Marburg, Freitag, 18. Januar 1884.
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Die vulkanischen Eruptionen in der Suudastratze.
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Berlin, den 16. Januar.
26. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. Das Haus ist schwack besetzt, die Tribünen gefüllt. Am Minister- ttsche: Finanzminister v. Scholz nebst Regierungs• Kom- mifsarien.
Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 10V* Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen. Der Abg. Frhr. v. Huene ist neu in daS Haus getreten. — Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der gestern abgebrochenen ersten Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Einkommensteuer, und des Gesetzentwurfs, betreffend die Einführung einer Kapitalrentensteuer.
Abg. Frhr. v. Zedlitz und Neukirch (Mühlhausen): Die Staatsregterung hat mit der Vorlage den allgemein im Lande, wie namentlich von der Linken des Hauses fort- wührend betonten Wünschen nach einer Reform deS direkten Steuersystems in vollem Maße Rechnung getragen. Wie stellt sich nun die Linke zu dieser wohlwollenden Haltung der Regierung? Einfach negierend und kritisierend. Die in diesem Sinne gehaltene gestrige Rede des hervorragendsten Führers der radikalen (Oho! beim Fortschritt.) Partei, deS Avg. Richter, der sich lediglich wiederum aus eine hämische Kritik der Vorlage wie der Regierung im allgemeinen beschränkt, müffe doch zu allerlei eigentümlichen Gedanken Anlaß geben und namentlich die von jener Partei stets in den Vordergrund gedrängte Forderung des Parlamentarismus als eine solche erscheinen lasten, die nicht im Jntereste des Volks, als vielmehr im Jntereste einer Machtstellung der Fortschrittspartei liege. (Sehr wahr! rechts; Unruhe links.) Was hat denn jene Partei bis jetzt überhaupt Positives geschaffen oder auch nur schaffen helfen? DaS, was der Abg. Richter bisher nach dieser Richtung gethan bezw. vorgeschlagen hat, war herzlich dürftig und zeugte nicht bloß von großem Dilettantismus (denn dieser wurde gestern der Regierung vorgeworfen), sondern auch von einer geradezu naiven Unkenntnis der Verhältnisse, und laste die Erkenntnis der Verpflichtung zu dem ehrlichen Beruf ver- misten, an den Vorlagen der Staatsregierung mitzuarbeiten. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Freilich, au« einer ernsten Arbeit in den Kommissionen laste sich kein Kapital zu Wahlagitationen schlagen. Auf die Vorlage selbst eingehend, kennzeichnet der Redner die Stellung seiner (der freikon- servativen) Partei alö auf dem Grundsätze stehend: gleichmäßige Besteuerung ohne Ueberbürdung, ebenso auch Gleichheit des Einschätzungs-ModuS, ohne faktische oder rechtliche Privilegien. Die in der Vorlage vorgeschlagene Minimalgrenze des steuerbaren Einkommens hält er für zu hoch, auch erscheine eS ratsam, hinsichtlich der Befreiung bei 900 Mark Einkommen stehen zu bleiben. Bezüglich der Besteuerung der Aktien - Gesellschaften stehen seine Freunde auf dem auch in der Vorlage vertretenen Standpunkte, daß das Erwerbskapital der Gesellschaften als von dem Kapital des einzelnen Gesellschafters unabhängiges und trennbares
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Änteiaen nimmt entgegen. hie Expedition d. Blattes, ,°wie d Annonccn-Bureaux von Haafenstei" und Vogler in Srankfurt a.M Harn, dura, Magdeburg u. Men; «udölf Messe in Frankfurt „M, Berlin, München und g8(n. G L. Daube und 6o. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover u. Paris-
freiung für die Kommunalbesteuerung, zumal schon jetzt die meisten Kommunen der Staatsregierung in dem Bestreben nach Steuerbefreiungen kaum mehr zu folgen vermöchten. Die wegen der Minderung des Wahlrechts vorgebrachten Bedenken müsse er teilen, da sie in ihren Konsequenzen eine Verfassungsänderung in sich berge. Es habe offenbar im Sinne der Resolution gelegen, daß mit der Ausbildung einer Kapitalrentenbesteuerung eine Reform der Grund- und Gebäudcsteuer Hand in Hand gehen müffe; hier sei also die Regierung hinter der Forderung der Resolution zurückgeblieben. An der DeklarationSpflicht festhaltend, stellt Redner die größeren Bedenken hinsichtlich der Rechte der Landesvertretung in den Vordergrund, da, falls daS Gesetz in Geltung tritt, die Einnahmen ergeben werden, über welche das Hans das DiSposttionSrecht sich wahren muß. Der Ertrag der bisherigen Klassen- und Einkommensteuer dürfe nicht überschritten werben, oder aber es müsse eine Kontingentierung, also eine alljährlich wiederkehrende Bewilligung durch die Volksvertretung Platz greifen. Das Zustandekommen der Vorlage hänge für ihn und seine Freunde lediglich von dieser Bedingung ab. (Lebhaftes Bravo! links.)
Abg. Dr. Wagner (Osthavelland): AIS der Finanzminister vor Weihnachten Die Vorlage einbrachte, glaubte ich, daß einerseits die Freunde der bekannten Resolution diese Vorlage mit Freuden begrüßen, und daß andererseits die wenigen Gegner der damaligen Resolution von ihren Bedenken zurückkommen würden, angesichts der Thatsache, daß die Staatsregierung den Wünschen des Hauses nach besten Kräften Rechnung getragen habe. Eine Rednerliste mit 22 Gegnern und nur 9 Freunden der Vorlage stehe im Widerspruch mit der Resolution und dem freundlichen Entgegenkommen der Regierung. Meine Freunde und ich danken derselben für die Vorlage, welche, wenn sie auch verbesserungsfähig erscheint, doch im Kerne gut ist und das lebhafte Bestreben dokumentiert, eine gerechte Verteilung der Lasten und eine Entlassung der kleinen Leute durch höhere Beiträge der Besitzenden herbeizuführen. (Sehr gut l rechts.) Die Regierungsvorlage entspricht den in der Resolution niedergelegten Wünschen der Mehrheit deS Hauses: sie tritt an die Reform der direkten Steuern heran, sie anerkennt die Deklarationspflicht, und sie entspricht auch dem Verlangen nach einer stärkeren Heranziehung der leistungsfähigsten aller Steuerfaktoren, des Kapitals. Und nun vergleiche man damit die maß- und ziellosen Angriffe der liberalen Presse, welche, wie auch die Redner der Linken dokumentieren, die er für jene Presse verantwortlich macht (Zuruf links; Antwort des Redners: „Reichsfreund"), im Schlepptau der Bör'e sich befindet und deren wie des Privatkapitals Jntereffen vertritt. Dabei habe er die eigentümliche Wahrnehmung gemacht, daß jene Presie immer nur von der Grundsteuer aber niemals von der Gebäudesteuer sprach. (Aha! rechts.) Ein Mißverständnis der Resolution, daß bei der neuen Veranlagung es sich
Ungefähr 900 Einwohner der Stadt Waronde sind getötet und bei Talatoa hat man an der Küste 300 Leichen gefunden. Man glaubt, daß der Gesamtverlust sich auf 75000 Menschenleben beläuft. Auf den Niederungen von Batavia, von denen die Gewäffer sich zurückgezogen haben, liegen Hunderte von zerschmetterten und verstümmelten L ichen. Am Seeufer liegen Tausende zum Teil gräßlich verstümmelte Leichen; da« Meer wirft Unmafien toter Fische und anderer Seegeschöpfe aus, während die Flüsse aus dem Innern Menschenleben, tote Tiger, Nashörner, Schlangen re. angeschwemmt bringen. Die Verpestung der Lust ist eine unsagbare und kann die schlimmsten Folgen nach sich ziehen. Zudem ist es schwer, der bedrängten Bevölkerung Hilfe zu bringen. Die Schiffahrt ist durch die Veränderungen des Landes gefährlich geworden; dar Meer ist überdies auf Meilen hinaus mit einer mehrere Fuß dicken Schichte von Bimstein und Lavaschlacken bedeckt, durch welche durchzudringen eS ganz unmöglich ist, Das schöne Java ist durch dieses furchtbare Naturereignis auf lange hinaus wirtschaftlich ruiniert, und der Jammer der armen, so schwer betroffenen Einwohner spottet jeder Beschreibung.
Holland selbst ist durch dieses Unglück in große Trauer versetzt; viele Familien haben Angehörige verloren und die Handelsverluste der holländischen Firmen dürsten sich auf Millionen belaufen.
Amsterdam, 5. Sept. Unter dem Protektorat des Königs und unter dem Vorsitz deS Prinzen von Oranien hat sich heute hier ein Komitee gebildet zur Unterstützung d.r Hinterbliebenen der Opfer der Katastrophe auf Java uns Sumatra.
Anzeigen nimmt entgegen; diegExpedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a.M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle ; W. Thienes in Elberfeld.
(Schluß.)
Plötzlich veränderte sich die Scene. Der Berg spaltete ohne ein vorhergehendes Zeichen in sieben Teile, und kurz vorher der Papandayang gestanden hatte, befanden sieben getrennte Gipfel, in deren Spalten man große Mengen einer geschmolzenen Masse wahrnehmen konnte. Aus den Riffen vrangen Dampfwolken und schwarze Lava hervor, welche in ununterbrochenen Strömen langsam die Abhänge des Berges hinabrannen, wobei sich Lavalager von 200 — 300 Fuß Breite bildeten. Einer der seltsamsten Zwischenfälle ereignete sich jedoch am Dienstag Vormittag, «iS 14 neue Vulkane in der Sundastraße entstanden, welche zwischen Kap St. Nicholas auf der Küste von Java und Hoga an der Küste von Sumatra in gerader Linie eine vollständige Bergkette bildeten und zwar fast auf derselben Stelle, wo die tags vorher ins Meer gesunkenen Merak- und Middle- Inseln gestanden hatten. In Batavia wurde eine an der Küste liegende und von Chinesen bewohnte Häuserreihe vollständig zerstört. Don den 25000 Chinesen, welche auf der sumpfigen Ebene lebten, dürsten kaum 5000 ihr Leben gerettet haben. Sie blieben in ihren Häusern, bis die Wogen sie fortgeriffen; sie hatten die Flammen und die 8avrströme mehr gefürchtet als die Wafferströme. Von den 3500 Europäern und Amerikanern in der Provinz Batavia sind 800 in Anjer umgekommen. Das europäische Quartier ve„ wurde zuerst durch den Krater mit Felsstücken, Schlamm M# und Lava überschüttet und dann tarnen die Waffermaffen, L welche die Ruinen fvrtschweuunten, so daß keine Spur von
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage Jllustrtrtes SailntagSbtatt durch die Expedition (K o ch sche Buchdruckerei) bezogen 8‘A Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg (exel. Bestellgebühr^ — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfü«
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet
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zu betrachten sei. Den Einschätzungs - Modus betreffend, kennzeichnet der Redner das Verlangen Richters, die Einschätzung ohne jegliche Mitwirkung eines staatlichen Organs vollziehen zu lasten, als ein monströses Phantastestück, und weist bei dieser Angelegenheit die gestrigen Angriffe Richters gegen die Landräte energisch zurück; es sei unerhört, eine ehienwerte preußische Beamtenklasse In solcher Welse hier vor dem Lande zu verunglimpfen! (Lebhaftes Bravo! rechts.) Die Strafbestimmung bezüglich der Deklarationspflicht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sei praktisch belanglos und sei vom Abg. Richter lediglich zu einem Stück Wahl-Agitation aufgebauscht worden. (Sehr wahr!) Die ebenfalls von dieser Seite verlangte Quotisterung lehnt Redner auf das bündigste ab; hätte der Landtag in den sogen. Konfliktsjahren dieses Quotisterungsrecht gehabt, bann hätten wir heute weder Kaiser noch Reich. (Sehr wahr! rechts, Unruhe links.) Was die Befürchtungen bezüglich des Wahlrechtes betreffe, so hoffe er, daß die KommissionS- beratnng befriedigende Vorschläge ergeben werde. Wenn aber der Abg. Richter behauptet, die Regierung erstrebe mit der Vorlage direkt eine Verkümmerung des Wahlrechtes, dann muß er sich auch gefallen losten, wenn man der Fortschrittspartei bett Vorwurf macht, sie habe mit ihrem ersten Anträge auf Steuer - Erlaß bic Rechte des Volkes im Wahllnteresie verraten und verkauft. Bezüglich der Kapitalrentensteuer steht Redner auf dem Boden der Regierungsvorlage und kritistert die bezüglichen Richterschen Reformvorschläge als eine Sattere auf das fortschrittliche Steckenpferd der „Gleichheit vor dem Gesetz". Auch die fortschrittlichen Vorschläge bezüglich der Grundsteuer liefen lediglich darauf hinaus, dem Grundbesitz zu gunsten der Privilegien des mobilen Kapitals das Fell über die Ohren zu ziehen. Redner betont eindringlich die Notwendigkeit der Verwendbarmachung eines Teiles der Grund- und Gebäudesteuer zur Erleichterung der Kommunallasten und schließt, indem er die feste Zuversicht ausspricht, daß die Vorlage auS einer ernsten KommlsstonSberatung herauS- gehen und In Wirksamkeit treten werde im Jntereste auS- gleichender Gerechtigkeit! (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. H o b r e ch t erblickt in der Vorlage ein direktes Abweichen von der bekannten Resolution, in welcher von emtt Befreiung der dritten und vierten Cteuerstuse nicht die Rede sei, gegen die sich daS Haus auch mit großer Mehrheit erklärt habe. Wenn matt die Steuerfähigkeit nach dem Umstande bemessen will, daß sie bei einem Einkommen zu beginnen habe, welches zur Befriedigung der Lebensbedürfnisse überhaupt auSreiche, so übersehe man, daß gerade in den sogenannten besseren Klasten der Mangel vielfach ebenso zu Hause sei, wie in den geringeren, wenngleich die Exekutionen weniger häufig seien, zu deren Vermeidung man in jenen Klasten die größten Opfer bringe. Deshalb sei zu befürchten, daß die vorgeschlagene Steuerbefreiung eine große Unzufriedenheit im Mittelstände herbeiführen werde. Besonders ins Gewicht fallend ist die Be-
bem früheren Orte nachbli-b. Es kamen dabei 200 Personen um's Leben. Batttam wurde vollständig mit Wasser bedeckt und man glaubt, daß dort 1200 —1500 Menschen umgekommen sind. Die Insel Serang wurde vollständig überschwemmt und kein einziger Mensch konnte sich retten. In Cheribon Ihat zwar die Flut keinen Schaden, aber die Lava und fallenden FelSstücke sollen große Verluste an Menschen- leben und Eigentum verursacht haben. Buyden-Zorg hat schwer gelitten, ebenso Samarrang, Djokjrkasta, Surakasta und Surabaja. Die 1000 Tempel zu Brambaman wurden schwer geschädigt und einige zerstört. Der Dom des berühmten Tempels von Borobado wurde eingeschlagen. Die Stadt Samerang wurde durch die Lava sortgrschwemmt und die Hälfte der Bevölkerung, also 1800, meist Javanesen, kam um's Leben. In Speezwyk setzten die glühentrolen FelSstücke die Häuser in Flammen und vernichteten alle stark bevölkerten Teile der Stadt, ebenso zehn Bazars der Europäer. Der Fluß Jacatana, an welchem Batavia liegt, wurde durch die Lava - FelSstücke so abgedäm nt, daß er seinen Lauf änderte und die Bastionen bedrohte. Figelenking wurde vollständig zerstört und eine Menge Menschen getötet. Die Insel Onius, 7 Klm. vor Der Mündung deS Torgerentzflustcs und 30 Klm. östlich von Batavia wurde vollständig überschwemmt und daS schwimmende Dock zerstört. Die Baby- und Cheribon-Insel verloren einige Häuser und deren Einwohner. In Batavia wurde das Dach deS GouverneurhauseS durch eine Menge Schlamm eingedrückt und drei Diener getötet. Die Insel Micah, 15 Klm. von der Küste Javas, wurde fast ganz verschlungen. Die Städte Anjer, Tjiringine und Telokbelong sind zerstört.