XVIII. Jahrgang
Marburg, Dienstag, 18. Dezember 1883.
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«tftbeint tLalick außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage »Mustrirt^ StNMÜtgtblatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchern Ser ei) bezogen 8‘A Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 60 Pf«. (erd. Bestellgebühr^—JnsertronSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 86 Pf«, berechnet.
OberheMche Zeitung
Illustriertes SouutagSblatt,
Amtliche Nachrichten für die «reise Marburg und Kirchhai»,
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Volks Erziehung, die direkte Vorarbeiterin der Sozialdemokratie gewesen ist. (Beifall rechts.)
An der Debatte beteiligen sich noch die Abgeordneten Graf Ltmburg-Stirum (welcher die vom Abgeordneten Richter beliebte Darstellung des Verhältnisses Bismarcks zur Sozialdemokratie richtig stellt und den preußischen Beamtenstand gegen die Angriffe desselben Redners lebhaft verteidigt), Dr. b. Cuny und vr. Windthorst, worauf nach einigen persönlichen Bemerkungen, der Titel L der Ausgaben bewilligt und die Sitzung gegen 4s/< Uhr geschlossen wird. Nächste Sitzung: Montag, Tagesordnung: Fortsetzung der zweiten Budgetberatung.
vom Landtag.
Berlin, den 14. Dezember.
In der heutigen (4.) Plenarsitzung des Herren- >,nseS wurde zunächst beschloflen, die auS dem Abgeord- «tenhause zu erwartende Kreisordnung und Provinzial« rdnung für Hannover einer am Montag zu wählenden Immission von 15 Mitgliedern zu überweisen.
.Ich schwör'-, Elly -"
Richt schwören, Herr Abel Fancy — halt! bleiben Sie "da stehen, oder wa« sollen die Leute da drüben von uns denken 1"
Auf daS mit dem 1. Januar 1884 beginnende neue ** Quartal ersuchen wir, bet der Post die Bestellungen
ildigst machen zu wollen.
Der Nr. 1 künftigen JahreS wird ein Wandkalender t 1884 beigefügt.
Trotz der Beilagen bleibt der Abonnementspreis der «berige. Um aber die Beilagen vollständig erhalten zu „neu, wolle man die Bestellungen vor Ablauf Dezember chen. Alle Postboten nehmen Bestellungen an.
Marburg. Erped. der Oberh. Ztg.
Die alte Lady.
Erzählung von Balduin Mvllhausen.
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‘AS Illustriertes SouutagSblatt,
„ie für die Abonnenten der Kreise Marburg und Kirchhain
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von (S- L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandluuj daselbst; Jnvalidendank iu Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: E Schlotte ix Bremen
Deutsche- Reich.
Berlin, 15. Dez. Der Kaiser empfing vormittags den neuernannten Kommandanten von Berlin, Generalmajor v. Spangenberg und konferierte nachmittags mit dem Staatssekretär Hatzfeldt. — Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt, da- Telegramm der „Germania", der Vatikan habe am 11. Dez. die offizielle Mitteilung von der Ankunft deS Kronprinzen erhalten, sei falsch. Dem Vatikan sei bis heute noch keine offizielle Mitteilung von der Ankunft des Kronprinzen zugegangen. Daß dieselbe rechtzeitig erfolgen werde, sei außer Zweifel. Die „Germania" irre auch, wenn sie behaupte, die Initiative zum Besuche des Kronprinzen beim Könige und Papst sei nicht vom Auswärtigen Amt ausgegangen. Zu den Pflichten des auswärtigen Ressorts gehöre auch die Sorge für die Beachtung der Regeln der internationalen Höflichkeit zwischen den Regierungen und Souveränen. — Der Kronprinz wird im kleinen Palast neben dem Quirinal absteigen. Eine offizielle Fahrt vom Quirinal nach dem Vatikan wird nicht erfolgen. Im Vatikan wird ein feierlicher Empfang stattfinden. — Der „Moniteur de Rome" weist heute darauf hin, daß das Einvernehmen mit dem Vatikan der Weg zur Beendigung des Kulturkampfes sei. — Der französische Botschafter, Baron de Courcel, hat sich über die ihm seitens des Reichskanzlers in FriedrichSruh zu teil gewordene überaus warme Teilnahme lebhaft befriedigt geäußert. Einen dieser Bestimmung entsprechenden telegraphischen Bericht hat der Botschafter, wie man der „Rat-Ztg." auS Paris telegraphiert, an seine Regierung gelangen laffen. Daß die absolut neutrale Haltung Deutschlands in der Touking - Frage durch die Zusammenkunft keinerlei Aenderung erfahren hat und erfahren sollte, kann wiederholt versichert werden. — In der heute im Handelsministerium stattgehabten Beratung zwischen den RegterungS- vertretern und den Vertretern der Berlin-Hamburger Eisenbahn fanden nur Darlegungen allgemeiner Art statt in betreff der Tarifmaßregel der Regierung und der Wirkung derselben auf den Ertrag der Bahn, über den Wert derselben u. s. w. Die gewonnenen Anschauungen wurden beiderseitig zur ferneren Berichterstattung zur Kenntnis genommen
mit der dumpfen Absicht, einen Freund, auf dessen Gewißen- haftigkcit und Verschwiegenheit er glaubte zählen zu dürfen, zur Begleitung nach dem alten Jagdbau aufzufordern. Noch stand er zweifelnd, als seine Aufmerksamkeit auf zwei in der Dunkelheit fast verfchwimmende Gestalten gelenkt wurde, die sich auS der Richtung von Beltrams Landung her gemächlichen Schrittes näherten. Er wollte sie vorübrr- gehen lassen. Da traten sie mit der Frage zu ihm heran, ob er in dem Ort zu Hause gehöre.
„Meines Vaters HruS," antwortete Abel, nachlässig auf daS hinter ihm liegende Gehöft weisend, „kann ich jemand über irgend etwas Auskunft erteilen, thu ich's gern."
„Ich vermute, wir sind an einen richtigen Mann geraten," wendete der eine Wanderer, ein älterer Mann, sich an seinen jüngeren Gefährten; dann, nachdem dieser beige- pflichtet hatte, wieder zu Abel: „Es gilt einer Angelegenheit, die in der Stille abgewickelt werden muß. Denn wird die Ansiedelung alarmiert, und das, was wir suchen, ist noch hier, so sind wir vergeblich gekommen."
„In jeder guten Sache kann ich schweigen und reden, wte'S von mir verlangt wird," erklärte Abel freimütig.
„Nun ja," fuhr der Fremde fort, der zuerst gesprochen hatte, „so sind Sie in der Thai der richtige Mann für unS. Wir suchen nämlich einen Schurken, der schon vor einer Reihe von Jahren hätte gehangen werden müffen. Bis über Beltrams Landung hinaus folgten wir einen unzweideutigen Spuren. Dann wurden wir unsicher, argwöhnten aber aus bestimmten Gründen, daß er einen Weg auf hier genommen habe. Er ist leicht kenntlich; es fehlt ihm ein Auge, und da fragt es sich, ob ein solcher Mann feit gestern hier gesehen wurde."
(Fortsetzung folgt.)
___ Also seit vollen vierundzwanzig Stunden," rechnete r My'mutwillig aus, und obwohl sie de unerwartete Wendung des Gesprächs als eine scherzhafte hinzustellen trachtete,
7 Wten auf ihren frischen Wangen doch wieder die Rosen holdseliger jungfräulicher Verwirrung und verriethen wehr, «ls sie vielleicht selbst begriff; „ganze vterundzwanzig Stunden," wiederholte sie, „und Sie wollen schon wissen, die Sie mit mir daran sind —"
ein- li lSchluß de« Berichts des Abgeordnetenhauses vom teChais« U- Dezember, s. vorige Nr.)
, Häcksil Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst hält den Minister Schn des Innern nicht für einen absoluten Konservativen, trotz- alle land dem werde derselbe dem Abgeordneten Rickert, der heute aus d tber den angeblichen Konservatismus des Ministers so Lump.'shwere Klage geführt, im Falle einer Wahl immer ein Verkaufs genehmerer Kandidat sein, als ein ZentrumSmann. Wenn der Minister hervorgehoben, daß der Abg. Rickert früher gemäßigter gewesen, und daß dessen heftige Stellungnahme gegen die Regierung mit den Debatten über die neue Wirtschaftspolitik begonnen, so müffe er diesen Wendepunkt «ls vielmehr vom „Kulturkämpfe" sich her datierend be- ichnen, wie denn überhaupt die Sezesstonisten seitens der Gierung als „verlorener Sohn" angesehen würden.
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--- „Daß wir für einander geschaffen sind —'
„Nein, nein, das ist wenigstens nicht meine Meinung," I dati« schnitt Elly schnell ab, was Abel weiter beteuern wollte, \unb wenn Sie wieder versuchen, die Grenzen der Freundschaft zu überschreiten, so bin ich heute zum ersten und zum letzten Male hier gewesen. Ihre Ansicht kenne ich jetzt . ^.»nd Sie die meinige. Sollte ich die meinige einmal et ändern, so sag ich'S Ihnen selber. BiS dahin aber kein Wort mehr von losen Dinge», oder ich schicke Jhnm die chrsame Miß Eva Blair auf den HalS — mein Gott, ^fttbr sie erschrocken auf, „ist'S nicht sündhaft, über daS aus de» GxsLwStz btn schrecklichen Einäugigen draußen im Walde zu vergeffen? Herr Abel Fancy, ich baue auf Ihre ,, Freundschaft und Umsicht. Retten Sie die alte Lady auS lnterive^ t(n ftlauen bj<.seS Scheusals, aber kommen Sie selber chm Acht zu nahe." Und ohne eine ErwLerung abzuwarten,
thmtfrl Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Gesetz- WUUttfataurf« einer Landgüter-Ordnung für die Provinz Schlesien; im SEmens der betreffenden Kommission erstattet mündlichen it Fedechrricht Herr Struckmann und empfahl die Annahme des i mit SWutwurfS mit den von der Kommission beschloffenen Aen- Ein- ui ttungen. Die Vorlage wurde nach unerheblicher Debatte tchte Gl- t der von der Kommission empfohlenen Faffung genehmigt.
(Heiterkeit) DaS freie Wahlrecht werde das Zentrum stets festhalten. Wenn die Linke hier über einen unan- gemesienen „Ton" klage, so erinnere er daran, daß gerade von jener Seite dieser „Ton" beim Kulturkämpfe eiuge- sührt worden sei. Mit dem Vorwurf gegen die Rechte, als suche diese sich mit der Krone zu decken, werfe der Fortschritt mit Steinen aus einem Glashause; denn der Fortschritt stecke sich fortwährend hinter den Mantel deS Kronprinzen und suche so einen Gegensatz zwischen dem Monarchen und dem Thronfolger zu konstruieren. (Sehr wahr 1 im Zentrum und rechts.) Ihren so oft selbstge- prtesenen KonstitutionaliSmus möchten die Fortschrittler bei der Abstimmung über den Antrag Reichensperger zeigen. (Bravo Um Zentrum.)
Minister v. Puttkamer verwahrt sich gegen eine in den Ausführungen deS Vorredners enthaltene Interpretation, als ob er erklärt habe, daß einem Beamten wegen einer bloßen Abstimmung die Beförderung versagt geblieben sei.
Abg. Richter erklärt, seine Freunde stellten keineswegs die Forderung, daß mit den Ministern auch jedesmal die gesamten Beamten wechseln müßten; diese Praxis bestehe nur in Amerika. Ein konstitutionelles Muster nach dieser Richtung sei England, wo in solchen Fällen immer nur ein kleiner Kreis absolut politischer Beamter wechsele. Schließlich bringt Redner unter lautem Beifall bet Linken die oft gehörten Klagen über Beamten-Beeinflnssungen vor.
Minister v. Puttkamer weist den Vorwurf Richters, als habe die Regierung das Sozialistengesetz bei den letzten Berliner Kommunalwahlen der Arbeiterpartei gegenüber je nach eigenem Interesse gehandhabt, energisch zurück. Die Anwendung deö Gesetzes richtet sich nach gewißen äußeren Merkmalen „gemeingefährlicher Bestrebungen der Sozialdemokratie": sie blieb ausgeschloffen, da die Arbeiterpartei im letzten Wahlkampf in ruhiger Weise lediglich konkrete Forderungen gestellt habe. Den Fürsten Bismarck aber wegen dessen einstigen Beziehungen zu Laffalle als „Nährvater der Sozialdemokratie" zu bezeichnen,. verrate in der That einen kleinlichen Standpunkt gegenüber der Thatsache, daß seit einiger Zeit die gesamten Staaten Europas sich mit jener großen sozialpolitischen Frage nach der Versöhnung deS sogenannten vierten Standes mit der bestehenden Staatsordnung eingehend beschäftigen. Die Fortschrittspartei ist zwar die wirtschaftliche Gegnerin der Sozial- Demokratie, sie unterdrückt und totschweigt aber den wirt- schastlich gesunden Kern des sozialistischen Gedankens und setzt demselben ihren kümmerlichen Fortschritts-Widerstand entgegen. (Sehr wahr 1 rechts und im Zentrum.) So hat die Fortschrittspartei einerseits keinen Anteil an den großen Errungenschaften der Neuzeit, während sie politisch, durch ihre auf die Lockerung der staatlichen Autorität gerichteten Grundsätze, durch ihre gegnerische Stellung zur religiösen
kehrte sie sich um und schnellen Schrittes eilte sie dem anderen Ende der Kolonie zu.
So lange sie sich in seinem Gesichtskreise befand, blickte Abel ihr regungslos nach. Er wußte nicht, sollte er ihre letzten Worte als Ermutigung oder als eine Zurückweisung deuten. Nur das Eine wußte er genau: Daß sein Blut fieberisch kreiste, daß er seine Voreiligkeit bereute, und dennoch eine gewiße Befriedigung empfand, sich wenigstens offen ausgesprochen zu haben. Dann erstaunte er wieder Über seine Kühnheit, und abenteuerliche Gedanken über heimliches Davongehen, Kriegsdienste und Seefahren durchschwirrten seinen Kopf, wenn die schlanke Gestalt, die mit den anmutigen Bewegungen einer Waldfee dort einherschritt, nicht die ©einige werden sollte.
Ernster schauten feine Augen allmählich und trüber. In der Hoffnung, daß Elly auch nur ein einziges Mal zurückblicken würde, sah er sich getäuscht. AIS sie endlich in dem Gärtchen vor Miß Eva's Blockhütte verschwand, da zuckte et herausfordernd die Achseln und mit dem heftig auSgestoßenen: „Wenn die hier Im Ort bleibt, bleibe ich nicht," begab er sich nach dem Gehöft hinauf.
V.
Der Abend war hereingebrochen und Abel ging noch Immer umher, ohne einen bestimmten Plan deS Einschreitens für Miß Eva gefaßt zu haben. Wer ihm im Hause ober auf bem Hofe begegnete, meinte scherzhaft, ob ihm bie Felle fortgeschwommcn seien, was et ebenso scherzhaft beantwortete. Von dem, was in seinem Kopfe unablässig arbeitete, offenbarte er dagegen nicht«. DaS Abendeßen war aber kaum beendigt , als er unter dem Vorwande, einen Nachbarn zu besuchen, sich aus bie Straße hinaus begab. Er trug sich