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JHarÖurg, Sonntag, 16. Dezember 1883.

xvm. Jahrgang.

AttMchk jtitiiiio

Erscheint täglich außer an I Zuchdruckerei) bezogen

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M. »Jägerlche Buchhandlung daselbst; Hermansche Bnchhandlimz daselbst; Jnvalidendnnk in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: E- Schlotte in

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.neiden nimmt entgegen: u, Expedition d. BlatteS, i.«>e d.Annoncen-Bureaux

Dietrich u. Co. in und Hannover; Th. ^rich in Frankfurt a M.;

Erstes Blatt.

I vom Landtag.

Berlin, den 14. Dezember.

I k q>m Herrenhause eröffnete Präsident Herzog von Kaltbor die heutige (3.) Plenarsitzung mit der Mit» »pilung vom Hinscheidm des langjährigen Mitgliedes deS Hauses Oberbürgermeisters Kohle iS; das HauS erhob sch, um das Andenken des Verstorbenen zu ehren.

Das HauS erklärte sodann den Rechenschaftsbericht über die weitere Ausführung deS Gesetzes vom 19. Dez. 1869, bttr. Konsolidierung der preußischen Staatsanleihen, für erledigt und beschäftigte sich fodann mit der Ueberstcht der Verwaltung der fiskalischen Berg- und Hüttenwerke, Salinen rc. pro 1882/83. Dieselbe wurde durch Kenntnis­nahme für erledigt erklärt, nachdem Herr Stumm, ohne einen formulierten Antrag stellen zu wollen, dem Minister für öffentliche Arbeiten mit bezug auf besten Reskript vom 1. Oktober 1883, betreffend die Reorganisierung der Knapp- Hastskasten- mit Rücksichtnahme auf das Reichs-Kranken- msicherungsgefctz gebeten hatte, in die Autonomie der Kiii-ppschaftsvereine nicht weiter einzugretfen, als daS ReichS- gesttz unbedingt es notwendig mache.

Schließlich wurde der Gesetzentwurf, betreffend Austausch einiger Gebietsteile mit dem Königreich Württemberg, ohne Debatte genehmigt.

Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr. Landgüterordnung fit Schlesien.

In der heutigen (16.) Plenarsitzung des Abgeord­netenhauses kam der Etat des Ministeriums de-Innern jur Beratung.

Bei den Einnahmen brachte der Abg. Bachem den 6on oer Bezirksregierung zu Köln nicht bestätigten Beschluß der dortigen städtischen Behörden zur Sprache, wonach die Beseitigung der beiden untersten Kommunalsteuerstufen allein Dadurch ausgeglichen werden sollte, daß dieser Ausfall von Itn über 6000 Mk. Einkommen Gingest ätzten zu decken sei. Der Minister deS Innern v. P u 11 k a m e r wies nach, daß die Entscheidung der Kölner Regierung durchaus den geschlichen Bestimmungen entspreche, und bemerkte, daß auch die städtischen Behörden Kölns sich damit vollständig be­ruhigt hätten. Im übrigen teilte der Herr Minister mit, daß die zu erwartende Kommunalsteüervorlage die Zulässtg- trit einer gewisten Pro^resstvsteuer enthalten werde. Abg. Bachem hält solche Progressivsteuer dem Sinne der neuen Steuergesetzgebung entsprechend, während Abg. v. Eynern auf das bedenkliche hinweist, wenn den Kommunalbehörden die Repartition der Kommunalsteuern nach freiem Ermesien überlassen werde.

Bei den Ausgaben erhielt zum Tit. 1 Kap. 83 (Ge­halt des Ministers) als Opponent zuerst der Abg. Rickert da« Wort, um aus der angeblichen Wahlbeeinflusiung deö

Herrn Ministers, der als Chef der konservativen Partei bei allen seinen Amtshandlungen das Jntereffe der kon­servativen Partei verfolge, die Konsequenz zu ziehen, daß einem solchen Minister in jedem Falle kein Fonds zur steten Verfügung zu Remunerationen rc. gestellt werden dürfe. Der Redner betonte, daß die Auslegung, welcher der Reichs­kanzler dem königlichen Erlaß über die Wahlbeteiligung der Beamten im Januar 1882 im Reichstage gegeben habe, von der deS Herrn Ministers sehr wesentlich abwriche. Die kürzlichen Ausführungen des Herrn Ministers bei Beratung des Antrages Stern dann des Näheren kritisierend, betont er, daß die dauernden Interessen der Krone doch nicht mit denen des derzeitigen Ministeriums zusammenfallen. Er und feine Freunde seien treue Anhänger der Krone und ständen an Patriotismus keiner Partei des Landes nach. Aber was könne die Wahl überhaupt bedeuten, wenn sie nichts weiter solle, als die Meinung deS Herrn v. Puttkamer zum Ausdruck zu bringen. Die Krone soll nicht in die Kämpfe der Parteien herabgezogen werden; den Jniereffen der Krone entspreche ein unabhängiges Beamtentum.

Minister des Innern v. Puttkamer entgegnet, daß er sich durch den Zorn des Vorredners nicht aus derjenigen Ruhe hcrauSbringen lasten werde, die ein gnteS Gewisten, das Bewußtsein, das Wohl deS Landes zu wollen, und ein fester Wille gewähre. Chef einer Parteiregierung fei er schon deshalb nicht, weil bei einer starken Monarchie, wie ste in Preußen vorhanden, und die über den Parteien stehe, eine 'olche vollständig unmöglich sei. Allerdings stehe er persönlich der konservativen Partei näher als dem Vor­redner, der seit der Aenderung der Wirtschaftspolitik auS einem maßvollen Politiker zu einem Immer heftigeren Gegner der Regierung sich entpuppt habe. Vollständig unrichtig fei es, wenn der Vorredner behaupte, daß er, der Minister, die Beamten zu Wahlmaschinen der Regierung machen wolle. Der Vorredner möge sich doch auch nicht fortgesetzt der Illusion bingeben, daß er als Minister sich fortgesetzt Dementis seiner eigenen Ausführungen ausgesetzt sehe. Diese Unterstellung würde einfach schon dadurch widerlegt, daß et sich dauernd in feiner gegenwärtigen Vertrauens­stellung befinde. WaS von den Beamten mit Recht ver­langt werde, fei allein, daß sie sich der Wahlagitation gegen tie Regierung enthalten. Der Versuch, einen Widerspruch zwischen ihm und dem Herrn Reichskanzler in bezug auf die Auslastung des Allerhöchsten Erlasses vom 4. Januar 1882 zu konstruieren, sei vollständig verfehlt. Im vollen Gegensätze zu dem Verlangen der gegenwärtigen Regierung stehen gerade die Gepflogenheiten der konstitutionellen Monarchie, welche, weil wesentlich ein reiner Mechanismus, notwendig die willenlose Unterordnung der Beamten ver­lange. Der Minister erinnert an die Haltung der Liberalen, welche notorisch zur Zeit der neuen Aeta die hektokombische Beseitigung der nicht liberal gesinnten Beamten verlangt hätten. Die Regierung werde unentwegt auf den Grundsätzen verharren, welche er hier entwickelt habe. (Bravo rechts.)

Abg. Frhr. v. Zedlitz (Mühlhausen) konstatiert, daß die heutigen Erläuterungen des Herrn Ministers es außer Zweifel gestellt, daß die Auslegungen, welche dessen Rede vom 6. d. M. erfahren, nicht berechtigt gewesen. Auf die Verhandlungen vom 5. und 6. d. M. eingehend, erklärt er namens der freikonservativen Fraktion, daß dieselbe der Abänderung des Reichstagswahlgesetzes in keinem Falle zu­stimmen werde. Im Gegensatz zum Abg. v. Rauchhaupt will er auch den Arbeitern die volle Freiheit der Wahl gewahrt wissen; auch giebt er nicht zu, daß die geheime Wahl für die Monarchie verhängnisvoll werden könnte, und daS um fo weniger, als dieses Institut doch auf dem eigenen Willen derselben beruhe. Die Sozialdemokratie sei nicht, wie der Abg. Richter behauptet, von dem Reichs­kanzler groß gezogen, sondern eine natürliche und offenbare Folge der politischen, religiösen und wirtschaftlichen fort­schrittlichen Tendenzen und der manchesterlichen Doktrinen, und Aufgabe der gegenwärtigen Gesetzgebung müsse es sein, die Gefahren der sozialdemokratifchen Krankheiten zu be­seitigen.

Abg. Dr. Enneccerus (national - liberal) steht, im Gegensatz zum Vorredner, in den heutigen Ausführungen des Ministers lediglich dessen Festhalten an dem in der Sitzung vom 6. Dezember entwickelten Standpunkte, den er als mit den Staatsinteresten im Gegensatz stehend be­dauert. DaS Recht, die Beamten auszuzeichnen, stehe der Regierung nicht als Macht, sondern nur im Interesse des Amtes zu und eS sei daher die Aufgabe aller staatSerhal- tenden Parteien, die Beamten vor einer capitis deminutio zu schützen, welche nach den vom Minister entwickelten Grundsätzen über ihnen schwebt. (Bravo! links.)

Abg. Frhr. v. Mlnnigerode anerkennt die sachliche Behandlung deS Gegenstandes durch den Vorredner im Gegensatz zu den Ausführungen deS Abg. Rickert, der hier einfach wieder seinem Agitationseifer habe die Zügel schießen lasten. Dagegen muffe er entschieden der Behauptung des Abg. Enneccerus bezüglich dercapitis deminutio ent­gegentreten. Denn gerade auf der Universität Marburg, wo der Vorredner doziert, befinden sich eine Reihe von Professoren, die mit ihren Anschauungen sich im Gegensatz zu der Staatsregierung befinden und trotzdem erst neulich noch mit Orden und Auszeichnungen aller Art bedacht worden sind. Die von dem Minister nach dieser Richtung geltend gemachten Grundsätze müsse in den Augen der Konservativen für jedes, nicht etwa bloS für ein konser­vatives Ministerium maßgebend sein, denn die Beamten sind nicht in dem abstrakten Begriffe Staats-, sondern vor allem Königliche Beamte, wie eS denn auch Beamte im Dienste eines Ministers nicht gebe. WaS die Stellung der Konservativen zu dem Anträge Stern betreffe, so sei dieselbe bei jener Beratung klar entwickelt worden. Dem Abg v. Zedlitz, der den auf jener Seite neuerdings öfter wiedcrk'ihrenden Versuch gemacht, die Freikonservativen auf Kosten der eigentlichen Rechten des Hauses in ein gün.

m Die alte Lady.

Erzählung von Balduin Möllhausen.

Vor allen Dingen steht daS Recht auf unserer Seite," legte er, indem sie ihren Weg langsam weiter verfolgten, ,uno das ist ein mächtiger BundeSgenoste. Den Schurken «acht's feige, uns hingegen stark und umsichtig. Wie ich ju Werke gehen soll, weiß ich j tzt noch nicht; wohl aber ««spreche ick, an Vorsicht nicht fehlen zu lasten. Uno »tnn es sich darum handelt, jemand auS einer trostlosen Lage zu retten, zumal einem verrufenen Verbrecher gegen« über, so geziernt'S dem rechten Mann nicht, lange zu ttwägen und daS eigene Wohlbefinden zu ängstlich im Auge itt behalten."

Schon früher sind Menschen in der Verteidigung deS Schics zu Grunde gegangen,* bemerkte Elly plötzlich Ichüchtern, aber als selbstverständlich schien sie eS zu be- fragten, daß Abel ihre Hand nahm und ste führte.

Schlimmsten Falls tarnt ich entbehrt werden,* rief dieser lachend aus,giebt es doch kaum jemand, der mir «»chweint Unstnn, Miß Elly,* verfiel er in einen noch heiteren Ton, als er mit heimlichem Entzücken gewahrte, Mi das liebliche Mädchen besorgnisvoll in feinem Antlitz iu lesen suchte,wohin gerate ich da mit meinem Geplauder ttb ebenem in einer Sache, die nicht gefährlicher ist, all I vbst pflücken?*

Elly antwortete nicht, sondern sah nachdenklich vor sich Mer. So schritten sie eine Strecke einher, als hätten " Selbe noch recht viel auf dem Herzen gehabt, jedoch nicht tuvußi, wie es zu beginnen, um alle- von demselben

herunterzuwälzen. Erst als sie in die Hauptstraße der Kolonie tinboacn, sah Elly empor, und vor ihr lag Abel Fancy's G.höft.

Sie seufzte und sprach träumerisch:Da sind wir. Wie die Zeit verrann. Schwer lastete eS auf meiner Seele, als ich hierherging; ich meinte, mir Beruhigung zu holen; statt dessen ist mir noch ängstlicher zu Mute geworden.*

Wie gewöhnlich, wenn jemand ungewisse Dinge vcr- schwebm,* tröstete Abel;morgen ist Ihnen um so leichter; dann lachen wir über Ihre heutige Besorgnis. O, wenn ich nur reden dürste, wie ich wollte.*

Wer verbietet eS Ihnen?* fragte Elly arglos.

Sie selber,* antwortete Abel befangen und doch mit einer gewisten stürmischen Hast;wir hier im Westen tragen nämlich gern daS Herz auf der Zunge, was Ihnen vielleicht fremd. Da muß ich denn fürchten, unsere junge Freund­schaft zu stören, und das wäre ein großer Kummer, ein unheilbarer Kram für mich; es sei denn, ich tauschte BestereS, als Freundschaft dafür ein*

Mit anderen Worten, eS kommt Ihnen plötzlich in den Sinn, mich zu heiraten,* fiel Elly lachend ein, während helle Glut ihr bis unter das dichte braune Haar hinauf­stieg;o. Herr Abel Fancy, ich bin zwar nicht im Westen aufgewachsen, aber ein offenes Wort kenne ich ebenfalls, und da sage ich Ihnen freimütig: um sich unauflöslich an einander zu ketten, bedarf eS etwas mehr, als die Bekannt­schaft eines einzigen TageS.*

Sie entzog ihm die Hand, trat einige Schritte von ihm fort, und ihn noch immer mit lachenden Augen an- schauend, fügte sie hinzu:

Haben Sie vergessen, was ich Ihnen anvertraute, als ich meinen Empfang im Hause der alten Lady schilderte, ich meine, waS die mir über Sie berichtete?*

Mir?* fragte Abel erstaunt.

Nun ja*, hieß es neckisch zurück,ste warnte mich vor Ihnen als vor einem leichtsinnigen Burschen, der mit Mäochenherzen spiele, als ob solche nur auS Kürbissen und Wassermelonen geschnitten würden.*

Keine Silbe*, hob Abel noch verwundert an, als Elly, vom Purpur der Verwirrung überströmt, ihn hastig unterbrach.

Sie haben recht!* rief sie mit einem Lachen der Ver­legenheit aus,geträumt hab' ichs, aber so lebhaft*

Von mir geträumt?* fiel Abel jubelnd ein.

Von der ganzen Welt, also auch von Ihnen, obwohl Sie keine große Rolle dabei spielten*, suchte Elly den be­gangenen Mißgriff auszugleichen,und wenn Sie jetzt der alten Lady Urteil kennen, ist's um so bester.*

Was kümmern mich die alte Lady und ihr ungerech­tes Urteil?* versetzte Abel dringlicher und sein Mut wuchs mit jeder Sekunde, während welcher er in Ellys Augen sah;find wir aber mit unserem Gespräch einmal so weit gediehen, mögen wir auch einen Schritt weiter thun. Und so frage ick Sie Denn als ehrlicher, rechtschaffener Mann: Elly, teuerste Elly, wollen Sie meine Frau werden? Die Frau jemandes, der seit Ihrem ersten Anblick in unver­brüchlicher Liebe und Treue Ihnen ergeben war?*

(Fortsetzung folgt)