Marburg, Freitag, 14. Dezember 1883.
xvm. Jahrgang.
^.en nimmt entgegen: Expedition d. Blattes, Lb.älnnoncen-8ureou$
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m Sid weist besonders den Angriff des Ministers v. Pntt- u 8tner auf die Berliner Stadtverwaltung zurück. Abg.
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’r'Jfe während der Wahlbewegung nur um die Vereinigung er Arbeiter zur Aussprache über bestimmte Wünsche be-
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Mit dem Gedanken an Abel Fancy entschlief ste endlich ;
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kraftlos zerschellt. Vor dieser Erscheinung ratlos da; der moderne Ausdruck für die aber das Totschweigen.
wie die Verlegenheit der Gegner ist unsere
seine Sophistik steht er darum Ratlosigkeit ist Umgekehrt
Hoffnung und
vom Landtag.
Berlin, den 12. Dezember.
influffung der Polizeibeamten durch die vorgesetzte Behörde iattgcsunden habe; auch habe die Regierung nicht den Sozialisten freien Spielraum gelaffen, sondern eS handelte
Armierung der Kommunal - Wahlbezirke aufs neue dar- chan hätte. Redner weist die Angriffe auf die Berliner üadtverwaltung zurück und ersucht um Verweisung seines ptrageS in die Gemetndekommtsston. Abg. Hahn will m Antrag nicht a limine abweisen, sondern in der Kom- Don das wirkliche Bedürfnis, wofür der Beweis bisher ch nicht erbracht worden sei, prüfen. Abg. Büchte- jiann hält tie Zweckmäßigkeit des Antrags für zweifellos
gegnung, als ob ihre Augen sie zuweilen suchten, um sich nach einem forschenden Blick wieder kalt von ihr abzuwenden. Ohne diese Mahnung an die verflossene Nacht hätte ste glauben mögen, nur durch einen bösen Traum geängstigt worden zu sein.
So verstrich der Vormittag, eS verlies das Mahl bei einsilbiger Unterhaltung und cs folgte der größte Teil deS Nachmittags. Dann gelang eS Elly leicht, die Erlaubnis zu einem Spaziergang zu erhalten; nicht einmal um die von ihr einzuschlagende Richtung wurde sie befragt. Zum Aeußersten entschlossen, säumte sie nicht, Abel Fancy auf- zusuchen. Sie bemerkte ihn im Garten, wo er unter Beihülfe einer betagten Frau sich mit Obstabnehmen beschäftigte. Kaum aber wurde er ihrer über dem Zaun hinweg ansichtig, als er auf die Straße hinauseilte und nach herzlichem Gruß ste seinen Verwandten freudestrahlend zuführte. Gütig wurde sie empfangen und zu längerem Verweilen eingeladen, allein ihren Besuch kürzte sie ab unter dem Vorgeben, daß sie von Miß Blair geschickt worden, um Abel zu einer besonderen Hülfeleistung herbeizurufen. Weder Abel, noch die alte Frau befremdete dies. Sie warm gewöhnt, daß die Lady Ersteren schon in seinm Knabenjahren mit kleinen Aufträgen betraute, sonst aber keinm Menschen um sich duldete. Und so traten die beiden jungen Leute unter heiterem Geplauder bald wieder auf die Straße hinaus. Eine kurze Strecke legten ste in derselben Weise zurück, al« Elly zu Abels Erstaunen plötzlich in dringmdem Tone anhob: „Einer Täuschung machte ich mich schuldig. Nicht zu der alten Lady sollen Sie kommen, ste darf unS nicht einmal bei einander sehen; dagegen wollte ich selber Sie in einer bösen Angelegenheit um Ihren Rat bitten. Ist'« Ihnen recht, so schlagen wir einen Umweg ein.*
(Fortsetzung folgt)
Ker Stadtvertretung in das Abgeordnetenhaus zu bringen. Abg. Windthorst äußert sich in demselben Sinne;
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d.Annoncen-Burenux Don®. L.Daube u.To. in
züglich kommunaler Angelegenheiten, die nicht ohne weiteres unter das Sozialistengesetz fallen mußten. Die Regierung habe nicht daö Recht, sämtliche Kundgebungen zu unterdrücken, sie habe also den Arbeitern gegenüber nur gesetzmäßig gehandelt. Auf die Bemerkung Virchows, die Flugblätter der Arbeiterpartei seien vor der Wahl nicht beanstandet, nach derselben aber verboten worden, entgegnet der Minister, die Flugblätter seien geprüft und je nach Befund konfisziert oder zur Verteilung zugelafsen worden. Nach einer weiteren von den Abgeordneten Büchtemann, Windthorst, v. Hammerstein und Virchow geführten Debatte wiederholt der Minister nochmals, daß von einer parteiischen Handhabung des Sozialistengesetzes seitens der Polizei nicht die Rede sein könne. Der Antrag Zelle-Strohmann wird an die um 7 Mitglieder verstärkte Gemeinde-Kommission überwiesen.
ES folgt die Interpellation des Abg. Stengel über die Heranziehung der juristischen Personen zu den Kommunalabgaben. Minister v. Puttkamer erklärt, die Regierung glaube ihr Jntereffe an der Sache durch die wiederholten Versuche zur Regelung derselben bewiesen zu haben. Die Regierung sei bei den Beratungen über die Maßnahmen zur Erleichterung der Kommunen im Vereine mit einer organischen Regelung der Kommunalbesteuerung zu der Ueberzeugung gekommen, daß die in der Interpellation benannte Angelegenheit vorweg in einem Notgesetze geordnet werden müffe; sie hoffe, dasselbe noch so zeitig fertig stellen zu können, daß dasselbe noch in dieser Session zur Verabschiedung gelangen könne. — Die Besprechung der Interpellation findet morgen um 11 Uhr statt.
druck gekommen, welchen Profeffor A. Wagner in Berlin am 7. d. M. daselbst in der christlich-sozialen FreitagSver- sammlung über „die Aufgaben der brutschend Jugend und die nationale Erneuerung" gehalten hat. Nicht gewöhnlicher Art war aber auch daS, was die deutsche Jugend hier erlebte. Als Gelehrter von europäischem Namen, als hei vorragender konservativer Politiker und Mann der Sozialreform war ihr Profeffor Wagner schon bekannt, auf ein Bekenntnis zum Christentum in dieser Rückhaltlosigkeit und Kraft war ste nicht gefaßt; um fo ergreifender mußte es wirken und hat es gewirkt. Der Vertreter deS Wissens, der sich einer solchen Zuhörerschaft gegenüber zum Glauben bekennt, als dem höchsten, waS der Mensch auf Erden gewinnen kann, thut eine Thal, wie sie an dieser Stelle so nur von i h m gethan werden kann, weil er damit neue Bahnen öffnet. Hat sich die Wissenschaft überhaupt hochmütig gegen alles abgeschloffen, waS die Kirche als göttliche Heilsanstalt lehrt und will, so ist daS nicht am wenigsten auch die deutsche Wiffenschaft gerade. Daß manche ihrer bedeutendsten Vertreter demütige Christen gewesen sind, wissen wir wohl; persönlich, öffentlich, vor allem Volke und seinen Schülern zumal aber hat wohl noch keiner so seinen Glauben bekannt, als eS Profeffor Wagner gethan. Und um so ergreifender war sein Bekenntnis, als er nicht damit zurückgehalten hat, daß auch er lange in dem wüsten Labyrinthe dieser Welt umhergewandert ist, bis er den Weg zum Frieden fand. Wer die Wahrheit erst gefunden hat, wird leichter zum Apostel, als wer sie stets gehabt. Das lehrt die Geschichte der christlichen Kirche auf jedem ihrer Blätter.
Zu derselben Stunde, da Prof. Wagner der studierende« Jugend die „Umkehr der Wissenschaft" im besten und tiefsten Sinne verkündete, wurde von einem anderen Teile dieser Jugend ein Mann gefeiert, der in sich den ganzm Trotz deS ungebeugten Menschengeistes verkörpert: dar 25jährtge Profefforen - Jubiläum DuboiS-ReymondS, cbcnwohl in Berlin, harte den Anlaß zu einem offiziellen Kommers geboten, der sich von diesem Standpunkte denn auch glänzend genug abgespiegelt haben mag. Ueber daS Offizielle hat sich dieses Fest aber nicht erhoben. Keine der tiefgehenden Fragen, welche die Gegenwart erfüllen und zu deren Erörterung wohl Gelegenheit gewesen wäre, ist berührt worden. Eine Abschiedsfeier war eS, die letzte Ehre, die einem auf seinem Gebiete immerhin hervorragenden Manne erwiesen wurde, mit dem sich die Jugend dieser Tage im letzten und tiefsten Grunde aber nicht mehr eins fühlt, während sie dem Manne zujubelt, der ihr die Zukunft vertritt, weil er sich zu dem Wort bekennt, daß christlich sein und deutsch sein ein und dasselbe ist.
nität zum Ausdrucke kommt und daß deren GestnnungS- tnossen mit größerer Konnivenz behandelt würden, als dir Eigner. Abg. v. Posadowski hält eS für geschmacklos mb nicht des Hauffs würdig, die Angelegenheiten der Ber-
Die deutsche Jugend.
Unter den vielen Dingen, die von den Gegnern systematisch ignoriert werden, steht die veränderte Stellung der gebildeten deutschen Jugend zum Christentum voran. Von ihr ist nie die Rede. Schon daö würde beweisen, daß dieser Punkt der wichtigste ist. Das nationale Pathos allein, so unbequem eS der hergebrachten kosmopolitisch - vaterlandslosen Denkweise ist, ließe sich auf Irrwege führen, die am Ende doch wieder in die große Heerstraße deS Liberalismus einmünden könnten. In einer bewußten ch r i st l i ch e n Anschauung dagegen findet derselbe einen Wall, den er nicht zu übersteigen vermag, an dem
i.Minnigerode ist ebenfalls für Kommisstonsberatung, jlt aber oaS Recht der Regierung zur Auflösung der fommunalvertretungen für unbestreitbar. Abg. Löwe
Die alte Ladtz.
Erzählung von Balduin Möllhausen.
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____ «s Ansehen Berlins werde dadurch nicht gehoben. Abg.
Freude. Mit jedem Jahre sehen wir ste wachsen und mutiger und selbstbewußter werden.
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1011 Sdy aus Der gefährlichen Lage zu retten, ste einem Einfluß
100] i entziehen, welcher sie nicht nur an den Bettelstab, sondern hließlich auch in’« Grab bringen mußte.______
Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jiwalidendant in Berlin; ro. ThieneS in Elberfeld; 4- Schlotte in Bremen.
I In der heutigen (14.) Plenarsitzung des Abgeord- ^tenhauseS kam zunächst der Antrag der Abgg. Dr. Etraßmann und Zelle, betreffend die Abänderung der jdtcordnung für die sechs östlichen Provinzen vom 30. Mai jg53, zur Verhandlung.
Abg. Zelle begründet den Antrag mit dem Hinweis ,f die Auflösung der Stadtverordnetenversammlungen von eilin und Potsdam, welche die Notwendigkeit gesetzlicher
Berlin) bestreitet die Zulässigkeit der Auflösung, weil dieses ------■ kcht in der Stä .teordnung der Regierung nicht zugesprochen Ä* 1; er widerlegt die Behauptung, daß die Berliner Stadt- 4 wwaltung einseitig im Sinne der Fortschrittspartei ge- ■ Lhrt werde. Abg. Cremer ist gleichfalls für Kommisstons- n' Ott” natung und bezeichnet eS als selbstverständlich, daß in der Hiner Verwaltung die fortschrittliche Tendenz der Ma-
-Stir. Benda spricht für die kommissarische Beratung deS en P« intrages. Avg. Virchow bemerkt fchlteßltch, nach der luffaffung der Fortschrittspartei habe es sich bei der Auf- M jjung der beiden Stadtverordneten • Versammlungen um rstrah Ine Rechtsverletzung gehandelt, weil der gesetzlich vorge- — tzriebene Weg nicht betreten worden sei. Minister v. P utt« am er protestiert gegen die Behauptung, daß bet den krliuer Kommunalwahlen die geringste Spur einer Be-
und Hannover; Th. Ld; in Frankfurt a M.; 7jenftein u- Vogler in Ufutt a- M., Berlin, Sa, Köln ic.; Rudolf 3e in Berlin, Frank. ” furt a. M. :c.
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1021 ber in ihre Träume nahm ste sein Bild mit hinein, um 971 ist ihm zu beraten, seine BeruhigungSgründe zu hören und :in herzliches Lachen, während sie ihm wunderbar sorglos 7ii livertraute, daß die alte Lady sie vor ihm gewarnt, ihn 290 r,en leichtsinnigen Burschen genannt habe, der mit Mädchen- ofe 96 erzen spiele, als ob solche aus Kürbissen und Wasser-
222 idonen geschnitten würden. Und wie er ihr dann zuschwor, E °ß die alle L-dy dergleichen nimmermehr ernstlich gemeint lst 99 »den könne! Wie er beteuerte, daß eS mit dem Heiraten 62 icht so arg sei, ste e« immerhin mit ihm selber versuchen
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Besonders erhebend ist daS bet dem Vortrage zum AuS- möge, um sich zu überzeugen, daß cs für junge Leute, die sich gegenseitig aufrichtig zugtthan seien, nachdem ste gesetzlich vereinigt worden, überhaupt keine Rcue mehr gebe. Und so aufrichtig klang seine Stimme, daß sie nicht umhin konnte, ihm beizupflichten, sogar ernsthaft zu versprechen, die Angelegenheit recht reiflich zu überlegen.
So träumte Elly, bis endlich, trotz deS anbrechenden Morgens vor ihren unsteten Blicken sich alles in einen undurchdringlichen schwarzen Schatten verwandelte, aus welchem sic dnrch Miß Eva’S Stimme plötzlich hervorgescheucht wurde.
Flink schlüpfte sie in ihre Kleider, jedoch nicht zu flink, um die Erlebnisse der Nacht noch einmal an ihrem Geiste vorüberziehen zn lassen. Sinkenden Herzens gedachte sie der bevorstehenden Begegnung mit der alten Lady. Doch je grauenvoller ihr das Erlauschte vorschwebte, um so mehr befestigte sich ihr Wille, durch nichts zu verraten, daß sie Mitwifferin des gefährlichen Geheimnisses geworden. Als sie aber bald darauf vor ihr stand, die zu ihrer Beschämung daS Frühmahl bereits angerichtet hatte, da kostete es sie kaum noch einen Kampf, ihr sorglos und heiter den Morgengruß darzubringen. Denn kalt und teilnahmslos, wie am vorhergehenden Tage, blickten der alten Lady Augen, maschinenartig waren ihre Bewegungen, ausdruckslos ihre Haltung, eintönig ihre Stimme, indem ste der jungen HauS- genossiu kurze Anweisungen erteilte, wie sie im Laufe deS TageS sich nützlich zu machen habe. Dann nahmen ein« treffende Kunden ihre' Aufmerksamkeit in Anspruch, daß ste Elly kaum noch beachtete, am wenigsten aber benerkle, daß sie von dieser, wo nur immer die Gelegenheit sich dazu bot, heimlich überwacht wurde. Doch scharf, wie Elly spähen mochte, sie entdeckte ebenso wenig eine Wandlung in ihrem Wesen, wie die ab- und zugehenden Kunden. Nur zeitweise wollte es ihr erscheinen, als ob das alte Antlitz bleicher, als am vorhergehenden Tage bei der ersten Be-
Elly begriff, daß irgend welche rätselhaften Beziehungen Lrankl den Beiden walteten, welche die alte Lady vor der Öelt zu verheimlichen wünschte, infolge deffen ihr nnver- ändlfir rüchliä es Schweigen auferlegt werden würde. Ihr nach- üschleichen, selbst dem Fremden g-genüberzutreten und ihn iit der Gerichtsbarkeit zu bedrohen, wenn er nicht von einen heillosen Erpressungen ablaffe, erschien ihr ebenso
nißlich, denn schon allein bei der Bergegenwärtigung seines Sckischen Gesichtes bcbte ihr arme« Herz vor Entsetzen, t lnd während sie noch sann und vergeblich ein Anskunsts- 77 'Ittel zu ergründen trachtete, die Lichtfäden aber erloschen, ' 441 urchzuckte eS plötzlich wie ein Blitz des Verständnisses ren Geist. Meinte ste doch in dem sie umringenden «w». luntel die Gestalt Abel Fancy’S auftauchen, seine ehrlichen lugen auf sich gerichtet zu sehen. Sie meinte, seine freund- 10« tf)c Stimme zu hören, indem er ihr riet, ihre Sorgen zu en feinigen zu machen, ihm anheim zu geben, die alte