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Marburg, Sonntag, 24. Februar 1884.

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flntctgen nimmt, entgegen. bie Expedition d. Blattes, lowie d Ännoncen-Bureaux SS'S'Ä" Magdeburg u.Wien;

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Deutscher Reich.

Berlin, 22. Febr. Zur bevorstehenden Wiederkehr des Tages, auS dessen Anlaß unser Kaiser den russischen Georgen- Or-en erhielt, wird, wie schon gemeldet, ein Mitglied des russischen Kaiserhauses und eine Deputation jenes russischen Regiments Kaluga hier eintreffen, deffen Chef Kaiser Wil­helm seit dem 15. Februar 1818 ist, und in deffen Mitte auf blutigem Schlachtielde der damals noch so jugendliche Prinz seine ~erfte militärische Auszeichnung sich erworben bat. Das Statut des russischen Georgen-OrdenS schreibt als Bedingung für die 4. Klaffe vor:Wer augenschein­liche Gefahr nicht scheut, mehr als seine Pflicht thut, Be­weise heldenmütiger Unerschrockenheit, Geistesgegenwart und Selbstverleugnung giebt, und eine KriegSthat ausführt, deren Nutzen augenscheinlich ist." Ein Rückblick auf die historischen Vorgänge jenes denkwürdigen 27. Febr. 1814

wie Prinz Wilhelm diesen Bedingungen des OrdenS- statuts gerecht geworden ist. Ein Bericht deSSoldaten- fteun-5* schildert dieselben in folgender Weise:Am 27. Februar 1814 ließ König Friedrich Wilhelm III. schon morgens um 7 Uhr seine beiden ältesten Söhne zu sich rufen unb sagte ihnen:Wir haben heute Bataille; reitet voraus, ich komme nach; exponiert Euch nicht unnütz; »ersteht Ihr mich?« Selbe Prinzen stiegen sogleich zu Pferde und ritten zu dem russischen kommandierenden Gene­ral Fürsten Wittgenstein hinaus. Bald folgte ihnen der König in einer russischen Felddroschke und stieg ebenfalls zu Pferde. Das Gefecht drehte sich um die Weinberge an einem leichten Höhenzuge; dieselben waren von den Fran- psen besetzt unb würben hartnäckig gegen bie russischen Truppen verteidigt. ES war zuerst russische Reiterei, daS Kiirassterregiment Pskow gegen bie Weinberge vorgegangen, batte sich je:och erfolglos zurückziehen müssen, worauf ein neuer Angriff »er russischen Infanterie, der Regimenter Kaluga und Mohilew, stattfand, den der König von seiner Stellung aus beobachtete. Eines dieser Regimenter drängte ganz besonders tapfer und nachdrücklich vor und mußte Mrelche Verwundete zurücktragen lassen. Der König, um

den Namen des Regiments zu erfahren, sagte zum Prinzen Wilhelm:Reite einmal zurück unb erkundige Dich, was das für ein Regiment ist, und von welchem Regiment bie vielen Blessierten finb, bie sich jeden Augenblick mehren.« Ohne sich einen Augenblick zu besinnen, gab ber Prinz seinem Pferbe die Sporen unb sprengte gegen bie fechtenden Bataillone an ben Weinbergen, von wo die Verwundeten deS Regiments Kaluga zurückkamen. Die Soldaten wurden durch das Erscheinen des jungen preußischen Prinzen mitten im Feuer freudig bewegt und drangen mit frischem Mut gegen den Feind vor. Ganz unbefangen unb als ob ihn gar keine Kugel treffen könnte, erkunbigte ber Prinz sich nach bem Namen des Regiments, überzählte die bis dahin Verwundeten und rapportierte bann seinem königlichen Vater, waS er gesehen und gehört. Der König hörte die Mel­dung schweigend an, ohne durch einen Blick oder eine Miene anzudeuten, daß er etwas Außerordentliches an dem ganzen Vorgänge finde. Dieser wurde damals im Hauptquartier viel erzählt, und Kaiser Alexander verlieh dem Prinzen die erste kriegerische Auszeichnung, welche deffen Brust schmückte, die 4. Klaffe ves St. Georgen - Ordens, welche nur für eine That persönlicher Tapferkeit gegeben wird. Aber auch daS eiserne Kreuz sollte ihm infolge dieses mu­tigen Benehmens zu teil werden. Als der Kaiser von Rußland diese Absicht des Königs erfuhr, beschloß er mit der Verleitung des Georgen - Ordens zu warten. Der König wünschte aber, daß an dem bedeutungsreichen Tage des 10. März zugleich dem ersten Jahrestage der Stiftung deS eisernen Kreuzes, ber Prinz nur an seine Mutter unb an die eiserne, gewaltige Zeit des Kampfes gegen fremde Zwingherrschast erinnert werde, die sich tn dem Sinnbilde deö eisernen Kreuzes auSprägte, und so erfolgte die Ver­leihung des russischen KriegSordenS fünf Tage vor der des preußischen, also am 5. März.« Das Statut schreibt vor, daß der St. Georgen-Orden nie abgelegt werden darf, so daß das Kreuz auch am Ueberrock getragen werden muß, und auch dieser Vorschrift hat Kaiser Wilhelm, wie das BuchErdient und Verdient« konstatiert, stets getreu ent­sprochen, und wie das eiserne Kreuz so auch daSGeorgen- Krenz stets im Knopfloch des UeberrockeS getragen. Die Form des Ordens ist seither verändert worden, der Kaiser hat aber daS im Jahre 1814 erhaltene Kreuz sorgfältig aufbewahrt und soll dasselbe auch wieder angelegt haben, wenn Deputationen des Regiments Kaluga nach Berlin kamen, um den hohen Chef deS Regiments zu den Jubi­läen Seiner Ernennung zu beglückwünschen. Eine lange Zeit verstrich, 55 Jahre vergingen, ehe ber Kaiser daS Kreuz von Bar für Aube mit einer höheren, und zwar gleich mit der höchsten Klaffe des berühmten MilitärordenS zu vertauschen berufen wurde: bei der Feier des Georgen- OrdenS Feste« am 8. Dezember 1869 verlieh Kaiser Alexander II seinem kaiserlichen Oheim die I. Klasse deS

Georgen-OrdenS, dessen einziger lebender Ritter dieser Klasse unser Kaiser und König tamals gewesen ist. Zu­gleich telegraphierte Kaiser Alexander nach Berlin, daß die Verleihung im Namen aller Ritter des Ordens, und zwar nach dem Statut von Rechtswegen geschehen sei, daß alle Ritter stolz seien, den König von Preußen mit dem großen Bande des Ordens geschmückt zu sehen, und daß der König darin nur einen neuen Beweis ber Freund­schaft erblicken möge, welche, auf bie Erinnerung an die für alle Zeiten merkwürdige Epoche gegründet, wo die Russische und die Preußische Armee vereint für eine heilige Sache gekämpft, beide Souveräne verbinde.«

Berli«, 22. Febr. Die Stenerkommisston des Ab­geordnetenhauses diskutierte den Paragraph, betreffend bie Bankiers, und nahm den Absatz 1 mit dem Amendement des Abg. v. Zedlitz an, nach welchem als Kapitalrente der in gewerbesteuerpflichtigen Bankgeschäften und in ähnlichen, den Geldverkehr und den Kreditverkehr vermittelnden Ge­schäften angelegten Kapitalien nach Wahl deS Geschäfts­inhabers die 4prozentige Rente des aus der letzten Jahres­bilanz sich ergebenden Geschäftsvermögens der Besteuerung zu Grunde gelegt werden kann. Schließlich nahm die Kommission den ganzen Paragraphen an. Die Budget- kommission hat gestern zahlreiche Petitionen, welche zur Sekunbärbahnvorlage eingegangen waren, ber Regierung als Material zur eventuellen Berücksichtigung überwiesen. Zur Beteiligung an bem Bau einer Eisenbahn von Heibe über FriedrichSstadt, Husum und Tonbern nach der Landes­grenze bei Ribe durch Uebernahme von Aktien werden 2999700 Mark zur Verwendung angewiesen. Auf An­trag deS Abg. Kleschke wurde hierbei ber Beschluß gefaßt, daß, soweit die Dividende, welche auf Aktien bei der Be­teiligung an der Eisenbahn von Heide nach Ribe fällt, die Zinsen der zur Aktieneinzahlung erforderlichen Anleihe über­steigt, der Ueberschuß zur Tilgung dieser Anleihe zu ver­wenden ist. Der Vertreter der Regierung erklärte sich gegen den Antrag, welcher gegen die Stimmen der Kon­servativen von den Mitgliedern des Zentrums, der Frei­konservativen und Liberalen zum Beschluß erhoben wurde. Zu 8. 2 des Eisenbahngesetzes brachte der Abg. Dr. Ham- macher wiederholt die Konsequenzen de« von der Regierung beabsichtigten Verfahrens zur Sprache, wonach die Obli­gationen oer verstaatlichten Privatbahnen, welche in den Erneuerungs- und Reservefonds liegen, vernichtet und der Amortisation entzogen werden sollen. Mit Rücksicht hierauf gab der Regierungskommissar die Erklärung ab, daß der Herr Finanzminister und der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten neuerdings übereingekommen seien, die durch die Vernichtung der Prioritätsobligationen ersparten AmortisationSbeiträge auf extraordinäre Ausgaben für Eisenbahnbauten zu verwenden. Die Steuerkommission nahm ferner § 4 unb 6 der Kapital-Rentensteuer unverändert, und 5 (progressive Skala

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6 Die Schützlinge des Große« Kurfürsten.

Historische Erzählung von Max Ring.

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Furchtbar war das Loo« der so Getäuschten und durch iwalt Bekehrten, wenn sie da« ihnen abgepreßte Be- mtnis widerriefen und zu ihrem alten Glauben zurück- Irten. Viele wurden hingerichtet, Unzählige in die eußlichsten Gefängnisse gesperrt, die Frauen und Kinder im Männern unb Eltern entrissen, in die Nonnenklöster

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_ Andere wurden durch List zum Abfall verleitet, indem 7"V ij kn ihnen vorspiegelte, daß man nicht von ihnen einen ">rren Glaubenswechsel verlange, sondern nur eine änßer- -* bc Anerkennung der katholischen Religion, ein schriftliche« ttsprech n, sich früher oder später mit der römischen Kirche iv, .J vereinigen, wofür ihnen Schutz und Friede zugesichert 671J» hübe, unter der Bedingung, keine kalvinistischen Ver-

In kurzer Zeit wurden mehr als 600 Kirchen geschlossen »nb zum Teil niedergerissen, die Prediger verjagt oder auf iie Galeeren unter nichtigen Vorwänden geschleppt, Tausende , »an Kalvinisten mit Hilfe der schändlichen Dragonaden, * ^cserMission mit Stiefeln unb Sporen,« wie ber Pariser 1014 - nannte, gewaltsam bekehrt und zur Abschwörung or 101} 101 Pes Glaubens gezwungen.

Zu diesem Zwecke legte man in bie Häuser ber Reformierten dis hundert zügellose, wilde Soldaten, welche wie im felnd- L iftm Lande schalten butften, sich in ben besten Zimmern 102 Mieten, alles zerstörten unb erbrachen, ungestraft raubten 68 inb plünderten, bie schädlichsten Rohheiten gegen schwache nuen, Greise unb Kinder übten, bie Männer mißhandelten )ß4 vd quälten, bi« die Unglücklichen, um ben unerträglichen 98rön zu entgehen, sich bereit erklärten, die Messe zu besuchen.

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eingeschlossen, wo sie eine solche Behandlung erlitten, baß sie bie Bewohner ber Zuchthäuser und bie Galeerensträflinge noch beneideten.

Unter so traurigen Verhältnissen versuchten viele ber bedrückten Hugenotten auszuwanbern, so schwer es ihnen auch fiel, ihr schönes Vaterland zu verlassen. Aber auch dieser Ausweg wurde ihnen bald wieder verschlossen, die Auswanderung bei Strafe verboten unb die Grenzen von einem befonbern Kordon so streng bewacht, daß sie nicht leicht einer ohne Gefahr überschreiten konnte.

All diese Verfolgungen, Bedrückungen und Leiden trafen auch die Familie Roussel im reichsten Maße, obgleich sie dazu nicht die geringste Veranlassung bot unb selbst unter den Katholiken zahlreiche Freunde und Anhänger wegen ihrer loyalen Gesinnung unb Mildthätigkeit hatte, so baß selbst ber verrufene Intendant Baville sie nicht offen anzu­greifen wagte.

Da aber der rachgierige Syndikus und fein Lohn ihm beständig in den Ohren lagen und ihn gegen ihren ver­haßten Goldschmied Pierre aufreizten, so schickte er auch diesem eine Anzahl Dragoner in da« friedliche Landhaus, welche darin anfänglich in ihrer gewohnten wüsten Weise hausten unb das Oberste zum Untersten kehrten.

Nichtsdestoweniger gelang e« ber Familie durch ihre Freundlichkeit unb HerzenSgüte, die wilden rauhen Krieger zu rühren unb denselben eine ihnen sonst fremde Achtung und Nachsicht einzuflößen. Selbst die ausgelassensten unb verhärtetsten Gesellen vermochten nicht, ber Schönheit unb Unschuld ber holden Gabriclle zu widerstehen unb scheuten sich, sie mit einem rohen Wort oder einem frechen Blick zu beleibigen, was allen wie ein Wunder erschien.

Wie eine Heilige zwischen wilden, blutgierigen Raub-

Hierin, wandelte sie furchtlos unb unangetastet, von einem eigenen Zauber umgeben unb geschützt, sorglos und heiter, als ob ein Engel sie begleitete unb ihr zur Seite schritte, alle Unbill von ihr abwehrenb. Zugleich sand sie an ber resoluten Dienerin Perette eine treue Wächterin, die Gabrielle wie ein grimmiger Drache behütete und mit bet selbst der keckste Dragoner aus Furcht vor ihrem Mundwerk nicht anzubinben wagte, obgleich sie sonst eine gute luftige Seele war und sich wegen der vorzüglichen Verköstigung bei ben Soldaten einer großen Beliebtheit erfreute.

Auch gegen Raoul richtete der erbitterte Sekretär seine Angriffe unb suchte ihm so viel al« nur möglich zu schaden. Da derselbe in kurzer Zelt sich als Arzt einen ausgezeichneten Rus und eine! bedeutende Praxi« erworben hatte, so veranlaßte Anatole den Intendanten, ihm die Behandlung ber katholischen Patienten unter bem Vorwand zu untersagen, baß dadurch da« Seelenheil der Kranken geschädigt werden könnte, so wenig auch Raoul daran dachte, für seinen Glauben Proselyten zu machen, da er die größte Toleranz besaß und mit gleicher Liebe und Hingebung alle Leibenden, gleichgültig ob Katholiken ober Reformierte, kurierte.

So schmerzlich auch der junge Arzt den Verlust seiner Praxis empfand, so gehorchte er ohne Murren und be­schränkte sich auf bie Behandlung seiner Glaubensgenossen, die ihm ihr volles Vertrauen schenkten. Leider mußten bald auch seine Angehörigen seine Kunst in Anspruch nehmen, ba infolge ber heftigen Gemütsbewegungen der verehrte Patriarch ber Familie erkrankt war unb trotz aller ange- wenbeten Mittel uns der sorgfältigsten Pflege täglich hinfälliger wurde, so baß man seine baldige Auflösung erwartete.

(Fortsetzung folgt)