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XU Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 19. Januar 1884

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^eingenommenen Haltung in der Steuerfrage vollkommen desavouiert worden ist. Wenn indes von fortschrittlicher Leite die derartige Haltung ihrer Presse geleugnet worden ist, so erinnere ich nur an dieVoikü-Ztg.", welche das MLchern in die Welt gesetzt hat, daß der Grundbesitz durch die Vorlage in unqualifizierbarer Weise bevorzugt werden soll. Auch der sezessionistische Führer Rickert hat dieNat.- Zeitung" desavouiert. Da dieses Blatt weder national- liberal noch fortschrittlich ist, und ihm jetzt auch der sezessio- Mische Charakter abgesprochen wird, so bleibt nur die Bermutung übrig, daß eS vielleicht eine neue Spezies des Liberalismus vertritt. (Heiterkeit.) Man könnte aus diesem Zwiespalt zwischen den liberalen Parteien und ihren Or- Men zu ähnlichen Insinuationen versucht sein, wie sie die Linke gegenüber den Konservativen in der JagdordnungS- frage angewandt; allein zu solchen Mitteln greift die kon- strvativc Partei nicht. (Sehr wahr! und Beifall rechts.) Was nun die Vorlage selbst betrifft, so entspricht dieselbe Mr im allgemeinen nicht dem Ideal, welche« mir hin-

Klaffensteuerstufe der Hauptwert zu legen sei, da die ein­heitliche Regelung deS direkten Steuersystems jenen Erlaß zur Voraussetzung habe. Die mancherlei Einwendungen gegen die Heranziehung der Aktiengesellschaften stempeln diesen Punkt fast zu einem verlorenen Posten, indes hofft die Regierung auch hierin ein befriedigendes Ergebnis von der KommisstonSbcratung. Bezüglich der von fortschritt« lichrr Seite angefochtenen Deklarationspflicht verweist der Regierungskommiffar auf die in anderen Ländern geltenden Bestimmungen, welche teilweise noch weiter gehen. Eine einheitliche Regelung der Einschätzung sei eine Forderung der Gerechtigkeit, weshalb die Regierung erwarte, daß die Kommission ihr Entgegenkommen gerade auf diesem Ge­biete unterstützen werde. Jedenfalls möge man den Ge­danken nicht auskommen lassen, als verfolge die StaatS- Regierung mit der neuen Vorlage lediglich ein fiskalische« Jntereffe. Zu einer solchen einseitigen Auffassung können nur diejenigen kommen, an welchen die neuere steuer­politische Entwickelung spurlos vorüber gegangen ist. (Beifall.)

Abg. Bachem ist zwar gegen die Vorlage einge­schrieben, doch verkennt er deren Vorzüge keineswegs. AlS unerläßlich erscheine ihm indes der Ausbau der Progres­sion in der Steuer, welche allein im Stande ist, die Er­leichterung der unteren Kiassen dauernd zu gewährleisten. Die kommunalen Finanz Kalamitäten haben ihren Haupt­ursprung in dem großen modernen Fehler, daß man über die eigenen Verhältnisse hinaus darauf loswirtschaftet und es vergessen hat, sich nach der Decke zu strecken. Auf rheinische Verhältniffe hinweisend, beschäftigt sich Redner noch mit Einzelheiten der Vorlage, bezüglich deren er fast durchweg auf dem Standpunkte seines FraktionSgenoffcn v. Schorlemer-Alst steht, uns schließt, indem er die Erwar­tung ausspricht, daß jede Partei ihre besten Kräfte in die Kommission entsenden möge, damit dieselbe in möglichster Vollkommenheit vor das HauS gelange. (Beifall.)

Abg. Cremer (Teltow) bemerkt eingangs, daß er seinen Platz auf der Resnerliste dem Entgegenkommen eines Kollegen von der polnischen Fraktion verdanke, nicht etwa demjenigen deS Abg. Richter, den er ja um dieses Ab­kommen gebeten habe, als dieser auf sein (ves Redner«) Material bezüglich der Berliner Einschätzungs-Verhältnisse so begierig sich gezeigt habe. Es liege ihm natürlich fern, etwas neues zur Vorlage selbst vorzubringen; sei doch be­reits gestern außerhalb der HauscS das Scherzwort laut geworden, jeden neuen Gedanken, der überhaupt noch zu der Vorlage möglich sei, mit 20 Mark zu prämiieren. (Große Heiterkeit.) Er habe schon seinen Kollegen Dr. Wagner bewundert, daß dieser dem Abg. Richter so ein- gcbend habe antworten können. Durch diese hervorragende Rede des konservativen Abgeordneten habe die Rede deS FortschrittssührerS erst ein gewiffeS Relief bekommen, da

^Nachdruck verboten-]

Originalitäten eines ArzteS.

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Als erster Gegenstand steht auf der Tagesordnung die Fortsetzung der gestern abgebrochenen ersten Beratung deS Gesetzentwurfs, betr. die Einkommensteuer, und deS Gesetz- mtwurfs, betr. die Einführung einer Kapitalrentensteuer.

Abg. Dr. Kropatscheck: ES kann heute, al« am 3. Tage der Generaldebatte über die Steuervorlage, kaum in meiner Möglichkeit liegen, neue Gesichtspunkte vorzu- jührm, zumal nach den gestrigen Ausführungen meines politischen Freundes Dr. Wagner nur wenig übrig bleibt. Ich konstatiere lediglich, daß der einzige absolut ablehnen-e Rktncr der fortschrittliche Abgeordnete für Hagen ist. Frei­lich hat auch der Abg. Dr. Retchensperger (Köln) sich gegen die Vorlage erklärt, aber auS Gründen, die man immerhin gelte« lassen kann. Ich konstatiere ferner mit einer ge- «iffen Freude, daß im Laufe der bisherigen Debatte von dm Rednern der Linken die liberale Preffe bezüglich deren

vom Landtag.

Berlin, den 17. Januar.

27. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. DaS h.u8 ist mäßig besitzt, die Tribünen wiederum schon bei ' Lnn der Sitzung gefüllt. Am Ministertische: Finanz- .jnister v. Scholz und mehrere Kommiffarien.

Präsident v.Köller eröffnet die Sitzung Um UV*Uhr ' ' nit geschäftlichen Mitteilungen. Der Abg. Kropp (nat.- ib.) langjähriger Vertreter deS 37. hannoverschen Wahl- i milk«, ist in der verfloffcnen Nacht gestorben. DaS HauS . hxt das Andenken desselben durch Erheben von den Sitzen " (Es sei hier auch bemerkt, daß auf dem Platz Abg. Windthorst, welcher heute seinen Geburtstag M lacb. 1812) feiert, Blumenspenden und Karten zur Gratu- . ijtion von einer großen Anzahl Abgeordneter niedergelegt

Srläieint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageMustrtrteS SonntagSblatt durch die Expedition (Koch sche W Buchdruckerei) bezogen 2*/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr^-Jns-rtionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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In den ersten Jahrzehnten diese» Jahrhundert« war Jobn Abernethy, erster Chirurg am St. Bartholomäus- Hospital in London, einer der berühmtesten Aerzte Englands, Licht nur durch seine ausgezeichneten Talente und die vielen glücklichen Kuren, welche er ausführte, sondern auch durch sie Sonderbarkeiten seines schrullenbehafteten Wesens, wovon derzeit viele ergötzliche Anekvoten erzählt wurden. Er war kl»; so außerordentlich beschäftig! in seinem Berufe, er nur wenig Zeit übrig hatte für die konventionellen Höflichkeiten, und so ereignete e« sich denn, daß er häufig sie Patienten, welche zu ihm kamen, um ihn zu konsultieren, ktj und heftig, zuweilen sogar grob abfertigte, wenn er Limlich zu der Ueberzeugung gelangte, daß fie ihn unnütz örlästigten. Seine Anstellung al» erster Chirurg am großen ^rtholomäuShospitale war freilich auch .keine bequeme Sinekure, denn zu jeder Zeit, bei Tag und bei Nacht, Kunben dort Kranke und Verunglückte ausgenommen, durch- Kinulich jährlich etwa 40000 Personen. Einst besuchte in Fremder den Doktor und wurde, nachdem ein Dutzend Oberer Hilfesuchender abgefertigt war, endlich vorgelassen. & war ein in Indien reich gewordener Kaufmann, der in ^ezug auf seine Leberkrankheit den Rat deS berühmten ArzteS 'inzuholen wünschte. Ueber seinen Zustand aber verbreitete £ sich so weitschweifig und ging so sehr in die geringsten 1 ' Einzelheiten ein, daß Abernethy bald die Geduld verlor und

" ' «ußtief:Vorwärts, Herr! Kommen Sie zu Ende! Ich

r.-Obli- Nfe schon, was Ihnen fehlt und was Ihnen not thul! dikir e ZAt ist kostbar! Es warten noch mehr Leute draußen! " kann nicht länger Ihre weitschweifigen Beschreibungen S Mhören!" Dabei machte er Miene, das Zimmer zu verlaffen. der Ostiudier ließ sich dadurch nicht irre machen. Er

sichtlich einer Steuerreform vorschwebt; allein sie will und wird zweifellos Gutes wirken, und deshalb stehe ich ihr sympathisch gegenüber. Des näheren auf die Vorlage ein­gehend, macht der Redner einzelne sozialpolitische und steuer- technische Bedenken geltend, und wendet sich im übrigen gegen die Ausführungen der Abgg. Hobrccht und Richter, deren Angriffe auf die Deklarstionspflicht er zurückweist. Mit Bestimmtheit erklärt der Redner namenS seiner Freunde, daß eine Schmälerung des Wahlrechts der unteren Klassen unter allen Umständen vermieden werden müffe. Die Frage der Kommunalsteuer-Regelung sei durch die Vorlage wieder lebhaft in den Vordergrund gedrängt worden. Diese For­derung sei indes gar nichts Neues, sondern bereits früher durch den Antrag v. Hammerstein geltend gemacht worden. Man hätte seiner Zeit diesen Antrag annehmen sollen, der ja die Freilassung der 1. und 2. Kommunalsteuerstufe auf Kosten der vermögenderen Klaffen verlangt habe. Uebrtgens frage eS sich, ob nicht mindestens ebenso wichtig, ja viel­leicht noch wichtiger ein Schulgesetz sei. Die Kapitalrenten­steuer betreffend, so stimmten seine Freunde dcmselb-n des­halb zu, weil sie darin eine annähernde Gleichstellung des mobilen Kapitals mit dem fundierten Besitze erblicken. Wenn übrigens gestern der Abg. Richter unter Hinweis auf die Rechte daS Wort gesprochen:Dort sitzen die Geld­säcke!", so wolle er ihm erwidern:Nein dort (zur Linken) sind sie zu suchen, und zwar stecken sie vor allem hinter der Fortschrittspartei!" (Sehr wahr! rechts.) Bezüglich der Besteuerung der Aktiengesellschaften hält Redner eS für wahrscheinlich, daß in der Kommissions-Beratung auch die Frage angeregt weiden könne, ob das ausländische, in hei­mischen Aktien angelegte Kapiial nicht höher heranzuziehen sei? Zum Schluffe empfiehlt der Redner, im Gegensätze zu dem Anträge v. Schorlemer, die Ueberweisung der Vor­lage an eine Kommission von 28 (statt 21) Mitgliedern und hofft auf ein ersprießliches Ergebnis, da seine Freunde und, wie cs scheine, auch daS Zentrum mit Wohlwollen an die Vorlage herantreten, und auch die naiionalliberale Partei eine ernste Prüfung zugesagt habe. Völlig unklar sei allen wie fast immer in solchen Fällen die Stellung der Fortschrittspartei, welche nicht treffender be­urteilt werden könne, als durch das Wort eines der Fort­schrittspartei einst verwandten Mannes:sie sei kurzsichtig und unproduktiv". Die wahren Fortschrittler sitzen nicht auf der linken, sondern auf der rechten Seite und in der Mitte dieses Hauses! (Lebhaftes Bravo! rechts.)

Re,sierungs Kommissar General-Steuerbirektor Burg- hart verweist hinsichtlich der Grenzen, innerhalb welcher der Staatöregierung die in der Kommission zu beratende Vorlage allein annehmbar erscheint, auf die wiederholten Ausführungen des Finanzministers. Er wolle nur noch bc onderS hervorhcben, daß auf den Erlaß der 3 und 4.

schloß hurtig die Thürc deS Zimmers ab, steckte den Schlüssel in die Tasche und brachte eine Pistole zum Vorschein. Herr Doktor," sagte er zu dem überraschten Arzte,ich habe die weite Reise von Bombay hierher gemacht, eigens um Sie über meine Krankheit zu konsultieren, und Sie werden nun geduldig olles anhören, wa« ich verzweiflungs­voller Patient Ihnen zu sagen habe, oder ich schieße Sie über den Haufen!" Unter dem Zwange solcher Umstände mußte Abernethy sich wohl mit Geduld «offnen; er hörte den Klanken an und gab ihm die weisesten Ratschläge. WaS ist Ihr gewöhn sicher Preis für eine solche Konsultation ?" fragte der Ostiudier. Der Doktor erklärte, daß er von armen Leuten kein Honorar annehme, wohlsituierte Personen hätten eine Guinee zu bezahlen.Scbön!" sagte der Fremde, ich habe Ihre Zeit länger in Anspruch genommen, als andere Hilfesuchende; e» ist also nun billig, daß ich auch mehr bezahle." Und er überreichte, indem er sich empfahl, dem erstaunten Arzte eine Hundertpfundnote. Ein anderes Mal kam ein Advokat zu Abernethy und klagte weitläufig über irgend ein unbedeutendes Leiden. Der ungeduldige Arzt unterbrach den Wortschwall deS Patienten, indem er ihm ein Fläschchen unter die Nase hielt und ausrief: Schon gut! Ich weiß schon, was Ihnen fehlt! Riechen Sie gefälligst! Noch einmal! Nun istS genug! Sie sind geheilt!"Was bin ich schuldig?" fragte der Jurist. Eine Guinee." Der geheilte Patient zog eine Guinee aus der Westentasche, hielt das Goldstück dem Doktor unter die Nase und rief, die brüske Redemanier des ArzteS nach­ahmend:Riechen Sie gefälligst! Sol Noch einmal! Nun istS genug 1 Sie sind bezahlt!" Sprachs, steckte das Goldstück wieder in die Tasche und verließ lachend den in seiner eigenen Weise überlisteten Abernethy, der sich anfänglich ärgerte, dann aber selber auch lachen muhte. Einst wurde

der Doktor zu einem Schwerkranken gerufen. AlS er etwas verspätet anlangte, war der Patient aber ve:schieden. Abernethy bemerkte, nachdem er den Tod konstatiert, daß die Leiche zwischen den eingekrampften Fingern der rechten Hand eine Guinee hielt. Kaltblütig nahm er das Goldstück und steckte eS zu sich mit den Worten:Diese Guinee hatte der Selige offenbar für mich bestimmt. Man muß seinen letzten Willen respektieren!" Zum Bücherschreiben hatte Abernethy bei seiner ungeheuren Praxis nicht viel Zeit übrig, dennach hat er einige ausgezeichnete medizinische Werke verfaßt, welche seinem Namen auch im Auslande Ansehen und hohen Ruhm verschafften.

Schwarze Tinte. Eine gute, billige, Stahl­federn nicht angreifende und leicht fließende schwarze Tinte erhält man durch Auflösen von 3 bis 4 Drachmen Nigrosin in 16 Unzen heißem Wasser. Wenn völlige Lösung statt- gcfundcn hat, setzt man zu derselben, wenn kalt, eine Lösung von 30 Gran zweifach chromsaurem Kali in 4 Unzen Wasser und demnächst eine Lösung von 30 bis 40 Gran Gelatine in 4 Unzen Wasser. Diese Tinte hält sich gut und eignet sich auch als Kopiertinte, namentlich bei einem geringen Zusatz von Zucker oder Glyeerin. Sollte sie als solche dunkler gewünscht werden, so kann dies durch An­wendung von etwas mehr Nigrosin oder etwas weniger Wasser bei der Anfertigung willkürlich erreicht werden.

Sahne auf mehrere Wochen aufzube­wahren. Recht frische Sahne wird wie gewöhnlich aus­gekocht, nach dem Verkühlen in Flaschen gefüllt, diese werden g it verkorkt, mit Stroh umwickelt und in einem Kessel mit kaltem Wasser auf das Feuer gestellt. Sobald das Waffer kocht, nimmt man die Flaschen heraus, verpicht sie, und stellt sie bis zu dem Gebrauch in den Keller.

.iaen nimmt entgegen: Expedition d. Blattes, ^ied Annoncen-Bureaux n Haal-nst-in und Vogler Srantfurt a. M . Ham- 2 Magdeburg u.Wlen; Äf Mosse in Frankfurt fJIHinfheniinb