lilarourg, Sonntag, 20. Januar 1884.
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erkennenden Blick uiederschießt.
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In Brie
In früheren Jahren war ich einigemal an der kleinen Stadt vvrüdergekommcn nnd hatte stets den Blick »ach ihr zurückgedreht, bis der Eifenbahnzug, nur flüchtig an ihrem wenig belebten und ziemlich abgelegenen Bahnhof haltend, Weiter eilte und das altertümliche Bild des OrteS bald hinter
vom Laudtag.
Berlin, den 18. Januar.
28. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. DaS fpu8 ist ziemlich gut besetzt, die Tribünen wieder sehr stark. Am Ministertische: Kultusminister v. Goßler und Re-
Pckst^nt v. Köller eröffnet die Sitzung um UV* Uhr gilt geschäftlichen Mitteilungen.
Einziger Gegenstand der Tagesordnung ist die erste und -weite Beratung des Antrages der Abgg. Dr. Reichcnsperger (D'VO und Genossen auf Annahme eine» Gesetzentwurfs, betreffend die Wiederherstellung der Artikel 15, 16 und 18 ter Verfassung vom 31. Januar 1850.
Die betr. Artikel haben folgenden Wortlaut:
„Art. 15. Die evangelische und die römisch-katholische Kirche, sowie jede andere Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig und bleibt im Sefltz und G nuß der für ihre Kultus-, Unterrichts- und Wohlihätigkeitszwccke bestimmten Anstalten, Stiftungen und Fonds.
Art. 16. Der Verkehr der Religionsgesellschaften mit ihren Oberen ist ungehindert. Die Bekanntmachung kirchlicher Anordnungen ist nur denjenigen Beschränkungen unter« tvoifcit, welchen olle übrigen Veröffentlichungen unterliegen.
Art. 18. Das ErmmiungS-, Vorschlags-, Wahl- und Lestätigungsrecht bei Besetzung kirchlicher Stellen ist, soweit es dcm Staate zusteht und nicht auf dem Patronat oder besonderen Rcchtstitcln beruht, aufgehoben.
Auf die Anstellung von Geistlichen beim Militär und an öff tätlichen Anstalten findet diese Bestimmung keine An- Wendung."
Zu der zweiten Beratung de« Antrages der Abgg. Dr. ReiLenfperger und Gen. ist seitens der konservativen
herbcigcführt werden würde;
in Erwägung ferner, daß die zu erstrebende Selbständigkeit dec evangelischen und katholischen Kirche und die Versöhnung der kirchenpolitischen Gegensätze auf dem bereits betretenen Wege der Spezial- gesrtzgebung erreicht werden kann,
den Antrag des Abg. Dr. Reichensperger und Gen.
zur Tagesordnung überzugch'n."
Während die Rednerliste festgestellt wird, erhält zur Begründung des Antrages daS Wort
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(Nachdruck verboten.;
Augen der Seele.
Novelle von Wilhelm Jensen.
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Partei folgender Antrag gestellt:
DaS Haus der Abgeordneten wolle beschließen:
In Erwäguna, daß die Wiederherstellung der Artikel 15, 16, 18 der VerfaffungS « Urkunde vom 21. Januar 1850 als ein geeigneter Weg nicht angesehen werden kann, den Frieden aus kirchen- politischem Gebiete herzustellen, vielmehr dadurch die Gefahr einer eintretenden Rechtsunsicherheit
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Abg. Dr. Reichensperger (Olpe): Ich würde mit der Begründung meines Antrages leichtes Spiel haben, wenn heute noch in diesem Hause der konstitutionelle und freiheitliche Geist herrschte wie früher. Dann freilich hätte ick nur nötig, auf daS verfaffungömäßig verbürgte Recht der zehn Millionen Katholiken hinzuweisen, denen man das heiligste aller Rechte entzogen hat, und welche nun sämtlich hinter mir stehen und diese VerfaffungS - Wiederherstellung verlangen. Leider hat die Erfahrung gelehrt, daß ein solcher Appell an die konstitutionelle Gesinnung wenig mehr fruchten dürft", nachdem man einmal zugegeben bat, daß auf diesem wichtigen Gebiete das Unrecht Platz greifen durfte. Und nun dauert dieser unerträgliche Zustand schon länger als ein Jahrzehnt, während gar nicht abzusehen ist, wann dem ein Ende gemacht werden kann. Fast hat es den Anschein, als ob der Staat, welcher etwas Positives zur Beseitigung dieses Notstandes bis jetzt nicht gethan hat, überhaupt nicht die Absicht habe, eine Aenderung eintreten zu lassen, um aus diesem Notstände der Kirche Konzessionen für sich herauszuschlagen, welche das naturgemäße Rechtsverhältnis zwischen Staat und Kirche nun und nimmer zulasten kann. Ein Appell an den freiheitlichen Sinn des Hauses erscheint ebenso erfolglos, nachdem derjenige Liberalismus, welcher einst bei der freiheitlichen Bewegung im Lande die Religionsfreiheit als die Grundlage jeglicher politischer Freiheit proklamiert hat, heute zum Psendo-LiberaliSmuS herabgesunken ist. Was wir und mit UNS zehn Millionen treuer Staatsbürger verlangen, ist eine Forderung der reinen Gerechtigkeit. Daraus, daß wir diese Forderung immer wieder erheben, soll man uns koch nicht den Vorwurf machen, als stifteten wir Unfrieden und verletzten dadurch die Autorität des Staates. Diesen Vorwurf müffen wir energisch zurückweisen, denn das katholische Volk hat jederzeit treu zur Krone gestanden und in den glorreichen Kriegen ebenso freudig und opfcrmutig mltge- kämpft, wie jeder andere. Wir anerkennen rückhaltlos die Autorität des Staates und ordnen uns den Gesetzen unter. Aber der Staat darf darin nicht bis zur Rechtsverletzung sich hinreißen lasten, und daS ist geschehen in jener traurigen Zeit, wo man die Paragraphen der Verfassung aushob, deren Wiederherstellung wir heute abermals im Interesse der Gerechtigkeit fordern. Redner entwickelt In eingehender Weise die verschiedenen Phasen und die Notstände des „Kulturkampfes" uno schließt mit der Ditte, durch Annahme seines Antrages wieder zurückzukehren zur guten alten Vergangenheit. (Lebhaftes Bravo I im Zentrum.)
Inzwischen ist die Rednerliste aufgestellt, welche 15 Redner gegen, 7 für die Vorlage aufweist. ES erhält zunächst das Wort „gegen" der
Abg. Freiherr von Hammer st ein: Der Antrag Reichensperger ist für viele von uns ein alter Bekannter, gewölbten Eingang eines alten Thores gewahren; dahinter zog die Gaste sich mit gegiebelten Häusern und Steinsitzm vor den Thüren, wie es schien, gegen den Marktplatz, ein paar Menschengestalten bewegten sich darauf, vermutlich langsamen Ganges, doch vor meinem Blick flogen sie im Nu, wie von einem Wirbelsturm fortgerissea, vorbei. Blitzschnell schien die Stadt sich um sich selbst zu drehen, bann vermochte das Auge ein wenig andauernder auf einen Punkt der Außenmauer zu haften und ein paar Einzelheiten demselben aufzunehmen. Durch sie hin führte eine kleine Holzthür in den ehemaligen, zu buschigem Garten nmge- wandelten Zwingergraben, der Oberrand der Mauer selbst war mit einigen Fenstern versehen, welche auf bewohnte Räume hinter sich deuteten, nah zur Rechten hob sich ein alter, breiter, ganz mit Epheu übersponnener Thurm drüber. Unverkennbar hatte diesen die neuere Zeit gleichfalls als Wohnstätte hergerichtet, und zu ihm war ich in ein besonder» freundschaftliches Verhältnis getreten, das sich freilich stets nur auf das Zunicken eines Augenblicks beschränkte. Auch er verschwand nun rasch mit- dem Uebrigen, und der Zug lief zwischen den wechselnden FelS- und Waldhängen deS engen, mäandrischen Flußthals an anderen Ortschaften vorüber. Doch nahm ich von diesen nur ein Vorbei- flimmern gewahr, in meiner Vorstellung wanderte ich jedesmal durch da» alte Stadtthor in die Marktgaste hinein. Ich hatte ein lebhaftes Verlangen, alles darin genau zu betrachten, und meine Einbildung stellte mir auch anfänglich dasjenige, waS ich mehrfach mit flüchtigem Blick gestreift, deutlich vor die Augen. Aber bald empfand ich, daß diese mich koch nur mit einem huschenden Schattenspiel täuschten; ich sah wohl eigenartige Häuser, und eS gingen Menschen um mich, voch wenn ich die Bauart der ersteren und die Gesichter der letzteren zu unterscheibdn suchte, rann beide»
«„ifiaen nimmt entgegen: “’Xbition d. Blattes, *mie b Annoncen-Bureaux non Ha°lenst-m und Vogler Santfurt a- M Ham- !?lta Magdeburg u.Wren; & Messe in Frankfurt «f Berlin, München und Mn' G L. Daube und g in Frankfurt a. M., Artin, Hannover u. Parts.
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Anzeigen nimmt entgegen: diktzExpedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Hermann- sch-Buchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalibendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
Wenn ich demgegenüber mich nicht zu einer einfachen Tagesordnung, welche nur einem Redner daS Wort gestattet, entschließen konnte, so geschah die», weil man mir dieses Recht der Rede nicht einräumen wollte. Ich habe daher mit meinen Freunden die motivierte Tagesordnung eingebracht, die ich, unter gleichzeitiger Zurückweisung einiger Angriffe deS Vorredners, in folgendem begründen will. ES ist dabei nötig, ,die Person deS Antragsteller-, Dr. Reichensperger, ins Auge zu fasten, der den Hauptteil seiner politischen Thätigkeit in einer Zeit entfaltete, wo man in idealer Weise die Grundrechte deS Volkes festzu- stelleu unternahm. Es erscheint daher begreiflich, wenn ein auö einer solchen Zeit hervorgegangener Mann den größten Wert legt auf die Wiederherstellung solcher idealer Theorisen. Wir freilich, die wir Männer einer späteren Zeit sind, haben etwas mehr politischen Realismus in unS ausgenommen und legen weniger Wert auf die Wiederherstellung derartiger theoretischer Grundsätze (hört! im Zentrum und links), ich sage ausdrücklich „theoretischer", da dieselben nicht nur für die praktische Gestaltung der Gesetzgebung von zweifelhaftem Werte, sondern auch zu Differenzen aller Art die unmittelbare Veranlastung gewesen sind. Nun muß ich bekennen, daß ich allerdings seinerzeit ebenfalls gegen die Aufhebung der in Rebe stehenden Versastungsparagraphen gestimmt haben würde (sehr gutl im Zentrum); aber es ist ein ankere», Ber- faffungs Bestimmungen aufzuheben, und Aufgehobenes wieder herzustellen. Wenn der Vorredner hervorgehoben, daß es zur nachhaltigen Förderung des Friedens nur einen Weg gebe, nämlich den des Ausgleichs mit Rom, so muß ich doch darauf Hinweisen, daß diese Verständigung durch den vorliegenden Antrag Reichensperger formell gehindert wird, insofern man einen selbständigen Staatsakt dazu anruft. Darum erscheint der Antrag als nicht ernst gemeint, da man im Zentrum schwerlich den Wunsch hat, daß der Antrag wirklich Gesetz werde. In diesem Falle hätte mau eine derogatorische Klausel beifügen müffen, welche die gleichzeitige Aushebung der mittlerweile erlastenen entgegen« stehenden Gesetze verlangt. Da nun gerade in letzterer Hinsicht große Unklarheit herrscht über dasjenige, was eigentlich gesetzlich entgegensteht, und da dieser Umstand zu einem weiteren Zankapfel werden würde, so haben die Konservativen iu der Annahme des Antrages Reichensperger nicht den rechten Weg zur Anbahnung des Friedens erblicken können, wie dies auch im ersten Teile des konservativen Gegenantrags ausgesprochen ist. Gerade die Frage der Erziehung durch den Klerus ist in der Verfaffung gar nicht berührt, und auch bezüglich der Ordensgeistlichkeit findet sich in der Verfassung kein anwendbarer Paragraph. Es würde also durch die bloße Wiederherstellung jener 3 Paragraphen die gesetzgeberische Seite der Frage keineS-
leer und wesenlos auseinander, und die Phantaste erkannte, daß sie ohne Beihülfe bet Wirklichkeit nur zwischen zerfließen- ben Nebelbildungen umherschweifte.
Es ist unbestreitbar, und jeder wird es schon in der einen ober, auberen Weise selbst erfahren haben, baß unser Kopf zuweilen ohne unser Vorwiffen, ob im Wachen o:er im Traum, an Gekanken fortarbeitet unb uns plötzlich einen Abschluß berfelben, nach dem unsere bewußte Denkihätigkeit vergeblich getrachtet, fertig und befriedigenb vorlegt. So mag auch in der Seele bann unb wann eine Absicht reifen, welche sie unserer Kenntnisnahme völlig geheim hält, so baß sie unS mit bem Ergebnis ihrer stillen Arbeit erst in dem Augenblick überrascht, wenn ein Zufall die AuSführungSbe- dingungen mit sich bringt. Wir wenden für solche, scheinbar unvermittelt zu einer Handlung treibenden Regungen die Bezeichnung Impuls an und betrachten sie gewöhnlich als regellos durch die geordneten Bahnen unserer Vernunft schießende Meteoriten. Aber in Wirklichkeit halte ich sie für außerordentlich gleichmäßig sicher um einen Mittelpunkt kreisende, nur zuvor noch nicht entdeckte Planeten, die ihr stätigeS Vorhandensein erst bei einer günstigen Konstellation plötzlich einmal den Augen offenbaren. Manche große, fälschlich in Verwunderung fetzende und als schwer begreiflich geltende Vorgänge der Weltgeschichte beruhen auf solchem verschwiegenen Zielerftreben seelischen Wünschens unb Wollens, doch nicht minder vielfältig auch die Lebensentscheidung, der wichtigste Daseinsmoment deS Einzelnen, sei» zum Glück ober zum Leid. Der häufigste bieser un« entbecki kreisenden Planeten ist unzweifelhaft die Liebe zwischen Mann unb Weib, unb sie verwandelt sich am leichtesten in einen oftmals scheinbar jäh auftauchenden Meteorglanz, der wie bas unvorbereitete Ereignis einer Sekunde vor dem
„ fQU6,r an den Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrtrtes SountagSblatt durch dre Expedition (K o ch sche ®r^ Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 2» Pfg- berechnet.
- ( einer Krümmung des ThalgeländeS verschwinden ließ. Jenseit» " j des schmalen, je^eSmal in der Sommerabendsonne goldene Z Lichter wiederspiegelnden FluffeS lag die Stadt, traulich - । sund würdig zugleich. Sie redete von einer friedlich an- - heimelnden Gegenwart, doch die hohen Thürme der beiden
Kirchen uns andere, die mit dcm Ueberrest ehemaligen Ring- _ 1 I gemäueiS einen grauen Steinkranz um die zusammenge- - ' drängten Dächer schlangen, blickten ernsthaft auf ihre Der- ganpenheit herunter. Sie thaten dies mit einer, unserer In '/»j l Zeit zumeist fremd gewordenen, beschaulichen Ruhe; ihre " 1 Unbeweglichkeit besaß ohne Frage kein abfondere« Verdienst, - f sondern bekundete nur, daß sie von ihren Urhebern eine - i tnfftiche, Wind, Wetter unb Jahrhunderten trotzende " , Konstitution empfangen hatten, aber al» Gegensatz zu der " ' ! treibenden Hast deS vorüber brausenden Schnellzuge» erschien ihr unverändert stätige» Verharren auf dem nämlichen Fleck mir fast al» etwa» Verwundersame», mich allemal beinahe freudig UeberrafchendeS. Obwohl mein Leben mit ihnen ht keinerlei Zusammenhang stand, übte zuweilen in weiter Ferne plötzlich das aufwachende Bewußtsein, daß sie auch In dieser Minute ebenso ernst - freundlich dastäuden, eine eigenartige Beruhigung auf mich und konnte mitten in Straßengewüht einer Weltstadt ihr schweigsames Bild mir, gleich dem einer Fata morgana, vor die Augen ru(en. Einen Moment lang ließ die Bahn an einer Stelle ben