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Marburg, Mittwoch, 23. Januar 1884.

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(Fortsetzung folgt.)

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Augeu der Seele.

Novelle von Wilhelm Jensen.

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der Redner darüber, daß die Ostbahn zu wenig Bahnhöfe habe, und daß diese wenigen vielfach noch zu klein und mangelhaft seien.

Minister Maybach erklärt, daß die Gründe des Vorredners ihn nicht dazu zu bestimmen vermöchten, die Direktion der Ostbahn von Bromberg nach Danzig zu verlegen.

Abg. Büchte mann ist der Ansicht, daß der Minister auf die Dauer sich der Einführung von Spezialtarifen nicht werde entziehen können. Redner erinnert außerdem an eine frühere Petition, welche eine anderweitige Ver­wertung des außer Betrieb gesetzten Berliner Ostbahnhofeö wünscht.

Abg. Frhr. v. Minnigerode betont die Notwendig­keit einer günstigeren Tarifierung der MasientranSporte im Jnterrfle der Landwirtschaft, unter besonderem Hinweis auf die Verhältnisie im Osten.

Minister Maybach erwidert, daß die Tendenz der Regierung dahin gehe, den Transport so gut und so billig wie möglich zu gestalten. Man muffe indes hier mit Vorsicht zu Werke gehen, denn die Ansprüche der Land­wirte wie der Industriellen seien teilweise so weitgehend, daß bei ihrer vollen Berücksichtigung ein Ausfall von etwa 40 Millionen Mark entstehen würde, welcher als­dann dem Weiterausbau des SekundärbahnnetzeS rc. ent­zogen werde. Erst müsse volle Klarheit auf diesem Ge­biete herrschen, dann könne man diesen Jnteressenfragen näher treten.

Abg. Schmidt-Stettin weist daraufhin, daß der vom Minister bei früherer Gelegenheit entwickelte Grund fatz, die Direktionen möglichst in die Provinzialhauptstädte zu legen, nicht überall durchgeführt werde. Im übrigen wünscht er nicht, daß für den Osten noch weitere Aus­nahmen bezüglich der Tarifierung eintreten.

Abg. Schultz-Lupitz bittet den Minister, die Be­förderung von Düngemitteln (Kainit u. dgl.) so billig wie möglich zu gestatten. Redner weist den Vorwurf des Abg. Büchtemann wegen einseitigen Interesses für die Landwirt­schaft zurück. Dieses Interesse ist kein einseitiges, denn die Landwirtschaft nährt uns alle!

Abg. D i r i ch l e t bringt die Kohlentransport - Tarife zur Sprache. Abg. v. Lyskowki beklagt die unver­hältnismäßig hohen TranSportsätze für eine Reihe gemein­nütziger Dinge; dadurch werde der Landwirt auf den Zwischenhändler angewiesen. (Bravo! rechts.)

Abg. Freiherr von Minnigerode schließt sich dem Wunsche des Vorredner- an und weist den Vorwurf des Abg. Büchtemann zurück, als hätten die Landwirte eine ausgesprochene Abneigung gegen die großen Seestädte, die

ich fragte überrascht:Vernehmen Sie den Laut deutlich und erkennen ihn als Amselgesang?" Ein leichtes Lächeln ging um feine Lippen, wie diese entgegneten:Die Drosseln sind meine Freundinnen, mein Gehör ist vielleicht mehr, al» das anderer, für ihre Stimmen geschärft." Dann lenkte er auf einen schon zuvor berührten Vorgang aus der geschicht­lichen Vergangenheit seiner Vaterstadt zurück und fesselte meine Aufmerksamkeit gleicherweise durch den Inhalt und die verständnisreiche Art feiner Mitteilung. Nur eine» erschien mir nicht angenehm in seinem Benehmen, da eS die deutliche Auffassung seiner Worte oftmals beeinträchtigte. Der Weg, auf dem wir gingen, besaß eine Art ländlichen Trottoir«, mein Gefährte hielt die der Straße zugewantte Seite desselben inne und hatte die lästige Angewohnheit, fast bei jedem zweiten Schritt mit der Eisenzwinge seine» Handstocks manchmal leicht, häufig aber auch laut klappernd an die niedrige Steineinfassung des abgetrennten Steige» zu schlagen. Sonst gab er sorgfältig auf meine Bequem­lichkeit acht und brach im Gespräch einmal plötzlich ab: Hier thun wir klüger für unser Schuhzeug, nach recht- auSzubiegen; sie beheißenS, daß sie den Weg da verbessern, aber wenn Füße Kritik üben, werden fie'S eher verbösert nennen." Ich sah auf und gewahrte, daß unweit vor un» eine Strecke des Trottoirs mit scharf zerschlagenen Steinen, für den Augenblick jedenfalls nicht fehl einladend, neu be- fchüttet worden war, wir traten auf die Mitte der breiten Straße hinüber, ich hob ein Stück be» Wegschotters vom Boden und äußerte, daß mich für den Zweck auch die Ge­steinart al» eine zu harte bedünke. Mein Begleiter streckte die Hand nach dem von mir gehaltenen Prüfungsstück au-, so daß ick ihm dieses darreichte, und den Kopf schüttelnd, pflichtet' er bei:Sie haben ganz Recht, es ist Granit, die Leute hätten zu dem Behuf wenigstens S mdstein wählen

über das altertümlich und friedlich-schöne Bild, das die vor uns liegende Stadt darbot. Flüchtig den Kopf hebend, versetzte er:Gewiß, wenn man sie einmal so im Abendlicht gesehen, bleibt eS einem unvergeßlich vor den Augen, wohin man später auch kommen mag: eS ist meine Vaterstadt und berührt mich wohlthuend, wenn ein Fremder bei ihrem Anblick daS Nämliche empfindet, wie ich; die meisten meiner Mitbürger find zu sehr daran gewöhnt, als daß ihr Gemüt noch einen poetischen Eindruck davon empfinge." Im Weitergehen nannte er mir die Namen der Kirchen, sowie einiger durch ihre Höhe und Eigenart hervorragender Gebäude und bezeichnete die letzteren so genau nach ihren Einzelheiten, daß keine Verwechslung mit anderen, ihnen ähnelnden von meiner Seite stattfinden konnte. Ueberhaupt erwieS er sich als ein vollendet geistig durchge­bildeter, vielseitig unterrichteter Mann von selbständiger Ge- dankenursprünglichkett in der Anschauung und Beurteilung der Dinge, die unser Gespräch bei der Weiterführung be- rührte. Ich nannte ihm meinen Namen, erzählte von der besonderen Art meines HierherkommenS und dem Arbeits­zweck, der ein Verlangen nach einem still vom Gelärm der Welt abgelegenen Orte geweckt. Er nickte mit dem Kopf: Ja, daS Meer rauscht schön in nachstnnende Gedanken hinein, ich war auch schon dort, eS hat viel Aehnlichkeit mit unserem Fluß, wenn die Herbstwetter sein Bett mit Hochwass r anfchwellen." Der Vergleich nahm mich etwa« Wunder, so daß ich erwiderte:Bei geschlossenen Augen für da« Ohr vielleicht* doch mein Begleiter fiel beinahe gleichzeitig ein:Sie werden bei uns, glaube ich, dieselbe friedliche Ruhe für Ihre Arbeit finden, wie am Seestrand, es müßte denn fein, daß der Vogelsang Sie störte. Hören Sie, wie maifreudig die Amsel in den weichen Abend schlägt!" Ich horchte, vernahm indeß anfänglich nichts, erst nach einer Weile empfing mein Ohr den Eindruck eines fernher kommenden, kaum unterscheidbaren FlötentonS, und

vom Lsudtag.

Berlin, den 24. Januar.

30. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses, l« Ministertische: Minister der öffentlichen Arbeiten kaybach und zahlreiche Kommifsarien.

Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um UV* Ihr vor leeren Bänken.

Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Entwurfs des Staatshaushaltsetats für 1884/85, und zwar Eisenbahnverwaltung.

Abg. Freiherr v. E i ck st e d t - PeterSwald wünscht eine huellere Beförderung des Viehs durch Berlin, sowie Ver- iegerung der Ladefristen für Mafsen-KohlentranSportr.

Regierungs-Kommissar Geh. Rat Fleck antwortet, daß it gewünschten Berücksichtigungen eintreffen würden, sobald ikzügliche Vorstellungen bei den Eisenbahndirektionen ein-

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sie zu schädigen suchten, indem sie für billigere Bahntrans­porte eintreten. Die Kohlenirage betr., steht uns Schlesien näher als England; wir dürfen nicht, dem geringeren Preis zuliebe, dem Ausland den Vorzug geben! (Beifall.)

Abg. Hahn wendet sich gegen den Vorwurf des Abg. Dr. Wehr, welcher die seitens der Direktion der Ostbahn angeordnete Tarifierung auf Unkenntnis dieser Behörde zurückgeführt hatte. Er hofft, daß das DirektionSgebäudr in Bromberg bald in Angriff genommen werde.

Abg. Bachem bemängelt, daß bei der Verstaatlichung der linksrheinischen und der rechtsrheinischen Bahn bezüglich der Uebernahme der Beamten nach verschiedenen Grund­sätzen vorgegangcn worden sei.

Reg.-Komm. Ministerialdirektor Brefeld antwortet, daß die Regulierung der Beamtenverhältnifse in den Händen der Direktionen liege und nicht Aufgabe der Zentralinstanz sei, welche daher nicht verantwortlich sein kann. Sie wird jedoch jede gerechtfertigte Beschwerde, wenn sie ihr vor­gelegt wird, berücksichtigen.

Ohne wesentliche Debatte werden die einzelnen Titel derEinnahmen" bewilligt.

Bei der Beratung derAusgaben" nimmt zuerst da» Wort der

Abg. v. Quast, um auf das Mißverhältnis zwischen der Stellung der höheren technischen Beamten und dem der Verwaltnngöbeamten hinzuweisen. Erstere werden erst spät angestellt und ihre Anciennität läuft erst von der Anstellung. Außerdem werden sie in ihrer sozialen Stellung leider als eine Art Beamter zweiten Ranges angesehen. Eine Aende« rung dieses Zustandes ist notwendig nicht nur im Privat- intereffe jener Beamten, sondern auch im Staatsinteresse, damit diese Beamte (Baumeister rc.) nicht den Staatsdienst verlassen und sich dem Privatdienst widmen. (Beifall.)

Abg. Freiherr von Schorlemer-Vehr bringt da- niedrige Einkommen der Zugführer zur Sprache. So lange dieselben im Dienst sind, finden sie ja eine ständige Nebeneinnahme in den sogenannten Meilengeldern. Die letzteren werden jedoch bei der Pensionierung nicht an- gerechnet! Auch die Frage des WohnungsgeldzuschufseS für diese Beamtenkategorie bedarf der Regulierung. (Beifall.)

Abg. Dr. Frhr. v. Schorlemer-Alst weist auf den chweren Dienst der Lokomotivführer hin und bringt Bes­piele von bedeutender Ueberbürdung dieser an sich schon so chwer verantwortlichen Beamten vor. (Beifall.)

Minister Maybach erklärt, daß die vom Vorredner angeführten Fälle durchaus seinen (des Ministers) Anord­nungen widersprechen. Wenn auch bei besonderen Anlässen daS Dienstintereffe eine längere Arbeitszeit der Lokomotiv­führer erheischen könne, so müsse die- nach Kräften ver«

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Abg. Bachem betont, daß bie Zahl der angestellten Ksmbahnsekretäre In mehreren Fällen im Mißverhältnisse ßche zu den Einnahmen der betrefsenden Strecke und deren Gesamtlänge.

Abg. Dr. W e h r anerkennt daS Wohlwollen, mit welchem «ach der Verstaatlichung durchweg seitens der Eisenbahn- Verwaltung den Interessenten entgegengekommen werde. _ lot so mehr muß er eS bedauern, daß die Direktion inso- ittt sich nicht auf der Höhe der Situation befinde, als sie len landwirtschaftlichen Bedürfnissen ihres VerwaltungS- J kzirkes nicht genügend Rechnung trage. Außerdem klagt

md Fr« Der Weg vom Bahnhof bis zur Stadt erwies sich doch [29 Unger, als ich beim Vorüberfahren vermutet. Mancherlei Fußpfade zwischen blühenden Weißdornhecken schienen ihn chukürzen, ihnen folgend, gelangte ich an den Fluß, jedoch, idsohl eine Brücke hinüberführte, augenscheinlich nicht an Per richtigen, zu dem alten Thor weiter geleitenden Stelle. Mir war bisher niemand begegnet, auf der Brücke gewahrte w zum erstenmal einen Bewohner de- OrteS vor mir. Er tob halb über das Geländer gebückt, doch so, wie wenn 6, in Gedanken vertieft mehr auf daS plätschernde Geräusch M unter ihm forlziehenden Wassers höre, als das fröhliche Mzen der kleinen Hellen Wellchen betrachte; beim Näher- tonnen zeigte er die schlanke, jugendliche Gestalt und das Rerft einnehmende, eigentlich überraschend durchgeistigt W Gesicht eine« etwa dreißigjährigen ManneS in einer Reibung, welche ihn als sehr wohlhabendem Stande anhörig tozcichnete. Er verwandte auf mein Herrannahen keinerlei Mamfrit, sondern verharrte ruhig in seiner beschaulichen Stellung, Erst als ich, ungewiß, welchen der Wege zenseitS M Flusses ich einschlagen solle, ihn mit einer Frage darum ill $ ^sprach, fuhr er rasch herum, lüftete sehr höflich seinen

»ar IW Mkrämpigen Filzhut und erwiderte, mir zwei Augen von gewöhnlich hellblauem Glanz entgegenwendend, äußerst

;e.toj:Den Weg rechts, mein Herr." Gleich darauf fügte 'eiferst * hinzu:Nach dem Klang Ihrer Sprache sind Sie fremd , der P» Mi; der Weg besitzt einige Kreuzungen, wenn eS Ihnen . Perspst stnehm ist, führe ich Sie soweit, bis Sie nicht mehr fehl ikhen können." , ,

. Die zuvorkommende, doch keineswegs aufdringliche Art

. Mes Anerbietens übte im Verein mit der gewinnenden . Nchelnung einen höchst günstigen Eindruck auf mick au«,

Nahm mit Dank feine Begleitung au und äußerte mich |