solchen Politik darf gehofft werden, daß fle auch der noch übrig gebliebenen Schwierigkeiten Herr zu werden wiffen würde. Die Hemmungen, welche mangelndes Verständnis der wichtigsten Zeitaufgaben und eigensüchtiger Parteigeist der Arbeit für die Besserung der Lage der arbeitenden Klaffen und für eine den Forderungen der Gerechtigkeit und des StaatsbedürfniffeS entsprechende Umgestaltung des Steuerwesens in den Weg gelegt haben, sind noch nicht überwunden. Diese Hemmniffe werden und müssen sich aber in demselben Maße mindern, in welchem die bisher erzielten Resultate der Reformpolitik des Kaisers die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges und die Unentbehrlichkeit einer von den Schwankungen des ParteigetsteS unabhängigen Macht der Krone zum allgemeinen Bewußtsein bringen. Der heilsame Wandel des öffentlichen Geistes, der sich während der letzten Jahre angebahnt und vielfach zu einer richtigeren Auffassung des deutschen Staate«, seiner Bedürfnisse und seiner Existenzbedingungen geführt hat, ist auch während des Jahres 1883 nicht unbezeugt geblieben. Wir dürfen darum vertrauen, daß die wahren und gesunden Kräfte der Nation stetig und in erhöhtem Maße der StaatS- regierung zur Seite stehen und ihr die Erfüllung ihrer Aufgaben erleichtern werden.
Die äußeren Bedingungen einer günstigen Weiterentwickelung deS deutschen Staats- und Wirtschaftslebens haben während des hinter uns liegenden Zeitabschnittes sichtlich an Festigkeit gewonnen. Da« Einvernehmen der führenden Mächte des Weltteil« ist nicht nur nicht erschüttert, sondern um neue Bürgschaften bereichert worden, das Vertrauen des Auslande« zu der Friedlichkeit der deutschen Politik und zu der Friedenstendenz der von ihr geschlossenen Verbindungen hat sich allenthalben gekräftigt, die große Zahl der während deS diesjährigen Sommers und Herbstes stattgehabten Begegnungen gekrönter Häupter hat wesentlich dazu beigetragen, den Ausblick in die politische Zukunft deS Weltteils zu erhellen. Mit besonderem Dank werden wir uns dabei deS hohen Verdienstes zu erinnern haben, welches der glücklich heimgekehrte Erbe der deutschen Krone um die Befestigung der allgemeinen Friedenszuver- stcht und deS Einvernehmens zwischen den Völkern deS mittleren und des südlichen Europas erworben hat. Wenn die Empfindung, daß eie gemeinsamen Interessen der Kulturvölker größer und gewichtiger find als die Momente der Trennung und Rivalität, beim Jahresschlüsse in dem größten Teile Europas vorwaltet, so darf unser Kronprinz sich rühmen, wesentliches dazu beigetragen und durch sein Erscheinen den Glauben an die Friedensmisston des deutschen Volkes bis über die Pyrenäen und Alpen hinaus mächtig gefördert zu haben. In den Ländern, welche den Sohn deS deutschen Kaisers mit Kundgebungen warmer
nunmehr außerhalb deS Bereiches aller Launen eines wetterwendischen Geschickes zu befiuden.
Miß Eva neigte als Antwort ihr Haupt. Wie giftige Pfeile hatten die einzelnen Worte deS arglosen Mädchen« sie getroffen, und doch regte sich keine Muskel ihres tief gefurchten Antlitzes.
„Geh nach Hause," hob sie an, nachdem sie Abel dir Hand gereicht und sich von seiner fortschreitenden Besserung überzeugt hatte, „ja, geh nach Hause, Elly. Die Thür ist offen. Da liegen auf dem Ladentisch Sachen, welche Deine flinken Hände schneller beseitigen und ordnen, als rS mir gelingen möchte; auch gönnst Du mir wohl ein Stündchen der Rast. Ich vertrete Dich so lange hier. Bist Du fertig, so kehre zurück. Ich verspreche, bis dahin nicht von Abels Seite zu weichen."
Wie von bösen Ahnungen beschlichen, sah Elly zu Miß Eva auf; aber vergeblich forschte sie in deren Augen nach der Ursache deS rätselhaften Verfahrens. Geschah e« doch zum erstenmal, daß ste einen Dienst von ihr forderte, zum erstenmal, daß ste ihre Stelle, wenn auch nur auf kurze Zeit, bei Abel einnehmen wollte.
Sie kehrte sich daher diesem zu und fragte zweifelnd: „Soll ich gehen?"
„Gehe, Elly," antwortete dieser sreundlich, „Miß Blair und ich sind zu bewährte Freunde, al« daß wir ihren Wünschen auch nur im kleinsten entgegen sein dürften. Ja, gehe; es ist ohnehin lange her, seitdem wir beide Alten ein ordentliche« Wort mit einander redeten. Bin ja kräftig genug, mir im Fall der Not selbst zu helfen."
Elly trat vor den jungen Mann hin, legte ihre Hände auf seine Wangen, küßte ihn und sprach innig: „Weil Du eS sagst, gehe ich. Aber ich warne Dich: Laß Dich nicht abspenstig machen. E« wäre mein Tod."
und herzlicher Sympathie begrüßten, hat eS der Lösung bestimmter Aufgaben der Politik nicht gegolten. Eben darum wird rS un« mit hoher Befriedigung erfüllen, daß der Träger der deutschen Zukunft allenthalben, wo er erschienen, eine Aufnahme gefunden hat, die Bürgschaft dafür leistet, daß auch fern von der deutschen Grenze die Sammlung der Kräfte de« deutschen Volkes von den Freunden de« Friedens und der bestehenden Ordnung anerkannt und ihrer wahren Bedeutung nach gewürdigt hat.
So vollzieht der Uebergang aus dem alten in daneue Jahr sich unter den Zeichen vorschreitender innerer Entwickelung und sichtbarer Befestigung der Bedingungen des äußeren Friedens. Möchte unserem Volke beschieoen sein, durch richtige Benutzung der Gunst der Verhältnisse den Beweis zu führen, daß eS dieselbe zu verdienen weiß.
Deutsche- Reich.
Berlin, 28. Dez. Der italienische Botschafter Graf de Launay, der spanische Gesandte Graf von Benomar und der General-Adjutant deS Kaiser« General-Leutnant Freiherr von Loe sind von den kronprinzlichen Herrschaften heute zum Diner geladen. — Von angeblich unterrichteter Seite geht der „Nat.-Ztg." über den Inhalt der Unterredung deS Kronprinzen mit dem Papste die folgende Mitteilung zu, welche wir hier zwar wiedergeben, bemerken aber, daß die „Nat.-Ztg." als enragierteste Kulturkämpferin keineswegs als zuverlässige Quelle angesehen werden kann. DaS Blatt schreibt: „Auf die Anrede des Papstes, daß er sich freue, den Sohn eines so erlauchten Vater- und einen im Kriege und Frieden so bewährten Fürsten bei sich begrüßen zu dürfen, antwortete der Kronprinz: AIS Gast Er. Majestät des Königs von Italien nach Rom gekommen, habe er geglaubt nicht verfehlen zu sollen, auch Seiner Heiligkeit durch seinen Besuch seine Ehrerbietung auszudrücken. Nachdem der Papst wiederholt seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, bewegte sich das Gespräch zuvörderst in allgemeineren Formen; man sprach über dir Reise in Spanien, über frühere Aufenthalte de« Kronprinzen in Italien, über den Aufenthalt de« Papstes als Nuntiu» in Brüssel rc. Endlich fragte der Papst: Ob Seine Kaiserliche Hoheit ihm keinerlei Eröffnung zu machen hätte. Der Kronprinz erwiderte: daß ihm, der, wie gesagt, lediglich nach Rom gekommen sei, um dem König von Italien zu danken für zahlreiche Beweise der Gastfreundschaft, keinerlei Mission hätte übertragen werden können, um so weniger, als auch diese Reise nach Rom erst vor etwa 8 Tagen beschlossen worden sei, und schon durch diese That- sache ausgeschlossen sei, was Se. Heiligkeit anzudeuten beliebe. Hierauf antwortete der Papst: Er sei Sr. Majestät dem Kaiser aufrichtig dankbar für die Wiedereinsetzung
Lachend erwiderte Abel auf den nach seiner Meinung launigen Einfall: Miß Blair wäre die Einzige, welche Dir gefährlich werden könnte. Wir lieben unS nämlich schon seit meiner Kindheit."
Auch Elly lachte, jedoch etwa« erzwungen. Dann kehrte ste sich der hinter ihr stehenden alten Lady zu, und einen eigentümlich bezeichnenden Ausdruck in ihren Blick legend, hob ste an: „Miß Blair, wenn Sie zwischen mich und den Abel treten, so verschwinde ich. Sie aber mögen alle Gewässer iu der Nachbarschaft durchfischen, um mich wieder aufzufinden."
Sie trat zur Seite, und ein muntere« Liedchen anstimmend, schritt ste durch den Garten dem Hofe zu.
Abel sah ihr mit unverhohlenem Entzücken nach. In Miß Eva'S Augen dagegen, die ebenfalls jede Bewegung der anmutigen Gestalt mit tiefer Teilnahme verfügten, offenbarte r« sich, wie ein Kampf gegen andringende Thränen.
Erst nachdem das Mädchen hinter dem Hofe verschwunden war, ließ ste sich schwerfällig auf den leeren Stuhl nieder, und Abels Hand ergreifend, hob ste mit ängstlicher Hast an: „Du kannst Dir vorstellen, daß ich nicht um geringfügiger Angelegenheiten willen diese Zusammenkunft mit Dir herbeiführte. Seitdem Du für gerettet erklärt wurdest, ging eS mir im Kopfe herum und marterte eS mich, daß ich glaubte wahnwitzig werden zu müssen; aber ich zögerte, um Dich zuvor mehr Kräfte sammeln zu lassen. Und Kräfte gebrauchst Du, um zu verstehen und anzuerkennen, was Dir mitzuteilen ich die heiligste Verpflichtung habe. Selbst wenn ich wüßte, daß eS Dir ein ewiges Geheimnis bliebe, dürfte ich nicht schweigen, wäre ich gezwungen, mit rauher Hand in das einzugreifen, wa« Du für Dein größtes Glück hältst, in Wahrheit aber Dein und Elly'« Verderben fein würde." (Fortsetzung folgt.)
XVM. Jahrgang.
Marburg, Sonntag, 30. Dezember 1883.
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weidlich mit sich gebracht hatte. Von der Politik, der eS gelungen ist, dem gesamten Vaterlande die Bedingungen einer ersprießlichen WirtschaftSentwickelimg zu erneuern, dem preußischen Staate daS Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben wiederzugeben, die auf den ärmeren Bevölkerungsklassen drückenden Lasten zu vermindern, die Ver- waltungSgesctzgebung In die richtigen Bahnen zu lenken und in Sachen der Wiederherstellung deS kirchlichen Friedens einen wichtigen neuen Fortschritt zu verzeichnen, von einer
^nur allein. —
Ein lieblicher Spätsommertag neigte sich feinem Ende zu, als die alte Lady unvermutet auf Abel« Gehöft erschien. Sie fand die beiden jungen Leute im Garten, wo Abel auf einem bequemen Lehnstuhl sich des warmen Sonnenlichtes erfreute. Vor ihm faß Elly, deren klangvolle Stimme ste schon von weitem unterschieden hatte. Sonst weilte niemand in der Nähe. Der Knecht befand sich mit den Pferden auf dem Felde, wogegen die alte Verwandte mit einer Ge
spräch von den Zeiten, in welchen er sich wieder an den fälligen Arbeiten beteiligen und Elly als treue Lebensgefährtin ihm zur Seite stehen würde, als Miß Eva'S Schritte
ein, daß die’1 n "ocis mit dem 1. Januar 1884 beginnende neue * Quartal ersuchen wir, bei der Post die Bestellungen
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d. V
Die alte Lady.
Erzählung von Balduin Möllhausen.
An Miß Eva schien daS grausige Ereignis spurlos vorübergegangen zu sein. Wie gewöhnlich führte sie ihr Geschäft und fertigte ste die Kunden ab, und wie gewöhnlich war ste wortkarg und verschlossen. Was ste aber zu derselben Zeit litt, waS ihr die nächtliche Ruhe raubte, in unbewachten Tagesstunden ihre Augen mit Thränen füllte, fle veranlaßte, die Hände zu ringen oder lange, lange regungslos ror sich niederzustarren, da« wußte sie selbst
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geigen nimmt entgegen: Expedition d. Blatte«, |B>ie d.Annoncen-Bureaux , Th- Dietrich u. Eo. in igffd und Hannover; Th. Mrich in Frankfurt a-M-; iacfenftein u. Vogler in Scntfurt a- M., Berlin tipzig. Köln rc.; Rudolf Itoffe in Berlin, Frankfurt a. M- re.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureoux von @ 8. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M ; Jäaersch« Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Juvalidendank in Berlin; w. Thienes in Elberfeld; « Schotte in
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üblen D hülfin sich zu den abwärts weidenden Kühen hinaus begeben )nservir hatte. Abel blickte mit frischer Lebenslust um sich und
auf die
Oberhesfische Zeitung
Friedlich wie eS begonnen, ist daS Jahr zu Ende gegangen, welches daS erste Vterteljahrhundert der Regierung unseres König«, des Kaisers zum Abschluß brachte. Ungebeugt von der Last deS Alters, unerschüttert von den Tagen ernster Trauer und festlicher Erregung, die ihm auch das abklingende Jahr beschieden, trägt der glücklichste Monarch des Jahrhunderts die Bürde deS hohen Amte« weiter, welches, ihm zur Ehre und dem Vaterlande zum Heil, von „ der Vorsehung auf seine Schultern gelegt worden. Dank- monevl fcQt bQtf b£t Deutsche rühmen, daß eS an den Segnungen, welche die Negierung Kaiser Wilhelm« stet« begleiteten, auch während des Jahres 1883 nicht gefehlt hat. Der rück- fchauenden Betrachtung bietet sich eine ganze Reihe unzweifel- _______Hafter Erfolge dar. Die große sozialreformatorische Auf- ■«♦♦♦« gäbe, welche da« neue Reich übernommen, ist um einen wichtigen Schritt weiter gefördert, auf dem Gebiete der Gewerbegesetzgebung die bessernde Hand an die Mißstände gelegt worden, welche der Uebergang auS der Enge der alten in die freieren Bahnen der neuen Verhältnisse unver«
n das l.bigft machen zu wollen.
Der Nr. 1 künftigen Jahres wird ein Wandkalender Sesellscha^r 1884 beigefügt.
ern, foul Trotz der Beilagen bleibt der AbonnementSpreiS der arantiefch£,therigk. um aber die Beilagen vollständig erhalten zu vollen I Rntten, wolle man die Bestellungen vor Ablauf Dezember machen. Alle Postboten nehmen Bestellungen an.
sehr beqj Marburg. Exped. der Oberh. Ztg.
leberschüs^nd ihren Beiblättern
rndem B Illustrierte» «ormtagrblatt,
wird niißowie für die Abonnenten der Kreise Marburg und Kirchhain
vüigeteäl Amtliche Nachrichten für die «reise Marburg
im bii und Kirchhain,
hörbar wurden.
Elly erhob sich und ging der Eintreffenden entgegen.
__„Von Tag zu Tag wird e« besser," sprach sie leuchten- hnrfti den Blickes, „höchstens noch eine Woche, und ich ziehe wieder bei Ihnen ein, um zu bleiben, bi« der Abel un« in [' feinem Wagen zu einer wichtigen Stadtreife abholt." stenmac Liebliche Röte schmückte bet dieser Erklärung ihr holde« ttergasse Antlitz; ihre Züge aber erhellte ein Lächeln so glücklich und sorglos, al« hätte sie das Bewußtsein getrogen, sich
(Mebeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da« Quattal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirte« CountagiMatt" durch dir Expedition (Jt o ch'sche Buchdrucker-!) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter de« Deutschen Reiche« 2 Mark 50 Pfg. (exel. Bestellgebühr.) — JnserttonSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pf«.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.