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XIX. Jahrgang

Marburg, Mittwoch, 6. Februar 1884

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in Frankfurt a. M-, C>ntinnnpr 1t.

>crr St °rlin, Hannover u. Paris.

Oberhesfifche Zeitung

vom Landtag.

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(Universitäten) Titel 4 .Zuschuß für die Universität in

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cloh, Nr. 27

Augen der Seele.

Novelle von Wilhelm Jensen.

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Der Juni war, glaube ich, bereits vergangen, als ich nach einem Zrvischencinsetzen längerer, eifrig am Arbeitstisch verbrachter Regentage an einem wundersamen Dommerabende mit Wilprecht Fernblick von einem weiten Spaziergange hetmkehrte, um, seiner Einladung folgend, die Abendmahlzeit mit ihm im Epheuturm einzunehmen. ES war eine träumerische Luft, von Heuduft erfüllt; man fühlte selbst bei geschlosienen Lidern den weichen Anhauch der Dämmerung, die den heißen, blendenden Tag wohlthuend beendete. Während wir auS- ruhend saßen, kam ElSbet Jmthurn, um den Tisch zu rüsten; sie trat schweigend ein und vollzog auch ihre Be­schäftigung ohne Laut. ES war nicht nötig, Wilprecht durch ein Wort über die Persönlichkeit eines Besuchers auf- zuhrllrn; von den Wenigen, die zu ihm kamen, erkannte er jeden schon draußen am Schritt. Er saß, al« daS Mädchen wieder gegangen, noch eine Weile sichtlich in Nach- denkm vertieft, dann sagte er gleichmütig, allein doch mit einem Ton, der mir eine leise GemütSerregung zu verbergen schien:WaS hat ElSbet eigentlich? Sie bedüvkt mich in letzter Zeit wortkarger, al» früher verändert. Hat ihre

Berlin, den 4. Februar.

40. Plenarsitzung de» Abgeordnetenhauses.

Das Haus ist mäßig, die Tribünen stark besetzt.

Am Ministertische: Kultusminister Dr. v. Goßler, Ministerialdirektoren Greiff und Barkhausen und mehrere RegierungS-Kommifsare.

Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 11 U Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen.

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Abz. Dr. EnnecceruS tadelt die hier zutage getretene aggressive Politik des Zentrums und dankt dem Minister, daß derselbe den Bonner Kurator gegen die bezüglichen An­griffe geschützt habe.

Abg. Dr. Wtndthorst verwahet seine Freunde gegen den Vorwurf aggressiver Politik, sie seien im Gegenteil froh, wenn man sie in Ruhe lasse. (Heiterkeit.) Er stehe auf dem Standpunkte: die Wissenschaft und die Lehre ist frei, aber nicht bloß für die Profesioren. Auch diesem Universt- täts - Schulzwang muß ein Ende gemacht werden. Wenn der Abg. EnnecceruS anders denkt, so kann ich ihm das nicht verübeln, denn er sitzt ja mitten in dem Universitäts- Monopol. Allein die Herren Profesioren müsien sich daran gewöhnen, daß man sie ebenso behandelt wie andere Sterb­liche. Wir verlangen nur, daß man die Universitäten der­artig intakt halte, daß die Katholiken ihre Söhne unbe­denklich zum Studium hinsenden können. Oder man laffe uns unsere eigenen Universitäten gründen. Dann wird eS sich bei der wisienschaftlichen Konkurrenz zeigen, wo da» Besiere geleistet wird! (Lebhaftes Bravo im Zentrum.)

ES entsteht eine längere Debatte, an der sich die Abgg. von Eynern, Dr. Virchow, Dr. von Cuny und Dr. Wtndthorst beteiligen.

Kultusminister Dr.v. Goßler erklärt, daß er mit der gegenwärtigen Thätigkeit der Kuratoren zufrieden sei und an eine Aenderung dieses ZustandeS nicht denke. Unter Hinweis auf eine, die Thätigleit der Universitäts-Kuratoren umschreibende Verordnung vom Jahre 1808 betont der Minister, daß die Kuratoren nicht den Charakter einer poli­tischen Aufsichtsbehörde haben könnten. (Beifall links.)

Abg. Dr. Frhr. v. Schorlemer - Alst bemerkt, daß die Profesioren dem Zentrum stets als die ungefährlichsten Gegner erschienen seien; er hätte nur gewünscht, daß sich dieselben nicht derartig blamierten, wie sie eS mit dem Deutschen Verein" gethan. Letzterer habe gar nichts aus­gerichtet, weil er im Volke niemals Boden gefunden. Was das Zentrum verlange, sei lediglich die kirchliche Freiheit gegen­über der nationalliberalen Tyrannei. (Bravo I im Zentrum.)

ES folgte eine Reihe persönlicher Bemerkungen, worauf der Titel 9 bewilligt wird.

Zum folgenden TitelZuschuß für die theologische und philosophische Akademie inMünster" nimmt das Wort

Abg. Dr. MoSler, um unter Betonung des katho­lischen Charakters der Akademie zu Münster die Thätigkeit des Professors der Philosophie Dr. Spieker anzugreifen, in desien Person der Apostel einer ungläubigen Welt­anschauung nach Münster gebracht worden sei. Derselbe lehre einen trostlosen Materialismus und habe sogar bis zum elften Jahre desKulturkampfes" als Examinator der Theologen fungiert. (Hört, Hörti im Zentrum.) Der Staat, der auf dem Boden des Christentums steht, darf nicht länger zusehen, daß der Unglaube sich derart breit

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jgr Für die Monate Februar und März lchmen alle Postanstalten (auf dem Lande die Land-

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Mutter vielleicht irgend eine neue Bekanntschaft, daß ihr mehr Pfl'chten oblieg n und sie dadurch zerstreut wird?"

ES war, glaube ich, znm erstenmal, raß er des Mädchen» mit ein r Anfrage gegen mich Erwähnung that, und ich fühlte mich durch d. S Unerwartete Vers hm in eine gewisse Befangenheit versetzt. Ich b.sah f.in Recht, ihm den vrr- schwiegen n, wir zur Gewißheit gewordenen Grund ihres Wesens zu offenbaren, der den Fortbestand des alten, freundlichen Verhältnisses zwischen ihnen noch mehr erschwert hätte, und ich beschränkte mich lediglich auf eine Erwiderung seiner letzten Frage, daß Frau Jmthurn und ihre Tochter, so riel ich wisse, in der nämlichen stillen Weise wie zuvor fortlrbten, daS HauS kaum jemals verließen und eben so wenig einen Besuch bet sich empfingen. Nach dieser Aeußerung setzte ich die begonnene Mahlzeit fort, Wilprecht dagegen blieb noch eine Minute ungefähr in unthättgem Schweigen sitzen und sagte danach langsam:Es ist eigentlich schwer begreiflich Elsbet ist doch im Anfang der zwanziger Jahre daß sich keine Bewerber für ein Mädchen von so wunderbarer Schönheit finden*

Er brach einen Moment ab, denn mir fiel plötzlich die Gabel aus der Hand und mit lautem Geklirr aus den Teller nieder; dann sprach er fort. Aber ich hörte kaum, waS; wie ein Blitz war es vor mir heruntcrgefahren, daß man ihm die traurigen Folgen ihrer Krankheit verschwiegen, ihm dieselben entweder absichtlich uichr mitgeteilt hatte oder anfänglich nicht kundgcgebcn und später, als alle sich an die Entstellung des Mädchens gewöhnt, kein Gerede darüber mehr in seine Einsamkeit gedrungen war. Daß sie selbst nicht davon sprach, lag begreiflich nahe, und so sah er Elsbet Jmthum mit den treuen Augen seines Gedächtnisse» nicht, wie sie seit etwa achtzehn Jahrm war, sondern immer

fite die Kreise Marburg und Kirchhai« Bestellungen entgegen.

E» Neu zutretende Abonnenten können auf Wunsch, o weit unser Vorrat reicht, infolge von Nachlieferungen ie in diesem Jahre bereits auSgegrbenen Nummern deS Illustrierten SonntagSblatte»" erhalten, wollen sich jedoch dann an unsere Expedition direkt wenden.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Burcaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvolidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.

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Aba. Dr. Kropatschek betont dir Notwendigkeit der «, Errichtung geographischer Lehrstühle auf den Universitäten, ? unb weist insbesondere auf den vielfach noch herrschenden Mangel an geographischen L-Hrapparaten hin. Der Deutsche Geographentag hatte eine Kommission zur Beschaffung einer Bibliographie der Erdkunde unseres Vaterlandes eingesetzt. Die Mittel dieser Kommission sind erschöpft, und der Minister wird sich den Dank de» Vaterlandes verdienen, wenn er jenen Bestrebungen mit einigen hundert Mark zu Hilfe kommt. (Beifall.)

Regierungs-Kommissar Geh. Rat Althoff erwidert, ^(ij daß die Staatsregierung der vom Vorredner berühr -n $ p Frage sympathisch gcgenüberstehe und fortgesetzt bestrebt sei, die geographischen Lehrstühle zu vervollständigen. Die vom Borredner gewünschten Mittel werde der Minister bewilligen, tocnn auch nicht allzuviel, aber dämm nicht minder Herz- sich. (Heiterkeit und Beifall.)

Darauf wird dieser Titel bewilligt.

mXäI? nimmt entgegen: Ä Sebitwn b. Blattes, .11 " Annoncen-Bureaux "Ust, -Lsenstein und Vogler enen «"A^urt a M, Ham- "»tagbeburg u. Wien; bVfiJ iudolf Moffe in Frankfurt d'° A ^ Berlin, München und trt>l L71. ® L. Daube und 6ln;l TtmnHnrt a. M..

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2 Zwis Au der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten alt, M Beratung des KultuS-EtatS, und zwar bei Kapitel 119

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Mei« ««denke« aa t Wilhelm Lotz.

In dem Jahre dreißig sieben führte mich mein Schicksal her, Daß an älterem Gespanne ich fortan ein Zugpferd wär . Auf wie lange ? Wer konnt'S wissen? niemand gab mir Sicherheit; Wem's versagt ist, Gunst zu werben, stürzt gar oft nach kurzer Zett. Leibend war mir die Gefähttin, die zurück auS Süden kam, Der zuliebe ich im Freien allzugern uns Wohnung nahm. Wer hat uns da ausgenommen, überlassen daS LogiS ? Freundlich thaten'S zwei Gebrüder, Bruder Wtthelm und Louis-

Köstlich war'» in jener Villa, neben der da» Wasser rauscht. Wo mein Ohr in stillen Stunden gern hat dem Gesang gelauscht, Den auftauchend aus den Fluten stimmte an der Nixen Chor, Biz bei MorgenroteS Schimmer et verstummend sich verlor. Wie Du mir so viel erzähltest, Wilhelm, auS der ältern Zett, Bon Studenten freiem Leben, von der Burschenherrltchkett! Deine Laufbahn war vollendet, alS die meine ich begann, schöne Rhapsodien waren'-, eine sich zur andern spann, Lieder der Frau Aventiure von der Burschen Ritterschaft, Bon dem Kampf für Lieb' und Ehre, von der Hessen Mut und Kraft. Ja so halt' ich meine Freude, mit Dir, schöne Wochen lang, «iS der Herbst deS rauhen Sturme« fühlbar harte Geißel schwang. Da verschwand deS Himmels Bläue, Wolken hüllten Sonnenlicht Und dem Leben in der Villa machten wir mit Trauer Schicht. Und es hieß die Pflicht uns wohnen, welch ein schneidender Jtontrajt! Wo vor rauschendem Gewühle Tag und Nacht ist keine Rast.

Kischeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage Jllustrtrte» Sonntagsblatt" durch die Expedition (K o ch'sche ® Buchdruckerei) bezogen 2'A, Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg- berechnet __

Aä Wie Du uns so freundlich wärest, Lotz, m dieser neuen Not, l Mfli Weit entfernt vom Eigennütze übtest, wa» Dein Herz gebot.

Nre Lücken auSzusüllen, warst Du liebevoll bedacht, host uns ganz auS freiem Triebe neues Opfer bargebracht. Sandtest, mir war« zum Beschämen, Eopha, Tisch und dazu Stühle, uns're Zimmer auszufüllen, gern herauf au« Deiner Mühle. Wie war es so unvollkommen, wa» ich Dir, o Lotz, vergalt, Doch ein Zeichen Deiner Güte zeigtest Du von neuem bald. Du ein guter Jäger sandtest, wa« Du eine» Tag» erlegt, Rdervieh, gar junge», zarte», da» ein grüne« Kleefeld hegt.

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Zum folgenden Titel (5)Zuschuß für die Universität in Halle", nimmt daS Wort

Abg. Dr. H uyss en. Er bemängelt die Beschränktheit der Räumlichkeiten der Universität in Halle, besonders deS mineralogischen Museums. Auf die in der jüngsten Sitzung angeregte Frage deSFrühschoppens" zurückkommend, em­pfiehlt der Redner als Mittel gegen diese Unsitte: Ein­richtung von Anlagen und Spazierwegen, namentlich zur Benutzung in den freien Zwischenstunden, Errichtung von Schreib- und Lesezimmern, brffere Zugänglichmachung der Sammlungen für die Studierenden, und Verringerung der Kneipen überhaupt.

Reg,-Kommissar Geh. Rat Polenz erwidert, daß die Unterricht-verwaltung sehr wohl die große Beschränktheit der Halleschen UniversitätS - Baulichkeiten anerkenne. Zur Abhilfe sei bereits ein Projekt ausgearbeitet, doch seien die erforderlichen Mittel zu hoch, um die Position auch nur in den nächsten Etat einstellen zu können. Inzwischen werde die Regierung bestrebt sein, nach Möglichkeit im einzelnen Remedur zu schaffen.

Darauf wird der Titel bewilligt, ebenso ohne Debatte die Zuschüffe für die Universitäten in Kiel und Göttingen.

Zu Titel 8Marburg" befürwortet

Abg. Schreiber (Marburg) die Einsetzung eines Kurators statt des kuratorischen Kollegiums, wie eS im Gegensätze zu den anderen Universitäten in Marburg und ähnlich auch in Greifswald bestehe. In demselben Sinne spricht sich der Abg. Dr. 0 i erlitt g aus, während Abg. Dr. EnnecceruS anderer Meinung ist und hervorhebt, daß das Marburger Kuratorium sich wohl bewährt habe. Abg. Schmidt-Stettin wünscht die Beibehaltung des bis­herigen Zustandes in Greifswald, und plädiert für eine Vermehrung der Lehrstühle für neuere Sprachen.

Abg. Dr. Wtndthorst meint, daß es zweifelhaft fei, ob man kuratorische Kollegien den einzelnen Kuratoren, deren Auswahl übrigen« sehr schwierig sei, vorzuziehen h^be. In Bonn habe man mit dem Einzel - Kurator schlimme Erfahrungen gemacht. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.)

Der Titel wird bewilligt. ES folgt Titel 9Bonn .

Abg. Freiherr v. Fürth wünscht die Vermehrung der Mittel für Bibliothekszwecken in Boon, und dankt dem Minister für dessen Fürsorge betreffs der kathol. theol. Fakultät.

Kultusminister Dr. v. Goßler nimmt den Kurator der Bonner Universität gegen die Vorwürfe des Abg. Dr. Windlhorst in Schutz

Abg. Dr. Wtndthorst erklärt, daß e» sich hier keineswegs um persönliche Vorwürfe handele. Er habe nur an die Haltung deö Bonner Kurators imKultur­kampf" gedacht, wo derselbe die kulturkämpserischen Bestre­bungen der Bonner Profesioren imDeutschen Verein" ruhig habe gewähren lassen.

Doch wa« soll ich noch erzählen? Solches Zeichen mehr erfreut, AIS was hohe Gunst mag schenken unb bes HerzenS Kälte beut. Leser, hör' ich Euch nicht sagen?Nimmer stehst Du da allein, Denn wir könnten, mehre hundert, Gleiches an daS Gleiche reih'n." Ja Ihr alle werbet sagen: »Lotzens Herz wat edel, gut, Unb in feinen Adern rollte auch lein Tropfen falsches Blut. Nicht getrichtert von der Schule, eingepflanzt von der Natur Wat der Trieb ihm, wohl zu thun, was so Feind wie Freund erfuhr." Drum an Deines Grabes Rande jetzt Dir manche Thräne rinnt, Fahre hin, o Freund, Gefährte, wo die Seele Ruh gewinnt!