XVffl. Jahrgmg.
Marburg, Freitag, 21. Dezember 1883.
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gemacht, und zwar in sehr dankenswerter Weise, in den oberen THSlern der Flüsse und Bäche nach dem Gebirge zu Wiesenkulturen anzulegen. Das wird in der Weise ausgesührt, daß die Wilvwasser durch künstliche Dämme abgefangen werden in Sammelteiche, sogenannte Weiher, aus denen werden dann regelrechte Berieselungen hergestellt und damit die nötigen Entwässerungen verbunden. Die Flächen selbst werden in künstlichen Wiesenbau gelegt, und eS wird namentlich dafür gesorgt, daß die schädliche Beschattung durch den Wald beseitigt wird. Diese Anlagen haben an und für sich betrachtet — darf ich wohl vorweg bemerken — bis jetzt, wie mir bekannt ist, finanziell ein durchaus gutes Ergebnis gehabt. Wenn wir den Hektar Wald vielleicht mit einem Reineinkommen von 15 Mark annehmen dürfen, so sind die Pachtgelder für den Hektar dieser Wiesen, die da neu geschaffen worden sind, wie man mir mitgeteilt hat, bis auf 50 Mark, wohl auch schon darüber gestiegen. Allerdings ist ein nicht unerhebliches Anlage- und Meliorationskapital erforderlich; aber auch dies eingerechnet, würde doch immerhin eine Verzinsung von diesen Anlagen s amt Meliorationskapital von 25—30 pCt. erzielt werden. Auch ist mir heute Morgen das Beiblatt einer technischen Schrift für Land- und Forstwirte ans Naffau in die Hand gekommen vom 1. Dezember dieses Jahres, und daraus habe ich die intereffante Notiz entnommen, daß auch die dort so gebildeten Fischweiher bereits einen recht schönen Nutzen abwerfen. Es ist hier aus einer Oberförsterei Merenberg eine Mitteilung gemacht, wo ein 8 Hektar großer Weiher, ein solcher Sammelteich, der seit 4 Jahren einer regelmäßigen Administration unterworfen ist, in den ersten zwei Jahren bei der Abfischung die Summe von 458 Mark ergeben hat, das würde also pro Hektar ein Ertrag von 28 Mark sein, und in diesem Jahre, wo die zwei letzten Jahre abgefischt worden sind, ein Ertrag von 569 Mark; da ist der Ertrag schon bis auf 35 Mark gestiegen.
Ich halte das allerdings für nebensächlich. Der Hauptgrund, weshalb man auf diese Anlagen das Augenmerk richten muß, ist meiner Ansicht nach darin zu suchen, daß auf diese Weise ein wirklich wirksames Präservativ geschaffen wird gegen die verheerenden Ueberschwemmungen der Ströme. ES wird nämlich durch ein solches Netz von Anl igen, die das Wildwaffer im Gebirge stauen, eine solche Verlangsamung des AbflteßenS der Wassermassen in die Ebene herbeigesührl, daß gerade die Gefahr vermieden wird, die daraus erwächst, daß diese Wildwasser von allen Seiten gleichzeitig unten im Thal eintreffen.
UebrigenS hat mau bereits auch in Baden, Württemberg und Baiern dieser Sache eine große Aufmerksamkeit gewidmet, und eS ist gewiß nicht unintereffaut, daß schon
das mit dem 1. Januar 1884 beginnende neue Quartal ersuchen wir, bei bet Post die Bestellungen
wir unS mit ihnen."
„Sprich nicht von jenen Tagen", fuhr Miß Eva leidenschaftlich auf, und unsägliche Verachtung offenbarte sich im Tone ihrer Stimme; „wollte Gott, der Tod hätte vor jenen Zeiten seine Hand aus mich gelegt gehabt, ober ich wäre gewissenlos genug gewesen, selber alle Erinnerungen auf ewig auszulöschen. Mag baS ruhen; wer es so weit brachte, wie Du, an ben dürfen keine Bitten mehr, noch weniger Beschwörungen gerichtet werden. Wohin soll ich das Geld legen und vorzählen? Fünfhundert Dollars in Gold find es; eine doppelt so große Summe, und mehr wäre mir nicht zu viel gewesen, hätte ich dafür die Gewißheit erlauft, daß Du von hier verschwändest, um mir nie wieder zu begegnen, mit nicht, anderen nicht."
(Fortsetzung folgt.)
Die Zeit verrann. Eine Stunde folgte bet andern und kürzer wurden die Pausen, in welchem der Einäugige die Pfeife auS dem Munde nahm, mit einer Geberde der Ungeduld das Feuer schürte ober ein Stück Holz auf die Glut warf. Zuweilen entwand sich ein Fluch den bärtigen Lippen, bann aber mit einem solchen Ausbruck von tierischer Wut unb Gehässigkeit, als hätte ein erstickender Feind sich unter seinen unbarmherzig würgenben Fäusten gewunben.
Enblich, bie Mitternachtstunbe war nicht mehr fern, veranlaßte baS leise Wiehern des PferbeS ihn, höher auf. zuhorchen.
„Also doch", sprach er in seiner heftigen Erregung zähneknirschend vor sich hin, „Dein Glück, oder eS hätte keinen guten Verlauf genommen."
Aufmerksamer lauschte er nach dem Ausgang hinüber. Nach kurzer Frist unterschied er das Geräusch, mit welchem auf dem schmalen Pfade sich jemand durch das Gebüsch drängte, gelegentlich auch ein Zweig knickte. Gleich darauf wurden Schritte vernehmbar, verstummten aber alSbald wieder dicht vor dem Ban.
„Wer geht da draußen?" fragte der Einäugige gedämpft.
„Ich bringe das Blutgelv," antwortete die alte Lady eintönig; „komm heraus und nimm es in Empfang. Seitdem Du es beanspruchtest, brennt eS wie fiüsstgeS Blei in meinen Händen."
„Damit Du mir hartes Blei statt vollwichtiger Dollars in die Tasche spielst?" rief der Einäugige höhnisch zurück, ohne sich von der Stelle zu rühren, aber unersättliche Gier sprühte auS seinem tückischen Blick, „trete nur näher; hier IstS hell und komfortabel. Brauchst Dich nicht zu scheuen, wieder einmal an meiner Seite zu sitzen. Ungestört sind wir ebenfalls, ungestörter, als an jedem anderen Ort der Welt."
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frist ein Ende mit mir machst", sprach sie gelaffen, „je eher, um so lieber, denn vorher hört meine Qual nicht auf."
„Ich ein Ende mit Dir machen", spottete der Einäugige, „mit Dir, von der ich hoffe, daß ihr ein recht langes geben beschieden fein möge? Doch was hast Du, altes Mädchen? Vor vierzig Jahren brauchte ich Dich nicht zu rufen, um Dich an meiner grünen Seite zu sehen l Verdammt I Die Zeiten haben sich geändert, und
Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. Ce. in Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendauk in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; E Schlotte in Bremen.
an jjblgft machen zu wollen.
ihigutf “ Der Nr. 1 künftigen Jahre- wird ein Wandkalender i) (Alk; 1884 beigefügt.
nf Trotz der Beilagen bleibt der Abonnementspreis der X Wrlge. Um aber die Beilagen vollständig erhalten zu 8 18 *nneii, wolle man bie Bestellungen vor Ablauf Dezember machen. Alle Postboten nehmen Bestellungen an.
Marburg. Expeb. der Oberh. Ztg.
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Rede des Abgeordnete« Dr. Grimm, «halten in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 4. Dezember d. Js. bei Beratung des Forst-Etats jEmnahme,
Titel 6 Meliorationen :c.] *).
Meine Herren, ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf liefen Titel lenken, der im diesjährigen Etat eine Mehr- linnahme von 7000 Mark aufweist. ES entspricht ihm in ter Ausgabe Kapitel 2, Titel 24, Kosten für Wiesenanlagen M>n 26000 Mark. Nach der Anlage A, welche wir beim 6tat haben, verteilt sich diese Summe auf die einzelnen Kegiermigsbezirke; ich darf wohl erwähnen, daß auf den Regierungsbezirk Kassel die Summe von 3300 Mark ent- sillt unb auf den Regierungsbezirk Wiesbaden 7 461 Mark. Ich erwähne bas nicht, weil ich über diese RegierungSde- itrle allein zu sprechen die Absicht habe, sondern weil ich mf diese Regierungsbezirke exemplifizieren muß, weil mir die Verhältnisse dort etwas näher bekannt sind.
Es scheint sich ja da um sehr unbedeutende Summen zu handeln und doch verbirgt sich gewissermaßen hinter diesen unbedeutenden Summen ein Vorgang, der in forstlicher unb in lanbwirtschaftlicher, auch in finanzieller Beziehung jedenfalls eine gewisse Bedeutung hat. Die Königliche Forstverwaltung hat nämlich in verschiedenen Regierungsbezirken, namentlich auch im Regierungsbezirk Kaffel Versuche
*) Unsere geneigten Leser werden auS dieser Rede unb dem gestern von uns abgefertigten Artikel des «Marburger Tag-bl den gewaltigen Unterschied in der Erörterung landwrrtschaftlrcher Fragen erkennen — hier thatsächliche Vorschläge — dort hetzende
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Oberhessische Zeitung
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Illustriertes SouutagSblatt,
>wie für bie Abonnenten der Kreise Marburg und Kirchhain Amtliche Rachrichte« für die «reife Marburg
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24 Die alte Lady.
Erzählung von Balduin Möllhausen.
Hinter dem mit dürrem Holz genährten Feuer, welches seinen Rauch durch mehrere schadhafte Stellen beS Daches ins Freie hinauSsandte, saß der Einäugige. Den Rucken an die Wand gelehnt, halte er den AuSgaug gerade vor sich, mußte also Jeden, der sich ihm zuzugesellen trachtete, ofort bemerken. Neben ihm auf bet einen Seite lag ein zusammengeknüpftes Tuch mit Speiseresten, auf der anderen, im nahen Bereich seiner Hand, ein Revolver Den Hut hatte et tief über die Stirn gezogen. Das hinderte nicht, daß die unstete Beleuchtung der Flammen sein Gesicht voll traf unb e« scheinbar in zuckender Bewegung erhielt. Finster stierte er mit dem einzigen Auge vor sich in die Mut Seine Thonpfeife brannte und wirbelte in langsamem Takt bläuliche Wölkchen zu der unterhalb bet Decke lagernden Rauchschlcht empor. Niemand hätte den häßlich vernarbten unb verwitterten Zügen angesehen, daß einst § verführerische Jugendteize sie schmückte». Rur die kraft« Mvolle Gestalt wat geblieben. Früher gewissermaßen eine 6'Augenweide, stand sie jetzt In ihrer schlaffen Haltung im Einklang mit dem tückischen GestchtSauSdruck. WaS einst den Blick bestach unb fesselte, bie Merkmale ungewöhnlicher Kraft unb Gewandtheit: jetzt erschien es als eine Drohung.
So hatte bet heruntergekommene Abenteurer und Räuber Ibagekfien, seitdem die Sonne zur Rüste ging. Sein Pserb J batte er aus einer graSreichen Blöße in bet Nachbarschaft < gepflöckt, jeboch bedachtsam ben Sattel aufgelegt und an besten Knopf den Zaum befestigt, um jederzeit zum Aufbruch gerüstet zu sein. ES galt ihm außerdem al« Schlld- " wache und befand sich nahe genug, um sein etwaige« miß- 1 trauliches Schnauben leicht unterscheiden zu können, Und —— so lauschte er gespannt auf die Bewegungen, welche ihm da« Nahen der (Uten Lady verkünden sollten.
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in den ältesten germanischen Ansiedelungen, die wir ja namentlich in meinet speziellen Heimat auch landwirtschaftlich zu verfolgen Gelegenheit haben, sich eine überaus einsichtige Anlage solcher Sammelteiche findet, die die Gemarkungen vor Ueberschwemmungen geschützt haben. Leider sind diese seit dem 30jährigen Kriege in Verfall geraten, unb die Anwohner haben heute den doppelten Nachteil, daß sie erstens keine Fische mehr zu esten bekommen und zweitens, daß bie Ländereien von den Fluten oft verheert und schwer beschädigt werden.
Der Schwerpunkt bei der Sache liegt ja neben diesen erwähnten, sehr wichtigen Gesichtspunkten jedenfalls in dem landwirtschaftlichen großen Nutzen, der dadurch geschaffen wird; denn gerade in ben Gebirgsgegenden ist es LebenS- Bedingung bet Lanbwirtschast, ihren Biehstanb zu erhalten und zu erhöhen, nicht allein wegen bet für den Landwirt vorteilhaften Fleischproduktion, sondern wesentlich, damit der häufig sterile und kalte Boden durch erhöhte Düugerpro- duktion gekräftigt und die Landwirtschaft damit existenzfähig erhalten wird.
Dazu kommt noch etwas, waö gerade für die Provinz Hessen von großer Bedeutung ist. Wir befinden uns dort im Augenblick in dem Stadium, wo die Waldservitute abgelöst werden, wo also die außerordentlich schwierige Ausgabe an unS herantritt, die bis jetzt fast ausschließlich auf den Wald basierten Wirtschaften in einen selbständigen Wirtschaftsbetrieb hinüber zu leiten. Bekanntlich hat man in den östlichen Provinzen, wie ich glaube, nicht mit sehr glücklichem Erfolge, bei den Ablösungen in größerer Menge Ländereien als Entschädigung hingegeben; ich habe Mitteilungen darüber, daß eS eine durchaus unglückliche Operation gewesen ist, die Leute haben jahrelange Arbeit in diese öden unb unfruchtbaren Ländereien gesteckt und schließlich keinen Ertrag gehabt. In ben westlichen Provinzen geht man an der Hand des Gesetzes von einem anderen Gesichtspunkt aus, man glebt da allein Geldsummen für die Ablösung. Ja, da« ist doch auch eine außerordentlich bedenkliche Frage, ob mit Geld allein die Ueberfübrung dieser Wirtschaften in den selbständigen Betrieb stattfinden kann. Ich will die Fälle ganz außer acht lasten, die aber oft etntreten, raß die Gelbabfindungen schon längst in den Händen von — ich glaube, man muß heute im Hause sagen — spekulativen Darleihern sich befinden, um keinen anderen Ausdruck zu gebrauchen, — aber es kommt bei diesen Geldabfindungen wesentlich in Betracht, baß gerade bie Probukte, welche bie Landwirtschaft in einem solchen Falle braucht, — wenn ber Landwirt sein Streuzeug verloren hat unb seine Futterweiben — baß gerate diese Produkte Streu unb Futter in größeren Quantitäten nicht zu kaufen stnb, bie Landwirtschaft mit Gelb sich dieselben ab
Miß Eva schwankte. ES widerstrebte ihr offenbar, sich tn bie Gewalt deS jedes Verbrechens fähigen ManneS zu begeben: Doch nur wenige Sekunden bauerten ihre Zweifel; bann sich bückenb, kroch sie burch bie beinah zugewucherte Oeffnung.
Als ste im Innern sich erhob, blenbete sie bas Feuer, welches ber Einäugige zu ihrem Empfang mit bütren Reisern genährt hatte. Wie den Anblick bes hinter bemselben Sitzenden sürchtenb, beschattete sie bie Augen mit ber Hand.
„WaS kümmerl'S mich, ob Du heute ober nach Jahres-
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