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IRarÖUtg, Sonnabend, 23. Februar 1884.
xix. Jahrgang
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»Doch nur unter der Bedingung," fügte der Syndikus mzu, „daß Sie den reformierten Glauben abschwören und ^>e gute Katholikin werden, da nur eine solche die Frau »uncs Sohnes und meine Schwiegertochter werden kann.'
Wie aus einem tiefen Traum erwachend, richtete sich dabriclle auf und fuhr mit ihrer Hand über die weiße «irn, als wollte sie ihre Befangenheit wie einen Schleier ’’ftretfen und ihre Verwirrung gleich einem listigen Infekt Wittdn.
Abg. Lauenstein sprach sich zunächst gegen den Antrag Windthorst aus. Die jetzige Provinzial - Verfassung könne um so weniger die Grundlage der künftigen Provin» zialvcrtretung bilden, als sie von vornherein nur als eine provisorische aufgefaßt worden sei. Sie sei defekt, entspreche nicht der Gerechtigkeit und beruhe auf überwundenen ständischen Prinzipien. Dagegen empfehle sich die Annahme der Kommisstonsvorschläge. Der Herr Minister habe die Behauptung des Abg. v. Rauchhaupt nicht widerlegt, daß in Hannover die Verhältnisse ganz anders liegen,
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in den Provinziallandtag zu schicken hätten. Für die von der Kommission empfohlene Einteilung habe sich nicht nur der hannöversche Provinziallandtag, sondern auch der ehemalige Führer der nationalliberalen Partei, Herr v. Bennigsen, ausgesprochen.
Vizepräsident de« StaatsmintsteriumS, Minister des Innern v. Puttkamer erklärte, daß die Regierung gegen den KommisstonSvorschlag noch größere Bedenken habe, als gegen den gestern angenommenen § 24 a der Kreisordnung, ba in diesem der Regierung doch nur eine Fakultät gegeben werde, deren Anwendung von ihrem Ermesien abhänge. ES handele sich hier um die Frage, ob man an dem 1875 nach langen Beratungen vereinbarten Prinzip der Pro- vinzial-Bertretung festhalten wolle oder nicht. Nach seiner Ueberzcugung dürfe man den Prcvinziallandtag nicht auf den verschiedenen Jnteresiengruppen aufbauen, sondern auf dem Organ, in dem diese Interessengruppen ihren Ausgleich gefunden haben, dem Kreistage. Daß in Hannover die Grundbesttzverhältnisie etwas anders liegen, als in den östlichen Provinzen, gebe er zu, aber die Besorgnis des Abg. v. Rauchhaupt, daß etwa durch eine Koalition des kleinen Grundbesitzes und der Städte der Großgrundbesitz bei den Wahlen zum Provinziallandtage unterdrückt werden würde, halte er für ungerechtfertigt. Der Provinziallandtag habe nach eingehender Prüfung auch selbst anerkannt, daß die Vertretung aller Jnteresien auf Grund des in der Vorlage enthaltenen Wahlmodus thatsächlich gesichert esscheine. Daß mehrere Kreise behufs Vornahme dieser Wahl zusammengelegt werden könnten, sei allerdings nur ein Notbehelf; aber dieses Aushilfsmittel sei doch jedenfalls den verwickelten Vorschlägen der Kommission bet weitem vorzuziehen.
Abg. vom Heede bekämpfte die KommisstonSbeschlüsie, die ein gefährliches Präjudiz für die übrigen Provinzen schaffen würden, denen diese Selbstverwaltungsorganisation noch fehle. Wozu wolle man hier dem PartikulariSmuS Hannovers eine Konzession machen, zumal eine solche von der überwiegenden Mehrheit der Vertreter dieser Provinz selbst gar nicht beansprucht werde?
überwiegende Einfluß des kleinen Grundbesitzes würde unzweifelhaft zu einer Benachteiligung des Großgrundbesitzes führen; deshalb wolle die Kommission einer jeden Interessengruppe eine bestimmte Anzahl von Vertretern im Provinziallandtage sichern.
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„Außerdem," bemerkte der Syndikus, „haben Sie die Erlaubnis Ihres Vaters nicht nötig, da Sie nach dem Gesetz ungehindert Ihre» Glauben ändern können, auch ohne die Einwilligung Ihrer Eltern, die trotzdem verpflichtet sind, Ihnen unter allen Verhältniffen eine standesgemäße Aussteuer und Mitgift zu geben."
„Auch darf ich Ihnen nicht verschweigen," ergänzte der Sekretär, „daß strenge Maßregeln gegen die Kalvinisten beschloffen sind, da der König nicht länger die Ketzerei in seinem Staate dulden will und in wenigen Wochen das Edikt von Nantes widerrufen wird, wodurch Sie und Ihre Angehörigen ernstlich bedroht werden, wenn Sie cS nicht vorziehcn, sich zu bekehren und meinen Antrag anzunehmen."
Von Neuem schien Gabrielle zu schwanken und zu überlegen, während ihre Angehörigen mit sichtlicher Bangigkeit ihre Entscheidung erwarteten, von schmerzlichen Zwei ein und Befürchtungen erfüllt, daß daS so bedrängte Kind der Versuchung erliegen und sie zeitig und ewig ihre geliebte Tochter verlieren würden.
Schon glaubte der Syndikus zu triumphieren, schon ergriff Anatole ihre zitternde Hand, um die Geliebte an sich zu ziehen, als sie mit einer gewaltsamen Anstrengung sich losriß und zu ihren Eltern stürzte, die sie krampfhaft fest mit ihren Armen umschlang, das glühende Gesicht an dem Busen ihrer Mutter bergend.
„Nein, nein," sagte sie laut. „Ich laffe nicht von Euch und von meinem Glauben. Lieber will ich Schmach und Not mit Euch teilen, das Schwerste und Bitterste dulden, als mich von Euch trennen und die Wahrheit verleugnen."
Mit strahlenden Augen und verklärten Zügen stand sie hochaufgerichtet da, gleich einer jener Märtyrerinnen, in überirdiseber Schönheit, bereit, für ihre Ueberzeuaung zu leiden und das größt« Opfer ihrer Liebe und ihrem Glauben zu bringen.
vom Laadtag.
Berlin, den 21. Februar.
52. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. In btr heutigen Sitzung kam der Gesetzentwurf, betreffend die Einführung der Provinzialordnung vom 29. Juni 1875 in der Provinz Hannover in zweiter Beratung zur Verhandlung.
Auch der Regierungsvorlage sollen die Wahlen zum Provinziallandtage in derselben Weife wie in den östlichen Provinzen erfolgen, v. h. jeder Kreis soll, je nach seiner Einwohnerzahl, ein biö drei, unter Umständen auch mehr Abgeordnete wählen.
Die Kommission schlägt dafür folgende Bestimmung vor: „Der Provinziallandtag besteht aus 94 Abgeordneten oct Kreise, und zwar aus je 27 Abgeordneten im Wahl- verbante der größeren ländlichen Grundbesitzer und der Städte; aus 40 Abgeordneten im Wahlverbande der Landgemeinden.
Abg. Dr. Windthorst beantragt, unter Ablehnung des ersten Satzes des Artikels I. der Vorlage, die königliche Staatsregierung aufzufordern, dem Landtage den Entwurf einer Provinzialordnung vorzulegen, welcher die pro- vinzialständische Verfaffung, wie solche durch die königliche Verordnung vom 22. August 1867 im Gebiete des ehe- miliyen Königreichs Hannover geordnet ist, soviel die Zu- stmMensetzung des Landtages betrifft, zur Grundlage nimmt, imb man nur dasjenige ändert, was nötig ist, um die künftige Provinzialordnung der neuen Organisation der Landesverwaltung anzupaffen. — Für den Fall der Ablehnung dieses Antrages beantragt er zugleich sieben Standes- herren (Herzog v. Arenberg, Grafen zu Stolberg-Wernigerode u. a.) Virilstimmen für den Provinziallandtag zu erteilen.
Abg. Dr. Köhler (Göttingen) erklärte, daß seine (notiünallibetalen) Freunde bis auf zwei oder drei Stimmen den KommisstonSvorschlag verwerfen und an der Regierungsvorlage festhalten wollen. Der Beschluß des Provinziallandtages, auf den sich die Mehrheit der Kommission berufe, verdiene keine Berücksichtigung, da er nicht die Stimmung der Provinz wiederspiegele; der Provinztalland- lag sei ganz naturgemäß in dieser Frage besangen. Man möge an dem Entwurf der Regierung festhalten und Hannover nicht anders behandeln, als die alten Provinzen.
Abg. von Rauchhaupt trat für den KommisstonS- beschluß ein. Er habe gegen das Wahlprtnzip für den Provinziallandtag in den Landordnungsprovinzen keine Bedenken, aber in Hannover liegen die Berhältniffe anders, ols in den östlichen KreiSorvnungSprovinzen. Die Gefahr, daß beim Wahlkampfe eine Interessengruppe zu kurz käme, s«i in Hannover besonders stark, da nach dem Entwurf der
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6 Die Schützlinge des Grotze« Kurfürsten.
Historische Erzählung von Max Ring.
Bei dieser plötzlichen Mitteilung überzogen sich ihre Ittten Wangen mit flammender Schamröte, ihr Herz schlug so heftig vor Aufregung, daß sie nicht ein Wort zu sprechen dermochte und von den widersprechendsten Gefühlen bestürmt, dumm und starr wie eine schöne Bildsäule dastand, unfähig 'inen Entschluß zu fasten.
Mit ängstlicher Spannung blickten die Anwesenden auf d»s schweigende Mädchen, das ratlos und verwirrt seine ^ugen im Kreise von dem Einen zum Andern schweifen iich und zwischen ihren Eltern und einem so glänzenden Verehrer unentschlosten und verlegen zu schwankm schien.
„Warum antwortest Du nicht?" fragte der Vater, be- «iruhlgt von ihrem Schweigen. „Wir lassen Dir völlig mic Wahl und wollen Dich in keiner Weise beschränken." , „Reden Sie, holde Gabrielle!" bat ihr Verehrer mit Etlicher Stimme. „Ein Wort aus Ihrem Munde kann ^ich zum glücklichsten Sterblichen machen. Sagen Sie, **6 Sie mich lieben und meine Gattin werden wollen."
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie b. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; ♦ Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; SB. Thienes in Elberfeld.
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Dr. Hänel trat für die Vorlage der Regierung ein. Die Kommissionsbeschlüste schienen ihm noch schädlicher zu fein, als selbst der Antrag Windthorst, der sich doch wenigstens der historischen Entwickelung Hannovers anpaste. Die Kommission wolle den einheitlichen Kreis- • tag, welcher die Vertretung gemeinsamer kommunaler In- teresten darstelle, wieder in einseitige Jnteresiengruppen zerreißen. Der Kommissionsvorschlag sei aus einem ganz unberechtigten Mißtrauen gegen den kleinen Grundbesitz hervorgegangen; die Rechte wolle mit dem Kommissions- Anträge einen Teil des ständischen Prinzips retten, thal- sächlich aber werde nur etwas künstliches geschaffen, das die auS der historischen Entwickelung hervorgegangenen Stände nicht ersetzen könne.
Abg. Dr. W i n d t h o r st verteidigte feinen Antrag. Nach der eigenen Aussage des Ministers fei für die Selbstverwaltung ein gewisies aristokratisches Element unentbehrlich. Aber in dem Entwurf vermisst er durchaus eine genügende Berücksichtigung dieses Elements. Welche traurige Folgen eine ungenügende Vertretung des Großgrundbesitzes habe, die man gerade in Hannover seiner Zeit mit der Bildung der ersten Kammer gemacht. Die Großgrundbesitzer seien die berufensten Wortführer des Grundbesitzes nach dem Entwurf der Regieung würden es dagegen die Bürgermeister und Landräte fein. Sein Antrag enthalte alles, was im konservativen Jntereffe für Hannover notwendig sei. Wolle man aber durchaus experimentieren, dann möge man den Kommisstonsbeschluß annehmen, der doch wenigstens dem Großgrundbesitz und den Städten eine hinreichende Vertretung sichere.
Abg. Dr. Gneist bekämpfte in längerer staatsrechtlicher Auseinandersetzung den Antrag Windthorst sowohl, wie den Kommisstonsbeschluß, während Abg. v. Meyer- Arnswalde prinzipaliter für den Antrag Windthorst, ev. für den Kommisstonsbeschluß eintrat.
Abg. v. Dziembowski erklärte im Namen der frei- konservativen Partei, daß dieselbe entschieden an dem in den KreiSordnungSprovinzen geltenden Prinzip« festhalte und daher gegen die KommisstonSbeschlüsie stimmen werde.
Bei der Abstimmung wurde zunächst der Antrag Windthorst, und sodann in namentlicher Abstimmung § 9 der KommisstonSbeschlüsie ebenfalls mit 165 gegen 157 Stim- men verworfen, dagegen Artikel 1 der Regierungsvorlage
Sprachlos vor Rührung und Bewunderung umringten ihre Angehörigen die wiedergefchenkte Tochter und der würdige Patriarch legte feine Hände auf ihr Haupt und betete mit leiser, tief ergreifender Stimme: „Der Herr segne Dich und behüte Dich; der Herr laffe fein Angesicht lEen über Dir und fei Dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir Frieden."
Mit einem unterdrückten Fluch verließ der hochmütige Syndikus mit feinem abgewiesenen Sohn die glückliche Familie, von finsteren Rachegedanken und wildem Haß gegm die ketzerischen Hugenotten erfüllt, welche ihn fo tief gekränkt und fo schwer beleidigt hatten.
II.
Nur zu bald, am 18. Oktober 1685, erfolgte der an- gedrohte Widerruf des Edikte« von Nantes. Unter dem Einfluß der bigotten, intriguanten Frau von Maintenon, seiner heimlich ihm angetrauten Gemahlin, des fanatisch schlauen Beichtvaters La Chaise, des ehrgeizigen, ränkevollen MimsterS LauvoiS und des beschränkten Kanzlers Le Tellier vernichtete Ludwig der Vierzehnte mit einem Federstrich die von seinen Vorfahren erlasienen und von ihm selbst de- ftätigten Rechte und Freiheiten seiner protestantischen Unterthanen, womit er über ganz Frankreich ein unsägliches Unheil heraufbeschwor.
Der betreffende Erlaß gab zugleich das Signal zu einer aller Beschreibung spottenden Reihe von religiösen Ver- folgungen und Bedrückungen, wie sie kaum zum zweitenmale die Geschichte der Menschheit kennt. Bi« auf wenige ehrenvolle Ausnahmen beeilten sich die Beamten, die Gouverneure und Intendanten der Provinzen die angeordneten Maßregeln mit unmenschlicher Härte und Grausamkeit auSzuführen, wozu sie von vielen Seiten angefeuert und von der Rachsucht oder Gel gier zahlreicher Angeber noch gestachelt wurden.
(Fortsetzung folgt )
6 -Vor allem," sagte sie nach dniger Zeit mit fester, ^rer Stimme, „muß ich erst wisien, ob meine Eltern ^it einverstanden sind, daß ich Katholikin werde!" k, »?ie hören ja," versetzte Anatole, „daß sie Ihnen die °shl frei stellen und eS lediglich von Ihnen abhängt, mein --'Uebtcs Weib zu werden."
Erscheint täglich außer an der- Werktagen nach Son», und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „ ZllustrtrteS ZonntagSblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche Buchdruckerer) bezogen 2‘/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zette I« Psa. 8-kr in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet
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