Marburg, Sonnabend, 16. Februar 1884.
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tellurische, d. h. in der Atmosphäre der Erde selbst entstandene Körper, und suchte deshalb auch eifrig auf der Erdoberfläche nach ihnen, wobei man namentlich 2 Gebilde für Sternschnuppen hielt, welche sich indes h der Hand des Naturforscher« bald al« ein Pflanzenprodutt, bald als von Fröschen herrührend erwiesen. Vielfach hielt man auch die Sternschnuppen für Auswüchse von Vulkanen, eine Anstchr, welche noch in den fünfziger Jahren von dem deutschen Gelehrten Kestelmeier vertreten wurde, währens der Belgier Brück noch Anfang der sechSziger Jahre die Sternschnuppen für elektrische Funken erklärte. Andererseits wurde schon seit Jahrhunderten di- jetzt allgemein als richtig erkannte Ansicht vertreten, daß die Sternschnuppen kosmischen Ursprungs seien, Himmelskörper, welche im Weltenraum, parabolische Bahnen beschreibend, dahin eilen und erst dann dem menschlichen Auge als Sternschnuppen sichtbar werden, wenn sie, in die Erd-Atmosphäre eintretend, durch Reibung in Glühhitze geraten. Namentlich Keppler und andere Gelehrte sprachen sich entschieden für den kosmischen Ursprung aus und nahmen an, daß diese Meteore zum Teil oben verbrennen, während etwaige Reste als Meteorsteine auf die Erde fallen. Halley erklärte schon um das Jahr 1700, man müsse annehmen, daß eine Materie im Weltenraume schwebe, welche teils auf die Erde oder andere Planeten falle, teils auch von der Sonne angezogen werde. Auch trat schon früher die Idee auf, die Sternschnuppen seien, ähnlich wie die Planetoiden, die Trümmer eines zerstörten oder aufgelösten großen Planeten; diese Idee hat sich jedoch den neueren Forschungen gegenüber al» nicht stichhaltig erwiesen. In letzter Zeit nun warm eS Bcntzenbrrg und Brandes, sowie Weiß in Wien und andere Gelehrte, welche
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Som Landtag.
Berlin, den 14. Februar.
49. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. Präsident v. K ö l l e r eröffnet die Sitzung um 11 Va Uhr vor leeren Sitzen.
Am Ministertische: Justizminister vr. Friedberg und mehrere Regierungs-Kommissare.
Auf der Tagesordnung stehen Petitionen.
Zunächst werden verschiedene Petitionen von Protokollführern bei der Generalkommission in Kastel, und von Katastergehilfen, um Uebernahme in den Staatsdienst, debattelos durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.
Ebenso wird über eine aus Trier eingegangene Petition, Um genauere Feststellung des kommunalen Wahlrechts der zur Disposition gestellten Offiziere, zur Tagesordnung übergegangen. Eine Reihe von Petitionen werden nach den Anträgen der Agrarkommtfston bez. der Gemeindekommifsion ohne Debatten genehmigt.
Es folgt eine Petition der Stadt Münster in Westfalen, welche wegen Benutzung einer Promenade mit der Militärbehörde in Konflikt sich befindet. Der Sachverhalt ist folgender: In Münster besteht eine Promenade, welch?, da sie weder chaufiert noch gepflastert ist, bei anhaltendem Regen und andauernder Dürre auf Grund der Straßenordnung gesperrt gehalten werden kann. Zur Sperrung des Fahrwegs sind eiserne Säulen angebracht und an diesen leicht verschließbare Ketten befestigt. Gegen diese Sperrvor- schristen hat die Kommandantur auf Grund militärischer Interessen Einspruch erhoben und bet der Regierung die Aushebung der Sperrvorschrtften beantragt. Diese hat angeordnet, daß die Sperre nur von 12 Uhr mittags ob stattfinden dürfe und die Ketten an den Säulen nicht verschlossen werden sollen. Magistrat und Stadtverordnete petitionieren nun um Aufhebung dieser Verordnung, und die Gemeinde-Kommission beantragt, diese Petition der Kinigl. Staatsregterung zur Berücksichtigung zu überweisen.
Abg. Rintelen befürwortet namens der Gemeinde- Kommission deren Antrag.
Abg. v.Liebermann spricht sich dagegen aus. Die regierungsseitige Verordnung sei korrekt und die Beschwerde namentlich darauf zurückzuführen, daß die Münsterländer eine geringere Vorliebe für das Militär hätten, als andere Gegenden, wo man sich freue, Garnison zu haben. Er beantragt daher Uebergang zur Tagesordnung.
Abg. Frhr. v. Minnigerode bringt einen förmlichen Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung ein.
Abg. Dr. Wtndthorst spricht sich für den Korn- misstonsantrag aus, während die Regierungskommistare Geh. Rat v. d. Brincken und Major im Generalstabe H a m e r l i n g sich im Sinne des Antrags v. Minnigerode aussprechen.
Dann wird, nach einem Schlußworte des Referenten Abg. Rintelen, der Antrag v. Minnigerode gegen die
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Sternschnuppe« und Kometen. ,
liebet das obige Thema hielt Herr Ehl-rt, Astronom der deutschen Seewarte, kürzlich zu Altona vor einer sehr zahlreich besuchten Versammlung deS Altonaer Industrie- Vereins einen Vortrag, in welchem die hauptsächlichsten Ergebnisse der neuesten Forschungen in bezug auf die obigen ruhelosen kleinen und großen Jrrwanderer im Weltraum zu Gehör gebracht wurden. Nach dem «Hamb. Korr." führte Herr Eylert etwa folgendes auS: Als allnächtlich und häufig vorkommende Himmelserscheinungen find die Sternschnuppen selbstverständlich schon seit den ältesten Zeiten Gegenstand der menschlichen Forschung gewesen, vergebens aber hat man sich durch viele Jahrhunderte hindurch bemüht, tiefer in daS Wesen dieser rätselhaften Himmelskörper einzudringen und erst unserer Zeit war eS Vorbehalten, diese Frage, wenigstens zum größten Teil, zu lösen. Ja alten Zeiten gaben die Sternschnuppen und vor allem die Kometen vielfach dem Aberglauben Veranlasiung, die schrecklichsten Befürchtungen aufzustellen, und die Zeit liegt noch nicht fern, wo selbst verhältnismäßig gebildetere Leute iu der Erscheinung eines Kometen noch die gewisie Vorbedeutung von Krieg, Pestilenz und sonstigem Unheil erblickten. Heute freilich stehen wir, dank den unermüdlichen Forschungen der Wifienschast, auf einem anderen Standpunkte und begrüßm Sternschnuppen und Kometen als an sich harmlose Gebilde, welchen im großen Weltensystem ebensowohl ihre Bestimmung zuzewiesen ist, wie jedem äderen Himmelskörper. Früher glaubte man viels ch, daß alle Sternschnuppen, welche zu Gesicht kommen, auch auf dir Erde nirderftelen, man hielt dieselbe« einerseits für
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Stimmen des Zentrums, der Polen und der Linken abgelehnt und der Kommissionsantrag angenommen.
Der Oberbürgermeister der Stadt Köln petitioniert um Verleihung der Befugnis an die städtischen Verwaltungen: die Hälfte ihrer Subaltern« und Unterbeamtenstellen mit Nichtzivilversorgungsberechtigten zu besetzen.
Abg. v. Oertzen (Jüterbogk) plaidiert namens der Gemeindekommission für deren Antrag: Die vorliegende Petition der König!. Staatsregierung, insoweit eS sich um die Besetzung der Subalternbeamtenstellen mit Militär- anwärtern handelt, zur Berücksichtigung zu überweisen.
Reg.-Komm. Geh. Rat Noell befürwortet, mit Rücksicht auf die Thatsache, daß die Regierung jener Frage schon seit geraumer Zeit näher getreten sei, die vorliegende Petition der Kgl. Staatsregierung als Material zu überweisen.
Abg. Hahn beantragt, die Petition an die Gemeinde- Kommission zum schriftlichen Bericht zurückzuverweisen. — Dieser Antrag wird angenommen.
Eine Petition geprüfter Zivilanwärter deS Justizdienstes, sowie eine Petition von Lohnschreibern um Aufbesierung bezw. Sicherung ihrer Existenz, werden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.
ES folgt ein Antrag des Abg. Bessert u. Gen.:
„Die Königliche Staatsregierung aufzufordern, das Strafverfahren gegen den Abg. Dr. Meyer (Breslau), wegen Uebertretung des Preßgesetzes, In welchem gegen die freisprechende Entscheidung der Strafkammer V des Kgl. Landgerichts I zu Berlin vom 19. November 1883 von der Kgl. Staatsanwaltschaft die Revision eingelegt und zur Hauptverhandlung auf den 28. Februar cr. vor dem Kgl. Kammergerichte Termin anberaumt ist, aus die Dauer der gegenwärtigen Sitzungsperiode sistieren zu lassen."
Dieser Antrag wird debattelos genehmigt. (Mittlerweile ist der Kultusminister Dr. v. Goß le r in das Haus etngetreten.)
Es folgt der erste Bericht der Kommission für das Unterrichtswesen über Petitionen.
Die Magistrate der Städte Posen und Tilsit haben sich unter dem 8. resp. 20. November vorigen Jahres mit folgendem Petitum an das Haus der Abgeordneten gewendet:
„DaS Hohe HauS wolle die Königliche Regierung ersuchen, nach dem Vorbilde der Unterrichtsverwaltung von Elsaß - Lothringen eine Kommission von Aerzten behufS Erstattung eines Gutachtens über daS höhere Schulwesen Preußens einzusetzen, um auf Grund desselben die genügenden Maßnahmen zur Verhütung einer für die gebildete Jugend Deutschlands immer drohender werdenden Gefahr deS körperlichen Rückganges zu treffen."
Hierzu beantragt die Unterrichtskommifston:
„Die Petitionen der Königlichen Staatsregierung mit
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ki-Expedition d. Blattes, 6 Annoncen-Bureaux °onSaaft"skiu und Vogler Ankfurt a M , Ham- U Magdeburg u. Wien; Adolf Masse in Frankfurt „ M .Berlin, München und Mn - ® L- Daube und £ in Frankfurt a. M, Setlin, Hannover u. Paris-
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a.M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf (steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co- in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
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der Maßgabe zur Berücksichtigung zu überweisen, daß die Frage, ob eine Ueberbürdung der Schüler an unseren höheren Lehranstalten stattfinde, und welche geeignete Vorschläge zur Abhilfe zu machen seien, der eingehendsten Prüfung im Anschluß an die bereits eingeleiteten Untersuchungen unterzogen werde."
Abg. Dr Kropatscheck referiert uamenö der Kommission, deren Antrag er befürwortet mit dem Bemerken, sich weitere Bemerkungen je nach dem Verlaufe der Diskussion vorzubehalten.
Abg. Dr. LangerhanS 4st gegen den Antrag der Kommission, dem gegenüber er beantragt: „Die vorliegenden Petitionen der Staatsregierung dahin zur Berücksichtigung zu überweisen, daß sie auf dem von ihr eingeschlagenen Wege der größeren Beachtung der körperlichen Ausbildung und Verbesserung der Lehrmethode an den höheren Lehranstalten mit größerem Nachdruck vorgehe."
Abg. Dr. Perger beschäftigt sich in längerer Rede mit der gegenwärtigen Lehrmethode und beklagt die große Ueberbürdung der Schüler. Dieselbe sei vor allem auf die encyklopädische Vtelwifferet zurückzuführen, welche der Jugend anerzogen werde. Damit werde nichts Tüchtiges erreicht, denn einmal leide der Geist unter diesem Drucke, andererseits aber mache diese Ueberbürdung eine körperliche Entwicklung unmöglich.
Abg. Freiherr v. Minnigerode: Bei der großen Tragweite und Wichtigkeit der Frage erscheint eS nicht wünschenswert, daß daS HauS schon jetzt ein bestimmte- Votum fällt. AuS diesem Grunde kann ich mich dem Anträge LangerhanS nicht anschließen. Freilich hat mich deffen erziehliche Würdigung deS Parademarsches angenehm berührt; so etwas wirkt von seiner Seite geradezu erfrischend. Möge man aber auch an diesem Grundsätze festhalten und den Parademarsch und waS damit zusammenhängt, zu bewahren suchen im Interesse des Vaterlandes. -Dagegen muß ich die Behauptung des Abg. LangerhanS, als habe das Waldpolizeigesetz auf die freie Bewegung der Jugend hemmend eingewirkt, bestreiten, denn daS Gesetz wird so milde gehandhabt, daß man ihm am allerwenigsten dm Vorwurf machen kann. Will man die körperliche Entwickelung der Jugend nachhaltig fördern, so schränke man vor allem daS Uebermaß der häuslichen Arbeiten ein. Die Hauptsache ist und bleibt doch die eigentliche Erziehung, und nicht die GedächtniSdreffur, welche in späteren Jahren doch wie eine Seifenblase verfliegt. Man bilde den Charakter der Jugend, denn Charaktere thun unserer Zeit not 1 (Bravo! rechts.)
Reg.-Komm. Geh. Rat Bonitz verweist auf die fortgesetzten Bestrebungen der Regierung, die UeberbürdungS- frage angemessen zu lösen und für die körperliche Entwickelung der Jugend durch größtmögliche Berücksichtigung der Leibesübungen zu fördern. Das Vielerlei, daS in der heutigen Lehrmethode so häufig bemängelt werde, laste sich schwe^
die Ergründung des Wesens der Sternschnuppen und Leuchtkugeln mit Elfer in die Hand nahmen und zunächst viele Ta sende dieser kleinen Himmelswanderer beobachteten. Sie machten sich dann daran, die Parallaxe der Sternschnuppen zu messen, d. h. die Richtung festzustellen, in welcher eine und dieselbe Sternschnuppe zu einer bestimmten Zeit von verschiedenen Beobachtungspunkten auS gesehen wurde, woraus sich bann die Entfernung der Sternschnuppe von der Erdoberfläche berechnen ließ. Man fand auf diese Weise, daß die Sternschnuppen in der RegÄ beim Aufleuchten 15 — 20, beim Verschwinden 12 —13 deutsche Meilen von der Erde entfernt sind, indes gibt eS von diesen Entfernungen ganz bedeutende Abweichungen, wie denn Herr Eylert selbst eine Sternschnuppe beobachtet hat, welche bet ihrem Sichtbarwerden 75, bei ihrem Verschwinden aber 87 deutsche Mellen von der Erdoberfläche entfernt war. Diese letzteren Fälle, wo also beim Verschwinden die Entfernung größer ist, als vorher, sind keineswegs selten. Wenn es den Anschein hat, als ob alle Sternschnuppen zur Erde fielen, so beruht dies nur auf einer optischen Täuschung. Da nun aber die Entfernung der Sternschnuppen von der Erde eine verhältnismäßig große ist, so müssen diese auch meistens größere Körper sei«, al« man im allgemeinen annimmt, denn bei der obigen Entfernung von 85 deutschen Meilen müßte eine Sternschnuppe schon einen Durchmesser von 221 Metern haben, um überhaupt nur zu Gesicht zu kommen, während man doch vereinzelt Leuchtkugeln beobachtet hat, welche scheinbar die Größe deS Mondes halten, ja selbst noch beamtend größer erschienen,
(Schluß folgt)
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