xvm. Jahrgang.
Marburg, Freitag, 28. Dezember 1883.
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Reichsgerichte anerkannt worden sei, nicht« gemein. Ueber diese Forderung aber sei von der Regierung niemals heraus- gegangen und niemals eine willenlose Unterordnung der Beamten unter die Regierungsanschauungen gefordert worden. Daraus werde um so größeres Gewicht zu legen sein, als die Parteien der liberalen Opposition ihrer Zeit erheblich weiter gegangen seien und kategorisch verlangt hätten, daß nicht nur die Handlungen, sondern auch die Gesinnungen der Beamten in betracht gezogen und daß Vertreter von der Regierungspolitik abweichender Meinungen erforderlichenfalls „geopfert" werden sollten.
An der Bündigkeit dieser Ausführungen ist der wohl- auSgcsonnene Plan der Opposition gescheitert. „Agitation", „notorische Stellungnahme gegen die Regierung" und „dauernde Opposition", damit war alles gesagt worden, waS überhaupt gesagt zu werden brauchte. Zwischen dem in diesen Worten bezeichneten Verhalten und der in dem Allerhöchsten Erlaß ausgesprochenen Erwartung, daß alle Beamten sich von jeder Agitation gegen die Regierung freihalten würden, besteht auch nicht der Schatten eine- Unterschiedes. Der Vizepräsident des Staatsministeriums hat genau dasselbe gemeint und genau dasselbe gesagt, was der Kaiserliche Erlaß als Richtschnur aufstellte und waS Fürst BiSmarck hervorhob, als er von den „Pflichten des Ausstandes" sprach, welche alle Beamten bei den Wahlen zu erfüllen hätten. Oder brauchte besonders nachgewiesen zu werden, daß die Nichterfüllung einer von dem Könige ausgesprochenen Erwartung, als Verletzung einer AnstandSpfiicht und darum als Hindernis der Befördemng und Belohnung von Beamten angesehen werden muß? Wem das zweifelhaft fein sollte, der weiß überhaupt nicht, was es mit Beamtentum und Beamtendisziplin auf sich hat. Weil diese Disziplin in allen Ländern gleich unentbehrlich ist, hat Herr v. Puttkamer mit Fug und Recht behaupten dürfen, daß rS innerhalb der modernen Entwickelung „unerhört wäre", wenn eine Regierung dapolitische Verhalten ihrer Beamten völlig außer Betracht lassen und politischen Gegnern an den von ihr zu vergebenden Vorteilen einen Anteil gewähren wollte, wir er nur unter der Voraussetzung vollen und unbedingten Vertrauens Sinn und Berechtigung hat. Die Behauptung, daß ein anderes Verhältnis möglich und daß eine Regierung denkbar sei, für welche der Unterschied zwischen Freunden und grundsätzlichen Gegnern nicht besteht, darf ohne weitere- tn das Kapitel der politischen Heuchelet und derjenigen Dinge verwiesen werden, die allenfalls versprochen aber nicht gehalten werden können.
Im Gegensatz dazu hat Herr v. Puttkamer nicht mehr verlangt, als von einem seiner Ehre und Würde bewußten Beamtentum geleistet, — nicht mehr widersprochen, als von einer auf ihre Selbsterhaltung und auf die Erhaltung der Staatsordnung bedachten Regierung gehalten werden
können, wolle man die Bestellungen vor Ablauf Dezember machen. Alle Postboten nehmen Bestellungen an.
Marburg. Exped. der Oberh. Ztg.
für 1884 beigefügt. ....
Trotz der Beilagen bleibt der Abonnementspreis der
rieten. Bei dem unerwarteten Anblick des schönen Mädchrn- mit dem sprechenden Ausdruck von Todesangst wollten sie sich erheben, als Elly ihnen dringend wehrte.
„Wo ist Abel Fancy?" fragte sie leise, wie ein Hauch, indem sie sich den Männern zuneigte.
Beide wiesen schweigend auf die offene Thür de» Nebenzimmer«. Wettere Kundgebungen nicht erwartend, schlich sie nach derselben hinüber. Auf der Schwelle blieb sie stehen. Anfänglich rief es den Eindruck hervor, als wären angesichts der vor ihr liegenden Szene Zweifel in ihr erwacht, von ihrer Angst zu weit fortgertffen worden zu sein. Sobald sie aber die thränengefüllten Augen der alten Frau auf sich gerichtet sah, die neben Abels Bett saß nnd, in den Blicken eine stumme Frage, zur Vorsicht mahnend auf den anscheinend schlummernden, totbleichen Verwundeten wieS, da war ihr, als hätte sie heimlich wieder davon schleichen müffen. Noch stand sie unentschloffen, als Abel die Augen aufschlug und sie dadurch bannte. Sein erster Blick fiel auf sie. Zugleich trat eine matte Röte auf seine Wangen. Wie der Abglanz einer unfaßbaren Freude eilte e» über sein Antlitz, unv die Hand zum Gruß erhebend, sprach er mit klarer Stimm«: „Das schwebte mir vor, so lange ich hier liege, und jetzt, da ich erwache, erfüllt sich mein Traum."
Bei diesen Worten vermochte Elly nicht länger an fich zu halten. Wie auf der Flucht vor den thränenschweren Blicken der alten Frau, flog sie auf das Bett zu, und vor demselben auf die Kniee sinkend, neigte ste ihr Anüitz laut schluchzend aus die Decke.
„Abel, Abel," entwand eS sich gedämpft und kaum verständlich ihren Lippen, „Abel, wenn Du stirbst, trage ich die Schuld — Abel — ich habe Dich in'S Verderben getrieben —"
Erzählung von Balduin Möllhaufen.
Miß Eva neigte das Haupt. Sie erwog, wie weit sie mit ihren Offenbarungen gehen dürfe und waS ohnehin nicht verborgen bleiben könne. Dann richtete fie sich wieder empor, und gewaltsam eine gewiffe äußere Ruhe erzwingend, sprach sie eintönig: „Ja, eS ereignete sich ein Unglück, und das ist die Ursache, weshalb ich meinen nächtlichen Spazier- gang, wie ich solche häufig unternehme, über die Maßen auSdehnte. Der arme Abel Fancy"
Was tst'S mit dem Abel?" fiel Elly erbleichend ein.
"Er geriet in Streit mit — mit einem Unbekannten, welchen fremde Männer verfolgten — er wurde der-
tot!" rief Elly auf dem Gipfel ihre» Entsetzen« aus" man hat ihn gemordet —"
'„Ruhig, Kind," unterbrach Miß Eva sie streng- Eine Weile sah sie durchdringend in Elly's Augen, welche sich noch tu vergrößern schienen, und mit unverkennbar schmerzlichstem Erstaunen fuhr ste fort: „nein, nicht tot, unb so Gott cS nicht anders bestimmt, wird er leben. Wohl wurde er schwer getroffen, aber er befindet sich in seinem Hause, wo er treu gepflegt und binnen kürzester Frist ihm ärztliche Hülfe zu teil wird."
„Schwer - tötlich getroffen l" Nagte Elly unter hervorbrechenden Thränen unv sie rang die Hände in Verzweiflung, er wird sterben, und ich bin eS, die ihn in den Tod jartel" Ratlos stand sie wohl «ine Minute, während die alre Lady ste mit eigentümlicher Schärfe beobachtete. Dann aber durchströmte e« ste wie neues Leben. Kein Laut verließ ihre Lippen; dagegen stch schnell umkehrmd, schlüpste
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Auf das mit dem 1. Januar 1884 beginnende neue Quartal ersuchen wir, bei der Post die Bestellungen auf die ,
Oberhesfische Zeitung
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Illustrierter SountagSblatt, sowie für die Abonnenten der Kreise Marburg und Kirchhain Amtliche Rachrichte« für die «reise Marburg und Kirchhain, baldiast machen zu wollen.
Der Nr. 1 künftigen JahreS wird ein Wandkalender
Anzeigen nimmt entgegen; bie Expedition b. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. 6e. in
Die Wahlfreiheit «ud die Beamte«.
DaS Verhältnis der Wahlfretheit der Beamten zu Dienstpflicht und Diensteid ist im Lauf der letzten Jahre so wiederholt und so eingehend diskutiert worden, daß die Ertwartung berechtigt erschien, dieser Gegenstand werde ohne entsprechende äußere Veranlaffung nicht wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden. Obgleich solche Veranlaffungen nicht Vorlagen und obgleich die Wahlfreiheit der Beamten beeinträchtigende Maßnahmen der Regierung weder nach- gewiesen noch auch nur behauptet werden konnten, haben die Parteien der Opposition ein abermalige« Zurückkommen auf diesen Gegenstand für geboten gehalten und zwar tm Namen und im Jniereffe desselben Beamtentums, dem aus den Reihen der Fortschrittspartei erst vor wenigen Monaten der Vorwurf gemacht worden war, „e« habe in seiner Moral, seinem Ruf und seinem Ansehen vor der Welt Schaden gethan". Die Ankläger deS preußischen Beamtenstandes nahmen plötzlich die Rolle von Anwälten und Ver» teidigern desselben in Anspruch, indem ste Klagen und Ansprüche verlautbarten, die von den Beteiligten selbst niemals erhoben worden waren. — Glaubte man wirklich die Welt glauben machen zu können, daß die Jntereffen des preußischen Beamtentums bei den systematischen Gegnern aller allpreußischen Tradition Unterkunft gesucht hätten und daß zwischen diesen Jntereffen und denjenigen der Opposition ein innerer Zusammenhang bestehe? Lag nicht gerade im vorliegenden Falle unverkennbar zu Tage, daß dem Vorgehen der Gegner der Staatsregierung eine agitatorische Absicht zu Grunde liege, die hinter Besorgniffen vor einer „Reaktion" versteckt werden sollte? DaS Land sollte zu dem Glauben gebracht werden, eS sei die Wahlsreiheit der Be-
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Coburg.
Hermansche Buchhandlung daselbst; Invalid endank in Berlin; ÜB. Thiene, in Elberfeld; C- Schlotte in
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amten durch den Vizepräsidenten deS StaatSministeriumS gefährdet und von diesem ein System aufgerichtet worden, das zu der Allerhöchsten Willenskundgebung vom Januar 1882 und den damaligen Erklärungen des Reichskanzlers in Widerspruch stehe. — Von vornherein aussichtslos, ist dieses agitatorische Unternehmen vollständig gescheitert und schließlich auf seine Urheber zurückgefallen.
Als vor nunmehr drei Jahren das Verhältnis der Beamten zu den Wahlen Gegenstand der öffentlichen Erörterung wurde, stellte ein an daS Staatsministerium gerichteter Allerhöchster Erlaß vom 4. Januar 1882 fest, „für die- jenigen Beamten, welche mit der Ausführung von Regie- rungSakten betraut seien, erstrecke die durch den Diensteid beschworene Pflicht sich auf die Vertretung der Regierungö- politik auch bei den Wahlen", von allen Beamten aber werde erwartet, daß ste stch, unbeschadet der Freiheit deS Wahlrechts für ihre Person, im Hinblick auf diesen Eid auch bei den Wahlen jeder Agitation gegen die Regierung enthalten würden. — In demselben Sinne er- klärte der Reichskanzler einige Tage später in dem Reichstage, seiner Auffaffung nach dürsten alle Beamten für ihre Person wählen, wie ste wollten, die Teilnahme an regierungs- feindlichen Agitationen aber werde für politische, zur Vertretung der Regierungspolitik verpflichtete Beamte eine Verletzung der Pflicht, für alle Beamte eine Verletzung des Anstandes einschließen. —
WaS hat nun der Minister von Puttkamer gesagt? Der Minister erklärte am 6. Dezember d. I., daß keinen Beamten wegen seiner Abstimmung einen Nachteil getroffen habe oder treffen werde, daß eS aber eine andere Frage sei, ob die Regierung verpflichtet oder berechtigt sei, Beamte zur Besörderung und Auszeichnung vorzuschlagen, die stch einer Agitation und notorischen Stellungnahme gegen die Staats- regierung schuldig gemacht und zu derselben in „dauernde Opposition" gesetzt hätten. Genau in demselben Sinne hat der Minister sich ausgesprochen, als er in der Sitzung vom 14. d. M. durch den Abgeordneten Rickert zu abermaligem Zurückkommen auf diese Frage veranlaßt wurde. Klar und präzise führte Herr von Puttkamer au«, daß jede« ersprießliche Zusammenwirken zwischen der Regierung und den Beamten das Vertrauen zur Grundlage habe una daß von einem solchen Vertrauen zwischen prinzipiellen und erklärten politischen Gegnern weder bei uns, noch sonst irgend wo die Rede sein könne. Auf ihre polilischen Beamten müsse die Regierung auch rückstchtlich der Wahlen rechnen können, die Erhaltung eines Vertrauens" BerhältniffeS zu den übrigen Beamten aber sei davon abhängig, daß dieselben stch jeder gegen die Regierungspolitik gerichteten agitatorischen Thätigkeit enthielten. Die persönliche Ausübung des Wahlrechtes habe mit dieser Mindestforderung, deren Unentbehrlichkeit nicht nur vom Reichskanzler, sondern bet gegebener Gelegenheit auch von dem ste auf die Straße hinaus, wo sie sogleich die Richtung nach AbelS Gehöft einschlug.
„Ellyl Ellyl" rief Miß Eva ihr nach, „Elly, begehe keine Unbesonnenheiten I" doch ihre Worte verhallten ungehört. Kurze Zeit lauschte sie atemlo« und wartete sie bet« grblich auf die Rückkehr deS geängstigten Mädchens, und wie entkräftet sank ste auf einen Stuhl, ihr Antlitz in beide Hände vergrabend.
„Auch da« noch," stöhnte sie erschüttert; „wird das Maß meiner Leiden denn nie voll? Gibt eS benn keine Barmherzigkeit mehr unter dem Himmel I" Die letzten Worte erstickten. Als ob die Wirkung der jüngsten Erlebuiffe stch jetzt erst in vollem Umfange bei jihr geltend gemacht habe, brach sie zu dumpfem Brüten in sich zusammen.--
Als Elly auf die Straße hinaustrat, hatte der Osten fich bereits gelichtet. Still lagen aber noch Häuser und Gehöfte. Weder daS eine, noch das andere beachtete sie. Unaufhaltsam, wie verfolgt von Schreckgestalten, floh sie durch die Kolonie deren anderem Ende zu.
„Ich habe ihn in den Tod gejagt, ich verschulde sein Ende," vibrierte eS in ihrem armen jungen Herzen, während das regsame Blut ihre Schläfen zu sprengen drohte; „ich habe ihn gemordet, habe ihn dem schrecklichen Manne überantwortet," widerholte sie fort und fort, bis ste daS Gehöft Abels endlich vor stch liegen sah.
Keinen Augenblick schwankte fie. Die erhellten Fenster sagten ihr, wo ste den Verwundeten zu suchen habe, und ohne irgend einem Bedenken Raum zu geben, stürmte fie über den Hof und in das HauS hinein. Die Thür de« Wohnzimmers stand offen. Tiefe Stille herrschte in demselben. Hastigen, jedoch leisen Schritte« eintretend, bemerkte sie die beiden Farmer, die flüsternd mit einander he-
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Surad seitherige. Um aber die Beilagen vollständig erhalten zu
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Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blatte-, igtvie d.Annoncen-Bureaux e, Th- Dietrich u. To. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M-; tznasenstein u. Vogler in feentfurt a. M., Berlin. Leipzig. Köln re.; Rudolf ytgffe in Berlin, Frankfurt a. M- rr- ____________ _____ ___ ___ ___
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