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JRatCutfl, Mittwoch, 20. Februar 1884.
XIX. Jahrgang.
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gefallen ist, zu einer definitiven macht, während doch unzwei- dentige Erklärungen der maßgebenden KommiffionSmitglieder vorliegen, wonach die Beschlüsse der ersten Lesung nicht als bindende zu betrachten seien und die definitive Stellungnahme zu dieser Frage von der ferneren Gestaltung der Vorlage, insonderheit von der Wahrung des Wahlrechts fnr die von der Steuer zu befreienden Klaffe abhängen »erde. Weiter aber werden, um der Möglichkeit vorzu-
«tfston noch keinen Anlaß zu irgendwelchen Folgerungen über daS Schicksal der beiden Steuervorlagen. Anderseits hält die Regierung an ihrer Forderung der Befreiung der dritten und vierten Stufe fest, ohne die Absicht einer weiteren Ausdehnung der Steuerbefreiung zu haben. Sie steht
hiermit auf dem Boden der beiden VerwendungSgesetzentwürfe vom Jahre 1880/81 und 1882 Von der Verwirklichung dieser Forderung hat sie im vorigen Jahre, als die Befreiung der beiden ersten Stufen erreicht wurde, nur deshalb Abstand genommen, weil einstweilen keine Mittel zur Deckung des Ausfalls vorhanden waren. Das jetzt vor- gefchlagene Kapitalrentensteuergesetz bat vornehmlich den Zweck, die Mittel zur Ausführung jenes Programms zu beschaffen. Würde auf die Befreiung der dritten und vierten Stufe verzichtet werden, so würde das Kapitalrentensteuergesetz an Bedeutung wesentlich verlieren. Für die StaatS- regierung aber ist die Befreiung der dritten und vierten Stufe der eigentliche Zi lpunkt der Personalsteuerreform, dem gegenüber die anderen Punkte in den Hintergrund treten. Dieses Ziel erreichen, erachtet sie für eine sozialpolitische Notwendigkeit, welche durch technische Bedenken oder Parteimanöver nicht beseitigt zu werden vermag, und für welche sie sich der Zustimmung in den weitesten Kreisen der Bevölkerung gewiß für sicher halten darf. Daß die Steuer - Kommission oder das Plenum des Abgeordnetenhauses sich der Einsicht von dieser Notwendigkeit verschließe, dafür sind vorläufig noch keine Anhaltspunkte vorhanden.
verstcherungsvorlage ist bis jetzt eine Begründung noch nicht betgegeben. Der Entwurf schließt sich sehr eng, zum großen Teil sogar wörtlich an die veröffentlichten Grundzüge an. Wie der „Franks. Ztg." berichtet wird, sind nur nebensächliche Bestimmungen geändert, so namentlich, daß auch diejenigen unter da« Haftpflichtgesetz fallenden Betriebe mit Motoren, welche weniger als drei Arbeiter haben, dem Gesetze unterstellt werden. Den wichtigsten Beschlüssen des Volkswirtschaftsrates ist nicht Rechnung zu tragen, so gleich dem Beschluß, die Unfallversicherung auf die in gewerbsmäßigen Baubetrieben, in Bauhöfen und an Bauten beschäftigten Arbeiter auszudehnen. Die Vorlage enthält davon nichts. Der Volkswirtschaftsrat hat, und zwar nach harten Kämpfen, die Frage, ob ein Reservefonds gebildet werden solle, mit 25 gegen 23 Stimmen abgelehnt und das Umlageverfahren nach dem Regierungsvorschlage pure angenommen, nachdem Staatsminister v. Bötticher einen Reservefonds für „entbehrlich" erklärt hatte. Der jetzige Entwurf hält im Gegensatz zu der Erklärung deS Ministers und zu dem Beschlüsse des Volkswirtschaftsrats einen Reservefonds bis zur Höhe eines einjährigen Deckungsbedarfs im Beharrungszustande für notwendig. Der Volkswtrt- schaftörat hatte sich, wie die „Prov.-Korresp." zutreffend bemerkt hatte, auf den Arbcitgeberstandpunkt zurückgezogen, indem er die Vorlage, und zwar fast einstimmig dahin abänderte, daß die ArbeiterauSschüffe nicht lediglich auS Arbeitnehmern, sondern zur Hälfte aus Arbeitgebern, zur Hälfte auS Arbeitnehmern bestehen sollten; der neue Entwurf hat die Arbeitgeber aus den Ausschüssen wieder beseitigt und damit diejenige Bestimmung wieder hergestellt, auf deren Beseitigung der Volkswirtschaftsrat den größten Wert legte. Nur ein kleines Zugeständnis an den Arbeitgeber-Standpunkt des Volkswirtschaftsrats hat die Reichs- Regierung gemacht, indem sie die Bestimmung ausnahm, daß die Arbeiter-Ausschüsse, wenn sie Maßregeln zur Verhütung von Unfällen begutachten, unter dem Vorsitze eines Beamten an Stelle des frei gewählten Vorsitzenden aus ihrer Mitte beraten, und daß an dieser Beratung nur für eine Periode von vier Jahren bestimmte Mitglieder der AuSschüffe teilnehmen. Der Volkswirtschaftsrat endlich hatte alle Anträge, welche darauf auSgingen, den lokalen Abteilungen der BerufSgenoffenschaften, den sog. Sektionen, eine größere Selbständigkeit, namentlich bezüglich der Feststellung der Entschädigungen, zu geben, abgelehnt und zu gunsten der Regierungsvorlage, weil die Vertreter der Regierung die einheitliche Organisation der BerufSgenoffenschaften nicht durchbrechen laffen wollten; der neue Entwurf dagegen soll die Befugnisse der Sektionen wesentlich erweitern. — Das Schuldotationsgesetz, so schreibt man der „N.-Ztg.", hat sämtliche Vorstadien nunmehr durchlaufen. Der Entwurf umfaßt etwa 150 Paragraphen und erfordert zu gründlicher Durcharbeitung in einer Kommission wahr.
Deutscher Reich.
Berlin, 18. Febr. Der Kaiser empfing vormittags die regelmäßigen Vorträge, arbeitete dann mit dem Chef des Zivilkabinetts, empfing hierauf den neuernannten Chef des Militärreit - Instituts Obersten v. Krosigk und wird abends dem Ballfeste bei dem österreichischen Botschafter beiwohnen. — Am nächsten Donnerstag findet im königl. Schlosse eine Ballfestlichkeit statt, zu welcher heute zahlreiche Einladungen ergangen sind. — Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt gegenüber der „Nat.-Ztg." die Richtigkeit einer Stelle deS neuesten Buches Über Fürst Bismarck von Moritz Busch und sagt weiter, von einer Annexion süd- oder norddeutscher Staaten sei im Frühjahre 1866 weder zwischen den Monarchen, noch den Kabinetten die Rede gewesen, sondern nur von einem dauernden Dualismus in der Stellung zweier Oberfeldherren und von einem gemeinsamen Bundeskriege beider gegen Frankreich. — Der „Reichs-Anz." veröffentlicht eine Verfügung deS Ministers deö Innern an die RegierungS Präsidenten über den Kolportage-Buchhandel, in welcher es heißt, zweifelsohne seien die Behörden berechtigt, die Entscheidung von der vorherigen Einreichung von Exemplaren der in dem Berzeichniffe auf« geführten Druckschriften und etwaigen Prospekte abhängig zu ^machen; eS würde andererseits aber der Absicht des Gesetzes zuwiderlaufen, von dieser Befugnis der Behörden in allen Fällen ohne Unterschied Gebrauch zu machen; daS Gesetz wolle nur vie Auswüchse deS Kolportage-Buchhandels treffen, nicht aber der legitimen Kolportage unnötige Hinderniffe in den Weg legen. — Der Unfall-
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a„ieiaen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blattes, - mi> d Annoncen-Bureaux ^n Laasenftein und Vogler n Frankfurt a M-, Ham- "a, Magdeburg u. Wien; älf Messe in Frankfurt ^ Berlin. München und »#[»'• © L. Daube und £ in Frankfurt a. M., Ak,in, Hannover u.PanS.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Hermann» scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; SB. Thienes in Elberfeld.
beugen, daß etwa vom Plenum des Abgeordnetenhauses ischeDq autere Entschließungen gefaßt werden, schon jetzt gewisse der Ey Erklärungen, welche der Finanzminister in der Kommission [6 abgegeben hat, in einer Weise entstellt, welche zeigt, daß die Opposition um triftige Gründe für ihre Gegnerschaft
Diesen Versuchen gegenüber, die Lage zu verwirren, mag . t« angezeigt erscheinen, das thatsächliche Verhältnis festzu- ■ d. M stellen. Einerseits bieten die bisherigen Beschlüffe der Kom-
grscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Mustrirtes SountagSblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2‘A Mark, durch diePpostämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
______________________________ Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet
, ?■ gegen die früher von ihr selbst befürwortete Personalsteuer- ?etse> ,e;Orm verlegen ist. Der Finanzminister erklärte, daß die s TheerH Regierung auf ihre frühere Absicht der vollständigen Aufhebung der Klaffensteuer verzichtet habe und daß sie sich aljo mit dcr vorgeschlagenen Befreiung der dritten und bierten Stufe eine Beschränkung auferlege, daß aber, wenn es von der Kommission für nötig erachtet würde, die Grenze der Steuerfreiheit und der Steuerbefreiung höher hinauf zu verlegen, die Regierung dagegen keinen Widerspruch erheben werde. Diese Erklärungen sind an sich vor jedem Mißverständnis sicher. Wenn trotzdem hieraus der Schluß gezogen wird, die Regierung werde sich mit der Befreiung ter dritten und vierten Stufe nicht begnügen, sondern in Zukunft weitere Befreiungen beantragen, so ergiebt sich hieraus von selbst, daß es der Opposition nur darauf ankommt, Mißtrauen zu erwecken, zu welchem ein begründeter
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s Die Berhaudluugeu der Steuer-Kommisfiou
des Abgeordnetenhauses werden von allen Seiten mit Interesse verfolgt, ganz besonders aber von fetten der Blätter derjenigen Parteien, die von vornherein auf ein Scheitern esuchd'^ rer Steuervorlagen gerechnet haben. Die bisherigen Vor- 16' ginge in der Kommission werden von dieser Seite in dem _ „ . Sinne auözubeuten gesucht, daß an ein Zustandekommen ux Vorlagen nicht mehr zu denken sei. Zu einer solchen r‘ 16 ü Schlußfolgerung kann man aber nur dann kommen, wenn man den Thatsachen Gewalt anthut. Dies geschieht that- sichlich dadurch, daß die Opposition die bisherige provisorische Abstimmung über die Aufhebung der dritten und vierten Klaffensteuerstufe, welche bekanntlich negativ auS-
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Die Schützlinge des Große« Kurfürste«.
Historische Erzählung von Max Ring.
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verzeihlichen Eitelkeit schwanden bei dem Eintritt in das Bethaus, das nicht weit von dem alten, weltbekannten Amphitheater des Kaiser« Hadrian in einem verlorenen, nur von der ärmsten Bevölkerung bewohnten Gäßchen lag, da ben Hugenotten trotz des Edikts von Nantes der öffentliche Gottesdienst nicht gestattet und die Zahl ihrer Kirchen beschränkt war. Um so größer und inniger war die Frömmigkeit bet reformierten Gemeinde, die sich hier gleich den ersten Christen im Stillen versammelten. In dem großen, schmuck- s»k fyjen <gaa[, j)em bje sinneberückende Pracht der katholischen Kirche, der bunte Schein der gemalten Fenster und Heiligen- ivi,,wilder, der Prunk der goldenen Gewänder, der betäubende 10211 Heihrauchskuft und das geheimnisvolle ergreifende Schauspiel btt feierlichen Messe fehlte, saßen Männer und Frauen, Steife und Kinder meist in einfach dunklen Gewändern mit M Stengen aszetischen Mienen und sangen mit eintönig klagen- btt Stimme die alten französischen Psalmen des Dichters ^arot, welche wie die Trauerlieder Israel« an den Strömen Babylon« klangen.
Nachdem der ergreifende Gesang verstummt war, bestieg btt Prediger Favin die niedrige, schlichte Kanzel und ermahnte bie andächtigen Zuhörer zur Ausdauer und Treue in ihrem Glauben, indem er ihnen als Vorbilder die frommen Märtyrer, Daniel in der Liwengrube, die Männer im ■ 221,11 (tätigen Ofen, die Mutter der Makkabäer, alle die Helden 118s tab Dulder de« alten und neuen Testament« zur Nach- ____6^ Gerung mit hinreißender Beredtsamkeit vorführte.
Tief bewegt, bat und beschwor er die ihm anvertraute
Heerde, die Wahrheit zu bekennen und der an sie herantretenden Versuchung zu widerstehen, weder durch drohende Verfolgungen und Bedrückungen sich erschrecken, noch durch glänzende Versprechungen sich verführen zu laffen, nicht den Verlust zeitlicher Güter zu scheuen und selbst Gefangenschaft und Tod nicht zu fürchten, sondern mutig auszuharren und festzuholten an der reinen Lehre und dem heiligen Evangelium.
„Keine Wunde," schloß der Redner, „schmerzt so sehr, wie die, welche das eigene Gewiffen uns schlägt und kein Feuer brennt so heiß wie die Hölle in unserem Herzen. Nicht der gemeinste Lügner ist so verächtlich wie der Verräter, der seine bessere Ueberzeugung verleugnet und die himmlische Wahrheit dem irdischen Vorteil op ert. Darum laßt Euch nicht vom Bösen blenden, wenn er Euch die Herrlichkeit der Welt zeigt und kämpft gegen den Versucher nicht mit Schwert und Lanze, sondern mit den Waffen des Geistes, mit der Kraft de« Glaubens und der Macht der Liebe, welche stärker ist, als Tod und Hölle und die über alle Feinde triumphiert, wie dort jene Trümmer der heidnischen Arena bezeugen, auf deren mit Blut der Märtyrer getränkten Boden sich das Kreuz erhebt und den Sieg der Schwachen und Verachteten über die Herren der Welt und ihren Legionen verkündigt."
Während der verehrte Pastor so von den erwarteten Verfolgungen und Bedrückungen sprach, herrschte eine tiefe Stille, ein banges Schweigen in dem gefüllten Saal und manche« Herz schlug ängstlich und beklommen bei dem Gedanken an die Martern und Qualen der geliebten Frauen und Kinder. Als aber der würdige Prediger mit geröteten Wangen und leuchtenden Augen die Gemeinde aufforderte, ihrem Glauben und der reinen Lehre treu zu bleiben, da gab e« wohl nicht Einen in der großen Versammlung, der
nicht bereit gewesen wäre, da« Schwerste zu dulden, Gut und Blut lieber zu opfern, als die Wahrheit zu verleugnen und seine Ueberzeugung aufzugeben.
„Amen! Amen!" riefen tausend Stimmen, Männer und Frauen, Greise und Kinder. „Amen! Amen!" schallte und hallte e« von allen Lippen und auS jedem Herzen wie da« heilige Gelübde eines ganzen Volkes, tote der Eidschwur jener frommen Märtyrerschaar, die einst in dem nahen Amphitheater für ihren Glauben gestorben war. Und „Simen! Simen!" schienen die Geister der Toten, welche um die grauen Mauern und geborstenen Trümmern schwebten, ihren Söhnen und Enkeln zuzurufen um sie zum Widerstand gegen die Versuchung zu ermutigen. Gehoben und gestärkt, entschloffen und begeistert verließ die Gemeinde da« BethauS, die Herzm von Mut und Vertrauen erfüllt, die Seelen voll großer und heiliger Gedanken. In solch feierlicher, ernst freudiger Stimmung kehrte auch die Familie Rouffel nach ihrem Landhause zurück und verlebte den Sonntag tu sinniger Beschaulichkeit, daß sie darüber alle irdischen Sorgen und fast den ihr angekündigten Besuch de« reichen Syndikus und seines Sohnes vergaßen, bis gegen Abend die kaum noch erwarteten Gäste erschienen und mit hergebrachter Gastfreundschaft empfangen wurden.
Mit Hilfe ihrer Tochter und ihrer treuen Dienerin Perrette, einer lebhaften Südfranzöstn, des Faktotums de« Hauses, tischte Frau Madeleine alle« auf, roaB Küche und Keller enthielt, die besten Weine in goldenen, kunstvollen Bechern, die feinsten ßlqueure, eingemachte Früchte und Backwerk. in deren Bereitung sie eine vollkommene Meisterschaft besaß und unübertroffen war.
Die Gäste ließen es sich schmecken und lobten mit art gen Reden die Geschicklichkeit und Kunst ihrer Wirtin,