JItarfiurg, Donnerstag, 21. Febrnar 1884
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xix. Jahrgang
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itt, 20 Petitionen etngegangen seien. Die Kommission habe
n, mit i dieselbe erörtert, jedoch keine bindende Beschlüsie darüber
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Die Schützlinge des Große« Kurfürsten.
Historische Erzählung von Max Ring.
Während dieses Referates hat sich die Rednerliste ge» stattet. Es sind 6 „gegen" und 7 „für" die Vorlage eingeschrieben.
Abg. Di richtet (gegen) bemängelt die Bildung der Kreise, welche, teils zu groß, teils zu klein, durchaus un-
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lewiß noch einmal weit bringen wird. Ich für meine Person wünsche mir keinen besieren Schwiegersohn und bin
gefaßt. Er werde, wenn die eine oder andere jener Pe- tittoaen zur Sprache komme, der bezüglichen Anschauung der Kommission Ausdruck geben.
gegen jede Kreisordnung ohne das Institut der Amtsvorsteher. Außerdem werde die Verwaltungsgerichtsbarkeit eingeschränkt und gerade auf diese sei der Hauptwert zu legen, weil sie sich insofern von der übrigen Gerichtsbarkeit vorteilhaft unterscheide, als die Parteien an Ort und Stelle ihre Sache vertreten können, ohne eine« Rechtsbeistandes zu bedürfen. Aus diesen Gründen sei er mit seinen Freunden (Fortschr.) gegen den § 1 der Vorlage und damit gegen dieselbe überhaupt.
Abg Dr. Brüel (Zentr.) spricht sich für die Vorlage aus. Er bedauert zwar, daß damit den Hannoveranern wieder ein Wechsel aufgebürdet werde, doch sei dies immerhin bester als der bisherige Zustand der Unruhe und Rechtö- unstcherheit.
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tontag, Abzug!
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vom Limdtag.
Berlin, den 19. Februar.
50.PlenarsitzungdeSAbgeordnetenhauseS. HauS und Tribünen sind mäßia besetzt.
Am Ministertische: Minister des Innern v. Puttkamer, Geh. Obcr-Ncg.-Rat Haase und RegierungSrat Schweckendieck.
Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Minuten mit geschäftlichen Mitteilungen. Eingegangen ist ein Gesetzentwurf betreffend die Ergänzung und Abänderung einiger Bestimmungen über die Erhebung der auf das Einkommen gelegten direkten Kommunal Abgaben. Ferner eine Mitteilung des Justizminister, derzufolge das Strafverfahren gegen den Abg. Dr. Meyer (Breslau) für die Dauer ter Session eingestellt ist.
Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung deS Entwurfs einer Kreisordnung für die Provinz Hannover und des Ges'tzentwurfs, betreffend die Einführung der Pro- vinzialordnung vom 29. Juni 1875 in der Provinz Hannover.
Abg. Barth referiert namens der Kommission. Er verweist im allgemeinen auf daS Ergebnis der Kommifsions- Berhandlungen und bemerkt, deß nachträglich noch etwa
schließt. Ich bitte Sie daher, die Kommisflonsbeschlüfle im ganzen anzunehmen.
Abg. Dr. Windthorst (gegen) kann die Gründe nicht anerkennen, welche für die Neuerung ins Feld geführt werden. Man redet stets von einer „inneren Verschmelzung", welche dadurch herbeigeführt werden soll. Glauben denn die Herren in Berlin, daß dies dadurch geschehe, daß man etwas einführt, was den Hannoveranern nicht gefällt? Mit gesetzgeberischen Schablonen hat man noch nie die Liebe in annektierten Landestetlen erworben, sondern nur durch Wahrung der historischen Eigentümlichkeiten. Hoffentlich brauche ich unter den tramigen Folgen dieser Neuerung nicht mehr lange zu leben.
Minister deS Innern v. Puttkamer: Die Ausführungen deS Abg. Windthorst drängen mich aus meiner Reserve, umsomehr, als dieser Redner stch lediglich an 8 1 der Vorlage anlehnte. Freilich muß ich bemerken, daß die Argumente, welche der Abgeordnete Windthorst heute gegen die Vorlage vorgebracht, mich nicht überzeugen können. Der hannoversche Provinziallandtag hat in zwei Sitzungen nach den eingehendsten Beratungen die Notwendigkeit einer endlichen Regelung der VerwaltungS- verhältniffe ausgesprochen, und zwar in einer Weise, welche nichts mit der pessimistischen Anschauung deS Vorredners gemein hat. Eben so wenig fand der resignierende Standpunkt deS Abg. Dr. Brüel Im hannoverschen Provinzial- Landtag irgend einen Vertreter. Dr. Windthorst wird dieser Körperschaft doch kein so kurze« Urteil zutrauen? Im übrigen muß ich ihn an daS Dichterwort erinnern: „Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes bleiben, so schließe beherzt stets an ein Ganzes dich an!" Der Abg. Dr. Windthorst ist ein viel zu guter Patriot und Politiker, um nicht zu wiffen, daß die Einheit der Monarchie auch die Einheit in den fundamentalen Grundsätzen der Gesetzgebung verlangt. DaS ist dasjenige, waS die Regierung will, und an diesem logischen Gedanken wird Dr. Windthorst trotz seiner sehr gewandten Dialektik nichts wegdisputieren können. Nun ist allgemein anerkannt, daß die Regierung mit der Vorlage für Hannover mit größter Schonung und unter möglichster Wahrung der historischen Eigentümlichkeiten vorgeganqen ist. In gleichem Sinne wird die Regierung, falls die Vorlage für Hannover zu Stande kommt, an die bezüglichen Vorarbeiten auch für die anderen Provinzen herantreten. Wenn der Abg. Windthorst jedoch das Interesse der einen Provinz gegen die andere hier aussptelt und der Staatsregierung allerlei Hintergedanken imputiert, so muß ich eine solche Taktik entschieden zurückweisen I (Bravo rechts.)
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ganz zufrieden, wenn Gabrielle —"
„Wo denkst Du hin?" unterbrach der Goldschmied die ^schmeichelte Mutter. „DaS Mädchen ist «och ein Kind
♦M viel zu jung, um zu heiraten."
„Ich zweifle nicht," fügte der Syndikus mit siegeSge- wissem Lächeln hinzu, „daß Ihr unfern Antrag nicht zurück- »eifen werdet, da Ihr hinlänglich unsere Verhältnisse kennt und auch wissen werdet, daß mein Sohn in seiner Stellung die Auswahl unter den ersten und besten Partieen in ganz Languedoc hat und daß jede Familie stch eS zum Glück und zur Ehre rechnen muß, einen solchen Mann zum Schwiegersohn zu bekommen, der die rechte Hand unseres wächtigen Intendanten ist und dem noch eine glänzende Laufbahn bevorsteht."
Nichtsdestoweniger schienen die Hörer von dem unerwarteten Antrag mehr bestürzt als erfreut, indem sie, wie vom Donner gerührt, den Syndikus stumm anstarrten, als vb sie ihren Ohren nicht trauten oder das Ganze nur für einen Scherz hielten.
„Nom de Dieul“ rief dieser ungeduldig. „Was soll
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerel) bezogen 2*/» Warf, budj bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pfa.
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet
Gott Lob nichts zu fürchten und bedürfen keines Menschen, um uns zu retten. Die Roussels sind ein altes, sicheres Haus, dem niemand etwas anhaben kann."
„Pardieul" erwiderte der Syndikus. „Ihr werdet bald anders sprechen und gelindere Saiten aufziehen, wenn Ihr erfahrt, was im Werke ist. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit will ich Euch sagen, daß eS in zwei Monaten keine reformiertesKirche mehr in Frankreich geben wird und alle Kalvinisten stch bekehren müssen."
„Herr Syndikus," versetzte der Goldschmied erregt, „das kann doch uur ein Scherz sein, obgleich ich es nicht gerade von Euch passend finde, mit solch heiligen Dingen zu scherzen."
„Ich gebe Euch mein Ehrenwort, daß ich im vollen Ernst rede und Euch aus aller Freundschaft nur die Wahrheit mitteile."
„Da« ist nicht möglich; Ihr müßt Euch irren. DaS Edikt von Nantes sichert den Reformierten freie Religionsübung und alle bürgerlichen Rechte, die uns niemand rauben kann. ES ist Thorheit, so etwas nur zu denken."
»Wenn aber der König daS Edikt widerrufen will! Könnt Ihr ihn hindern?"
„Nimmermehr!" rief der Goldschmied auffahrend. „Da« wird der König nicht thun, nicht sein gegebenes Wort, sein heiliges Versprechen brechen. Dazu ist er zu edel, zu gut und auch zu klug. Die Reformierten sind seine treuesten und besten Unterthanen —"
»Aber Ketzer, die ein rechtgläubiger Fürst in seinem Laude nicht dulden darf, ohne sein Gewissen zu beschwerm und die wahre Religion zu schädigen. Darum hat der König beschlossen —"
„Nein, nein I Ich kann und werde niemals glauben, daß Ludwig der Große eine solche himmelschreiende Ungerechtigkeit begehen sollte, wenn ich auch weiß, daß Frau von Maintenon und die Jesuiten ihm dazu taten und ihn drängen."
(Fortsetzung folgt.)
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«„•eigen nimmt entgegen: kie Expedition b. BlatteS, f’mie d Annoncen-Bureaux ^Haasensteiu und Vogler j„ Frankfurt a M, Ham- Lg, Magdeburg u.Wien; «ubolf Muffe in Frankfurt a ix Berlin, München unb tföfn: G L. Daube unb 6o. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expebition b. Blattes, sowie b. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Hermann- scheBuchhanblung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; ♦ Jnvalidendank in Berlin, Dresden unb Leipzig; I Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Slberselb.
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das heißen? Ich glaube gar, daß Ihr Euch besinnt."
„Verzeiht," erwiderte der Goldschmied, der sich unterdessen gefaßt hatte. „Euer ehrenvoller Antrag kam unS so plötzlich und so überraschend, daß wir nicht tat Stande sind, sogleich bie geziemende Antwort zu geben, so sehr wir auch die un«
73 , erwiesene Ehre zu schätzen wissen."
„Ich hoffe doch, daß Ihr gegen meinen Sohn nichts einzuwcnden haben werdet."
„Gott behüte!" entgegnete Frau Madeleine lebhaft. »Herr Anatole ist der liebenswürdigste, galanteste junge
Hier wird die Rednerliste durch eine längere Geschäftsordnungsdebatte unterbrochen. Abg. Dr. W i n d t h o r st betont, daß es stch zunächst nur um die Beratung des § 1 handle, der darin gipfele: will man die Aemterverfassung aufheben und die KreiSordnung an ihre Stelle setzen ober nicht? Dahin mögen stch die Redner äußern. Präsident v. Köller schließt stch dem an und läßt die Rednerliste unverändert.
Abg. v. Meyer-ArnSwalde (gegen) spricht nicht im Namen bet konservativen Partei, mit deren Anschauung die seinige in dieser Frage im Widerspruche stehe. Er verweist auf die Entwicklungsgeschichte der Kreisordnungsfrage überhaupt und erinnert an die bezüglichen Ausführungen deS Ministers Grafen Fritz zu Eulenburg im Jahre 1876. Auf die Vorlage eingehend spricht Redner die Befürchtung aus, daß der neue Landrat für Hannover demjenigen in Brandenburg sehr wenig ähneln werde, sondern mehr dem DistriktS-KommissarinS in der Provinz Posen. (Heiterkeit.) Die Selbstverwaltung sei kein Bedürfnis, sondern der Ausfluß einer parlamentarisch-akademischen Anschauung. Er werde, im Gegensatz zu seinen FraktivuSgenossen, gegen die Vorlage stimmen.
Minister des Innern v. Puttkamer bedauert, daß die bisherige Diskussion sich auch auf den § 24a ausgedehnt habe, obwohl er den inneren Zusammenhang dieses mit dem § 1 anerkenne. Er werde daher erst bei Beratung des § 24a sich eingehend äußern unb bitte, daß man aus seinem Schweigen keine nachteiligen Schlüsse ziehe.
Abg. Hansen (für): Ich kann als ein Neu - Provinzler den Hannoveranern nur raten, die Vorlage anzunehmen. Auch wir in Schleswig haben von unseren historischen Eigentümlichkeiten mancherlei aufgeben müssen. Dies darf aber nicht ins Gewicht fallen angesichts der Vorteile der Einverleibung in einen großen und mächtigen Staat.
Abg. B ö diker (gegen) will den gegenwärtigen Zustand in Hannover aufrecht erhalten wissen, welcher immer noch besser sei, als die geplante Neuerung.
Abg. v. Liebermann (für): Meine konservativen Freunde und ich stehen auf dem Standpunkte, die Vorlage als den ersten Versuch der Staatsregierung zu begrüßen, die Organisation der alten Provinzen auf die neuen au«- zudehueu. Wir haben das lebhafteste Interesse daran, daß die Hannoveraner zufrieden sein möchten mit dem, waS wir hier für sie beschließen. Mit der Annahme der Vorlage erstreben wir in erster Reihe, daß man mehr und mehr in den neuen Provinzen daS gemeinsame Band fühle, welches uns alle als preußische Unterthanen um-
„Sie wird Ostern siebzehn Jahre unb ich war nicht älter, als ich Dich nahm. Außerdem besitzt sie eine Reife de« Verstandes weit übet ihr Alter und ist in der Wirtschaft so erfahren und geschickt, wie kaum eine verheiratete Frau. Sie weiß in Küche, Keller unb Garten Bescheib so gut wie ich unb kann dem größten Hauswesen mit Ehren verstehen."
„Das freut mich," versetzte der Syndikus freundlicher. „Hauptsächlich aus diesem Grunde bin ich mit der Wahl meines Sohnes einverstanden, da feit dem Tode meiner seligen Frau in unserem Hause die Wirtin fehlt. Wit brauchen eine tüchtige Hausfrau, die eine so gute Schule wie Eure Tochter genossen hat, um Zucht unb Orbnung zu halten unb für un« zu sorgen. Da sich mein Sohn In bas Mädchen verliebt hat unb auch unsere Familien unb beiderseitige VetmögenSvethältnlsse zu einander passen, so denke ich, daß wir uns über alles leicht einigen werden und nichts weiter int Wege steht —"
„Als unser Glaube!" tief plötzlich die Stimme des greifen Patriarchen, der bisher still unb scheinbar teilnahmslos dagesessen hatte, al« ob ihn die Verhandlungen nichts angingen.
Das klang so feierlich wie ein Mahnruf des Himmel«, wie eine Übetirdssche Geisterstimme, daß alle Hetzen rounbet» bat davon ergriffen wurden unb selbst der hochmütige Syndikus sich eint« leisen Schauer« nicht zu erwehren vermochte.
„Euer Glaube!" sagt« et nach einer Panse spöttisch. „Der tarnt uns wohl nicht hindern."
„Ich sollte doch metain," versetzte der Goldschmied. „Mein Vater hat aanz recht; wir werden nie zugeben, daß unsere Tochter —"
„Wie könnt Ihr mn so thöricht fetal" entgegnete der Syndikus. „Ihr scheint nicht zu wissen, waS In bet Welt vorgeht und Euch bevorsteht, sonst würdet Ihr Euch nicht bedenken und Gott danken, daß wir Euch die Hand zu Eurer Rettung bieten."
„Ich verstehe nicht, wo« das bedeuten soll? Wir haben
- ein brrs zweckmäßig sei. Uebtigens entspreche diese Kreisordnung auch keineswegs den Wünschen der Hannoveraner, wie man dies aus Privatgesptächen leicht merken könne. Er sei