Einzelbild herunterladen
 

IRdtfiurg, Sonnabend, 9. Februar 1884.

HX. Jahrgang

)t und

SB

rt

m Ai«

AufstL

lis für

Bei Titel 25 (zu Schulaufstchtskosten, und zwar zu

widerruflichen Remunerationen für die Verwaltung von

, BerMi

18

--" Anforderungen des Tages leider felbst bei nahen Freunden

cht

arburg,

>at 101

103,

01

52

daß die gefchäft- Er fei in dieser

00

80

76

•A

101)

Kausq, 8edinM

SlirfpÄ erung ret

r. 33

r Art,

Lokal - Schulinspettoren mit Schreibwerk. Der Geistliche werde viel zu viel mit externen Angelegenheiten in Schul­sachen beschäftigt, während er dabet oft in die Lage komme, sich mit den Gemetndegliedern zu verfeinden. Sie wünschen die Lasten gern za übernehmen, aber sie wünschen, daß dieselben nicht unnötigerweise mit Büreausachen be­

schwert würden.

Kultusminister Dr. v. Goßler entgegnet, Herren Lokalschulinspektoren ihr Amt in den rein lichen Dingen vielleicht etwas zu streng auffasten, im übrigen gern bereit, begründeten Beschwerden Beziehung Abhülfe zu schaffen.

Ange« der Seele.

Novelle von Wilhelm Jensen.

r:

fiel.

Schuliuspeklionen 527500 Mk.) moniert Abg. Dr. Kol- berg, daß in seiner ermländischen Heimat kein einziger Geistlicher zur Verwaltung von Schulinspektionen heran- zezogcn sei, während in Danzig alle« in bester Ordnung fei. Für eine solche Ungleichheit sei gar kein Grund ab-

102 1001 ioß

67!

75J

96$

Dann hörte der Briefwechsel zwischen unS auf, wie eS unter den menschlichen Verhältnissen die fortschreitenden

ihm nichts fehle. Auch Herr Heerwag, ter noch treuer und häufiger als ehemals komme, um ihn zu erheitern, könne ihm keine andere Entgegnung abgewinnen. Ihr sonniges Glück sei dunkel geworden, oft schon habe sie im Begriff gestanden, bei mir Beistand zu suchen. Freilich wisse sie nicht, wie ich helfen solle, nur daß Wilprecht zu mir vollstes Vertrauen hege, wie zu keinem andern. Wenn ich in Wahrheit sein Freund und der ihrige sei, flehe ste mich an, so bald als möglich zu ihnen zu kommen, aber ganz wie zufällig, von einer Reise zum Besuch vorübergeführt. Sonst würde ich sogleich einen Verdacht in ihm wecken, wozu er überhaupt seit geraumer Zeit leicht neige, und seine Ver­schlossenheit nur noch mehren.

Der Brief sah mich erschreckend-wunderlich an. ES stand nicht in ihm ausgesprochen, doch mir schien«, zwischen den Zeilen lag eine ängstliche Mutmaßung der Schreiberin verborgen, die auch mich als nächste überkommen. Der Blinde hatte durch einen unglücklichen Zufall Kenntnis von der Gesichtsentstellung ElSbetS erhalten unv faßte ihre Ver­heimlichung derselben als einen, an ihm geübter Betmg auf. Und weiter, sagte ich mir, schließe nun sein rege ge­wordener Argwohn, ste liebe ihn nicht, sondern habe ihn nur geheiratet, weil eS ihr unmöglich gewesen, einen anderen Mann zu bekommen.

Ich wußte ebenfalls nicht, welche Hülfe ich bet solcher GemütSmißstimmung leisten könne, doch blieb es mir sogleich zweifellos, daß ich der dringenden Forderung ElSbetS folgen müsse. Unruhvoll trieb daS eigene Herz mich; mein Werk stand in Gefahr zu Schanden zu werden und mich anzu­klagen. Der Frühmorgen des nächsten Tages sah mich auf der Bahn, und im Abendlicht stiegen die Türme der alten Stadt vor mir auf. Mit einer beängstigenden Ver-

Abg. Dr. MoSler beklagt gleichfalls den Ausschluß der Geistlichen von der Schulinspektion und von der Er­teilung des Religionsunterrichts; der Grund hierfür liege aber weniger an dem Herrn Minister, als vielmehr an den Bezirksregierungen. Die Zustände, welche sich während der Kulturkampfaera unter dem Minister Falk in der Rheinprovinz entwickelt hätten, beständen auch heute noch fort. Beispielsweise seien im Regierungsbezirk Trier noch immer 150 bis 160 Geistliche, welchen die Lokalschul- Jnspektion entzogen ist. Ebenso würden zahlreiche Geist­liche zur Erteilung des Religions-Unterrichts noch immer nicht zugelassen. Dabei spielten sehr oft rein lokale Ver­hältnisse eine Rolle. Er möchte den Herrn Minister bitten, auf die Unterbehörden dahin einzuwirken, daß diesen Dingen ein Ende gemacht werde. Die Regierungsfreundlichkeit komme doch bei der Lokalschulinspektion nicht in Betracht, und doch bilde sie noch immer bet den Unterbehörden den Maßstab für die Uebertragung dieses Amtes. Im Rhein­lande seien die katholischen Geistlichen fast durchweg von der Kreisschulinspektion ausgeschlossen, während dieselbe evangelischen Geistlichen übertragen werde. Er möchte bitten, diese Ungleichheit endlich zu beseitigen.

Abg. Dirichlet zieht mit Rücksicht auf die Aeuße- rungen des Abg. Stöcker eine Parallele zwischen den Büreau Geschäften der Lokalschulinspektoren und denen der Gemeinde-Vorsteher und kommt zu dem Schluß, daß die Letzteren in dieser Beziehung den Ersteren in jeder Weise gletchstehen.

Abg. Dr. Windthorst betont, daß die staatliche Schulaufsicht wesentlich gegen die katholische Kirche gerichtet sei. Ich ersuche den Herrn Minister „freundlich und ernst­lich", UNS die Gründe zu sagen, weshalb in Ermland und in der Rheinprovinz die Geistlichen noch immer von der Lokalschulinspektion ausgeschlossen find. Wenn keine Ant­wort erfolgt, werde ich annehmen, daß die Regierung Gründe nicht anzugeben vermag.

Minister der geistlichen Angelegenbeiten Dr. v. G o ß l e r konstatiert unter Beibringung des einschlägigen Zahlen­materials, daß während seiner Amtsverwaltung die Zahl der zur Schulinspektton zugelaffenen Geistlichen fortwährend

richten, denn über die Zahl von 120 Schülern für einen Lehrer dürfe man sicher nicht hinauSgehen.

Darauf wird der Titel bewilligt und ebenso ohne Debatte Tit. 24 (Zu Wohnungögeldzuschüssen für die KreiS-

cht.

d. d. A

60$

76^

im Steigen begriffen sei; unter anderem befänden sich im Regierungsbezirk Trier 212 Geistliche als Schulinspektoren im Nebenamte. Für die nicht erfolgte Zulassung seien im Etnzelfalle stets ganz besondere Gründe maßgebend. Auf jeden Fall sei es falsch, der Unterrichtsverwaltung die Ab­sicht einer Benachteiligung der Katholiken unterzuschieben. Aus den vorgenommenen Zusammenstellungen mache er übrigens keinerlei Geheimnis.

Abg. Dr. Windthorst will nur sein Bedauern dar­über aussprechen, daß bei den krianten Beschwerden der Herren aus dem Ermland und der Rhetnprovinz kein Wort der Erwiderung vom Ministertisch erfolgt sei. Er bezweifle, daß die Behörden willig Folge leisten; im Mini­sterium sei die Absicht wiederholt kundgegeben, die vorhan­denen Uebelstände zu beseitigen; man stehe hier aber dem bösen Willen der Behörden gegenüber. Er müsse dringend um Abhülfe bitten, so könne eS mit den Schulverhältnissen nicht länger bleiben, die Katholiken könntm sich diese Zu­rücksetzung nicht länger gefallen lassen.

Abg. Dr. Mosler macht wiederholt auf die große Ungleichheit in der Behandlung dieser Angelegenheit in den einzelnen Provinzen, selbst in den einzelnen Regierungs­bezirken aufmerksam; er habe nur Thatsachen zur Kennt­nis gebracht, die auch der Minister nicht widerlegt habe.

Die Position wird bewilligt.

Bei Titel 27 (Zuschüsse für Lehrer) beklagt Abg. Knörke die Wiederruflichkeit der AlterSzulagen; daS sei ein mehr als unerträglicher Zustand. Er möchte den Herrn Minister bitten, wenn er mit seiner Dotationsvorlage nicht durchdringen sollte, möchte er doch wenigstens dahin wirken, daß die Alterszulagen der Lehrer unwiderruflich und pensions­berechtigt bewilligt werden.

Der Titel wird bewilligt.

Zu Tit. 28 (behufs Errichtung neuer Schulstellen 218, 362 Mk) sucht Abg. Dr. Perger unter mangelnder Auf­merksamkeit des Hauses auszuführen, daß bei der Errichtung von neuen Schulstellen das katholische Element in ganz ungerechtfertigter Weise benachteiligt werde, was er an einer Anzahl von Beispielen sich zu illustrieren bemüht.

Nachdem darauf auch dieser Titel bewilligt worden, wird ein um lOVi Uhr gestellter Vertagungsantrag abgelehnt.

Bei Titel 28a. (zur Unterstützung unvermögender Ge­meinden und Schulverbände bei Elementar - Schulbauten 500000 Mk.) spricht der Abg. Graf Clairon d'Hausson- ville den Wunsch aus, den Gemeinden noch in höherem Maße zu Hülfe kommen zu wollen, da ein dringendes Be­dürfnis in vielen Gemeinden vorhanden. Das Schulhaus brauche zwar nicht luxuriös gebaut, müsse aber für den ganzen Ort ein Muster an Ordnung, Sauberkeit und Be­haglichkeit sein.

Abg. Bachem bezeichnet die Summe von 500000 Mk. zwar auch als einen Tropfen auf einen heißen Stein, aber

72 8931

vom Landtag.

Berlin, den 6. Februar.

Abendsttzung des Abgeordnetenhauses. Vizepräst- Mit Freiherr von Heeremann eröffnet die Sitzung um 81/4 Uhr. Am Mi; i'ie:tisch Kultusminister Dr. v. Goßler tnit mehreren Kommissarien.

Die Debatte über den KultuSetat wird bei Titel 23a btä Kapitels 21 (zu Schulaussichtskosten, und zwar zu Ver­gütungen für Reise- und sonstige Dienstunkosten für die Kreis Schulinspektoren) fortgesetzt.

Abg. Frhr. von der Reck, der von der Tribüne aus spricht un) in seinen Einzelausführungen völlig unver- stäudlich bleibt, macht verschiedene Gravamina bezüglich der Zustimmung der Gemeinden und der Schulinspektoren bei Errichtung von neuen Schulstellen geltend und spricht außer­dem den Wunsch aus, daß man das Institut der Halbtags­schule dahin reformiere, daß man den Lehrern gestatte, statt die eine Hälfte des Vor-, die andere Hälfte des Nachmit­tags zu unterrichten, die ganze Schülerzahl auf einmal zu unterrichten und sich so eine wünschenswerte Erleichterung zu verschaffen.

Minister der geistlichen Angelegenheiten Dr. v. Goßler erwidert, daß, so weit er den Herrn Vorredner habe ver­stehen können, eS sich bei dessen ersten Beschwerden um eine Frage der Organisation des Schulaufsichtsrechtes handle, und in dieser Beziehung könne von ihm nicht erwartet werden, daß er Bestimmungen dieses Rechtes entgegentreten werde. Was die Wünsche deS Herrn Abgeordneten bezüg­lich der Aufhebung der Halbtagsschule betreffe, so handle eS

traulichkeit nickte beim Vorüberfahren der Epheuturm mir zu, schnell hatte ich ihn erreicht, stieg seine Treppe hinan und befrug eine mir öffnende fremde Magd zuvörderst nach der Frau Fernblick. Die Antwort lautete, daß diese aus- gegangn, doch der Herr in seinem Zimmer sei. AuS demselben schollen mir bekannte Klänge entgegen, er spielte auf seiner Geige. Aber es war nicht daS heimlich auf­jubelnde Sehnsuchtsfrohlocken, daS sie in jener Mondnacht kundgegeben, als ich ste zuletzt gehört; die alte, trübsinnige Schwermütigkeit vor dem Liebesglück WilprechtS irrte wieder aus den Saiten und zerrann in einem geisterhaften Austönen. Ich horchte eine Weile, dann trat ich ungcmeldet ein und sprach ihn in der Art, wie ElSbet eS als wünschenswert erachtete, an. Er fuhr leicht zusammen und legte seine Geige erschreckt zur Seite, wie wenn er ste vor mir zu ver­bergen trachte; darauf kam er in alter Weise mit vorge­streckter Hand auf mich zu und sagte: „Das ist freund­schaftlich von Dir und eine schöne Ueberraschungl" Der Ton, in dem er eS sprach, war etwas müde, aber klang aufrichtig herzlich, und ebenso drückte er mir zum Willkommen die Hand. Gegen mich trug Wilprecht Fernblick unver­kennbar keinen geheimen Unwillen, als gegen den Mithelfer eines Betrugs, in sich.

Wir hatten viel auszutauschen, ich frug zunächst nach seiner Frau. Er erwiderte, eS gehe ihr so gut, wie die Umstände eS verstatteten. ES lag etwas Oberflächliches in der Art der Antwort, so daß ich diese anfänglich nicht verstand; auf meine Nachfrage erfuhr ich, daß sie ihre Niedirkunft erwarte. Doch er klärte mich nur kurz auf und ging gleich zu einem anderen Gegenfiand über.

(Fortsetzung folgt.)

lisch

R:

___(5 r j. W

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllUstrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) berogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — Jnscrtionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet

Kock en.

bet deutschen patriotischen Gesinnung der ermländischen Be- _ Alterung müsse er weit zurückweisen. Redner bittet schließ- J lich den Herrn Minister, den katholischen Geistlichen das

Schulinspektorat wieder zurückgeben zu wollen.

Abg. Stöcker beklagt sich über die Ueberhäufung der

)fe 98.1 222, 119$ 67V

«„letaen nimmt entgegen: Expedition d. Blattes, Annoncen-Bureau"

Ls-°s-nstemundV°gle Äntfurt a M, Ham Iura Magdeburg u.Men Mdölf Mosse in Irankfm

M Berlin. München un -Sln": ® L- Daube un. A in Frankfurt a. M., d„tin, Hannover u. Pans.

>et Anwch zusehen: pädagogische Gründe seien nicht maßgebend, polt- mgv ru lischx könnten es ebensowenig sein, denn jeoe Verdächtigung r vollst.!« bet deutschen patriotischen Gesinnung der ermländischen Be­

ist en $ __ .

)as W Schulinspektoren 94290 Mk.).

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Hermann» scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; ♦ Jnvalidendank in Berlin,

Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

8 fest. Nachvtjz schösset -mpfrch iffrath beuds 1

'S

zu ar 1881 rlländer. erfeind. feuer.

. sich hier um eine Frage der Leistungsfähigkeit der einzelnen unter Ji Ahrer, und wenn ein Lehrer auch des Vormittags und des Nachmittags je 80 Schüler unterrichten könne, so sei er doch nicht Im stände, gleichzeitig 160 Schüler zu unter»

Meiniglich mit sich bringen. Man beabsichtigt täglich, zur Keder zu greifen, und verschiebt eS, weil der Augenblick keine Muße zu einem ausführlichen LebenSbertcht verstattet. Zu einem Gruße von einigen herzlichen Zeilen würden sich W stets Minuten finden, aber man hält es kränkend für kn Empfänger, wenn die vier Seiten des Briefbogens sicht dis zum Schluß gefüllt sind. So wird aus heute .»etgen, aus der Woche ein Monat, vielleicht ein Jahr.

Zuletzt schreibt man nicht mehr, weil man so lange nicht ,n8i 1 geschrieben hat.

1010 I Empfängt man dann selbst einen Brief, so betrachtet i »un die Aufschrift mit einer Zwittermischung von Freude ' Aid Beschämung. Mir ergingS derartig, als ich an einem । Milchend in meine Wohnung zurückkam und ein, von der 1 Hand Elsbet Fernblicks an mich adressiertes Kvuvert auf ! N Tisch liegen sah. Ich war ihnen die letzte Antwort iuj * Huldig geblieben und öffnete daS Schreiben mit dem miß- 9?’j ^«glichen Gefühl der Erwartung freundschaftlicher, doch Mlverdienter Borwürfe.

Allein das Blatt enthielt andere», auch nicht vier be- > Hsiebcne Seiten, sondern nur wenige, sichtbar mit unruhiger PHavd hingeworfene Zeilen. Die junge Frau schrieb: Schon i|Wt Monaten sei ihr Mann völlig verändert, sie ahne nicht e^burdj, aber fühle, daß er tief innerlich leide, ohne zu dvibaren, woran. Er sei gütig gegen sie wie früher, doch Wvtworte er ihre Bitten stet« nur mit dem gleichen, daß