Marburg, Freitag, 8. Februar 1884.
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Lasten aufgebürdet würden; die geborenen Schulinspektoren seien die Geistlichen, welche den Kommunen keine Lasten verursachen. Wtndhorst verlangt eine Liste der Schul- Inspektoren nach der Konfession, dem Familienherkommen und dem Schulbesuche, um daS Verhältnis der katholischen zu den protestantischen Inspektoren kennen zu lernen.
Minister v. Goßler erwidert, die veröffentlichte Liste der Schul-Inspektoren ergebe, daß die Mehrzahl derselben der katholischen Konfession angehöre. Die Mehrsorderung sei bedingt durch das gesteigerte Bedürfnis.
Die Position wird hieraus bewilligt. Fortsetzung der Beratung in der Abendsitzung.
Berlin, den 6. Februar.
Abgeordnetenhause wird in der heutigen o Plenarsitzung die Beratung des Kultusetats bei ' 121 „Elementarschulen' fortgesetzt. Am Mtnister- 7' anwesend Kultusminister v. Goßler und mehrere rnierungSkommifsare.
Abg. S e y f f a r d t (Krefeld) erinnert an des Abg. Windt-
17 Auge» der Seele.
Novelle von Wilhelm Jensen.
Meine Arbeit näherte sich mit dem Ende de» Hochsommers gleichfalls ihrem Schluß, erreichte denselben noch »l»as vor dem festgesetzten HochzeitStermin. Doch auf die Bitte WilprechtS und seiner Braut verweilte ich bi« zu diesem festlichen Tage und geleitete sie und ihn zur Kirche, ao ich mit Ernst Heerwag dem Blinden als Trauzeuge diente. ES war ein seltsam ergreifender, feierlicher Vorgang; in den Räumen der Kirche fremd, mußte Wilprecht von AsbetS Arm an den Altar geführt werden, dort stand er, hoch und ruhig aufgerichtet, mit ernst-freudigem Gesicht in Kiner männlichen Stattlichkeit. Auch sie bot in ihrer Ge- s-nnterscheinung einen reizvollen Anblick; d°S einfache weiße bewand floß anmutig an ihrer schlanken, jung räulichen Gestalt herab, der Myrthenkranz deckte ihr hoffnungsgrün den braunen Scheftel, und durchs Fenster fiel ihr auf diesen
wichen, auf sie verwendeten Blicken angemeffen. So Effchienen sie al« ein ebenbürtig schöne» Paar, ohne Fehl »n Leib und Seele. ......
Der Geistliche hielt eine bewegte, doch zartfühlende SÄ ^»spräche, die keinen Tropfen schmerzlicher Empstndung in H9» t funkelnden Becher reiner Freudigkeit hineinfallen ließ. 60*J Ich nahm, das Wohl der Jungvermählten ausbringend, —doch an dem HochzeitSmahl im engm «reise test, dann
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:r betau «, Schule zu einer Stätte des Frieden-, nicht zu einem «rftimintjf ■ • -------। r* —“““ k—
Er hoffe deshalb, die Reichssteuerreform werde mit der Besteuerung des Branntweins weittrgeführt werden.
Minister v. Goßler bejaht die Frage, ob dasSchul- versäumniögefetz in Rücksicht auf daS Schuldotationsgesetz zurückgestellt worden sei, und erklärt, die Verwaltung halte den Standpunkt der stetigen Weiterentwicklung der Volksschule fest; sie halte auch daran fest, daß der Religionsunterricht der Hauptgegenstand des VolkSfchuluntrrrichtS fein müffe wegen feiner erziehlichen Bedeutung. Eine Herabsetzung der Schulzeit würde unter den heutigen Lebensbedingungen für die Kinder in geistiger und körperlicher Hinsicht von dem größten Nachtelle sein. Bei besonderen Umständen würden ja übrigens jetzt schon Dispensationen gewährt. Den gestrigen Bemerkungen deS Abg. Zaruba gegenüber bemerkt der Minister, die geringe Förderung deS oberschlestsch-polntschen JdtomS habe ihren Grund in dem geringen Umfange der Anwendbarkeit und der örtlichen Verbreitung desselben für die dortige großpolnische Agitation, sie spreche aber für die stetige Zunahme deS eigentlichen Polnischen und die Verdrängung deS früher üblichen Deutschen im Verkehre.
Abg. v. St ab lew Skt tritt der Meinung entgegen, als ob in Oberschlesten großpolnische Agitation getrieben würde. ES deute auf die völlige Unkenntnis deS tiefgehenden Umschwungs in den polnischen Gesinnungen seit dem Jahre 1863 hin, wenn man den Polen immer wieder derartige Aspirationen und revolutionäre Bestrebungen zuschreibe.
Abg. v. Tiedemann erhofft vom SchuldotationS- Gesetz die Befferung der Schulverhältniffe in der Provinz Posen. Die Absicht der Regierung sei nicht, die Kinder dahin zu führen, daß sie die polnifche Muttersprache verlernten, sondern lediglich, die polnischen Unterthanen geeignet zu machen, durch Erlernung der deutschen Sprache leichter ihre Pflichten gegen den Staatsverband zu erfüllen.
Der RegierungS-Kommiffar erklärt ebenfalls, es handele sich nur darum, die Katholiken deutscher Nationalität vor der systematischen Polonisterung zu schützen.
Abg. Rickert stellt einen Antrag in Aussicht, welcher die Position für die Pensionen der Elementarlehrer um 100000 Mark erhöhen soll. Titel 1 bis 22 des Kapitels wurden hierauf bewilligt, ausgenommen die Position, bett, das Seminar in Hadersleben, welche an die Budgetkommission zurückgeht.
Der Antrag deSAbg.Drawe zu dem folgenden Titel, welcher den Elementar - Schulen, welche nicht HalbtagS- fchulen sind, eine Beschränkung deS Unterrichts auf den Vormittag gestatten will, wird der Unterrichts-Kommission überwiesen. ,
Abg. Windthorst bekämpft die Mehrforderung für 19 Kreisschul - Inspektoren, wodurch den Kommunen neue schlug die Stunde meiner bestimmten Abreise. Als echte Freunde drückten Wilprecht und ich uns bei der Trennung die Hand, wir wußten, nicht für immer, sondern daß unS das Leben vereinigt halten und wieder zusammenführen werde. ES kam über mich, als letztes zu fagen: „Erlaubst Du, daß ich Deine junge Frau um einen Kuß zum Abschied bitte?' Er nickte, fröhlich lächelnd, ElSbet blickte mich, jäh errötend, zighaft-ungewiß an. Ich muß gestehen, daß, als mein Gesicht sich dem ihrigen näherte, einen Moment die Wimpern meiner Augen zuckten, um mir die Lider herabzudrücken, doch ich bezwang tie unwillkürliche Versuchung und küßte offenen Blickes ihre Lippen. Es lag ein stummer, reichlohnender Dank in ihrer Erwiderung des KuffeS, doch auch anderes noch. So, in unmittelbarer Berührung ihres Gesichtes gewahrte ich nichts von der äußerlichen Entstellung deffelben, sondern empfand nur den frühlingsgleichen Anhauch eines jungen, weichwangigen, herzbeglückenden Weibes. Nicht« benahm ihr die Lieblichkeit ihres Wesen», als die Augen der Menschen allein, und die besaß WUprecht Fernblick nicht.
Ohne Begleitung trat ich den Weg zum Bahnhof an, ich wollte scheiden, wie ich gekommen. Au» dem April war September geworden, doch ich trug ein unzerstörbares Lenzgefühl im Innern in die herbsthinneigende Welt hinaus. Anheimelnder als je lag die alte Stadt hinter mir.
Dann rollte der Zug mich fort, einen Moment ließ da» Thorgewölbe mein Auge durch die umgieb-lte Straße bi» an den Marktplatz hinaufblicken, nun drehte die halb verfallene Ringmauer sich, »bendsonnenlicht lag wieder darauf, mein alter Freund, der grüne Epheuturm nickte mir , vertraulich zu. Doch aus einem seiner Fenster winkte noch
i etwas anderes, bisher nie gewesenes, zwei weiße Tücher.
Deutscher Reich.
Berlin, 6. Febr. Der Kaiser wohnte dem gestrigen Subskriptionsballe im Opernhause mit großer Frische und Munterkeit an. Bei dem Umgänge durch den Saal führte der Kaiser die Prinzessin Christian von Augustenburg. Prinz Christian von Augustenburg führte die Kronpün- zesstn, der Kronprinz führte die Prinzessin Wilhelm. Der Kaiser machte später den Gemahlinnen der Botschafter und mehreren fürstlichen Damen in deren Logen Besuche. — Der Kaiser empfing vormittags den sächsischen Militärbevollmächtigten, welcher die Nachricht von dem Ableben der Prinzessin Georg von Sachsen überbrachte, nahm sodann mehrere Vorträge und militärische Meldungen entgegen und machte nachmittags eine Ausfahrt. Das für morgen bei den kronprinzlichen Herrschaften angesagte Ballfest ist wegen Ablebens der Prinzessin Georg von Sachsen abgesagt. — Wegen Ablebens der Prinzessin Georg von Sachsen ist eine 14tägige Hoftrauer von heute ab angeordnet.— Der „Nordd. Allg. Ztg.' wird aus Kiel gemeldet, die beabsichtigte Nachtragsforderung zum Marine - Etat betrage nur 18 Millionen Mark. Die Summe werde für die Ver- mehrung der Torpedoboote und des seemännischen Personal» derselben beansprucht. — Der Deutsche Offizier - Verein wird am 1. April seine Tätigkeit eröffnen. Das Komitee besteht nunmehr au«: Generalleutnant Graf von Lehndorf, Generalquartiermetster Graf von Waldersee, Generalmajor von Locquenhien, Oberstleutnant von Holleben, Oberstleutnant Wodtke, Major von Podbielski, Major vdn Ftrcks, Kapitän - Leutnant von Ehrenkrook, und Hauptmann von Wrdell. Dem Vereine gehört bereits die große Majorität der Offiziere, Aerztr und Militär-Beamten der Armee nnd der Marine, sowie eine sehr große Anzahl von beurlaubten, zur Disposition gestellten und verabschiedeten Offizieren an. Der Verein hat da» Prinzip dec Barzahlung adoptiert und wird in eigenen Werkstätten zahlreiche Zivilhandwerker beschäftigen. Für die Mitglieder solcher Vereine, welche bei den bisherigen Lieferanten verbleiben wollen, soll auf die Mitwirkung aller vorhandenen Milttärschneider eingegangen werden. — Die Steuerkommisston fetzte die Beratung deS S 4 de»
Deutlich unterschied ich Wilprecht und seine junge Frau, von rötlichem Himmelsgeleucht überglänzt.
Ich erwiderte die Grüße, rasch drehte sich da» Bahn« gcleiS und entzog alles meinem Blick. Meine geheime Monarchin hatte ein gutes Machtgebot erlaffen, al» sie mich nicht an die See, sondern dorthin geführt. Mutmaßlich hätten die Beiden sich auch ohne meine Beihülfe gefunden, doch vielleicht später; ihr heutiges Glück, daß sie uneinbringlich schöne Tage de« kurzen Dasein« nicht ungenützt noch versäumten, dankten sie wahrscheinlich meinem Kommen. E« war ein warmbefriedigendes Gefühl — schnaubend brauste der Zug thalabwärts — die vorüberfliegende fremde Welt, in die er mich davontrug, hatte etwa« kühles, dunkelnd Einsame«.
Im Verlauf deS Winter« erhielt ich einige Briefe von Wilprecht Fernblick mit seiner großen, sicheren Handschrift, die wohl etwa« Eigentümliche» besaß, doch durch nicht» eine Vermutung aufkommen ließ , daß der Urheber sein eigene« Werk nicht gewahrt habe. Auch ElSbet fügte jedeSmal eine Seite binzu; au» den Mitteilungen beider sprach wolkenlose« Glück und warme Freundschaft für mich. Zwischen den Zeilen schien mir zu stehen, daß sie mich al« den ersten Veranlasser und Förderer der wechselseitigen Erkenntnis ihrer Liebe betrachteten. Die« dankbare Äufschlmmern a S ihren Worten that mir wohl und verband mich ihnen noch fester. Man hegt für ntemanben stärkere Anhänglichkeit; als für diejenigen, denen man einen bedeutsamen Dienst zu erweisen vermocht hat. Vielleicht entspringt dies au« einem feinem egoistischen Gefühl, daß man ein Anrecht auf ihre treue Gesinnung erworben zu haben empfindet.
(Fortsetzung folgt.)
Anzeigen nimmt entgegen*, die Expedition b. Blatte«, sowie b. Annoncen-Bureaux Jkigersche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Hermann- schtBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thiene« in Elberfeld.
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Buchdruaerer) »erogen n/. "»rr,^» « ^pebition erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
In9 feil, Nba Seyffardt (Krefeld) erinnert an desAbg.Windt-
ung J». 5 Zentrum nicht um die Verbesserung der Volksschule, eftimmtt um Erzielung von Priesterschulen zu thun; e« Ebunz ’ • sich also nicht um sachliche, sondern um politische Ni Ltfe; bie Klage, daß die Pflege der Realien in den erben h Wksschulen den Religionsunterricht beeinträchtige, sei völlig in Vkch Zutreffend, vielmehr seien die Volksschulen, ohne diese Be- Züchtigung herbeizuführen, erheblich vorgefchritten. Redner Ä richt die Hoffnung aus, das Zentrum verfolge trotz einer schul £ Lifte auf die Volksschule doch daS gemeinsame Ziel, die mmten »Aksschule zu halten und so zu gestalten, daß sie der 'fache eii Masse der Bevölkerung eine möglichst reiche Maffe Wissens zu gewähren vermöge.
Abg. Mooren entgegnet, da« Zentrum erstrebe bloß,
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Tummelplätze für die Politik zu machen; eS werde von den fr einen' Kindern viel zu viel verlangt; dadurch seien die Leistungen Jaffetleiö gegen früher zurückgegangen, wo wenig, aber gründlich ge- öelohmq |{htt worden fei. Dies beweise auch der Bericht der Berliner Schuloeputalion von 1877, in welchem zugestanden »erden sei, daß die Ziele der Volksschule im allgemernen nicht erreicht werden. Redner bittet, die Schulpflicht von acht auf sieben Jahre zu vermindern.
Aba. Seyffarth (Liegnitz) bestreitet, daß der Schul- Verstös" Mang ein Terrorismus fei. Die Schule fei die größte
Wohuhat, die den Armen erwiesen werden könne; wer am topfen, ij tzchulzwange rüttele, rüttele an der Stütze des Staates.
Mrigens hoff- er, daS neue SchuldotationSgrsetz werde kein Wechsel auf neue Steuern sein.
Abg. Francke beantragt, gewiffe Forderungen des Kapitel« für daS Seminar in Hadrrsleben der Budget- dmmission zu nochmaliger Beratung zu überweisen.
Abg. v. Benda schließt sich diesem Anträge an.
Abg. Knörcke kommt auf die endliche Regelung der Emeritenpenstonen für die Elementarlehrer zurück.
Abg. v. Zedlitz erklärt sich gegen jeden Versuch, an I der Schulpflicht und der Schulzeit zu rütteln und bedauert, ' daß von öetn Gesetze über die Bestrafung der Schulver- I stummste eS wieder still geworden sei, wa« wohl mit der beabsichtigten Vorlegung t eS SchuldotaiionSgesetzeS zusammen- linae: letztere- sei allerdings dir dringendste Angelegenheit, iut welche die notwendigen Mittel beschafft werden müßten.