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Marburg, Donnerstag, 7. Februar 1884.

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Auge« der Seele.

Novelle von Wilhelm Jensen.

für die Kreise Marburg und Kirchhain Bestellungen entgegen.

E- Neu zutretende Abonnenten können aus Wunsch, io weit unser Vorrat reicht, infolge von Nachlieferungen die in diesem Jahre bereits auSgegebenen Nummern deS Illustrierten Sonntagsblatte«" erhalten, wollen sich jedoch dann an unsere Expedition direkt wenden.

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Präsident v.KSller eröffnet die Sitzung um 11V* Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung deS Kultus - Etats, und zwar bei Kapitel 120 .Höhere Lehranstalten*. Zunächst nimmt daS Wort der

Reg.-Komm. Geh. Rat Stander, um sich gegen die gestrigen Ausführungen deS Abg. Kantak zu wenden. Der Vertreter der Regierung hebt insbesondere hervor, daß eS in der ganzen Provinz Posen kein Gymnasium mehr gebe, auf welchem die Zahl der polnischen Schüler überwiege. UebrigenS erkennen die polnischen Eltern mehr und mehr an, daß eine gründlichere Kenntnis der deutschen Sprache für daS spätere Fortkommen ihrer Kinder unbedingt nötig sei. Die Staatsregierung könne sich zu einer Aenderung der Bestimmungen vom Jahre 1874 nicht entschließen.

Abg. Dr. Kropatscheck bittet am Eingänge seiner Ausführungen, die große Anzahl der auf dieses Gebiet be­züglichen Petitionen von der gegenwärtigen Debatte anS- zuschlicßen. (Der Präsident ist damit einverstanden, uns das Haus schließt sich dem an.) «n den höheren Schulen *fo fährt der Redner fort sind außer den akademisch gebildeten Lehrern auch seminaristisch gebildete Lehrer thätig, gewissermaßen Gymnasial« Elementarlehrer. Dieselben be-

8»m Landtag.

Berlin, den 5. Februar.

41. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. DaS Haus ist schwach, die Tribünen mäßig besetzt. Am Minister- tische: Kultusminister vr. v. Goßler, Ministerialdirek­toren Greiff, Barkhausen und mehrere RegierungS-

MU- Für die Monate Februar und März nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande die Land­postboten) auf die

OberheMche Zeitung

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fühlt er sich bereits so sehr als .Lateiner", daß er vom Schreibunterricht nichts mehr wissen will. Die Einführung der Stenographie als Unterrichtsgegenstand hält der Redner bei der Fülle der Lehrobjekte für schwer durchführbar und auch insofern für bedenklich, als mit der naturgemäßen Vermehrung der Schreiberei eine Abnahme des Gedächt­nisses bei den Schulen zu befürchten sei.

Darauf wird der Titel 1 dieses Kapitels bewilligt. Zu Titel 2Zuschüsse für die vom Staate zu unterhalten­den Anstalten", Referent Abg. Schreiber (Marburg), nimmt der

Abg. Letocha daS Wort. Derselbe bestreitet die Be­dürfnisfrage des Gymnasiums in Königshütte. Indes hoffe er, daß, wenn der Staat diese Anstalt jetzt über­nehme, die Parität derselben besser gewahrt werde. Dieses Gymnasium könne man mit Recht als einjüdisches" be­zeichnen, denn unter 250 Schülern seien 176 Juden.

Dann wird dieser Titel bewilligt; ebenso ohne Debatte Titel 3Zuschüsse für die vom Staate und von andern gemeinschaftlich zu unterhaltenden Anstalten."

ES folgt Titel 4Zuschüsse für die von anderen zu unterhaltenden, aber vom Staate zu unterstützenden An- stalten."

Seitens der Abgeordneten v. Eynern, v. Klein« forgen und Pfaff werden verschiedene Wünsche geltend gemacht.

Abg. Dr. Freiherr v. Heereman beklagt die Ver­kürzung des Religionsunterrichts in den unteren Klassen, und wünscht für die Gymnasien der westlichen Provinzen Wiedereinführung der schriftlichen ReligionS-Arbeit bei dem Abiturienten-Examen.

Regierungs-Kommissar Geh. Rat Bonttz erwidert, daß die Erfahrung zur Abschaffung dieser letzterwähnten Examens-Arbeit geführt habe. Er bestreitet die Abnahme deS Religionsunterrichtes und bemerkt fchlteßltch, daß die Bedeutung dieses Unterrichts dadurch nicht beeinträchtigt werde, daß man sich hüte, demselben den Charakter eines theologischen Unterrichts zu geben.

Abg. v. Eynern hat nichts gegen die Wiederein­führung der schriftlichen ReligionSarbeiten in den westfälischen Gymnasien, erklärt sich aber dagegen für die Rheinprovinz. Im übrigen beklagt Redner die Ungleichmäßigkeit der Ver­teilung der Zufchüsse für die städttschen und die Köntgl. Gymnasien.

Nach einem Schlußworte deS Abg. Windthorst, welcher ebenfalls den Rückgang deS Religionsunterrichtes konstatieren zu müssen glaubt, wird dieser Titel bewilligt.

Zu Titel 5Zur Erfüllung deS Normaletats vom 20. April 1872 rc.", wünscht

Abg. Bachem dir Ausdehnung des Reliktengesetzes auf die StiftSgymnasten.

nach meinem vollen Gewissen nicht. Betrug ilft nur, der etwas nimmt, nicht wenn er gibt. Sein Mund sprach gestern Abend ein Wort vergeben Sie mir, daß ich es gehört Gnade; feine Augen sind begnadet, betrügen Sie ihn nicht um diefeu fchönen Besitz! Mit allem anderen hat die Huld des Lebens durch Sie an ihm gut gemacht, waS eine Stunde ihur genommen, die ich nicht mehr beklagen

Sie kannte den Eindruck ihres eignen Gesichtes auf sehende Augen zu gut, und die edle, tiefe Sinnesart des Mädchens war zu sehr allem eitlen Schein und der Selbst­verblendung abgeneigt, als daß ich nicht am besten in so unumwundener Aufrichtigkeit mit ihr reden gedurft hätte. Dankbar drückte auch sie mir die Hand und entgegnete: Wenn Sie rS recht und gut benennen, so will ich ihn in dem Wahn belassen und mich zu überreden suchen, daß eS keine eigensüchtige Falschheit von mir sei."

So verlebten wir frohe Tage der Gegenwart und noch freudigerer Erwartung miteinander. DaS Brautpaar ge­dachte den Hochzeitstag nicht länger zu verzögern, als der unumgänglich nötige Aufschub erheischte, und war eifrig mit den Zurüstungen beschäftigt. Wilprecht sah alles mit den Augen seiner Verlobten, mehr noch als früher mußte er einen Fremden völlig über ven Mangel feines Seh­vermögens beirren. Er hegte, unter ElSbetS bereiter Zu­stimmung, den Wunsch, keine andere Wohnung zu beziehen, sondern da zu bleiben, wo jeder Fußtritt drinnen, wie die Weite vor den Fenstern ihm genau vertraut war, und der Thurm zeigte sich weit geräumiger, als er von außen dem flüchtigen Blick vorkam, so daß er durch einige bauliche Verän-erungen hinlänglich Platz für die Bedürfnisse deS jungen PaareS darbot. (Fortsetzung folgt-)

Und dies geschah, fast noch früher, als ich erhofft. ES war eine Augustmondnacht, in der ich au meinem Zimmer drunten im Garten leise die Geige WilprechtS anheben vernahm. Geräuschlos trat ich an« Fenster und blickte hinab; das weiße, rieselnde Licht ließ mich seine Gestalt deutlich auf dem gewohnten Platz erkennen, daS Mädchen saß ihm am Tisch gegenüber. Er hatte seit längerer Zeit nicht mehr gespielt, doch heut klangen seine Saiten noch wundersamer, als ich sie je gehört. Sie tönten nicht wie früher den Untergrund trüber Schwermut auf; als ob er die weiche, lichterfüllte Nacht um sich mit Augen sehe, bebte die heimliche, süße Lebenssehnsucht de» Sommermonden- glanzes unter der Regung seiner Hand hervor. Ich stand zauberhaft ergriffen, gewahrte halb wie im Traum, daß stch das Mädchen, willenlos überwälligt, vom Sitz gehoben und gegen ihn hinantrat. Da» Geriufch feines Spiel» ließ ihn offenbar ihren Ulfen Fußtritt nicht vernehmen, nun hörte er auf und legte den Kopf zurück. Doch gleich darauf fuhr derselbe sichtlich erschreckt empor, denn uner- wartet dicht vor ihm klang die Stimme ElSbet«:Ich wollte Dich schon manchmal fragen wer hat Dich so wunderbar spielen gelehrt?" .

Mit einem verhaltenen Zittern kamen ihr die leisen Worte von den Lippen; er aber, von dem blitzartigen, be­seligenden Gefühl chrer Nähe, von der Macht de» AugenblickS beherrfchungSlo« fortgerissen, stieß laut au«: -Du Du allein, ElSbet!" und eS war da», wa« wir fälschlich als Impuls bezeichnen, jene» Ergebnis langer, verschwiegener Arbeit des Herzens, da« nicht gleich einem regellos herab- jchießeudm Meteoriten, fondem al« ein plötzlich offenbarter,

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finden sich in sehr ungünstiger Lage, denn ste sind vielfach, namentlich an städtischen Anstalten, vom WohnungSgeld- Zuschuß ausgeschlossen worden, ihre Alters - Skala ist eine ungünstige, und seit einigen Jahren hören auch vielfach die Alterszulagen auf, während ihnen die Befreiung von den Kommunallasten nur widerruflich zu teil wird. Ihre Lage ist fo: verlangen sie die den Elementarlehrern zukommenden Vorteile, so sagt man ihnen, ste seien L-Hrer höherer Lehr­anstalten; wollen sie die Vergünstigungen der letzteren, so erinnert man ste daran, daß ste ja eigentlich Elementar­lehrer seien. Ich richte daher die dringende Bitte an die StaatSregierung, mit Wohlwollen an die Klärung dieser Mißstände heranzutreten. (Bravo! rechts.)

Reg.-Komm. Geh. Rat Bohtz erwidert, daß die Re­gierung fortgesetzt bestrebt sei, den gewünschten Ausgleich herbetzuführen, daß ihr dies jedoch nicht in allen Fällen gelinge, zumal sie auf die städtischen Anstalten nach dieser Richtung keinen Zwang ausüben könne.

Abg. Dr. Virchow weist an der Hand statistischen Materials auf die bedeutende Alterszunahme hin, welche in den letzten Jahren in den höheren Klassen hervorgetreten fei. Früher wurde das Maturitätsexamen durchweg vom 17. bis 19. Lebensjahre absolviert, heute kommen die jungen Leute häufig erst im 25. Lebensjahre dazu. Das müsse entschieden in der Ueberbürdung der Schüler liegen. Als eine solche bezeichnet Redner die Erlernung von zweierlei Schriften. DeS Weiteren wünscht der Redner, daß den Schülern die Erlernung der Stenographie in den Schulen zugänglich gemacht werde, und bringt eine Reihe von Be­denken gegen die neue deutsche Rechtschreibung vor. (Bei­fall links.)

RegierungS-Kommissar Geh. Rat Gandtner warnt, aus einer erst 11jährigen AtterSstatistik der Schüler so allgemeine Schlüsse zu ziehen. Die von den Provinzial- Schulkollegien eingesorderten Tabellen ergeben als höchsten Prozentsatz für da« Alter der Abiturienten das 19. Lebens­jahr. UebrigenS ist hier auch das stark schwankende Auf­nahmealter in betracht zu ziehen, namentlich da, wo der Eintritt in daS Gymnasium erst in den mittleren Klassen erfolgt. Jedenfalls wird die Unterrichtsverwaltung diese Frage nach wie vor sorgfältig im Auge behalten.

Abg. Dr. v. StablewSki kommt gegenüber den Aus­führungen des Regierungskommissars bei Beginn der heu­tigen Sitzung nochmals auf die vom Abg. Kantak gestern zur Sprache gebrachten Schulangelegenheiten in der Provinz Pofen zurück und hält die Behauptungen feines Fraktions­genossen ausrecht. , , L

Abg. Dr. Kropatscheck weist auf den ungenügenden Schreibunterricht in oen Gymnasien hin. In den untersten Klassen werde verhältnismäßig wenig Zeit darauf verwendet, und wenn der Schüler erst einmal in Quinta sitzt, so um seine Sonne kreisender Planet im wichtigsten Daseins­moment ein Menschenleben entscheidet.

Ich hörte daS Mädchen einen glückeStrunkenen Schrei ausstoßen und sah ihn emporfahren ,unb seine Arme auseinanderbreiten. Dann stammelte ste:Ist es möglich, daß Du mich liebst?" und fast ebenso sprach er die nämlichen Worte. Sie lag vor ihm auf den Änieett, ihre melodische Stimme sagte anklagend:Durch meine Schuld bist Du so geworden o, daß ich es Dir durch unend- liche Liebe abküssen kann!" Er versetzte traumhaft:Du, Schuld? Du bist ja nur Gnade" glitt über ihr weiches Haar, schloß die Hände um die edelgeformten Züge ihres Gesichtes zusammen und zog sie an seine Brust herauf. Ich trat vom Fenster zurück und blickte nicht mehr hin; meine Augen hatten kein Recht darauf, und mein Herz empfand im wunderlichen Widerspruche Mitleid und Neid.

Am folgenden Tage vernahm ich mit gut gespielter Ueberraschung von beiden die glückselige Kunde. Zwei ver­wandelte Menschen traten mir entgegen. Sonnenhaft leuchteten die Augen des Mädchen»; wie von einer inneren Sonne schattenlos erhellt, begrüßte mich Wilprecht« schöne- Antlitz. Ihn berührte kein Gedanke, daß die Natur ihm grausam etwa« genommen; er besaß alles, dünkte sich mit lachendem Uebermut reicher, als ein zweiter auf Erden.

Wie ich im Laus deS Tages ElSbet Jmthurn einmal allein antraf, flocht ich in ein, zwischen uns begonnenes Gespräch:Lassen Sie ihn nie erfahren, Fräulein El-bet, daß Sie auch noch ein Angedenken an Ihre Krankheit be­wahrt haben; e« würde ihn unnötig betrüben." Ich sah, sie verstand mich und war ebenfalls von seiner bis heut fortgesetzten Täuschung unterrichtet; dunkel errötend, versetzte ste leise:Ist es denn kein Betrug?" Ihre Hand fassend und herzlich drückend, erwiderte ich:Nein, Fräulein ElSbet,

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