf Mittwoch 11 Uhr an, auf deren Tagesordnung Petitionen und Anträge aus dem Hause stehen.
öffentlichen Wirksamkeit in das korporative Leben verlegt werde, daö heißt in kleine Gemeinschaften, welche dem Ueberwuchern der Staatsgewalt zum Gegengewicht dienen sollen. Daß man jenen kleinen Gemeinschaften nicht alle Befugnisse der Staatsgewalt übertragen kann, daß diese Befugnisie in einzelnen Punkten sogar der Stärkung bedürfen — daö haben die Konservativen freilich jederzeit vertreten, und das ist es auch, was ihnen den Vorwurf der .Staatsseligkeit" zuzieht; besonder« die Einschränkungen der Gcwerbcfreiheit werden in diesem Sinne ausgebeutet; als ob zwischen der rein präventiven Thätigkeit, wie sie die öffentliche. Gewalt z. B. den Auswüchsen des Hausier« wesens gegenüber zu üben hat, und der auf Besserung und Wiedergewinnung deS Individuums gerichteten der Vagabundenpflege irgend welche Verwandtschaft bestände! Die Konservativen haben immer gewußt, daß hier sorgfältig zu scheiden ist, und deshalb haben sie auch in dem einen Falle für Stärkung der Polizeigewalt eintreten können, während sie in dem andern für möglichste Fernhaltung derselben sind.
In der richtigen Verteilung der Aufgaben liegt daS Geheimnis der Sozialreform. Mit der absoluten Freiwilligkeit ist eben so wenig vom Fleck zu kommen, als mit dem absoluten Zwang, da« heißt das Manchestertum taugt nichts und der Sozialismus quand meine ist nicht bester, sondern ein Mittelweg muß gefunden werden, und den zeigt uns eben der von den Konservativen vertretene korporative Gedanke.
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vom Landtag.
Berlin, den 26. Februar.
54. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. Abgesehen von Rechnungssachen, die entweder durch bloße Kenntnisnahme oder durch Ueberweisung an die bezügliche Kommission debatteloS erledigt wurden, stand zunächst in der heutigen Sitzung ein Bericht der Staatsschuldenkommission zur Beratung, welcher nach kurzer Debatte zur Erledigung einiger angeregten Punkte der Budgetkommission überwiesen wurde. Eine längere Diskussion knüpfte sich erst an den Gesetzentwurf, betreffend die Stempelsteuer für Kauf- oder Lieferungsverträge im kaufmännischen Verkehr uno für WerkverdingungSverträge. Die königliche StaatS- rcgierung betonte gegenüber den Ausführungen von Rednern der linken Seite des Hause« einmal, daß der Entwurf in das Gebiet der ReichSgesetzgebnng in keiner Weise hinübergreife, uno zweitens, daß der Entwurf lediglich der vom Hause am 8. Januar deS laufenden Jahre« beschloflenen Resolution entspreche. DaS HauS verwies die Vorlage an die um 7 Mitglieder zu verstärkende Justizkommission zur Vorberatung, und genehmigte darauf in zweiter Beratung den Gesetzentwurf, betreffend die Bestimmung de« Zinsfußes für die nach einzelnen Gesetzen auszugebenden Staatsschuldverschreibungen ohne Debatte nach dem Anträge der Budgetkommission. — Der hauptsächlichste Gegenstand der Tageso dnung war die erste Beratung deS Gesetzentwurfs, betreffend Ergänzung und Abänderung einiger Bestimmungen über Erhebung der auf daS Einkommen gelegten diretten Kommunalabgaben. Ein prinzipieller Widerspruch gegen die Grundzüge der Vorlage gab sich auf keiner Seite de« Hauses kund, es wurden lediglich einzelne Bedenken und Wünsche laut, welche man bei den kommistarischen Verhandlungen über den Gesetzentwurf berücksichtigt zu sehen wünschte. Ein seitens deS Abg. Zelle geäußerter Wunsch, die Regelung der Hundesteuerfrage in die gegenwärtige Vorlage mit hineinzuziehen, fand auf keiner anderen Seite des HanseS Unterstützung und ebenso wenig hat die von liberalen Rednern angeregte Heranziehung des RetchSstSknS zu den Kommnnalabgaben nach Maßgabe der gegenwärtigen
Montpellier einige Deutsche kennen gelernt, die sich ihrer Studien wegen daselbst aufhielten. Wenn sie auch nicht so fein und äußerlich abgeschliffen waren wie wir, so besaßen ste dafür einen sittlichen Ernst und eine Herzlichkeit, die ich der französischen Höflichkeit und Galanterie vorziehen möchte. Unter ihrer rauhen Außenseite verbargen sie ein tiefes innige« Gefühl und eine Zartheit der Empfindung, wie ste nur selten bei un« angetroffen wird. Schwerfällig und nicht leicht zugänglich, waren ste, wenn ste jemandem vertranten und näher rückten, die besten Gesellen und die treuesten Freunde in Lust und Leid. Ich liebe die Deutschen und fühle mich zu dem ehrlichen, biedern Volke hingezogen."
,86er wir werden un« nie in der Fremde heimisch fühlen und stets unser schönes Frankreich vermissen, nnS nach dem blauen Himmel der Languedoc, der goldenen Sonne, den lachenden Thälern, den grünen Rebenhügeln, ben heitern Gesichtern und der süßen Muttersprache schmerzlich sehnen."
.Lieber daS Schwerste dulden," fügte Frau Madeleine unter Thränen hinzu, ,al« die Heimat verlassen, unser Landhaus aufgeben, in dem ich geboren bin und auch sterben will. Nicht der Tod ist mir so schrecklich, als der Gedanke, mich von allem zu trennen, was mir lieb und teuer ist."
So sehr auch Raoul in seine Eltern drang und Gabrielle ihm bcistlmmte, wies der Goldschmied jede derartige Zumutung mit einer ihm sonst fremden Energie zurück, obgleich er sich keineswegs die Gefahren eines längeren Verweilen« verschwieg und schwer unter den täglich zunehmenden Bedrückungen litt.
Noch weniger vermochte sich die arme Fran von ihrem Besitztum und ihrer Häuslichkeit loSzmceißen, gefeffelt von der Macht der Gewohnhett, von ihrer Liebe zur Heimat,
von ihrem Widerwillen gegen die unbekannte Fremde und von der Furcht vor der Auswanderung, die außerdem mit fast unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden war.
So zögerte und schwankte unschlüssig die in ihrer Meinung geteilte ratlose Familie, bis ein neues unerwartetes Ereignis und die alles Maß übersteigenden Verfolgungen ihrer Feinde sie aus ihrer scheinbaren Ruhe aufschreckten und allen ihren Zweifeln und Bedenken ein jähe« Ende wachte.
Obgleich der vorsichtige Golvschmied sich von den streng verbotenen geheimen Versammlungen der Reformierten fern hielt und deshalb von seinen GlaubenSgenoffen, die mit Gefahr für ihr Leben im Verborgenen ihren Gottesdienst noch immer übten, wegen seiner Lauheit getadelt und angeklagt wurde, empfing er eines Tage« eine Vorladung vor dm wegen seiner Härte und Grausamkeit verrufenen Intendanten Baville, der in NimeS an der Spitze der gegen die Hugenotten gerichteten Verfolgungen stand.
Von Furcht und bangen Ahnungen erfüllt, beeilte sich der ängstliche Goldschmied, dem Befehl des mächtigen Intendanten Folge zu leisten. Zu diesem Zweck begab er sich nach der Zitadelle, wo der Intendant in dem alten düstern Palast refioierte und in einem großen unheimlichen Saal Gericht hielt.
Bel seinem Eintritt bemerkte der vorgeladene Goldschmied außer dem Intendanten und seinem Sekretär den ihm feindlichen Syndikus und den katholischen Priester, der an dem Sterbelager de« Patriarchen jenen traurigen Bekehrungsversuch gewacht hatte. Der Anblick ihrer finsteren Gesichter und drohenden Blicke weckte schmerzliche Erinnerungen in seiner Brust und steigerte nur noch seine Angst und Befangenheit. (Fortsetzung folgt.)
Liberale Berdrehuugsluust.
Die jüngst in Berlin stattgehabte Versammlung des Verbands der deutschen Arbeiterkolonieen wird von der liberalen Preffe in einem Sinne besprochen, der ein schlagendes Zeugnis für die Engherzigkeit des gegnerischen Parteifanatismus ablegt.
Weil jene Versammlung der freiwilligen Liebesarbeit die erste Stelle eingeräumt bat, weil ste von der Ansicht aus- gegangen ist, daß die „Polizei" — um uns kurz auszudrücken — die soziale Frage nicht zu lösen vermöge, sondern daß alles daran Mitarbeiten muffe: der Staat, die Gemeinde, die Einzelnen — deshalb soll ste sich von der konservativen Auffassung abgekehrt und der vielverschrieenen manchesterlich-.voluntaristischen" zugewendet, dieser mithin eine unwillkürliche Huldigung dargebracht haben!
Da« Blatt, welches diese unglaubliche Verdrehung deS wahren Sachverhalts auSgeheckt hat, die talmudistisch-spitzfindige „Nttional-Zeitung", weiß also nicht einmal, oder will nicht wiffen, daß die Arbeit an den Vagabonden zunächst ein Werk der inneren Mission gewesen ist, die als solche stet« von dem Grundsätze der Freiwilligkeit anSge- gangen ist und als ein Erzeugnis christlicher Denkweise nichts anderes hat thnn können; denn da« Christentum ist allein auf die Liebe gebaut; was aber wäre eine Liebe, die dem Zwange gehorchte und nicht dem eigenen inneren Trieb?
DaS Manchestertum seinerseits beruht allerdings auch auf „Freiwilligkeit"; aber auch seinem eigenen Zugeständnis ist es nicht die der Liebe, sondern der Selbstsucht; daS Treibende dabei ist und soll sein das sogenannte „wohlverstandene Interesse" deS einzelnen an dem Wohle des ganzen. Damit will man zur Harmonie gelangen, hat eS aber bis jetzt nur zu einem erbarmungslosen „Kampf umS Dasein" gebracht und wird es auch niemals weiter bringen, weil daS Maß von Einsicht, welches den eigenen Vorteil in der Unterordnung unter das Ganze zu erkennen vermag, nur bei einer verschwindend geringen Anzahl von Menschen gefunden wird, während daS Gegenteil aller Welt einleuchtet. Mit den manchesterlichen Ausgangspunkten der Vagabunden-Versorgung also ist eS nichts; allein auch die praktische Anwendung derselben, wie sie in der behaupteten Abkehr der Konservativen von ihrem angeblichen Joeal der ausschließlichen StaatShilfe gefunden werden soll, besteht nur in der Einbildungskraft der „Rat- Ztg.". Seit wann haben die Konservativen denn für diese ausschließliche „Stattshilfe" geschwärmt? Ste sind eS ja gerade, die darauf bestehen, daß der Schwerpunkt der
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Deutscher Reich.
Berlin, 26. Febr. Großfürst Michael ist mit der russtschen Gratulationsdeputation heute früh um 61/2 Uhr hier eingetroffen und auf em Zentralbahnhofe vom Kronprinzen und von sämtlichen Mitgliedern der russischen Botschaft empfangen worden. Die Begrüßung des Kronprinzen und de« Großfürsten war äußerst herzlich, ste umarmten und küßten sich wiederholt. Der Kronprinz begleitete bann ben Großfürsten nach bem Hotel der russtschen Botschaft. Die der Deputation zugeteilten Mannschaften erhielten in der Kaserne des Kaiser Alexander-Regiment« Quartier — Der Kaiser, in Uniform des Kaluga - Regiments, begrüßte im Botfchafterhotel den Großfürsten Michael nebst Deputation. Die Majestäten empfingen darauf Im Beisein der General- und Flügeladjutanten die russischen Gäste. Der Großfürst besuchte auch das Kronprinzenpaar und die übrigen Mitglieder der Königsfamilie und empfing dann die Gegenbesuche. — Die „Mathiassche Deutsche Reichö-Korr." berichtet : Die Eröffnung der bevorstehenden Session des Reichstage« wird, wie wir erfahren, am Donnerstag ben 6. März mittags 1 Uhr im Weißen Saal de« Königlichen Schlöffe« durch den Reichskanzler Fürsten Bismarck im Auftrage Sr. Majestät de« Kaisers erfolgen und wird derselben ein Gottesdienst in der Domkirche für die evan- gelischen und in der St. HedwigSkirche für die katholischen
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„In ihm lebt ein großer Geist und er hat eS bewiesen, daß er Ludwig nicht fürchtet. Al« die Schweden, von Ludwig aufgereizt, in fein Land fielen, schlug er sie mit tapferer Hand und verfolgte sie bis an die Küsten der Ostsee. Seitdem blickt die Welt mit Bewunderung auf ben nordischen Helden und selbst Ludwig achtet ihn und sucht seine Freundschaft und BundeSgenoffenschaft.'
„Wird er aber unsertwegen seinen Ruhm und Vortell auf« Spiel setzen und sich mit seinem mächtigen Freund, von dem er bedeutende Substdien bezieht, Überwerfen?" fragte der Goldschmied.
„Er kennt keine Menschenfurcht und seine Ueberzeugung steht ihm höher al« alle irdischen Jntereffen. Schon einmal hat er Ludwig ernste wirkungsvolle Vorstellungen »egen bet Maßregeln gegen die Reformierten gemacht und seine Stimme zu gunften seiner Religion-genossen nicht ohne Erfolg erhoben. Zugleich nahm er die verfolgten Hugenotten in seinen Staaten auf und überhäufte sie mit Wohlthaten, vhne den Zorn Ludwig« zu scheuen. Er wird auch uns nicht vetlaffen und uns mit offenen Armen empfangen, wenn wir dem undankbaren Frankreich den Rücken kehren und ein Asyl in Brandenburg suchen."
„Wie," rief der Goldschmied entsetzt, wir sollen unser schöne« Vaterland aufgeben und in die Ferne, nach dem s'emden kalten Norden ziehen, wo, wie man sagt, der Boden eben so rauh wie die Sitten seiner Bewohner find unb noch «ine barbarische Finsternis herrscht!"
«Ich habe," erwiderte Raoul, auf der Universität zu
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