JHaröurg, Sonnabend, 2. Februar 1884,
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Für die Monate Februar und März
Oberhesfische Zeitung
Illustrierte« Gountag-blatt,
Amtlicher Anzeiger
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Augen der Seele.
Novelle von Wilhelm Jensen.
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hunbe aus schöner lichtvoller Jugendzeit — vorlesen ließ, Pd die wundersame Treue seines Gedächtnisses bewahrte M jedes Wort, das dem Ohr übermittelt worden, unve - [fear auf. Ebenso erfaßten seine Finger aufS Deutlichste Eigenart und Schönheit jeder äußeren Form; deshalb
an, ein Institut, daS er als eine der häßlichsten Erscheinungen deS ganzen „Kulturkampfes" bezeichnet. Redner erinnert an einen weiteren Fall in der Provinz Pofen, in Schrotz, wo ebenfalls ein „Staatspfarrer" amtiert. Dir dortigen Kirchengelber wurden von dem Kretsfekretär in Dt.-Krone gegen eine horrende Entschädigung verwaltet. Die Staatsregierung muß und wird gegen diese Notstände AuLkunftSmittel finden, denn jeder Tag vermehrt die Blamage, die fich die Regierung durch die Staatspfarrer zu- zteht. (Beifall im Zentrum und bei den Polen.)
Kultusminister Dr. v. Goßler findet es nicht ange- mtffen, daß heute einzelne Staatspfarrer persönlich angegriffen werden, nachdem die Regierung schon vor zwei Jahren die Unhaltbarkeit dieses Instituts als solchem im Prinzip anerkannt habe. Der angeführte Fall Schrotz sei ihm und seinen Räten unbekannt, doch werde er sich darüber informieren. Was die Beschwerde des Abg. v. Sta- blewSkt betreffe, daß die katholischen Korrigenden der Kostener Strafanstalt zwangsweise dem Gottesdienst des Staats- pfarrerö zugeführt würden, so werde er sich mit dem Minister in Verbindung setzen, in besten Restort diese Frage gehöre. Man möge doch die Sache mit den Staatspfarrern in den polnischen Gemeinden nicht auf die Spitze treiben. Wenn es gelte, seine (des Ministers) Angehörigen in geweihter Erde zu bestatten, so würde er, um den Kirchhofsschlüssel zu erlangen, selbst auf den Knieen htnrutschen zu dem Geistlichen, der diefen Schlüstel habe, auch wenn dieser ein Staatspfarrer seil (Bravo!)
Abg. vr. Windthorst ist mit der Erklärung des Ministers nicht zufrieden, da er noch nichts von regierungsseitigen Versuchen gehört, die in Rede stehenden Notstände zu beseitigen. Im Gegenteil habe man dem Bischof von Breslau, als derselbe die Staatspfarrer zum kirchlichen Gehorsam zurückzuführen suchte, ernstliche Vorhalte gemacht. Die von den Vorrednern vorgebrachten Klagen einzelner Gemeinden hätten dem Minister bekannt sein müsten, da schon wiederholt davon im Hause die Rede gewesen. Redner verlangt sofortige Remedur; am liebsten wäre es ihm, wenn der Minister ein bezügliches Reskript noch heute ertasten wür e. (Lebhafter Beifall im Zentrum und bei den Polen.)
An der wetteren Debatte beteiligen sich die Abgg. von StablewSki, v. Schorlemer und Bachem. Dann wird dieser Titel bewilligt, ebenso die folgenden. Zu Tit. 11 „Bistum Köln" nimmt das Wort
Abg. B i e f e n b a ch (Zentrum), um lebhafte Klage zu führen über die Nichtzurückberufung des Erzbischofs Melchers. Die Glieder der Kölner Diözese find zu eng mit demselben verbunden, als daß sie je von ihm lassen könnten. Absetzen könne der Staat einen Bischof überhaupt nicht. Wenn Erzbischof Melchers feiner Zeit die Maigefttze, welche, wie man jetzt allgemein empfindet, die Lebensadern der
katholischen Kirche unterbanden, nicht anerkannte, so bandelte er in Erkenntnis seiner höheren Pflicht, der Pflicht deS GewistenS, welches über jedem Gesetze stehe. An die jüngste Erklärung deS Ministers, betreffend die Nichtbe- gnadigung deS Kölner Erzbischofs, erinnernd, verlangt Redner Gründe dafür, denn mit der Phrase „Interesse deS Staates" laste sich nicht alles decken. Namen» der katholischen Rheinlande rufe er dem Minister zu: Redde, quod debesl (Lebhafte» Bravo I im Zentrum.)
Abg. Dr. Reichensperger (Köln) unterstützt die Ausführungen deS Vorredner», da er (Redner), als Kölner, unmittelbarer Zeuge von der segensreichen Wirksamkeit deS Erzbischofs Melchers gewesen. Er findet es unbegreiflich, daß letzterer nicht zurückberufen werde im Gegensätze zur Rückberufung der anderen Bischöfe, denn MelcherS habe nicht anders gehandelt, als diese. Er wolle weniger aus eine Angabe von Gründen seitens der Staatsregierung dafür dringen, vielmehr hoffen, daß ernste Erwägungen die Regiemng veranlassen werden, auch bett Erzbischof MelcherS zurückzuberufen, zur Freube unb zum Dank seiner treuen Diözesanen. (Bravo! im Zentrum.)
Abg. Dr. Freiherr v. Schorlemer - Alst erinnert an die Erklärung deS Ministers vom 18. Januar, wonach kein Minister die Begnadigung der Erzbischöfe von Köln und Posen unterschreiben werde. Wenn man also eine Kabinettsfrage aus der Angelegenheit mache, so müsse man dafür ganz besonders wichtige Gründe haben. Diese Gründe muß unS der Minister nennen. Schweigt er, so hat er keine Gründe. (Beifall im Zentrum.)
Minister Dr. v. Goßler erklärt, daß die StaatS- regierung zu ihrer Auffastung nicht von gestern auf heute gekommen sei, und daß sie diese Auffastung auch nicht von heute auf morgen ändern werde. Die Gründe in dieser kontradiktorischen Angelegenheit auSzuführen, habe et keinen Anlaß, er könne daher lediglich die Erklärung abgeben: Die Staatsregierung folgt ihrer Ueberzeugung! (Beifall.)
Abg. Dr. Windthorst kommt auf die Ausführungen deS Abg. v. Schorlemer zurück. Der Fall liege so, daß der Monarch einem Gnadenakte wohl geneigt sein würde, daß aber die Minister die Kontrastgnatur verweigern. Darin liege eine Verletzung des Kronrecht». Denn die Begnadigung liegt bei dem Könige und nicht in einem Minister Regiment! (Lebhafter Beifall im Zentrum und bei den Polen.)
Nachdem noch die Abgg. Dr. Brürl undDr.Hänel in die Debatte eingegriffen, wird dieser Titel und ebenso der Rest des Kapitels 115 bewilligt.
ES folgt Kapitel 116 „Katholische Geistliche und Kirchen."
Abg. R inte len ist gegen Bewilligung eines ZuschusteS für den altkatholischen Bischof ReinkenS in Bonn. Es
keineswegs; eher im Gegenteil hatte er sein Inneres vor mir in so vertraulicher Weise aufgeschlosten, wie zwei sehende Augen eS nur selten bei einem ersten Zusammensein gr- statten. Ich bat ihn, in meinen Nicht-Arbeitsstunden über mich zu verfügen, wenn ich ihm durch Borlesen oder etwa« sonst nützlich sein könne, und wir trennten unS nicht allein als gute Nachbarn, die einige schnell verflogene Stunden miteinander verbracht, sondern im wechselseitigen Gefühl einer beginnenden Freundschaft. Seltsam warS mir, mit welch anderer Empfindung ich den alten Thurm verließ, als ich ihn betreten. Die Herrlichkeit deS ersten Maitags lag noch ebenso ring« um mich her, aber wie eine kühl und trüb verschattenve Wolke ging mit der Gedanke an die beiden toten Augen drüber, die an diesem köstlichen „Wandeln im freudigen Lichte" keinen Thell hatten. ES wat doch ein lebendig in Nacht begraben fein, die Welt nur eine weite Gruftmauer für sie, um so mehr und bitterer, al» ste einst zu sehen vermocht und daS GecächtniS an diese HimmelSfähigkeit in sich trugen. Und eigentümlich war», daß ich mir gerade im Verlauf der jüngsten Zeit mehrfach klar zu machen gesucht, einen wie großen Anteil das Sehvermögen an ter Schönheitsbeglückung des Daseins besitze. Gewiß blieb es dafür von höchster Bedeutung, unv doch kam» mir, al» habe ich eS in meiner Schätzung zu unbedingt über alle» gestellt; als sei e» nicht die unentbehrlichste, vielleicht unter Umständen nicht einmal eine wesentliche Bedingung , um glücklich sein zu können. DaS wiversprach sich freilich mit meiner noch eben erst gehegten Empfindung, doch ich vermochte überhaupt nicht zu rechter Klarheit deffen, wa» die letzten Stunden in mir angeregt hatten, durch-
^spräches trat unverkennbar eine tief Innerliche Bedrückung ^es Gemütes zu Tage, daß er auf keinem Gebiet etwa» chichcS zu leisten vermöge und nur ein eigenes, für
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andere völlig nutzloses Dasein führe. Ich konnte ihm hier indeß mit vollster Ueberzeugung in» Wort fallen, wenn jemand eS zu solcher durchgeistigten Kunstvollendung im Geigenspiel gebracht, wie er am gestrigen Abend kundgegeben, so lege er damit genugsam Beweis ab, daß er auch Höchstes zu erreichen fähig sei. Sein Auditorium habe freilich nur aus sehr wenig Zuhörern bestanden, doch über die Wirkung, die er auf mich auSgeübt, könne ich selbst am besten urteilen, unb unzweifelhaft werbe Fräulein Jmthurn in ähnlicher Weise bavon erfaßt worben fein. Da» sprach ich.voll zuversichtlich, froh, ihm baS Gefühl einer uneingeschränkten Bewnnberung seiner seltenen musikalischen Fähigkeit erregen zu können; sein Gesicht übergoß sich auch mit einer lebhaften Färbung unb er versetzte rasch: „Sie hörten, baß ich spielte? Befanben Sie sich denn mit Ihren neuen HauS- genossinnen zusammen?"
Ich verneinte die letzte Frage und gab Antwort, daß ich in meinem Zimmer gewesen. Er schwieg kurz, bann entgegnete er: „Woher wissen Sie denn, daß noch außer Ihnen jemand auf meine Geige acht gegeben?"
Auch darüber gab ich Auskunft, und daß eS nach meinem Dafürhalten die Tochter meiner Wirtin gewesen fein müsse. Nun sagte der Blinde kurz: „Ja, ste hat Jntereffe für Musik, wie für Dichtung, unb lieft mit zuweilen ebenfalls vor, wenn mein Freund verhindert ist; ich kenne sie von ihrem Elternhause her auch von klein auf." Dann kehrte er auf einen zuvor berührten Gegenstand unserer Unterhaltung zurück; als ich endlich mich von ihm verabschiedete, war mir unvermerkt die Hälfte deS Vormittags hingefchwunden, aber ich hatte einen neuen Gewinn deS Lebens bavongetragen. König Philipps Wort, baß bie Welt zum Blinden einen Zugang weniger habe, bewahrheitete sich in d m, von jenem gemeinten Sinne bei Wilprecht Fernblick
(ütfdieint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „ ällustrtrtes SonntagSblatt" durch die Expedition (R o ch'sche 1 Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 5» Pf« (erd. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
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___J Was bie innere Lebensführung Wilprecht Fernblicks üchtigcs WN, so gebot er über eine berariig ausgedehnte Bildung ■ ' «ib einen Reichtum an Kenntnissen, wie eS einzig durch fee Nichtbeteiiigung an den sogenannten geselligen Ver- " Fügungen anderer erklärlich ward. Die Bücherlostgkeit .pLnp» fee« Wohnzimmers war nur Anschein, nebenan befand sich tze reichhaltige unb sorglich ausgewählte Bibliothek, ans 7 hm Inhalt er sich täglich — zumeist von einem, ihm 11 9 wandelbar anhänglich gebliebenen Schulgenoffen unb
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vom Landtag.
Berlin, den 31. Januar.
nddieHst gg. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. Am uut vti Ninlsterllfche: Kultusminister Dr. v. G 0 ß l e r, Ministerial- ' Moren Greiff und Barkhauseu, und mehrere Re-
mmngs-Kommiffare.
Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 11V» Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten tzrratuttg des Etats des Kultusministeriums. Dieselbe be- pnt mit Kap. 115 „Bistümer unb bie zu denselben gebenden Institute".
. h . Auf eine Anfrage des Abg. Spahn (Zentr.) wegen •cypen ttt Bezüge des Bistums von Ermland erwidert
•r Tailik Kultusminister Dr. v. Goßler, daß der Bifchof von wanden st kmland int vollen Besitze derjenigen Bezüge sei, die ihm Hohen.
, 2 Tr. st Abg. vr. Windthorst dankte dem Minister für diese ;-----— Mmug und bittet um deffen ferneres Wohlwollen dem
l h Ul a s lj (mannten Bistum gegenüber.
mn) ist zi Abg. Dr. S t a b l e w S k i wünscht, daß die Kirchenbücher sti verwaisten polnisch-katholischen Gemeinden den benach- vermieist ktten Geistlichen zur Verwaltung gegeben würden. DeS , Kelteren führt Redner Klage über die sogenannten StaatS- 1 linier In der Provinz Posen, insbesondere über den Kostener ch e tt, »Arrer Brenk, um deffen Beseitigung er den Minister e HauS-li littet, da eS keinem überzeugungstreuen Katholiken einfiele, auf Dftei Ini Gottesdienst tiefe« StaatSpfarrerS zu besuchen. (Beifall ki den Polen unb im Zentrum.)
Abg. Dr. Frhr. v. Schorlemer.Alst schließt fich den —vT Ausführungen deS Vorredners betreffs der „Staatspfarrer"
m Miiel öC* Neu zutretenbe Abonnenten können auf Wunsch, wir vor« io weit unser Vorrat reicht, infolge von Nachlieferungen ste in biefem Jahre bereits ausgegebenen Nummern beS Illustrierten SonntagSblatteS" erhalten, wollen sich jedoch toin an unfere Expedition dirett wenden.
_ fee er fein Zimmer, anstatt mit seinen, für ihn selbst nn- rapmmtenvertbaren Büchern, mit dm klassischen Marmorbüsten r‘ a kleben, unb es bereitete ihm freudigen Genuß, durch lnfang ° Äendes Uebergleiteu derselben sich eine sichere Vorstellung können »er idealen Züge unb künstlerischen Vollendung zu ge-
$•' ^ten. Er selbst hatte sogar in Thon zu mobellterm ver- --—fet, und einige, von einem SimS nleberblidenbe, lebenS- feje Köpfe legten Zeugnis für die ungemeine GefühlS- -- . fehelt feiner Hände ab, wenn sie auch da, wo der körper-
:8 zu RMe Empfind ngSeindruck aufhören mußte und nur daS debrrntt i ^8» weiterbilden konnte, naturgemäß etwas Seltsames, its-Conc^ schmal Abstotzendes nicht verleugneten. Er wußte selbst, dies nicht enter« sein könne, unb im Verlauf unseres
e 8» gebt», erschleich, ntt?dmlLestellungen entgegen.