XU. Jahrgang
Marburg, Sonntag, 13. Januar 1884.
Sr.ll
50.
ii
Pf.
acol
che mH
6
u
,Da gehe ich eines Tages die Friedrichstraße herunter,
n
i-rt fuhr"Brunow fort, „es war gegen Abend, und ein feiner 6I1U111 Regen riefelte vom Himmel herab. An einer Ecke hielt
U. btwA
.AbopN^
v. Mill , bestehe, , Küche ?r ander
er liegt f> Marburz
i und « couvert
ikfnrt 't
se
affeu-8
— 2.
Auutmarie.
Novelle von Th. HeinS-
habt, daß der Wildstand sich gehoben hat. Er habe allerdings damals schon einige Bedenken geltend gemacht, die sich in solchem Maße nachträglich als begründet erwiesen, daß er Respekt vor seinen eigenen Gedanken bekommen habe. (Heiterkeit.) Redner bespricht hierauf im einzelnen die Bestimmungen der neuen Vorlage, mit denen er im allgemeinen sich nicht einverstanden erklärt. WaS die Beschlüsse des Herrenhauses bezüglich der Sonntagsruhe betreffe, so seien dieselben wohl beachtenswert, allein man möge der Sache doch mehr auf den Grund gehen und mit der energischen Durchführung der Sonntagsheiligung vor allem in den Städten vorgehen. Die Jagd am Sonntag Nachmittag auf dem Lande, welcher bekanntlich ost recht langweilig sei (Heiterkeit), könne man ruhig gestatten. Redner ist schließlich ebenfalls für KommisstonSberatung. (Bravo! rechts.)
Abg. v. Rtsselmann (kons.) erklärt, nicht namens der Partei zu sprechen. Ihm ist, im Gegensätze zum Vorredner, die Vorlage sympathisch, und er weiß dem Minister großen Dank, daß derselbe so energisch an der Materie festgehalten, welche der endlichen Regelung dringend bedarf. Die Erhöhung der Jagdscheine hält der Vorredner für segensreich, denn dadurch würden viele Leute, welche ihrer Jagdleidenschaft auf Kosten ihres Dienstes fröhnten, wieder dahin gebracht, wohin sie gehören. Zu verlangen sei hin» sichtlich dcS Jagdscheines, daß derselbe bestimmt auf ein Jahr ausgestellt werde und zwar von April zu April. Redner spricht sich gegen die beabsichtigte Erhöhung des Jagdbezirkes auf 100 Hektar auS und bringt noch einige andere Bedenken vor, von denen er jedoch hofft, daß sie in der KommisstonSberatung geklärt werden. Gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Dirichlet sich wendend, weist er besten Vorwurf, als sei die Stellung der Konservativen zu der Vorlage im Hinblick auf die bevorstehrnden Reichstags» wählen erfolgt, energisch zurück und konstatiert, daß vielmehr gerade der fortschrittliche Redner gestern eine Wahlrede gehalten (Sehr gut I rechts), die er übrigens schon zwei Tage vorher in der „Vosstschm Zeitung" gelesen habe. (Große Heiterkeit rechts.) Die fortschrittlichen Versuche, die Konservativen in Konflikt zu bringen mit dem kleinen Grundbesitze, werden nichts nützen; wir gehen trotzdem mit dem kleinen Grundbesitz! (Lebhaftes Bravo! rechts.)
Abg. Reichenfperger (Olpe) präzisiert seinen Standpunkt zu der Frage im allgemeinen dahin, daß die Interesten der Jagd hinter denen der Landwirtschaft zu- rückzutretcn haben, denn erstere sei lediglich ein Luxus. Die Vorlage in ihren einzelnen Teilen kritisierend, begrüßt Redner den Beschluß de« Herrenhauses bezüglich der Sonn- tagSordnung als einen höchst erfreulichen. Die Ausdehnung der Sonntagsruhe auf die Jagd fei vor allem deshalb zu verlangen, daß nicht die Arbeiter durch die Aussicht auf Verdienste sich dazu verlocken lasten, welche sehr wohl daS
vom Landtag.
Berlin, den 11. Januar.
23. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses. Am Wnlstertische: landwirtschaftlicher Minister Dr. Lucius unb mehrere RegierungSkommistare.
Präsident v. Köller eröffnet die Sitzung um 11 V< Uhr mit geschäftlichen Mitteilungen. Bei der Fortsetzung der ersten Beratung des Entwurf» einer Jagdordnung ergreift -uerst das Wort der
Abg. v. Oertzen (Jüterbog!), um zunächst auf die fltftcigen Ausführungen des Abg. Dirichlet hinzuweisen, welche den Eindruck machten, al» seien sie schon vorher konzipiert gewesen und der fortschrittliche Redner habe nur keine Zeit mehr gehabt, sie nach der Reve deS Abg. von Rauchhaupt umzumodeln. (Sehr gut! rechts.) Denn der fortschrittliche Redner sei auf die durchaus sachlichen Ausführungen des Abg. v. Rauchhaupt gar nicht eingegangen, sondern er habe lediglich seinem Aerger darüber Lust gemacht, daß durch jene bündigen Erklärungen deS konservativen Wortführers den Fortschrittlern ein Wahlagitationsmittel entzogen sei. (Sehr wahr! rechts.) Auf die Vorlage selbst näher eingehend, erklärt der Revner namenS seiner freikonservativen Freunde sich mit dem vom Abg. v. Rauchhaupt präzisierten Standpunkt im allgemeinen einverstanden, doch gchl er weiter wie dieser bezüglich der j ^polizeilichen Bestimmungen, die er gründlich geändert wissen will. Die Erhöhung der Jagoscheingebühr auf 20 Mark hält er für bedenklich, da eS eine Reihe weniger bemittelter Jagdfreunde gebe, welchen dadurch ihr wohlerworbenes Recht verkümmert werde. Bezüglich der Sonntagsheiligung hält Redner die gegenwärtigen Bestimmungen für ausreichend und schließt unter dem Beifall seiner Freunde, indem er die Ueberwei- sung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern
15 TV?
Die Gräfin nickte. „Ja," sagte sie einfach.
Brunow setzte sich auf seinen alten Platz und starrte eine Weile in's Leere, dann sich besinnend, wandte er sich wieder zur Gräfin.
„Ist eS nicht lächerlich," sagte er, „daß ein Mann wie ich, dem die Liebe so mitgesptelt hat, doch noch wieder liebt, ist er nicht ein Narr?"
Die Gräfin richtete ihr großes Auge fragend auf ihn. „Wieso?"
„Die Dame, die er liebt, ist reich, vornehm, die ganze Welt liegt zu ihren Füßen, und er — waS könnte er ihr bieten, als seine grenzenlose Liebe."
„Hat er denn der Dame seine Liebe gestanden?"
„Er würde sich einen Korb holen, wie mancher andere, und er ist stolz, sehr stolz."
„DaS käme auf den Versuch an — wer weiß, vielleicht liebt sie ihn auch."
„Gräfin! Elisabeth!" Brunow war ihr zu Füßen gestürzt und sah sie mit unbeschreiblich bittenden Blicken an. „Wäre eS möglich, Sie könnten — sagen Sie mir ein Wort, nur ein einziges Wort da« mir Gewißheit gibt!"
„Ich — liebe Sie!" flüsterte sie errötend — und der starke Mann barg sein Gesicht in ihrem Schoß und heftiges Schluchzen machte seinen Körper erzittern. Dann sprang er auf. „WaS brauche ich zu weinen wie ein Kind, wo ich so glücklich bin. HinauSjubeln möchte ich eS in die weite Welt — es jedem erzählen, daß Du mein bist, mein für daS ganze Leben!"---
Und da kamen schon die ersten Gäste, und an demselben Abend wußte eS schon die ganze Stadt, daß Gräfin Elisabeth Wangen und der Maler Hans Brunow ein Paar seien.
Gebot kennten: „Du sollst den Feiertag heiligen!" Der Redner (welcher, von der Tribüne sprechend, den Journalistensitzen den Rücken kehrt und darum nur schwer verständlich bleibt) bemängelt einzelne Bestimmungen der Vorlage. Er vermißt vor allem eine namentliche Aufführung der jagdbaren Tiere und geht dann eingehend auf die Frage deS Wildschadens ein, von dem schon Luther gesagt habe, daß er zum Himmel schreie. Mit der endlichen Regelung dieser Angelegenheit stehe und falle nach seiner Ansicht das ganze Gesetz. Daö Recht deS Abschusses, von dem es im Gesetze heiße, daß er vorgenommen werden „dürfe", müffe obligatorisch gemacht werden. Die Bestimmung deS Gesetzes, daß der Bauer abends auf seinem Felde zur Sicherung desselben vor Wildschaden „klappern" dürfe, klinge geradezu beleidigend. Die Forderung deS Jagdscheins sei eine zu weitgehende, denn er werde nicht nur für die Ausübung der Jagd, sondern auch für Eiersuchen u. dergl. verlangt. Alle diese Bedenken möchte die Kommission, für deren Einsetzung sich Redner ebenfalls erklärt, aufs gewissenhafteste prüfen. (Beifall.)
Abg. Günther erklärt namenS der Nationalliberalru das Gesetz in der vorliegenden Fassung für unannehmbar und bezeichnet die einzelnen Punkte näher, welche der Aen- derung bedürften. Auch dieser Redner befürwortet die Ueberweisung der Vorlage an eine besondere Kommission.
Landw. Minister Dr. Lucius fleht sich durch die Ausführungen deS Abg. Reichenfperger nochmals zum Worte veranlaßt. Zunächst müffe er erklären, daß die von diesem Abgeordneten angegriffene Bestimmung deS „Klapperns" gar nichts neues sei, sondern mit dem § 21 deS Jagdgesetzes vom Jahre 1850 übereinstimme. Aehnlich liege die Frage deS Wildschadens, hinsichtlich deffen die Staatsregierung an den Bestimmungen deS Gesetzes von 1850 im wesentlichen festhalte. Er verweise auf die höchst sachgemäßen Ausführungen des Professors Dr. Beseler, der im Herrenhause die privatrechtliche Seite der Wildschadenfrage erörtert und zu dem Schluffe gekommen sei, daß diese Frage im Rahmen eines Jagdgesetzes nicht gelöst werden könne. Im übrigen begrüße er (der Minister) daS Ergebnis der gegenwärtigen zweitägigen Debatte im Abgeordnetenhause als ein für die Regierung günstiges, denn es feien ebenso sehr die berechtigten RecisionSbedürfniffe in einzelnen Punkten, wie andererseits auch die Vorzüge der Vorlage anerkannt worden, und eS erübrige ihm nur der nochmalige Ausdruck der Hoffnung, daß in dieser Session ein befriedigender Abschluß zu Stande komme» werde. (Beifall.)
Abg. Dr. Köhler hält da« Gesetz ohne eine prinzipielle Regelung der Wildschadenfrage nicht für annehmbar und äußert sonst noch einige Bedenken unter Exemplifi- zierung auf hannoversche Verhältnisse.
Abg. Dr. Wlndthorst konstatiert mitGenugthuung,
wert'sch uchhandii rburg.
Kleider. Nimm mich mit fort, nimm mich mit, ich will Dich auch lieben, wirklich, Hans, ich will Dich lieben, wie ich die anderen auch geliebt habe."
„Sie sprang auf, und kam mit offenen Armen lachend auf mich zu.
„Zurück, Annemarie!
„Mißtrauisch sah sie mich an. „Ich heiße ja gar nicht Annemarie, ich bin ja die Grete, die lustige Grete, frag' nur die Leute, ob sie mich kennen. Die Annemarie ist tot, lange tot." Sie setzte sich wieder aus ihren Schemel, sprach leise vor sich hin, und keine Anrede konnte sie zum Antworten bringen. — Sie war irrsinnig! —
„Erschüttert ging ich hinaus. Der Wärter, durch ein reiches Trinkgeld gesprächig gemacht, sagte: Sie ist verrückt geworden, aber das ist schließlich nicht zu verwundern, so toll hat sie es getrieben. Seit der Z-it, daß ihr Liebhaber sie verlassen hat, ist eS immer schlimmer geworden. Schon als sie das letzte Mal hier war, war es nicht ganz richtig mit ihr, aber fitzt wird sie wahrscheinlich gar nicht wieder lvsgelaffen." Und so war eS — vor zwei Monaten starb sie im Jrrcnhause."
Brunow war an da« Fenster getreten und schaute in die Dunkelheit hinaus, während die Gräfin sich die Augen trocknete. Plötzlich drehte sich der Maler um. „Ich will gehen," sagte er, „ich paffe heute Abend nicht in lustige Gesellschaft."
Große Enttäuschung malte sich auf dem Gesicht der schönen Frau. „Sie wollen schon fort," sagte sie in bedauern em Tone.
Er sah sie forschend an. „Würden Sie e» gern sehen, 2?un ich bliebe?"
Les
-s zu J mar 1$ tutte.
t.
idenst d Seii en Sei i in li
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M; Hermann- scheBuchhandlung daselbst; Adolf Steiner i. Hamburg; ♦ Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig; I. Barck u. Co. in Halle; W. Thienes in Elberfeld.
'/, «„.,jaen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blattes, ' «^wie d Annoncen-Bureaux v°n H--senst-in und Vogler ” Ir.inffurt a. M , Ham.
ierbrai e
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllUstrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche L W Buchdruckerei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertwnsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Bank«, asenstr.,
rannt 1,20, häusi M.
chwa« arkt 49.
! 3 tut ' Lage z« Bl.
in klein« verm.
chnhofst«
. Bl.
ich guter sich zu» e dersclbt ßer dem los einen
in bet I
befürwortet.
Abg. v. Meyer-AmSwalde führt die gestrige Rede des Abg. Dirichlet ans ihre Bedeutungslosigkeit zurück; er sei bei derselben fast eingeschlafen. Wenn der fortfchritt- liche Redner erklärt, daß die neue Jagdordnung lediglich iür die Aristokratie geschaffen sei, und diese letztere mit rem Bauernstand in Gegensatz brachte, so müsse er (Redner) doch seine Ansicht dahin geltend machen, daß der Bauernstand der einzige aristokratische Stand sei, den wir noch haben. Der echte Bauer sei immer Aristokrat, womit freilich nicht ausgeschlossen sei, daß eö auch „unechte" Bauern gebe. (Große Heiterkeit rechts.) Redner gibt demnächst eine Entwickelung der Jagdgesetze in Preußen. Er habe selbst schon im Jahre 1850 in ter Kommission gesessen , welche die Jagdordnung ausarbeitete. Diese Kommission sei zwar merkwürdig genug zusammengesetzt gewesen, aus Vollblut-Juristen, mehreren Landräten und einem Buch- ls AM brucker. (Heiterkeit.) Trotzdem sei das Gesetz zu stände gekommen und habe jedenfalls das Gute im Gefolge ge-
_____der Polizeiwagen und unter lautem Schimpfen und wütender r» Gegenwehr wurde zum Gaudium eine» zahlreichen Publikums ______von zwei Schutzleuten ein Frauenzimmer hinein befördert. ——-3 Ich wollte schnell vorübergehen, da zwang mich der Klang ■ 3 A ihrer Stimme zum stillstehen. Ich ging näher heran unb sah der Person in's Gesicht — eS war Annemarie. Trotz btt Dämmerung und deS Regen« hatte ich sie erkannt, ich konnte mich nicht getäuscht haben. Wie kam sie in diese Lage? Tausend Gedanken durchkreuzten mein Gehirn. Vor Aufregung konnte ich nachts nicht schlafen und schon früh am anderen Morgen ging ich zum Polizeibureau und suchte Eintrit bei ihr zu erlangen. Der Kommiffar musterte mich von Kopf bl» zu Fuß, und gab schließlich achselzuckend die Erlaubnis; Ich wurde zu ihrer Zelle geführt und der Äärter ließ mich ein. Da saß sie auf einem Schemel und summte einen Gassenhauer. Mir krampfte daS Herz al« ich sie erblickte, die« Geschöpf, dem man die Spuren de« Lasters auf dem Gesicht sah, war meine schöne, liebreizende Annemarie!
„Ich nannte ihren Namen, unb sie wandte sich zu mir gleichgültig, ohne eine Spur von Scham oder Aufregung zu betraten.
„Es ist gut, daß Du kommst, Hans," sagte sie, „Du suußt mir helfen, ich will hinaus, aber sie lassen mich nicht wrt. Gieb mir zu essen, ich bin so hungrig, ich habe kein Gelb — schon lange nicht mehr. Alle meine Sachen find Ersetzt, meine schönen Kleidet — 0, ich hatte scyöüe
t ,15 c? Magdeburg u.Ween;
Masse in Frankfurt 7 « Perlen, München und «Mn '• G L. Daube und £ in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover u. Paris.
sudens
pari