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Marburg, Mittwoch, 13. Februar 1884.

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Anzeigen nimmt entgegen:

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ibition d. Blattes,

sowie b. Annoncen-Bureaux

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i. Thienes in Elberfeld.

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^kyst-t haben würde, sie sehenden Blickes zu lüsten. i01 ®tumm nahm ich ihre Hand und legte beredt meine Lippen

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Das Mittel, mit dem ich WilprechtS Irrwahn geheilt, •fünfte mich in diesem Moment als eine Lüge; so seelm- schön, wie sie eS sprach, erschien mir daS Antlitz ElSbet «ernblicks, daß cs mich keine Ueberwindung der Augen

1 JmthurnS standen frei und ich siedelte auS dem chorn" am folgenden Tage fröhlich wieder in meine

Auge« der Seele.

Novelle von Wilhelm Jensen.

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tende Uebergang immer zahlreicherer Kunstwerke in feste Hände dieselben mehr und mehr einschränkt; eS gilt, für die kommenden Geschlechter zu sichern, waS, wenn eS heute versäumt wird, für immer unerreichbar zu werden droht. Die Bewilligung des hier in Vorschlag gebrachten Fonds würde den Organen der Staatsregierung die Möglichkeit gewähren, bei ruhiger und reiflicher Prüfung der sich bie­tenden Erwerbungen dieselben dort zugleich, wenn sie ge­rechtfertigt erscheinen, mit der Raschheit und Energie durch­zuführen, welche allein zu sicheren Und günstigen Ergebniffen führen kann."

Abg. vr. Reichensperger (Köln) spricht sich in ein­gehender Weise gegen die Bewilligung auS. Er wolle da­mit den leitenden Beamten der Kunstsammlungen keinen Vorwurf machen, sein ablehnendes Votum gründe sich viel­mehr auf die Thatsache, daß, wie der Etat ausweise, für Kunstzwecke alljährlich außerordentliche Summen bewilligt werden, welche in ausreichender Weise den faktischen Bedürf- niffen Rechnung tragen. Run werden 2 Mill. Mk. verlangt. DaS ist eine große Summe, mit der sich in vielen Bezie­hungen befferes erreichen lasse. Tausende von Beamten vagen mit Recht über mangelhaftes Einkommen. Mit der verlangten Summe kann so mancher dieser Wünsche befriedigt werden. Als die Angelegenheit bei der Generaldebatte zur Sprache kam, bezeichnete die „Nationalliberale Korrespondenz" die ablehnende Haltung des Zentrums als „kulturfeindlich" und „reaktionär". Demgegenüber muß darauf htngewiesen werden, daß auch von konservativer und fortschrittlicher Seite gleiche Stimmen laut wurden. Man verweise doch nicht immer auf die Zustände in anderen Ländern. Frank­reich z. B. hat nur eine Hauptstadt. Dagegen machen in Deutschland, außer Berlin, eine Reihe hervorragender Hauptstädte mit herrlichen Kunstsammlungen die HonneurS. In Nürnberg ist das germanische Museum auf Reichs­kosten eingerichtet worden. Redner verweist im einzelnen auf die Kunstentwickelung bei den verschiedenen Nationen und betont, daß auf das Altertum ein viel zu großer Wert gelegt werde. ES handelt sich vor allem um die Entfaltung unseres KunstgrwerbeS, zu besten Unterstützung man uns stets bereit finden wird. WaS wird man aber im Volke denken, wenn wir trotz der großen sozialen Not­stände zur Vermehrung der Kunstsammlungen 2 Millionen bewilligen. Schon der Hinblick hierauf wird unser Votum durchaus gerechtfertigt erscheinen l.ssen. (Beifall im Zentrum.)

Abg. Goldschmidt tritt im Gegensatz zum Vorredner für die Bewilligung ein, da er dieselbe für notwendig und für daS ganze Land vorteilhaft hält. Die Kunstinstitute Deutschlands find hinter denen anderer Länder vielfach noch weit zurück. Die Kunstsammlungen haben eine hohe Kul­turmission. DaS Handwerk muß, wenn eS nicht der Groß- Industrie erliegen soll, zum Kunsthandwerk werden. Zur Ausbildung auf diesem Gebiete dienen vorzugsweise die Museen. Man betone diesen gegenüber nicht den modernen Standpunkt, denn CurtiuS sagt: „Die Museen sind eS,

zeugen. Am allerwenigsten haben die Nheinlande zu klagen, welche von den Bewilligungen zur Hebung der monumentalen Plastik und Malerei allein den sechsten Teil erhielten. (Hört, hört!), während Berlin hiervon, sowie von einer Reihe anderer Kunst-Gelder stets den kleinsten Teil erhielt. Die Institute für Kunstbildung sind in der Provinz ebenfalls aufs beste ausgerüstet. Ich muß daher erklären: so lange Berlin kein würdiges Kunst- bildungS-Jnstitut erhalten hat, Hann ich auch für die Provinz nicht weiter gehen. (Beifall.)

Abg. v. Uechtritz-Steinkirch erklärt sich lebhaft für die Position. Es handelt sich hier nicht um eine Ver­herrlichung Berlins, sondern der Reichshauptstadt. Nach­dem Deutschland sich nach außen gesichert, folgte auf die Siege leider keine ideale Periode, sondern eine Zeit des krassesten Materialismus (Sehr wahr! rechts), welcher die Kunstbestrebungen nicht weiter kommen ließ. Die Kunst ist aber ein so recht eigentliches Erziehungsmittel, nicht nur für den einzelnen Künstler, sondern für das ganze Volk. Die Landschaftsgemälde vergegenwärtigen uns die Naturschönhciten; die historischen und die Schlachtgemälde erinnern uns an die Entwickelung unserer Machtstellung, und vor allem die bildlichen Darstellungen aus der hei­ligen Geschichte wirken erziehend und veredelnd auf daS Volk. Darum begrüße ich diese Bestrebungen der Re- aierung mit Freuden, zumal zu hoffen steht, daß die neuen Erwerbungen auf Kunstwerke ersten Ranges gerichtet sind. Nehmen Sie aus diesem Grunde die Position an. (Bravo I rechts.)

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrtrtes SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2‘/4 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet

Abg. Dr. Windthorst kann trotz seiner hohen Auf- faffung von der Kunst doch bei den gegenwärtigen Ver­hältnissen nicht für eine solche Summe stimmen. So lange Aber nach meiner Hand suchend, fügte er rasch darein: „Nein, Freund, er soll nicht kommen — er könnte mir daS kleine Bild mit fortnehmen — Du weißt, das über dem Sopha im Zimmer von Elsbeis Mutter. Das ist mir köstlicher, als „ein allgemeiner Eindruck der Dinge um mich her."

Das kleine Menschenkind auf seinen Armen Hub gleich­zeitig an, mit Heller Stimme nach seinem Recht zu ver­langen, und wie ein flüchtiger Wolkenschatten vor der Sonne zerrann der kurze Ernst auf dem Antlitz des Vaters und er lachte wieder: „Ich sehe ihn ja mit dem Ohr — hat er nicht ganz die schöne Stimme seiner Mama?"---

Dann schieden wir, mit dem Gelöbnis besseren Brief­wechsels, und habens treulich bis jetzt gehalten. Wenn der Postbote mir ein Kouvert mit der Handschrift Frau ElSbetS bringt, weiß ich wohl und legt es sich mir wohlthuend anS Herz, daß sie mein Kommen erwünscht, doch ich brauche keine unruhvolle Dringlichkeit ihrer Feder zu besorgen. Mindestens einmal im Jahre sieht mich der Weg vom Bahnhof, stets im Abenvlicht, zu der alten Stadt hin­wandern ; ab und zu einmal trägt mich auch der Schnellzug ohne Anhalt vorüber. Dann bücke ich mich schon geraume Zeit vorher aus dem Wagcnsenster, um möglichst lange, hinübernickend das Bild des alten Turmes in den Augen zu halten, hinter besten grünem Epheugerank zwei Menschen, von seltenem Erdenglück begnabet, wohnen.

Seid mir heute, wo Ihr Alles, was auf biesen Blättern steht, selbst wißt, von Herzen gegrüßt!

„ wnkfurt a.M; Hermann- cheBuchhandlung daselbst; "bolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidenbank in Berlin, Dresden unb Leipzig;

Barck u. Co. in Halle;

Kein Schatten des Mißtrauens lag mehr in WilprechtS Zügen, keine Trübung unb Furcht vor einer Wiederkehr desselben in denen Fra > ElSbets. Doch eine ungewisse heimliche Banguis anderer Art offenbarte sich manchmal leis merklich an beiden; keiner sprach dem andern davon, auch ich schwieg, obwohl ich dm Grund ahnte.

Aber bald kam ein Tag, der auch diese zuwartende Sorge als unbegründet wesenlos zergehen ließ. Er brachte einen kleinen Knaben mit sich, und die Augen dcstelben blickten sonnenklar in die seltsame, fremde Welt, und seine Wangen und Stirn waren so rosig, wie der junge Sommer­morgen. Wilprecht trug ihn selig auf den Armen; lachend, selbstvergesten hielt er mit ihm vor mir an und sagte: „Ist er ihr ähnlich? Ich wollt, ich könnte ihn einmal sehen!"

DaS weckte mir etwas auf. Ich halte zufällig die Be­kanntschaft eines Arztes in der Stadt gemacht und dieser bei einem Gespräch über Wilprecht geäußert, daß er eS nicht für unmöglich halte, demselben durch eine Operation so viel Sehvermögen wieder zu verschaffen, um wenigstens einen allgemeinen Eindruck der Dinge um ihn aufnehmen zu können. Die infolge der Blatternkrankheit eintretende Er­blindung beruhe zumeist auf einer vollständigen Trübung der Hornhaut; eine Untersuchung müsse ergeben, ob sich vielleicht ein Weniges daran bestern lasten würde. In der sorglichen Erwartung der letzten Tage h tte ich nicht davon geredet, jetzt sprach ich« Wilprecht unwillkürlich als Antwort auf seine Frage.

Er bebte leicht zusammen und blieb einige Sekunden wortlos slill. Dann murmelte er: „Es wäre seltsam, und ich hätte gern einen Schimmer von Dir, kleiner Schelm."

die uns mit der Vergangenheit verbunden halten und unS davor wahren, einseitig zu modern." (Bravo!)

Regierungs-Kommissar Geh. Rat Scho en e begründet die Forderung, indem er die hohe Austastung der Regierung für die erziehliche Bedeutung der Kunstsammlungen hervor­hebt. Ohne Kunstpflege bringt man eS auch zu keinem Kunstgewerbe, ebensowenig wie der moderne Künstler ohne das Studium der alten Künste vorwärts kommen kann. Möge man die Ankäufe bewilligen im Sinn des erhabenen Stifters der Museen. (Beifall.)

Abg. Bachem ist gegen die Bewillung, welche wiederum auf Zentralisation, auf Verherrlichung Berlins auf Kosten der Provinzen hinauslaufe. Redner bezeichnet die Summe als horrend und beklagt eS, daß ihre Forderung zu einer Zeit herantritt, wo solche soziale Notstände herrschen. Ich kann nicht für die Position stimmen, so lange in Deutsch­land teilweise noch am Hungertuche genagt wird. (Bravo! im Zentrum.)

5 ®r deutete auf sein Herz, schlang darauf die Arme nebst Z Uten Nacken, und seine Lippen küßten das zauber. . »rten, I« TchönheitSbildnis deS KindeS, vor dem ich einst in wortloser auf uns tzewunderung drüben im Zimmer Frau JmthurnS gestanden.

L04 Eine Minute lang traf ich im Verlauf des Abends ___J, hu ElSbet allein und erklärte ihr das noch immer für aufeufll Unverstandene. Sie sah mich mit ihren leuchtenden ufeIL r ^llgen dankbar an und sprach in vollem Glück, ohne einen

(511 Anhauch bitterer Empfindung: „Mich sollte ein Anderer ---< In seiner Frau begehren? Nur eines ist unmöglicher — j für s daß ich einen Anderen liebte. Aber dieser Tag hat mir en g1* tft in Wahrheit alles gebracht, denn er hat die bange Last z Nähd Nn meinem Herzen genommen, die eS stch wegzureden

(5^ pichte und doch niemals konnte — daß er mich keines Be-

eigen nimmt entgegen: »i« Expedition b. Blattes, Lje d Annoncen-Bureaux «müaasensteiu unb Vogler Stantfurt a M , Harn» nura Magdeburg u.Wien; Elf Stosse in Frankfurt , A., Berlin, München unb Lfn'. G L. Daube und L in Frankfurt a. M., zerlin, Hannover u. Paris.

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^auf.

Eine Stunde hatte alles verändert, auch meinen Vorsatz °tr Abreise. ES bedurfte nicht der herzlichen Ueberredung, rasch^ zu weit längerem Bleiben zu veranlassen; die Zimmer flliff ......... ‘ "

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Asche, eMnleihen, wie sie andere Hauptstädte ihren Kunstsammlungen rc. gezi M Teil feit Jahrhunderten verdanken. Wenn stch die ttlich aa! Möglichkeit zeigt, für solche Zwecke Mittel bereit zu stellen, en, mol 1° scheint eS geboten, mannichfache, gerade gegenwärtig her- dorti elende Aussichten zu benutzen, ehe bet rasch vorschrei-

KultuSminister Dr. v. Goßler verwahrt die StaatS- regierng gegen die Austastung, als ob sie Berlin bevorzuge auf Kosten der Provinz. Ein flüchtiger Einblick in die Verwendungen der Gelder wird jeden vom Gegenteil über-

vom Landtag.

Berlin, den 11. Februar.

46. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. HauS «nd Tribünen sind schwach besetzt.

Am Ministertische: Kultusminister Dr. von Goßler, Minifterial-Direktoren Greiff, Barkhausen und mehrere Re- Mrungs-Kommistare.

Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 11V* Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen. Der Abg. Lehmann (Kreis Merzig) ist neu in daS HauS getreten.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des KultuSetats und zwar bei Tit. 36 deS Extra- srdinariuw.s: „Zum Neubau eines Gymnasiums zuFrank- futt a. M. erste Rate 200000 Mark".

Abg. Dr. Hammacher (Esten) befürwortet als Refe­rent namens der Budgetkommifston die Bewilligung.

Abg. Dr. Lieber (Montabaur) betont in längerer Siede die Notwendigkeit, daß dem neu zu errichtenden Gym­nasium in Ftarkfurt a. M. katholischer Charakter beigelegt »erde. Der einstige Frankfurter Staat hatte stch zur Be­friedigung der katholischen Bedürfniste verpflichtet und hat tet der Säkularisierung nahezu acht Millionen Kirchen- unb SchutfondS an sich genommen.

Reg.-Komm. Geh. Rat Bohtz sagt dem Vorredner zu, laß die Parität in den Frankfurter Schulverhältnisien ge­wahrt werden soll.

Dann wird nach weiterer, kurzer Diskussion, an der sch noch die Abgg. v. Eyn er n und Fl in sch beteiligen, dieser Titel bewilligt; desgleichen ohne jede Debatte das Araordinarium „für das Elementar« Unterrichtswesen" löt. 37-43).

Es folgt das Extraordinarium „Für Kunst- und wisten- schastliche Zwecke". Abg. Dr. Virchow referiert namens der Budgetkommisstotl. Die Titel 44—50 werden debatte- los genehmigt.

Der Titel 51 fordert „Zur Vermehrung der Samm­lungen der Königl. Museen" einen außerordentlichen Zu- schuß von 2000000 Mark. Der Referent der Budget- Kommission plaidiert für Bewilligung dieser Forderung, bezüglich derselben heißt eS im Etat:

„Die Königlichen Kunstsammlungen bleiben ungeachtet der ihnen im Einverständnis mit der Landesvertretung »rabiäfsig gewidmeten Fürsorge noch immer von dem Ziele igc Hniß Eferrit, welches ältere Sammlungen unschwer erreicht haben. Piauiu Sine zweckmäßige Bereicherung, namentlich an Werken her- - dorragenden Ranges, würde nicht nur ihre bildende Wir­kung verliefen, sondern auch ihre Anziehungskraft für weitere Kreise verstärken und der Hauptstadt des Reiches zum Legen für das Reich in erhöhtem Maße die Bedeutung