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Marburg, Dienstag, 19. Februar 1884.

XIX. Jahrgang.

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in dieser Beziehung besonders der Politik der letzten zwölf

Der Grund dieser Erscheinung ist der: wir sind einmal

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(£it dem Tage, wo die preußischen Truppen die Eider über­schritten unv somit der erste sichtbare, wenn auch noch nicht sllen verständliche Schritt zur Ausführung einer neuen kraftvollen preußisch-deutschen Politik gethan wurde. Welcher Wandel hat sich seit jenem Tage in den preußischen, in hrn deutschen, ja in den europäischen Verhältnissen voll- Miil Damals mußte Preußen seine von den eigenen Söhnen de? Vaterlandes bezweifelte oder bespöttelte Groß- niachtstellung von neuem erkämpfen und befestigen, heute

Zu 1b wurde ein Antrag v. Zedlitz eingcbracht, die Ge­winnanteile an Bergwerkschaften steuerfrei zu lassen, sowie die Steuerpflicht der Erwerbs- und WirtschaftSgenoffen- schaften zu beschränken. Der Antrag von Zedlitz, sowie der Eventual-Antrag BüchtemannS wurden mit 11 gegen 9 Stimmen abgelehnt, zu § 1c ein Antrag des Abg. Meyer, nur die eigentllchen Ztelforderungen steuerfrei zu lasten, gleichfalls abgelehnt. Der RegierungS Kommistar EilerS hatte sich gegen die Anträge v. Zedlitz und Büch- temann ausgesprochen; das Einkommen aus Berggcwerk» schäften sei so gut ein fundiertes, wie jedes andere; es be­ständen ferner große Genossenschaften, deren Gewinn ein recht müheloser sei. Nachdem dann der ganze Paragraph 1 deS Kapitalrentensteuer-Gesetzentwurfes angenommen worden, konstatierte der Vorsitzende der Kommission, daß mit dieser Annahme die Einverleibung des Kapitalrentensteuergesetzes in die Einkommensteuer völlig Vorbehalten bleibe. Die Budgetkommisston des Abgeordnetenhauses setzte die Be­ratung deS Sekundärbahngesetzes fort. Bei der Linie Ründeroth-Derschlag erklärte der RegierunzSkymmistar, die Regierung erkenne daS Bedürfnis zur Ausführung der durchgehenden Linie Köln-Kastel nicht an und laste sich bet den Vorlagen vom Standpunkte lokaler Landcsmeliorations- Interessen leiten. Eine Erklärung übe; die Fortsetzung der Bahn auf Brügge oder den Bau einex Bahn durch daö Wielthal vermöge er nicht abzugeben. Die Budget­kommisston genehmigte sämtliche Sekundärbahnrn nach der Vorlage, ebenso die Beteiligung des Staats durch Ueber- nahme der Aktien an der Eisenbahn Heide-Husum-Tondern- Landesgrenze bet Ribe und forderte die Regierung in einer Resolution auf, bei dieser und allen zukünftigen Konzes­sionen die Jnteresten der Landesverteidigung zu wahren, damit sich die bet der Rhein-Nahe-Bahn gemachten Er­fahrungen nicht wiederholen können. Die Jagdordnungs- Kommission erledigte die erste Lesung. Bei Abschnitt Staatsaufsicht" wurde der AusdruckJagdvorstand" überall durchGemcindevorstand" ersetzt. Die Bestimmung in Nr. 8 § 77, enthaltend Strafandrohung gegen denjenigen, welcher entgegen den Vorschriften des § 43 Nr. 2 Jagd auSübt durch Ansitz (Anstand) während deS Zeitraumes einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang in Entfernung von unter dreihundert Metern von der Grenze des Jagdbezirks, wurde gestrichen. Die nationalltberale Fraktion beriet die KommisstonS- befchlüste über die hannoversche Kreis- und Provinzial­ordnung und beschloß einstimmig, den Beschluß, wonach eine Einführung des Instituts der Amtsvorsteher durch königliche Verordnung erfolgen könne, sowie den Zusatz zu S 29 abzulehnen, wonach die Befugnis, den Bezirk einer städtischen Polizeiverwaltung im Bedürfniöfalle über die Grenzen deS Stadtbczirks hinaus zu erstrecken, dem Provin-

durch die fortwährenden Erfolge zu sehr verwöhnt, und so­dann erhebt sich der Blick der im politischen Kampfe stehen­den Parteien nur selten über den engen Horizont der augenblicklich schwebenden Fragen hinaus. Wenn sich über­dies das Gedächtnis nicht an große Ercigniste, wie sie die Jahre 1864, 1866 und 1870/71 brachten, klammern kann, schwindet in unserer so raschlebigen Zeit leicht die Erinne­rung an Thatsachen, welche für die politische Entwickelung von nicht minderer Bedeutung gewesen sind.

Jeder Deutsche, welcher ein warmes Herz für sein Vaterland hat, zugleich aber fühlt, wie sehr er selbst jenen menschlichen Schwächen unterworfen ist, die ihn so leicht gegen die Vergangenheit gleichgültig und zu einem einseitigen und ungerechten Beurteiler der Gegenwart machen, wird mit Dank ein Buch begrüßen, welches sich vornehmlich zur Aufgabe gemacht hat, eine zusammenfassende Darstellung der auswärtigen Politik deS Fürsten Bismarck, und vor­nehmlich der der letzten zwölf Jahre, zu geben. Der ano­nyme Verfasser von:Bismarck, zwölf Jahre deutscher Politik"*) hat die Zeitgeschichte aufmerksam verfolgt und reichliches Material bekanntes wie neues zu ihrer Darstellung gesammelt: an der Hand desselben zeigt er, wie Fürst Bismarck, der Großes bis zur Schöpfung des deutschen Reichs geleistet,vielleicht Größere« feit derselben vollbracht" hat, indem er seit dem fran» zistschcn Kriege unablässig auf die Befestigung der euro- yiischen Machtstellung Deutschlands und aus die Erhaltung des Friedens hingearbeitet und jetzt thatsächlich sein Ziel erreicht hat.

Und in der That I Die Erwähnung weniger Momente

*) Leipzig 1884. Rengersche Buchhandlung (Gebhardt u. Wilisch).

Friedensbundes.

Dieser gewaltige Umschwung der Verhältnisie wird heute kaum beachtet, und namentlich werden die Erfolge, welche

Zwölf Jahre deutscher Politik."

Am 1. Februar dieses Jahres waren eS zwanzig Jahre

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,ZllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf-.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet

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117 Jahre zu verdanken sind, kaum gewürdigt.

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Anzeigen nimmt entgegen: diegExpedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. ThieneS in Elberfeld.

inen nimmt entgegen: Sbition d. Blattes, Annoncen-Bureaux ^baas-nst-in und Vogler Ankfurt a M, Ham- Magdeburg u.Wren;

Slf Messe in Frankfurt ^« Berlin, München und tV. G L. Daube und fin Frankfurt °. M ger(in, Hannover u. Pans.

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ne,*a* ist Deutschland unter Preußens Führung der politische ! Mittelpunkt Europas, die Seele de« mitteleuropäischen

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genügt, um dies schnell jedem vor die Seele zu führen. 1872 wurde der Drei-Kaiserbund ins Leben gerufen. 1878 wurde auf dem Berliner Kongreß, welchem Fürst Bismarck präsidierte, der Berliner Vertrag, der den Orientkrieg be­endigte, geschloffen. Ein Jahr später folgte die Errichtung eines Friedensbundes zwischen Oesterreich und Deutschland, und das Jahr 1883 brachte, um mit dem Verfaffer zu reden,für die Anerkennung der neuen, durch den Krieg begründeten europäischen Rechtsordnung geradezu die Ent­scheidung als das Ergebnis deS von langer Hand angelegten und umfassenden diplomatischen Werkes deS deutschen Staats­mannes, welches dazu bestimmt ist, die Aera der Attentate des Ehrgeizes, der EroberungS- und Herrschsucht auf den Frieden Europas überzuleilen in diejenige deS solidarischen EinstehenS der Nationen für diesen Frieden."DaS Jahr 1883 hat nacheinander sich vollziehen sehen: die Erneuerung und Verstärkung deS deutsch - österreichischen Defensivbünd- niffeS, den Eintritt Italiens in dasselbe, den deutlichen Wandel der whigistischen Regierung Englands zu der mitteleuropäischen Friedensliga, die Annäherung Spaniens an Deutschland und endlich daS Wort des deutschen Kaisers über dieüberraschend günstigen Beziehungen zu Rußland. Auch das Erscheinen des Königs von Rumänien in Berlin und des von Serbien zusammen mit König Alfons von Spanien bet den Herbst- manövern am Rheine hatte politische Bedeutung. Die Festung, welche die mitteleuropäischen Großmächte bilden, umgiebt sich mit Zitadellen."

DaS Buch willder deutschen Nation einen Dienst erweisen, indem ihr durch den Nachweis, wie ein und die­selbe leitende Hand sie seit dem Kriege und bis zu der Höhe des Jahres 1883 geführt hat, der große deutsche Staatsmann einmal wieder lebhaft vor die Seele geführt wird, auf daß sie sich dcffen aufs neue bewußt werde, was sie ihm schuldet." Möge das verdienstvolle Buch, daS wir empfehlen können, sein Ziel erreichen: seine Ab­sicht wird jetzt, gerade zwanzig Jahre nach den denkwür­digen Tagen, welche der Beginn einer neuen Epoche für Preußen-Deutschland waren, um so mehr auf fruchtbaren Boden fallen, als die Nation der Parteistreitigkeiten unv Gehässigkeiten überdrüssig wird, die ihre Freude und den Genuß an der großen Zeit, in der uns zu leben vergönnt ist, vergällen.

Deutscher Reich.

Berlin, 16. Febr. Die Steuerkommission erledigte in der Spezialdiskussion die Paragraphen 1 bis 1c des Gesetz-Entwurfs über die Kapitalrentensteuer, welche die Renten, Zinsen und sonstigen Geldwert-Vorteile aufzählen, wovon die Steuer zu erheben ist. Zu 8 1 behielt sich Büchtcmann die Einbringung eines Antrages vor, wonach die Dienstkautionen der Beamten steuerfrei zu laffen sind.

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Kap 1884. Orleans ent­deckt.

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1 Die Schützlinge des Ärotzeu Kurfürsten.

Historische Erzählung von Max Ring.

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An einem schönen, wolkenlosen Sonntagsmorgen des Jahres 1685 verließ eine Gesellschaft von fünf Personen ihr vor den Thoren von NimeS reizend gelegenes, von Wein­bergen, Olivenwäldern, Feigenbäumen und Maulbeerplantagen Angs umgebenes Landhaus, um dem Gottesdienst der reformierten Gemeinde in der nahen Stadt beizuwohnen.

Boran schritt mit dem Gebetbuch in der Hand, auf dem silberbeschlagenen Krückstock gestützt, der Patriarch der Familie »nd Aelteste der protestantischen Kirche JaqueS Rouffel, ein würdiger Greis von fünfundstebzig Jahren, allgemein wegen siines biederen Charakters geachtet und nicht nur von seinen Glaubensgenossen, sondern auch von seinen katholischen Mit­bürgern wegen seiner Milde und Wohlthätigkeit verehrt.

An seiner Seite ging sein Sohn Pierre, der erste und reichste Goldschmied des Orte«, ein wahrer Künstler In seinem Fach. Stattlich und kräftig schritt der ansehnliche Geister an der Seite seiner Gattin Madeleine, der tugend- samen Hausfrau und trefflichm Wirtin, welche weit und breit wegen ihrer Küche und Backkunst berühmt war, dabei Io herzensgut, daß kein Armer an ihrer Thür unbeschenkt »nd ungespeist vorüberzog.

In einiger Entfernung folgten ihre beiden schon erwachsenen Linker, der Stolz und die Freude der Eltern^ ihr Sohn $Mul, der erst vor Kurzem seine medizinischen Studien auf kt berühmten Universität Montpellier beendet und sein Doktor-Examen mit großer Auszeichnung abgelegt hatte;

schlanker junger Mann mit intereffanten geistvollen Ätzen, die unwillkürlich Vertrauen einfiößten.

An seinem Arm hing die anmutige Gabrielle, seine Schwester, ein liebenswürdiges holdes Kind von siebzehn Jahren, das bereits alle Reize der schönen Sädfranzöstnnen in sich vereinte, die feurigen mandelförmigen Sammtaugen, die süßesten roten Lippen, welche mit den Granatblüten in ihren blauschwarzen Haaren und an ihrem jungfräulichen Busen wetteiferten, die Grazie und Elastizität eines Rehs, die sonnige Heiterkeit deS südlichen Himmels und die krystall- helle Reinheit deS von SB umen bekränzten Waldquells.

Trotz der Bedrückungen, welche in letzter Zeit die soge­nannten Hugenotten in Frankreich unter der Regierung deS hcrrschsüchtigen und bigotten Königs Ludwig des Vierzehnten erduldeten, lebte die Familie Rouffel in den glücklichsten Verhältnissen, begütert, angesehen, beliebt und bisher von allen Un ällen und Bedrängnissen verschont, wenn auch ab und zu die sich immer mehr bemerkbar machenden Feindselig­keiten gegen die Kalvinisten sie wegen der Zukunft mit Sorgen erfüllten.

Sie vertrauten jedoch dem Schutz des Himmels, der Zusage deS Königs und vor Allem dem von dem guten Heinrich dem Vierten erlaffenen und von seinen Nachfolgern bestätigten Edikt von Nantes, welches den Reformierten die freie Religionsübung und den Genuß aller bürgerlichen Rechte, Aemter und Würden verbürgte.

Da sie außerdem bei den höchsten Beamten der Provinzen als getreue, gehorsame und loyale Untertanen bekannt waren, mit ihren katholischen Nachbarn in Frieden lebten und in jeder Hinsicht den besten Ruf genoffen, so ließen sie sich weder durch die verschiedenen Gerüchte von den bevor­stehenden Verfolgungen gegen die Hugenotten noch durch andere bedenkliche Anzeichen der ihnen drohenden Gefahren in ihrem Glück und in ihrer Ruhe stören.

So gingen sie auch an diesem Sonntage mit stiller

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Heiterkeit und frommer Zuversicht nach dem Bethause der Reformierten, um daselbst ihre Andacht zu verrichten und die Predigt des würdigen Pastors Clement Favin anzu­hören, unterwegs halb ehrfurchtsvoll, halb freundlich und vertraulich von den ihnen begegnenden Bekannten begrüßt und angeredet.

Selbst der sonst so stolze Syndikus der Stadt, Meister Laumont, ein eifriger Katholik, und sein Sohn Anatole, der erste Sekretär des allmächtigen und gefürchteten Inten­danten von Languedoc, des Herrn von Baville zogen die goldbetreßten Hüte tiefer als gewöhnlich und knüpften auf offener Straße mit den sonst von ihnen gemiedenen Kalvinisten eine freundschaftliche Unterhaltung an, sie eine kurze Strecke zur nicht geringen Verwunderung der Vorüber­gehend begleitend.

Während der hochmütige Syndikus mit den Eltern von städtischen Angelegenheiten, von Geschäften und besonders über häusliche Verhältniffe mit überraschender, ihm fremden Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit sprach, überhäufte der geschmeidige, glatte Anatole die Geschwister mit galanten und artigen Komplimenten, indem er bald die Gelehrsamkeit seines Schul- und UniversttätsfreundeS Raoul, bald die Schönheit und Anmut der holden Gabrielle pries, so daß diese unwillkürlich errötete und die Augen bescheiden niederschlug.

Noch größer aber war das Erstaunen der ganzen Familie, als Herr Laumont und fein Sohn zum Abschied ihren Besuch im Landhause zum heutigen Abend ankündigten; eine Ehre, die natürlich von Allen, ganz besonders aber von Frau Madeleine hoch auf genommen wurde, wenn man sich auch den Grund einer solchen Auszeichnung nicht erklären konnte und davon mehr befremdet als erfreut war.

(Fortsetzung folgt)