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XVHL JahrgMg.

Marburg, Sonnabend, 29. Dezember 1883.

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Exped. der Oberh. Ztg.

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Anzeigen nimmt entgegen: zie Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bnreaux

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Erzählung von Balduin MSllhausen.

Und Abel, gleichsam berauscht durch den zärtlichen Zuspruch des seine Angst mannhaft verheimlichenden lteb- licken Mädchens, sandte, gehorsam wie rin Kind, der alten Frau einen Blick zu. Aber eS war kein Blick des Flehens, sondern eines namenlosen Glückes, als hätte er dir gefährliche Verwundung willkommen geheißen um den Preis, Elly an seinem Schmerzenslager Inken zu sehen.

.Wohl erkenne ich, daß Du hierher gehörst,* kehrte bie alte Frau sich nunmehr unter Thränen der Rührung Elly zu, und hast Du eine leichte Hand, bann soll kein anderer ihm "zu Diensten sein, als Du ganz allein, bis nun, der gute Gott wird ja seinen Segen dazu geben.

Sie küßte Elly auf die Stirn, und ihr den Stuhl, auf welchem sie so lange gesessm hatte, einräumend, trat sie leise zur Seite.

Elly nahm alles hin, als hätte eS so sei» müssen. Mochte ihr arme« Herz sich vor Jammer schmerzlich zusammenkrampfen, indem sie den Leidenden betrachtete; mochten Biloer der Todesangst und des Grames vor ihrem Geiste vorüberztehen: Ihr Antlitz, obwohl bleicher, als am vorhergehenden Tage, trug den unveränderlichen AuSdrmk ruhigen freundlichen Ernstes. Und alles gefä^b, toie sie gesagt hatte. Nachdem sie, ihr Entsetzen beim Anblick der Wunde mutig niederkämpfend, gemeinschaftlich mit der alte" Frau den Notverband erneuert hatte, nahm ste Abel« Hand, und alS sei ihre Bitte an ihn ein Zauberspruch gewesen, schloß er die Augen zu einem tiefen Schlaf der Erschöpfung.

Die Sonne war noch nicht lange aufgegangm, da hielt der heimkehrende Wagen auf der Straße an. Wohl

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Deutscher Reich.

Berlin, 27. Dez. Der Kaiser konferierte mittags mit dem Kriegsminister. Der Kronprinz empfing gestern nach­mittag den Kardinal Fürsten Hohenlohe; dem spanischen Gesandten und dem italienischen Botschafter hatte der Kron­prinz am ersten Weihnachtstage einen Besuch gemacht. DieNordd. Allg. Ztg." sagt: Die von verschiedenen Blättern mttgeteilte Nachricht, daß da« mit päpstlicher Autorisation für sämtliche Diözesen und DiözesananteUe vom Bischof von Kulm gestellte Gesuch um Dispensation zahlreicher Geist­licher von den Erforderniflen deS $ 4 des Gesetzes vom 11. Mat 1873 über die Vorbildung am 19. Dezember hier eingegangen ist, findet, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ihre Bestätigung. Weiter verlautet, daß auch auf die im DiSpensationSgesuche Bezug genommenen Verzeichnifie und Nachweise für die große Mehrzahl der Diözesen am 20. d. M. eingetr offen sind. Die Bearbeitung der DispenS- angelegenheit ist seitens deS Ministers der geistlichen An­gelegenheiten sofort in Angriff genommen und wird zunächst zur Erledigung derjenigen Fälle führen, welche nach den hierfür vom Staatsministerium mit königlicher Genehmigung festgestellten Grundfätzm ohne weiteren Aufenthalt erledigt werden können. Sobald die Prüfung für eine einzelne Diözese beendet ist, wird die Ausfertigung der Dispense erfolgen; 119 für die Diözese Breslau bestimmte Dispen- sationSurkuuden find heute bereit« dem Bischof von Kulm übersandt worden. Der Vizeprästdent deS Ministerium«, von Puttkamer, ist heute nachmittag nach FriedrtchSruh abgereist. DieMagdeb. Ztg.* schreibt: .Alles, was in den letzten Wochen über da« Verhältnis der freien Ver­einigung im Landtage (sogenannte Sezefsionisten) zu den

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Auf baS mit dem 1. Januar 1884 beginnende neue * Quartal ersuchen wir, bei der Post die Bestellungen auf die

Oberhesfische Zeitung

und ihren Beiblättern

Illustrierte- SouutagSblatt, sowie für die Abonnenten der Kreise Marburg und Kirchhain Amtliche Rachrichteu für die «reise Marburg «ud Kirchhat«, baldigst machen zu wollen.

Der Nr. 1 künftigen Jahres wird ein Wandkalender für 1884 beigefügt.

Trotz der Beilagen bleibt der AbonnementSpretS der seitherige. Um aber die Beilagen vollständig erhalten zu können, wolle man die Bestellungen vor Ablauf Dezember machen. Alle Postboten nehmen Bestellungen an.

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»t, olger.

Anzeigen nimmt entgegen; bie Expedition b. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureanx von L. Daube n. 6e. in Frankfurt 0. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalidendant in Berlin: W. Thiene? in Elberfeld: E- Schlotte in Bremen.

gesetzgrbnng und der Mannigfaltigkeit der Organisation der Armenpflege in den einzelnen Staaten nicht thunlich; die näheren AuSfÜhrungSbestimmungen bleiben vielmehr zweckmäßig den einzelnen Landesregierungen Überlaffen, denen eS selbstverständlich auch unbenommen ist, den stati­stischen Aufnahmen eine größere Ausdehnung zu geben. 3. Nach sachverständigen Gutachten empfiehlt eS sich, die Uebersicht 1 auf Grund von Zählkarten durch die statistischen Landeszentralstellen zusammenstellen zu lassen. Diese werden dabei besonder» daraus zu achten haben, daß Doppel­zählungen von Personen vermieden werden. Die Zähl­karten werden au« den im Laufe des Jahres vorgenommenen Notierungen nach Ablauf desselben für jede in die Ueber- stcht aufzunehmende Person (d. h. für jeden Selbstunter­stützten, nicht für die mitunterstützten Familienangehörigen) aufzustellen fein und folgenden Inhalt haben müffen: &) Benennung deS Armenverbandes, b) Namen de« oder der Unterstützten, c) hat der oder die Unterstützte mit ihm oder ihr zusammenlebende Familienangehörige, und zwar: eine Ehefrau? (Ja oder Nein?); noch nicht 14 Jahre alte Kinder und KindeSkinder, wie viele; d) ist der oder die Unterstützte in dem Jahre vom 1. April 1884 bis 31. März 1885 unterstützt worden: durch dauernde Ver­sorgung in einer Anstalt? (Ja ober Nein), in anderer Weise dauernd (Ja oder Nein), durch vorübergehende Unter­bringung in einer Anstalt? (Ja ober Nein), in anderer Weise vorübergehend? (Ja ober Nein); e) welches ist die Ursache der UnterstützungSbedürstigkeit? 4. Um ben Wert der Erhebung zu erhöhen und das Verständnis ihrer Ergebniffe zu erleichtern, erscheint eS zweckmäßig, bet der Mitteilung der letzteren an das Kaiserliche statistische Amt eine kurze Darstellung der Armengesetzgebung und der Organisation der Armenpflege innerhalb de» Bereichs des betreffenden Landes der Zentralstelle anzuschlteßen, so wie eine Aeußerung über die bei der Erhebung und Bear­beitung deS Materials gesammelten Erfahrungen, über etwaige Mängel deS GefamtergebnisieS und über die tie­feren. Gründe auffallender sozialer Erscheinungen, welche In den Übersichten etwa zu Tage treten, beizufügen. Gleich­zeitig wird betont, daß die seitens der Landesregierungen vor zwei Jahren angeordneten Erhebungen behufs Her­stellung einer Armenstatistik zwar wertvolles Material zu Tage gefördert haben, daß da« Gesamtergebnis jedoch nicht befriedigte.

DieDeutsche Konsulats-Zeitung* äußert sich in einem Artikel überDie wirtschaftliche Lage Deutschlands in dem Triennium 18801882" rücksichtlich deS Jahres 1882 wie folgt: .... Konnte für das Jahr 1881 wenig­stens der definitive Abschluß der Epoche deS allgemeinen wirtschaftlichen Niederganges, welcher einer mehrjährigen Ueberproduktion gefolgt war, konstatiert werden, so charak­terisiert sich daS Jahr 1882 bereits als eine Periode der

stehen: Ich war eS, die feine Hülfe für Sie gegen den schrecklichen Räuber anrief,* und nicht beachtend, daß Miß Eva nach diesen Worten mit beiden Händen sich schwer auf den Ladentisch stützte, fuhr sie eifrig fort:Ich hatte erlauscht, wie der Elende Sie quälte und mißhandelte, und das glaubte ich, nicht dulden zu dürfen. Ich ging zu dem Abel und sagte c8 ihm. Da waren denn meine Gedanken seine Gedanken, und fein Leben hat er daran gesetzt, in Ihrer Bedrängnis Ihnen beizuspringen. Ja, so handelte er, und edel war'S von ihm, »ernt'» mich auch die Ruhe und den Frieden meiner Seele mehr noch: da» Leben kostet, sollte er nicht geheilt werden.*

Miß Eva hatte sich wieder aufgerichtet und betrachtete Elly mit einem eigentümlichen Ausdruck von Trostlosigkeit. Nur unter Aufbietung ihrer letzten Kräfte gelang e» ihr, die äußere Ruhe notdürftig zu bewahren.

Er wird gefunben, muß geheilt werben,* sprach sie mit bebenden Lippen,Dich hingegen trifft am wenigsten ein Vorwurf, wenn das Schicksal sich die Aufgabe stellte, unschuldige Menschen feindselig zu verfolgen.*

Er wird, er muß geheilt werden,* widerholte Elly zuversichtlich, und doch liefen Thränen in ihren Augen zusammen,ich selber werde ihn pflegen, Tag und Nacht darüber wachen, daß nicht« verabsäumt wird, was seine Heilung fördern könnte.*

Du?* fragte Miß Eva mit schmerzlichem Erstaunen.

Ja, ich selber,* hieß eS entschlossen zurück,ich bin nur gekommen, um meine Vorbereitungen zu einer längeren Abwesenheit von hier zu treffen. Denn an fein Schmerzens­lager gehöre ich, und ich ganz allein, seitdem ich ihm ver­sprochen habe, seine Frau zu werden.*

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für ba« Quartal mit der wöchentlichen Beilage ^llnfMrte« e«mta8tthtt tac* bie «qmbltion (Jo4ffte Buchd,ackerei) bezogen »'/. Mark, durch bie Postämter deS Deutschen Reiches 8 Mark 50Pf«. lexel. ^stellgeMr ) - JnserttonSgebühr für bte gespaltene Zelle 10 Pf«.

W Für in der Srvebition ,u ertheilende Auskunft und Annahme von Abreffen «erben 85 Pf«, berechnet-

Fraktionen des Fortschritt» und der Nationalliberalen durch die Presse gegangen ist, entbehrt entweder gänzlich der Be­gründung ober ist entstellt wiedergegeben. Wir sind in der Lage, e» dahin richtig zu stellen, daß die Sezesstonisten e« nach wie vor als ihre Aufgabe betrachten, zwischen beiden Fraktionen stehend sich weder an die eine noch an die andere ausschließlich anzulehnen, sondern einfach daS Prinzip de» Liberalismus im Volke zu stärken und im Parlament geltend zu machen. Sie werden daher namenllich bei den Wahlen weder dem Fortschritt noch den Nationalliberalen entgegentreten, sondern jede dieser beiden Parteien je nach den Chancen und dem bisherigen Besitzstand unterstützen. Insbesondere ist aber die Behauptung, die Sezesstonisten hätten nach der Abstimmung über den Sternschen Antrag jeden Zusammenhang mit den Nationalliberalen abgebrochen, unrichtig; im Gegenteil, sie sind nach wie vor willens, eine gemeinsame Taktik aller Liberalen anzubahnen. Die freie Vereinigung bildet übrigens nur eine parlamentarische Gruppe ohne jeden Fraktionszwang und sogar ohne Vor­stand, selbst bei ihrer Besprechung wechselt der Vorsitz unter den einzelnen Mitgliedern." Im ArbeitSmintsterium ist man mit umfangreichen Vorarbeiten zu weiteren Verstaat- lichungS - Entwürfen beschäftigt, für deren Ausführung die Regierung noch 4060 Millionen Mark vom Landtage fordern wird. Diejenigen nicht mehr militärpflichtigen Unteroffiziere von mindestens achtjähriger aktiver Dienstzeit, welche zur Verwendung von Feldwebel-Leutnants Im Mobil- machungSfaüe 188485 (vom 1. April 1884 bis dahin 1885) bereit sind, müffen fich jetzt unter Einreichung ihrer Militärpapiere bei dem Bezirkskommando oder dem BezirkS- feldwebel, in deffen Bezirke sie Ihren Aufenthalt haben, melden. Kommunal- und Staatsbeamte müffen außerdem einen Erlaubnisschein ihrer vorgesetzten Behörde vorlegen.

In der letzten BundeüratSsttzung ist dem Bundesrat ein Antrag de» Reichskanzlers bezüglich der Armenstatistik vorgelegt worben, welcher also lautet:Der BuubeSrat wolle bk Aufnahme einer Armenstatistik für den Zeitraum vom 1. April 1884 bis zum 31. März 1885 nach Maß­gabe jener Formulare und der bezeichneten Anleitung be­schließen und die Einsendung der ausgefüllten Formulare an daS Kaiserliche statistische Amt bi« zum 1. Juli 1885 anordnen. Dieser Antrag ist mit folgenden Bemerkungen begleitet worben: 1. Wegen bet Schwierigkeit der Erhe­bungen sollen dieselben auf daS Notwendigste beschränkt werden, einesteils um für die geforderten Ermittelungen desto größere Sicherheit zu gewinnen, andernteils um die Gemeindevorstände rc. durch die während de» ganzen JahreS fortlaufenden Aufzeichnungen möglichst wenig zu belästigen. 2. Für alle Staaten gleichmäßige, ba« Einzelne bet Er­hebung und Zusammenstellung regelnde Anordnung zu treffen, wie e» bei anderen statistischen Aufnahmen zu ge­schehen pflegt, erscheint bei der Verfckiedenheit der Armen- atmete man beim Erscheinen deS Arztes auf; aber banger noch blickten alle, als er sich zu Abel hineinbegab. Galt e» doch einem Urteil über Leben und Sterben, einem Urteil, welche«, obwohl durch tröstliche Worte verschleiert, vielleicht dennoch eine verhängnisvolle Entscheidung in sich barg.

Unter Elly'S und der alten Frau Beistand überzeugte der Arzt sich von dem Zustande Abels und legte ihm den Verband an. Ermuthigend klangen seine Worte, indem er die Wunde für keine unmittelbar lebensgefährliche erklärte und Elly eingehend unterwies, wie ste dieselbe zu behandeln habe. Aber Wochen der strengsten Ruhe und der aufmerksamsten Pflege, lautete sein Ausspruch, würde es bedürfen, um den Leidenden fein Lager,zum erstenmal wieder verlaffen zu sehen.

Da er zum Zweck einer ungestörten Beobachtung die erste Pflege selbst zu übernehmen wünschte, benutzte Elly die Gelegenheit, sich noch einmal zu Miß Eva zu begeben und sie über ihren Entschluß zu unterrichten.

Diese hatte bereits ihr Tagewerk begonnen. In ge­wohnter Weise säuberte und ordnete sie den Laden, jedoch fortgesetzt ihre starre Ruhe bewahrend. Nur wer vertrauter mit ihrem Wesen und ste jetzt aufmerksamer betrachtet hätte, wäre vielleicht inne geworden, daß ihre Haltung eine etwa» gebeugtere, ihre Gesichtsfarbe eine fahlere geworben.

Mit einer gewissen Hast kehrte ste sich bet eintretenden Elly zu. Sobald sie aber in deren Zügen neben dem Ausdruck scharf ausgeprägter Besorgnis die schüchternen Hoffnungen entdeckte, senkte sie die Blicke wieder auf ihre regsamen Hände.

Ein schreckliches Unglück," eröffnete Elly nach flüchtiger Begrüßung ungesäumt das Gespräch,aber der Arzt meinte, wir dürften da« Beste hoffen, und ba« erleichtert mein Gewissen einigermaßen wieber. Ich will e« nur ge-

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