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Marburg, Mittwoch, 16. Januar 1884.

XIX. Jahrgang.

tätig.

Änitincrt nimmt entgegen. ^Expedition d. Blattes, -'mied Annoncen-Bureaux vonHaosenstein und Bögler in Frankfurt a. M, Ham- Kura, Magdeburg u. Wien; Mdolf Moffe in Srankfurt u Ä Berlin, München und L(l.. G L. Daube und £ in Frankfurt a. M,

Anzeigen nimmt entgegen; diegExpedttion d. BlatteS, fowied. Annoncen-Bureaux JSgerfche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Hermann- fcheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner r. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld,

Hinten Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen, Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllNstrtrtes Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche heute Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) - Jnserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet ___

»er Statthalter von Elsaß - Lothriugea über seine dahier Politik.

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tont evenement le destin des Etats depend dun mo- ment" hat eine weitgehende Bedeutung. Wenn der Ober- Prästoerit v. Möller meine Vollmachten gehabt hätte, so ist es bei seinen G-schäfts- und Gesetzeskenntnissen, bei

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[2 Jüngster Tage haben drei Herren, die einer Einladung iar 18t des Statthalters Freiherrn v. Manteuffel in Straßburg _____9 .Folgt waren, mit demselben eine Unterredung hochpolitischer R Aatur gehabt. DieNordd. Allgem. Ztg." giebt die als- ' bald nach der Unterredung niedergeschriebenen Aeußerungen res St.'lthalteis ausführlich wieder; auszugsweise folgen

dieselben 'nachstehend.

Auf die Frage eines der drei Besucher, warum der ibWJ Statthalter in der Presse so wenig Veitretung finde, er­widerte Freiherr v. Manteuffel, er sei von ihr immer an- gegriffen worden, dabei sei es ihm ganz gut gegangen. Als man ihn vor drei Jahren allgemein gelobt habe, sei er ängstlich gewesen. Vielleicht bestehe eine Animosität gegen thn, weil er in seinen Kampagnen keinen Korrespondenten im Lager gehabt und weil er nie versucht habe, sich des Einflusses der Presse zu bedienen. Uebrigens sei die Presse eiftnAi ihm vielfach nachträglich gerecht geworden. Er lese die it bene MM ihn gerichteten Artikel mit Interesse und halte eine strenge Selbstpiüfung ab, aber er gewähre oer Presse keinen Einfluß auf jein Handeln.

Auf eine Anfrage betreffend die Antoine - Bulachschen Angriffe bemerkte der Statthalter, die Rede v. Bulachs habe ihn tief betrübt, vor allem, weil sie der weiteren Ent­wickelung der elsaß-lothringischen Verfassung schadet.Dann aber hat es mir wehe gethan, dem würdigen Ober-Präst- deiitcn v. Möller noch im Grabe zu nahe treten zu sehen. Ein Vergleich zwischen der Wirksamkeit des Ober - Präst- ienten und des Statthalters ist gar nicht zu ziehen, denn der Statthalter hat ganz andere Vollmachten, als wie sie der Ober - Präsident hatte. Ein großer Unterschied liege noch darin, ob jemand sofort selbst entscheiden kann, oder ob er über den vorliegenden Fall erst Bericht erstatten muß. Der Voltairesche Satz:Jai remarque, quen

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seiner sehr außergewöhnlichen Begabung sehr leicht möglich, daß er viel wirksamer und erfolgreicher die mir gegebenen Vollmachten angewandt hätte. Was meine Person be­triff, , in dem waS Baron Zorn v. Bulach jagt, darüber stehe ich. Was aber den Schaden anbelangt, der für Elsaß- Lolhringen aus der Rede entsteht, so komme ich auf den Punkt zurück. Denn was sollen die deutschen Staatsmänner davon renken, wenn derselbe seine Rede damit schließt, daß man nicht darauf warten möge, bis die von ihm für das Land beanspruchten Rechte mit Gewalt weggerissen würden I Und wenn bei seiner Schilderung, daß die Bewohner ruhig seien, sich Stimmen im Landesausschuß erheben:zu ruhig!" sehe ich diese Wendung auch als Ungewandtheit in der deutschen Sprache an und weiß ich, daß der Zuruf nicht ernstlich gemeint ist jenseit des Rheins hält man sich

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ens, Aue Episode aus dem Marburger Sludeuteulebeu iL, in westfälischer Zeit.

(Schluß)

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Zufolge verehrlichen Auftrags, Ihnen Auskunft über bas Betragen der hiesigen Studierenden zu geben, habe ich ° iie Ehre zu berichten, daß der größere Teil der hier studierenden aus soliden Menschen besteht; indeffen finden sich unter diesen, wie unter allen Volksklaffen, einzelne Individuen, welche unruhige Köpfe sind.

Um die Ruhe und Ordnung hier in der Stadt zu Erhalten, wurden durch den Herrn Präsekten von Trott alle ^rmmerse, sowie auch die Nachtmusiken, weil diese gewöhnlich 'n den Häusern selbst wo sie gehalten wurden, mit einem tobenden Lärmen und Singen, welches die ganze Nachbar- ichaft beunruhigte, verbunden waren, und wo beim Nachhause- iichen in ter spätesten Nacht, die Einwohner durch Brüllen nuf ter Straße und Neckereien an den Häusern im Schlafe Astört wurden, gänzlich untersagt. Um ihnen jedoch ein Vergnügen dieser Art zu gewähren, wurde ihnen im Mange des vorigen SvmmerhalbenjahreS einmal erlaubt, Einen soaenannten Kommers, ter aber nicht länger als Mite 10 Uhr dauern sollte, zu halten. Dieses war aber sie ein zu kurz angesetzter Termin, besonders weil hierzu Gießener Studenten eingeladen warm, die stch, wenn pr hierher kommm, durch Rohheit noch mehr wie die

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2.

Marburg, den 17. Dezember 1811. Herr General-Kommissär I

an die Worte. Vielfach ist mir gesagt worden, ich hätte dem Baron v. Bulach Sohn zu große Bedeutung dadurch beigelegt, daß ich Seiner Majestät dem Kaiser seine Rede eingesandt habe. Es handelt sich ja aber nicht um die Be­deutung oder Unbedeutendheit des Baron Zorn v. Bulach, es handelt stch um eine politische Thatsache. Mein Dienen hängt einzig und allein von dem Willen Sr. Majestät beS Kaisers ab, und deshalb kann ich mich nie einem Parla­ment gegenüber rechtfertigen und verteidigen. Aber die Be­deutung einer Volks-Vertretung unterschätze ich dabei nicht: das Faktum, daß nach meiner vierjährigen Verwaltung ein Mitglied des Landesausschusse in öffentlicher Sitzung An­klagen gegen diese erhebt; daß dieselben von Bravos, unter denen die Stimme des ersten Vizepräsidenten des Landes- ausjchusses laut vernehmbar ist, begleitet werden; daß der nächste Redner auf die Rede seines Vorgängers Bezug nimmt; daß der Landesausschuß in seiner Gesamtheit Still­schweigen hierbei beobachtet, und daß unter diesem Eindruck die Sitzung geschlossen wird dieses Faktum muß Seine Majestät der Kaiser kennen, und das ihm zu berichten, er­heischt die Pflicht des Statthalters."

Nachdem der Statthalter es als den Zweck seiner Reden bei den früheren Landesausschuß - Diners bezeichnet hatte, Deutschland darüber aufzuklären, daß Elsaß - Lothringen, sobald es angehe, mit den Rechten eines Bundesstaates auszustatten sei, daß er aber seine Ansprachen eingestellt habe, nachdem der Landesausschuß über dieselben Diskus­sionen anstellte, ließ er sich über das Beamtentum wie folgt aus. Dem elsaß - lothringischen Beamtenstand fehle die Tradition, er sei aus Beamten aus verschiedenen Län­dern zusammengesetzt; speziell die Forstverwaltung, vie früher von Berlin aus geleitet wurde, fei als wissenschaftliches Versuchsterrain behandelt worden. Jetzt seien aber nicht mehr die rein forstwirtschaftlichen, sondern die allgemeinen Interessen maßgebend. Das möge einigen Forstbeamten unangenehm sein.Ein gewiffes Raisonnicren hat in dem Lande, in dem ich groß geworden bin, stets bestanden, und mir ist der Wallensteinsche Spruch:das Wort ist frei, die That ist stumm, der Gehorsam blind" tief im Geblüte. Daß aber Beamte den Baron Bulach Sohn absichtlich zu ihrem Organ, zum Organ von momentanem Mißmut ge­macht haben, glaube ich nun unn nimmer mehr." Unter den Klagen, die ihm zu Ohren kommen, fei auch eine, daß er bei seinen Einladungen zur Tafel die Elsaß- Lothringer bedeutend mehr einlade, als die Beamten, und daß et ohne gehörige Berücksichtigung der Rangverhältniffe meistenteils zwischen zwei Elsaß Lothringern oder Professoren sitze. Der Grund, warum er die Professoren auSzeickne, liege vielleicht in seiner Uugelehrsamkeit und in seinem Respekt vor der Wissenschaft. Und waS die Plätze der Elsaß-Lothringer anlanae, so bekomme er ja seine Repräsen- tationsgelder vom Lande und nicht vom Reiche.

Der Statthalter wurde sodann um Ausklärung betreffs der Verabschiedung des Herrn v. Flottwell gebeten. Er hiesigen auözeichnen. Es wurde daher beschlossen, die Kommerse in Gladenbach, einer 3 Stunden von hier groß- he zvglich darmstädtischen Landstadt, zu halten, welche« auch zu wiederholten Malen geschehen.

Ohnerachtet die Schlägereien hier auf« strengste verboten find, so hat denn doch vor kurzem eine Schlägerei zwischen dem Studenten Fncks (Fuchs wurde später relegiert) und dem Sohne des hiesigen Tribunalrichters Vultejus stattge­habt, wo letzterem, welches oer Auffort erer war, die Ober­lippe ganz abgehauen wurde, von »w lcher Wunde er bis jetzt noch nicht völlig hergestellt ist.

Auch war kürzlich hier eine Gesellschaft Studenten in der Krone (das Gasthaus zur Krone stand da, wo jetzt das Gasthaus zum Ritter steht), diese zechten bis abends gegen 10 Uhr, gingen, nachdem man ihnen keinen Wein mehr reichen wollte, von da weg, kamen aber bald darauf wieder und wollten auf's neue zu zechen anfangen. Da aber der Wirt selbst (Daniel Ockershausen), ein 81jähriger Mann, krank war, und seinen Haushalt durch seine noch unverheirateten Enkelinnen versehen läßt, so wurde ihnen von diesen der Wein, welchen sie forderten, versagt, und sie schlugen deshalb einige Fenster in der Gaststube ein. (An einem anderen Orte wird noch bemerkt, daß der Knecht eine Ohrfeiae erhalten habe). Ich habe mich nach den Namen der Thäter erkundigt, die Mädchen aber wußten mir weiter keine Auskunft zu geben, al« daß sie bemerkt hätten, daß zwtt Gießener Studenten dabei gewesen, welche vermutlich die Fenster eingeschlagen hätten; nach einer Wache hätten ste nicht schicken können, weil das Elisabethen-Thor nicht besetzt gewesen.

antwortete darauf:Ich sehe nicht ein, weshalb ich Ihnen darauf nicht in voller Offenheit antworten sollte. Dem Präsidenten Flottwell hatte ich in den Tagen deS März vorigen Jahres Vorhaltungen übet einzelne Vorgänge in seiner Verwaltung gemacht. Daraus bekam ich im Jurch als ich noch in Karlsbad war, einen Brief von Ihm, worin et unter Bezugnahme auf diese Vorhaltungen um seine DiSposttionSstellung bat. Ich habe ihm erwidert, daß er dieselben unrichtig aufgefaßt und daß ich gar nicht wüßte, wie ich seine DisposttionSstellung beim Kaiser motivieren sollte und seinen Antrag daher ablehnte. BiS dahin hatte et niemals den Ausspruch gethan oder sonst irgend zu erkennen gegeben, daß er sich im Widerspruch mit meiner Politik befände, und erst in seinem Antwortschreiben sprach er mir aus, daß er um so mehr aus seinem Gesuch um DisposttionSstellung bestehen müsse, weil er sich in diesem Widerspruch befände. Darauf habe ich den Antrag aber­mals abgelehnt, und der Präsident Flottwell hat sich dann mit seinem Gesuch an Se. Majestät den Kaiser gewandt, hat hierauf Krankheitsatteste eingereicht und seine Pensto- nierung nachgesucht, hat sie erhalten und am 1. Oktober fein neues Amt als Bankoirektor in BteSlau angetreten. Habe ich durch das Nichteingehen auf das Dispositions- Gesuch dem Lande jährlich mehr als 2000 Mark erspart, so ist dafür der Ruf: Ich stünde unter dem Einflüsse der Notabeln durch die Presse gegangen. Wie liegt nun diese Frage der Notabeln? Ich bin höflich und zuvor­kommend gegen diese Herren, weil ich mich in sic hinein- denke, weil ich eS anerkenne, daß viele von ihnen mit Ueberwindung von Gefühlen ihre Kräfte dem Wohle ihres Geburtslandes widmen, nicht nur in Kreis- und Bezirks­tagen, im Landesausschuß und in landwirtschaftlichen Ver­einen, sondern auch Ehrenämter im Ober-Schulrat, Staatsrat übernehmen, und weil ich mich in dieser Aner­kennung verpflichtet fühle, ihnen die schwere UebergangS- periode zu erleichtern. Es ist betrübend, daß die Preffe einfach menschlichem Handeln politische Absichten unter­legt. Ich habe öffentlich ausgesprochen, daß ich nicht so beschränkt sei, zu glauben, daß in wenig Jahren diese kernhafte elsaß-lothringische Bevölkerung ihre patriotischen Ge­fühle wechseln könne, wie man ein Kleid wechselt; ich habe gesagt, daß zur Umwandlung in diesen Gefühlen die gewaltigen Stunden, die Zeit, gehören. Und nun soll ich das Streben ge­habt haben, durch meine Höflichkeit die Notabeln zu gewinnen, und sei damit gescheitert. Darauf ist wohl kaum zu antworten. Ebenso unbegründet ist auch die Behauptung, daß ich unter dem Einflüsse dieser Notabeln stehe. Ich bin in vielen Stellungen gewesen, ich habe Männer zur Umgebung ge­habt, die mir an Kenntnissen und geistiger Begabung über­legen waren unter ihrem Einflüsse habe ich nie ge­standen. Mein Lebenlang habe ich beim Handeln nur meiner eigenen Uebetjcugung und meinem eigenen Urteile gefolgt, und ich denke, Liefe Selbständigkeit bewahre ich mir auch hier im Reichslande."

Ebenso hatten sich am 6. Dezember, welches der St. Niklas-Tag war, sechs Studenten maskiert, und drangen in der Barfüßerstr.ße in verschiedene Häuser ein. Ob sie zwar niemand etwas Leides zusügten, so setzten sie diejenigen, wo ste hin tarnen, in Furcht und Schrecken. Ich verfolgte sie mit einem Polizeidiener und einem Veteranen, da sie aber noch mehrere Unmaskierte zur Begleitung hatten, so wäre es nicht ratsam gewesen, einen von ihnen anzugreifen und zu arretieren; auch habe ich wegen Dunkelheit der Nacht keinen von ihnen erkannt.

OefterS halten diese jungen Leute einen Lärmen und Geschrei aus der Straße, fingen auf den Straßen, rauchen des Abends Tabak über die Straße, gehen rottenweife sich angepackt, niemand aus dem Wege, führen armeSdicke Stöcke bei sich, wetzen damit auf dem Pflaster und treiben allerlei Unfug. Unter diese Klaffe gehören größtenteils diejenigen, welche zum ersten Mal die Universität besuchen. Unter andern zeichnet sich besonders der seit einiger Zeit hier studierende Sohn des Schulmeisters von Wehrda durch Ungezogenheiten aller Art aus.

Um allem diesem Unfug Einhalt zu thun, ist das hiesige Militär, welches bloS aus der Departementalgarde und Veteranen besteht, nicht hinreichend, indem von diesem nicht einmal die Stmtthore gehörig besetzt werden können.

Genehmigen Sie die Versicherung der vollkommensten Hochachtung, mit welche besteht

der Polizei-Kommissar:

I. G. Bott.

W. Bücking.