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Skr. 1

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, kowie d Annoncen-Bureaux >on Haasenstein und Vogler i, Frankfurt a- M , Ham- birg, Magdeburg u. Men; JUbolf Messe in Frankfurt a M., Berlin, München und jkiln; G L. Daube und Co in Frankfurt a. M., Belin, Hannover u. Paris.

Marburg,

XU. Jahrgang.

Dienstag, 1. Januar 1884

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux Jägersche Buchhandlung in Frankfurt a. M.; Hermann» scheKuchhandlung daselbst;

Adolf Steiner i. Hamburg; Jnvalidendank in Berlin, Dresden und Leipzig;

I. Barck u. Co. in Halle;

W. ThieneS in Elberfeld.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagLblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg (excl. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu erteilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet

Gestellungen auf das 1. Quartal 1884 der

Oberhesfischen Zeitung

und deren GratiSbtllagen

Illustrierter Louutagrblatt,

sowie für die Abonnmtcn der Kreise Marburg und Kirchhain

Am licher Anzeiger

, für die Kreie Marburg und Kirchhain

werden von der Pos noch entgegen genommen.

Mit dem 1. Jamar hat das KretSblatt für die Kreise Marburg und Ktrchlatn aufgehört zu erscheinen und ist an dessen Stelle derAmtliche Anzeiger" als Beilage zur Oberhesi. Zeitung" getreten.

QC* Anzeigen mthält derAmtliche Anzeiger" nicht, diese finden nur in derOberhesi. Zeitung" Aufnahme.

Jnsertionsgebühr« und AbonnementSpretS derOberhesi. Zeitung" bleiben unvrändert wie bisher.

Expedition der Oberhess. Ztg.

Dai scheidende Jahr

hat uns auf dem Ebiete der inneren Politik mancherlei gute Früchte, aber uch Erfahrungen und Belehrungen gebracht, deren Behczigung uns eine Hauptaufgabe für das neue sein wird, s daß wir ihm wohl noch einen Ab­schied Sgruß widmen ürfen.

Mit großer Befrtdigung dürfen wir zunächst auf vier hervorragende und plitisch wichtige Ergebnisie der gesetz­geberischen Arbeiten in Reichstage und Landtage zurück­blicken, welche dem Jane 1883 einen bedeutenden Platz in der Geschichte unserer inneren Entwickelung anweisen. ES sind dieS die nach folgen, mühsamen Beratungen endlich zu stände gebrachten Gsetzentwürfe wegen Versicherung der Arbeiter gegen Kranthtt und betreffs der Abänderung der Gewerbeordnung in lei Richtung der Beseitigung der Aus­wüchse der schrankenden Gewerbefreiheit, ferner die Be­freiung der zwei untersen Klasiensteuerstufen von direkten Steuern und die Rerijon der Verwaltungsgesetzgebung im Sinne einheitlicherer Ästaltung der Behörden. Während dies letztere Gesetz dazr bestimmt war, den Mechanismus der VerwaltungSorqarihtion zu vereinfachen und so die Funktionen der.ir^NMergreifenden staatlichen und Selbst- verwaltungSbe'-^n "'in Jnteresie einer gedeihlichen Ent­wicklung der hmvP..J$:n;altung in einer den Bedürfnissen des Staates wie der Pvölkerung gleichmäßig Rechnung tragenden Weife zu re^b, haben die anderen Gesetze vor­zugsweise den wirtschaf'lchen und sozialen Interessen der Bevölkerung gegolten und dieselben dadurch zu wahren ge­wußt, daß ste an <5teL der schrankenlosen Willkür die Ordnung setzten und de: wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit

der vom Glücke minder begünstigten BevölkerungSklasien mit Bezug auf ihre Verpflichtungen gegenüber dem Staate eingehende Berücksichtigung zu teil werden ließen. Die hiermit vollzogene Abwendung von den Grundsätzen des GchenlasienS und der Gleichmacherei darf als ein wertvoller Bruch mit den Prinzipien bezeichnet werden, welche die Gesetzgebung bisher beherrscht hatten, aber nicht zum Wohle des Volkes ausgefchlagen waren. Wie schon längst im Volke diese Prinzipien verurteilt waren, so haben sie nun auch in den Volksvertretungen ihre Geltung verloren, Dank der unermüdlichen Vertretung der wirklichen und wahren Jntereffen des Volks von feiten der Regierung und trotz der immer rücksichtsloser werdenden Opposition des Radi­kalismus, welcher mit der Herrschaft der die sozialen und wirtschaftlichen Jntereffen berücksichtigenden Grundsätze mehr und mehr seine Stütze im Volke zu verlieren fürchtet: er kann nur auf dem Boden einer völlig aufgelösten Gesell­schaft und bei der durch die Gleichmacherei und Gleich­gültigkeit des Staates zunehmenden Unzufriedenheit gewinnen.

So erfreulich es ist, daß der Einfluß des Radikalismus auf diesen Gebieten zurückgedrängt ist, so wird doch niemand, der die Geschichte des Jahres an sich vorübergehen läßt, der Meinung fein, daß es zur völligen Ueberwindung des­selben keiner Anstrengungen mehr bedürfe. Vielmehr hat sich der Widerstand des Radikalismus verschärft, wenngleich er sich von dem eigentlich wirtschaftlichen Gebiet, wo et augenblicklich keine Erfolge mehr für sich erhofft, auf das politische Gebiet der sogenannten konstitutionellen Theorie zurückgezogen hat. Hier glaubt er mit Erfolg einsetzen zu können, indem er dem Volke vorspiegelt, daß seine persön­lichen Rechte und Freiheiten bedroht seien und nur ein voll­kommen pa'fomentarischeS Regiment ihm Schutz gewährm könne. Mit Leidenschaft warf er sich in diesem Jahre und das soll ihm unvergessen bleiben auf die bestehenden militärischen Institutionen, die er als mit der Freiheit des Volks im Widerspruch stehend darzustellen und mit der ätzen­den Lauge seiner Kritik zu vergiften suchte. Durch derlei Vor­spiegelungen hat die Opposition genugsam versucht, die gesetz­geberischen Arbeiten aufzuhalten, und durch daS Dazwischen- werfen solcher Fragen ist es ihr, wie leider zu konstatieren ist, auch gelungen, notwendige Arbeiten zu verhindern. Ja, man darf wohl fagen, daß auch die gemäßigteren Parteien sich nicht ganz dem Einfluß der Opposition zu entziehen wußten, sondern in der Besorgnis vor Unpopularität der energischeren Verfolgung notwendiger Reformaufgaben entsagten. Wenn die Steuerreform im Reiche leider in diesem Jahre keine Fortschritte hat machen können, so ist dieS darauf zurückzuführen, daß ein Teil deS Liberalismus aus falschen PopnlaritätSrückflchten noch immer nicht daS zu thun entschlosien ist, was im Jnteresie des Reichs, deS Staats und der Gemeinden doch nicht zu vermeiden fein wird.

Tie Hoffnung aber, daß in dieser Beziehung bald ein Wandel etntreten werde, dürfen wir wohl den Erfahrungen des j tzt abgefchlosienen Jahres entnehmen. Mit je größerem Nachdruck die Regierung die Aufgaben der positiven Re­formpolitik in den Vordergrund stellte, desto weniger ver­fingen die nach bet entgegengesetzten Richtung strebenden Zettelungen des Radikalismus. An der Kaiserlichen Bot­schaft vom 14. April, welcher den Reichstag im Jntereffe der Sozialreform zur Beratung des nächstjährigen Etats aufforderte, brach sich bet vorher entfesielte Sturm der Opposition, und gegenwärtig scheint' zwischen dem ge­mäßigteren Liberalismus und dem Radikalismus eine solche tiefe Kluft zu bestehen, daß der letztere wohl nicht im Stande sein wird, mit den Schlagworten, von denen er lebt, andauernde Erfolge zu erzielen. Je mehr in dem neuen Jahre die positiven Reformziele betont werden, desto mehr wirs es gelingen, alle diejenigen Elemente zu einem energischen Kampfe gegen den Radikalismus zu sammeln, welche an der gesunden und organischen Weiterentwicklung des Gemeinwesens ein Interesse haben. Die Art und Weise, wie der Landtag die neuen, an die letzten Erfolge auf diesem Gebiete anknüpfenden Steuervorlagen behandeln, und wie der Reichstag der Fortsetzung der Sozialreform sich zuwenden wird, wird dafür maßgebend sein, ob bei den in dem neuen Jahre bevorstehenden Reichstagswahlen das Zurückdrängen des Radikalismus möglich sein wird. Das ist für alle einsichtigen und maßvollen Politiker die Aufgabe für das neue Jahr, zu deren glücklichem Gelingen auch die auf kirchenpolitischem Gebiete immer weiter um sich greifende Beruhigung und friedliche Entwickelung, die auch in dem alten Jahre wieder durch die wohlwollenden Absichten deS Kaisers und die Bemühungen bet Staats- regierung in erfreulicher Weife gefördert ist, ohne Zweifel beitragen wirb. Nach bem, was wir im Jahre 1883 trotz oder getabe wegen des immer abschreckender auftrctenben Radikalismus erreicht haben, dürfen wir in das neue Jahr mit Zuversicht und Hoffnung eintreten, die nicht getäuscht werden wird, wenn wir uns immer dichter um die Fahne scharen, auf der der bewährte Wahrspruch mit ewig unver­gänglichen Lettern geschrieben steht:

Mit Gott für König und Vaterlandl

Deutscher Reich.

Berti«, 29. Dez. Der Kaiser konferierte heute mit bem Finanzmimster. Der Kaiser und die Kaiserin empfangen am Neujahrstage früh um 93/* Uhr die Mit­glieder der königlichen Familie; nach dem Gottesdienste im Dome gratulieren sämtliche Hofchatgen und Generaladju- tanten, die Generäle ä la suite und die Flügeladjutanten, mittags die Generalität, um 12% Uhr die Fürstlichkeiten, um 1 Uhr die Staatsminister uno der Präsident des Ober- kirchenratS. Der Vizepräsident des Ministeriums, v. Putt-

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Am JchreSfchluffe.

Sin teurer Freuntwill von uns scheiden, Er war bei uns ei ganzes Jahr, Bei aller Lust unt allen Leiden, War er zugegen interbar.

Auf, laßt uns diese Freund nun betten In den gar großen,weiten Sarg, Der Zeit mit ihren tuhestätten, ' Die Tausend seiner trüber barg.

Und jetzt laßt uni ch niedersenken In eine Gruft, so geh und weit, Daß Du daS Ende icht kannst denken, Das ist daS Meer de Ewigkeit.

Doch sieh', im Tode fh' das Leben, Schon tönt der erste stundenschlag Del neuen Jähr'», da unS gegeben Der Herr, der ferner Hfen mag.

3i Die alte ady.*)

Erzählung von Baldin Möllhaufen.

Die alte Lady säumte, ut Abel, btt sie, wie seinen Ohren nicht trauenv, erstaunt betachtete, Zeit zur Sammlung zu gönnen, und mit feierlicher Ernst sprach ste weiter: Ein verhängnisvoller Zufall ht Dich mit Elly zusammen- geführt, denn Ihr dürft nimiermehr Mann unb Weib werden."

Abel erbleichte. Gleich datuf lachte er mit versteckter Erbitterung.

) ES ließ sich zu unserem Beinern leider nicht einrichten, mit dem Jahresschlüsse auch den Schluß dieser Erzählung zu bringen, dieselbe wird noch daS Frilleton von 4-5 Nummern füllen.

Miß Eva Blair!" rief er rauh aus,gehen Sie hin, die Rocky Mountains übereinander zu werfen, und es gelingt Ihnen leichter, als Elly und mich zu trenntu."

DaS glaubst Du; unb doch wirst Du bald anders urteilen, antwortete Miß Eva,laß mich nur ungestört zu Ende sprechen, unb ich weiß, als ein vernünftiger Mann bietest Du selbst die Hand dazu, ein schwere» Unglück von Euch abzuwenden."

3a, Unglück will ich abwenden," fuhr Abel leiden­schaftlich, sogar feindselig auf,ich will eS ein für alle Mal abwenden, indem ich den ersten geeigneten Tag dazu benutze, mit Elly zur Stadt zu fahren uns sie als meine rechtmäßige Frau wieder Heimzubringen. Doch reden Sie weiter, Miß Eva; ich fürchte Ihre Mitteilungm nicht, will Sie nicht unterbrechen, will anhören, was Sie auf dem Herzen haben. Sie aber werden bann einfehen, daß es dieser Probe nicht bedurft hätte, um sich von meiner unb Elly'S Zusammen­gehörigkeit zu übirzeugen."

Abel," hob Miß Eva wieder an, als hätte sie seine Erklärung überhört gehabt,weißt Du, wer Deinem Vater da» Leben raubte?"

Der junge Mann runzelte die Brauen und antwortete zähneknirschend:Ich weiß nut, daß in den Tagen, in welchen ich noch nicht auf eigenen Füßen stehen konnte, mein Vater auf den Pferdehandel ausgeritten war und nicht mehr heimkehrte. Später als ich Verständnis dafür ber erfuhr ich, daß er weit von hier in einem Walde -r und beraubt gefunden wurde, unb trotz der e,f jtr'- forschnngen der Mörder unentdeckt blieb."

Wohlan, Abel, ich erfuhr den .en Mörd,: s, unb doch durste ich nicht, obwohl H z vor

Jammer und Ents.tzen brechen , v':i' -germ gegen

ihn auftreten. Heute dagegen kann ich ihn Dir bezeichnen, heute, da er der irdischen Gerechtigkeit entrückt ist: Der Mann, welcher vor vier Wochen die Mordwaffe gegen Dich und mich erhob, derselbe Mann, welchen Du entseelt in seinem Blute liegen sahst, hat Deinen Vater erschlagen."

WaS hat daS jetzt noch mit mir oder gar mit Elly zu schaffen?" fragte Abel leidenschaftlich;war er in der Thal der Elende, welcher meine Mutter zur Witwe machte unb dadurch den Keim zu einem frühen Ende in ihre Brust legte, so hat da, wo die menschliche Kraft zur Sühne und Strafe nicht ausreichte, die Vorsehung selber die Vergeltung in die Hand genommen. Mich aber kann'S nur befriedigen, daß gerade Elly und ich eS waren, welche die Verfolger auf feine Spuren lenkten und dadurch die Mittel zur Rache in einer höheren Hand wurden."

Deine Gefühle sind gerechtfertigt," nahm Miß Eva wieder eintönig das Wort, nachdem ste die Lippen einige Sekunden, wie vor einem heimlichen Schmerz, fester auf einander gepreßt hatte,ja, sie sind ger chtfertigt vor Gott und den Menschen, und ich bin die Letzte, welche sie tabrZti möchte. Was Du aber eben aussprachst, das halte fest in Deinem Gedächtnis. Widerhole eS Dir immer und immer wieder, wäh , % bk ~x- h an Dich richte. Unb eine lange Geschichte bei Ätz« " >> ^ Qualen ist es, v-5*!*; ick Dir zu erzählen Mfet *

Ste fanr eine Weile nach, bemetlte also nicht, daß Abel, Ts., unter be~ .»uck wirrer Visionen, mit einem Ausdruck von ®antt4)feit auf ste hinstarrte.

Ich bin fern im Osten geboren," begann ste darauf, meine Eltern waren sehr begütert, und das mochte in meinen Mädchenjahren die Aufmerksamkeit heiratslustiger Männer auf mich lenken. Daß ich mit meiner großen knochtzeu