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An der Debatte beteiligen sich noch die Abgg. Rübfam, Biesenbach, Schreiber, Günther und Dr. Köhler. Dem­nächst wird dieser Gegenstand verlassen und die Einnahmen bewilligt.

Bet den Ausgaben knüpft sich zunächst an den Tit. 1 (Gehalt des Ministers) eine längere Debatte. Abg. Mar- tinius ging auf die Frage der Höhe der Gerichtskosten ein. Selbst Rechtsanwalt, betont er dabei, daß nicht bloß die Gerichtskosten, sondern auch die Anwaltgebühren eine erhebliche Herabminderung ertragen würden. Der Demoralisation durch Verleihung des Armenrechts müsie entgegengewirkt werden. Die vollständig freie Advokatur werde mit den Jahren ein AnwaltSproletariat herbeiführen, wenn nicht gewisse Beschränkungen eintreten. Der Redner deutet ferner verschiedene Punkte an, in welchen seiner Meinung nach Ersparnisse in der Verwaltung möglich seien. Die Berufung in Strafsachen zur Zeit einzuführen, erachte er nicht für angezeigt, hält aber für gut, dem Angeklagten jedesmal einen Offizialverteidiger zu bestellen. Auch die Vormundschaftsordnung würde sobald keine Aenderung er­fahren, inzwischen könnte den Unterschlagungen der Vor­münder vorgebeugt werden, wenn die Richter auf Unter­bringung der Mündelgelder in den Sparkasien bedacht seien.

Auf Anregung de» Abg. Wüsten rechtfertigt der Re- gierungSkommissariuS Geh. Ober-Justizrat Starke die Anordnung, daß die einzuliefernden Personen sich im ge­reinigten Zustande befinden müssen. Dafür sprechen schon ganz allgemein sanitätSpolizeiliche Gründe.

Abg. Bachem giebt der schon im vorigen Jahre aus­gesprochenen Klage über die vielfachen Versetzungen der Richter im Lande Ausdruck. Solche liegen keineswegs im Interesse der Justizpflege. Abg. Dr. v. Iazdzewski beklagte sich darüber, daß so wenig Richter polnischer Nationalität in der Provinz Posen angestellt würden. Auch wenn sie zur Rechtsanwaltschaft übergehen, würden sie be­züglich der Verleihung deS Notariats zurückgesetzt. Aehn« licheS gelte bezüglich der Verleihung des JustizratS-TitelS und betreffs der polnischen Subaltern-Beamten.

Justizminister Dr. Frie.dberg erklärt, daß er bezüg­lich der Personenfragen in der Provinz Posen eine Tradi­tion übernommen habe, von welcher ohne weiteres abzugehen er sich nicht berechtigt halten könne. Von einem prinzi­piellen Gegensatz gegen die Anstellung polnischer Richter sei er weit entfernt. Aber er müsse in jedem Falle prüfen, ob jder Betreffende auch den Anforderungen als Preuße genügt. Das Notariat werde überhaupt in der ganzen Monarchie gegenwärtig knapper verliehen, da er glaube, damit die Gefahren der freien Advokatur wenigstens während der UebcrgangSzeit zu mildern. Die Verleihung des Justiz- ratStitelS werde von ihm auf Grund der Unterlagen der Provtnzialbehörden beantragt. Daß die polnischen Richter so wenig in höheren Stellen befindlich, käme davon, daß die Polen sich erst in neuester Zeit der juristischen Karrisre

drohende Organ eines Mannes beigesellte. Von uner­klärlicher Angst ergriffen, erhob ste sich, und nach dem nächsten breiteren Lichtstreifen hinüberkriechend, suchte ste auf einer schadhaften Stelle zwischen den notdürftig mit Lehm verkitteten Latten hindurch einen Blick in das noch belebte Zimmer zu gewinnen. Der Durchmeffer des im Bereich ihrer Augen bestndlichen Kreises war ein verhältnis­mäßig kleiner; ste sah indessen auf Miß Eva's Haupt und Arme nieder, wogegen sie von dem unheimlichen Gast erst dann einen flüchtigen Anblick erhielt, als derselbe sich über den Tisch hinneigte und im spöttischen Lachen den Kopf zurückwarf. Doch schnell wie diese Bewegung ausgeführt wurde, hatte Elly ebenso schnell daS von der Beleuchtung voll getroffene Antlitz wiedererkannt. Es war derselbe Einäugige, welcher ihr schon früher mehrfach unüberwind­liche Scheu einflößte und in BeltramS Landung abermals ihren Weg kreuzte. Sie entsann sich, daß Abel ihn einen Räuber nannte, der einst unter dem Schutze der Nacht die alte Lady heimgesucht habe, und ihr junges Herz schnürte sich vor Entsetzen zusammen. Ihre erhitzte Phantasie schaffte ein Bild, In welchem Miß Eva beraubt, wohl gar ermordet wurde, und ein Angstruf schwebte auf ihren Lippen. ES kostete sie sogar Uebrrwindung, nicht hinabzueilen und neben Miß Eva hinzutreten, oder auf der Straße ein Hülfegeschrei zu erheben. Erst nachdem sie sich überzeugt zu haben glaubte, daß der unheimliche Fremde mit dem wild entstellten tückischen Antlitz keine unmittelbare Gewalt- thätigkeit beabsichtigte, beruhigte ste sich einigermaßen wieder. Um so gespanniec lauschte sie dafür in das Zimmer hinab, von woher die Stimmen fortgesetzt zu ihr heraufdrangen. Indem dieselben gedämpft wurden, ging der größte Teil

mehr gewidmet hätten und höhere Stellen in anderen Pro­vinzen als Posen ablehnten. Im übrigen könne er keinem Richter den Anspruch einräumen, in einer bestimmten Provinz angestellt zu werden. Er berücksichtige allerdings in dieser Beziehung nach Möglichkeit die Wünsche, nament­lich der Rheinländer und Hannoveraner, indes müsie er sich nach wie vor entschieden gegen den Provinzialismus des Richtcrstandes erklären, da es als eine bedeutsame politische Aufgabe zu erachten sei, daß sich der Juristenstand einheitlich fühle.

Abg. Westerburg stimmt diesen Ausführungen des Herrn Justizministers vollständig zu; ja er wünscht, daß derselbe noch weiter gehe. Indem er dann auf dir Be­merkungen deS Abg. MartiniuS eingeht, hält er die Licht« feitenber freien Advokatur doch überwiegend. Wünschens­wert hält er namentlich, so lange die Berufung fehle, daß die Strafkammern und auch die Staatsanwaltschaften mit hinreichenden Kräften besetzt seien, damit ste ihrer Pflicht vollauf genügen könnten. Abg. Günther kann nicht zu­geben, daß die Gerichtskosten zu hoch seien. Den Grund für den Rückgang der Einnahme aus Gerichtskosten er­kennt er in der Verbesierung der wirtschaftlichen Lage.

Abg. Wt n dthorst ist befriedigt, daß man nicht wieder das Prinzip der Justiz-Organisation selbst angreife, sondern nur einzelne Punkte bemängele. Die Ansicht deS Vor­redners, daß die Gerichtskosten jetzt nicht zu hoch seien, teilt er nicht. Schon aus finanziellen Gründen würde er eine Herabsetzung derselben wünschen. Die AnwÄtS« gebühren möchten wohl in einzelnen Sätzen nicht ganz richtig abgemesien sein, aber diese Gebühren bilden zusammen ein Ganzes und gleichen sich gegenseitig aus. Außerdem sei die Advokatur eine der schwierigsten Aufgaben, und wenn sie nicht ordentlich bezahlt würde, würden sich keine tüch­tigen Kräfte für dieselbe finden. Die freie Advokatur sei eine wertvolle Errungenschaft und die gegenwärtige Uebrr- Mung der Advokatur nur eine Erscheinung deS Ueber- gangS - Stadiums. Die wiflenschaftliche Ausbildung der jungen Juristen liege gegenwärtig im Argen; daS komme sowohl von den UniversttätSverhältnisien im allgemeinen, als auch von der zunehmenden Genußsucht der Jugmd. Der Redner bringt dann noch verschiedene Destderien vor, schließt aber mit der vollen Anerkennung unserer Justiz­verwaltung im allgemeinen.

Auf Anregung de« Abg. Biesenbach erklärte der Justizminister Dr. Friedberg, daß ihm seine angebliche Absicht, am Rheine da» Notariat mit der Advokatur zu verbinden, erst aus den Zeitungen bekannt geworden fei. Zugleich stellte der Herr Minister seine in Altona gethane Aeußerung über die wegen eines Anwaltsproletariats bei ihm früher allerdings vorhanden gewesene Befürchtung richtig.

Abg. v. Rauchhaupt bringt nochmals die vomAbg. Wüsten angeregte Angelegenheit, betreffend die Reinigung

der gewechselten Worte ihr zwar verloren; allein sie verstand immerhin genug, um zu ermessen, daß der Ein­äugige seine Gewalt über Miß Eva hinterlistig auSbeutete, um in den Besitz ihres Geldes zu gelangen. Deutlich hörte sie, daß schließlich eine bestimmte Summe zwischen ihm und seinem ratlosen Opfer vereinbart wurde, deutlich, wie er eine Stelle im Walde bezeichnete, auf welcher die Zusammenkunft statifinden sollte, gefolgt von einer Drohung für den Fall des Nichtinnehaltens des UebereinkommenS. AIS er auf dem Tisch das Bündel schnürte und abermals 'in Gering­schätzung den Kopf emporwarf, sah ste noch einmal in sein Gesicht wie in daS der alten Lady. Wenn daS seinige ihr aber wie daS eines Teufels erschien, so las |fie in Miß Eva's Zügen den einzigen Ausdruck unsäglicher Seelen« quälen, welchen sie zu erliegen drohte.

Wohl atmete ste auf, als der Einäugige da» Haus verließ, und leise tastete sie sich nach ihrem Bett zurück, allein das, waS ste mit Todesangst erfüllte, waltete ja immer noch. Der verbrecherische Anschlag, welchen der Schreckliche gegen Miß Eva plante, gelangte ohne Zweifel zur Aus­führung, und wer konnte wissen, zu welchen Gewaltthätig- keiten er sich hinreißen ließ, wenn fein unglückseliges Opfer zur nächtlichen Stunde im Walde sich ihm zugesellte. Indem ste die Blicke auf die Lichtfäden gerichtet hielt, welche von der Ruhelosigkeit Miß Eva's Zeugnis ablegten, reiften in ihrem jungen Geiste immer neue Pläne, aber auch neue Bedenken. Die erste Absicht, Miß Eva stch an­zuvertrauen, ste zu bitten, nicht zu dem Einäugigen zu gehen, sondern die Hülfe der Nachbarn anzurufen, verwarf sie fast ebenso schnell, wie sie Leben gewann.

(Fortsetzung folgt.)

xvm. Jahrgang.

Marburg, Donnerstag, 13. Dezember 1883.

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vom Landtag.

Berlin, den II. Dezember.

cfa der heutigen (13.) Plenarsitzung des Abgeord- ..jenhauseS wurden zunächst die Etats der General- ^nSkommisflon, des Geheimen Zivilkabinetts, der Ober- MungSkammer, der PrüfungSkommifston für höhere irvaltungsbeamte, des DtSziplinarhofeS, des Gerichtshofes t Entscheidung der Kompetenzkonflikte, deS Gefetzfamm- gsamtö in Berlin ohne Debatte genehmigt und dann in Beratung des Etats der Justizverwaltung eingetreten. Bel den Einnahmen erinnerte Abg. Schreiber an die

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Miß Eva seufzte.Armes Thier," lispelte sie,was Deine P-in gegen die meinige?" Sie tödtete den Falter id fuhr unbewußt fort:Du bist von Deinen Leiden

Die alte Lady.

Erzühlung von Balduin Möllhaufen.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d-Annoncen-Bureaux »en®. L.Daube n.6e. in Frankfurt a.M-; Jäaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendaat in Berlin; fe. Thiene» in Elberfeld; 6. Schlotte in

^.cnnimmt entgegen: Cpebition d. Blatte-, 1 jlnnoncen-Bureaux H Dietrich u. Co. in und Hannover; Th.

in Frankfurt a.M.;

{Stein u. Vogler in Art a. M., Berlin ffi., Köln ic.; Rudolf

in Berlin, Frank- V furt a. M re.

Stunde auf Stunde verrann, ohne daß Müdigkeit die Lady übermannte, Stunde auf Stunde, bevor Elly'S gen stch wieder schlossen.

Heiteren Sinnes hatte ste stch zur Ruhe begeben, Sorg- bsWgkeit ste in einen festen Schlummer gewiegt, als ste " Atzlich durch den Schlag munter wurde, mit welchem die wst ves in Wut gerathenen Einäugigen den Tisch traf.

Erschrocken spähte ste in der schwarzen Finsternis um t. Sie mußte nachdenken, wo ste stch befand. Mehrere chtfäden, welche durch die rauh gefugte Zimmerdecke zu t in den Bodenraum drangen, belehrten ste, daß in dem «nach unter ihr die Lampe noch brannte. Ihre Ver­änderung wuchs, als sie Miß Eva's befchwürende Stimme verschied, welcher sich alsbald das zwar gedämpfte, ober

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arfdbeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für bas Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirleS VoMtftrgSblatt" durch die Expedition (K 0 ch'fche Kuchdruckerei) bezogen SV. Start, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Start 50 Pf«, (excl- Bestellgebühr.) - JnftrtionSgebühr für die gespaltene Zelle ! Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pf-. berechnet.

, voriger Session gefaßte Resolution, betreffend die Rück- ,7* Ertragung der Erhebung der Gerichtskosten von der Ver- J'1 Mng der indirekten Steuern an die Justizverwaltung, 'denk' rhofft, daß am 1. April 1886 diese Aenderung möglich 19 X in werde.

/Af Justizminister Dr. Friedberg: Die von dem Ab- 8 Mdnetenhause gegebene Anregung ist die Veranlassung Wesen, daß die beteiligten Ministerien der Finanzen und Antti jt Justiz in Unterhandlung getreten sind behufs der Er- v tterunp, der Frage, ob die Gerichtskostenerhebung den Ge-

1 Mn wieder zurückzugeben sei. Der Herr Vorredner wies m gern» it Recht darauf hin und ich mache auch gar kein mserlch t$| daraus, daß ich mit ziemlich fchwerem Herzen an and dich Beratung gegangen bin, daß ich jedoch, weil dir Klagen iFormei oa ben verschiedensten Seiten mir zugrgangen sind Über U"d all k jetzige Formation und ich dieselbe für nicht ganz »n- ' 'N Mi Eigt erkennen mußte, meine Abneigung gegen die ziederübernahme der Kosten zurücktreten lasse vor den . J lünden, die für die Uebernahme sprechen. (Bravo.) ES iutra -l« K ^sere _ des Herrn Finanzministers und meine Aufgabe, nun Sr. Majestät dem König von dieser NUN. Derer Entschließung Anzeige zu machen und Seine Ge- 3 NMchmigung zu dieser sehr erheblichen Aenderung in der mltnebM^nlsation der Behörden zu erbitten. Ich kann mitteilen, >ß diese Genehmigung unS geworden, und daß wir jetzt >b!i sind, die Details der Organisation zu beraten und iiießlich festzustellcn. Darauf aber, meine Herren, dürfen ne sich gefaßt machen, daß diese Umgestaltung und Rück- Haltung der Organisation nicht ohne erhebliche Geldopfer ird bewerkstelligt werden können. (Aha! links.) Ich habe der die Zuversicht, daß, da wir diese Reorganisation auf hre Anregung vornehmen, Sie auch demnächst bereitwillig afhtiJ^ werden, uns das Mehr, welches nötig werden wird, tuUUl bewilligen.

Der Behauptung deS Abg. Westerburg, daß Im hause bezüglich der qu. Frage Uebereinstimmung herrsche, DtttMÜ kiderspricht Abg. von Cuny, der konstatiert, daß man ««Monti dineswegS auf der linken Seite allgemein für Beseitigung onnewU, bi^erlßen Einrichtung sei. Abg. Dr. Köhler ist er- ttt über die Erklärung de« Herrn JusttzministerS; der »sienpunkt dürfe kein Hindernis fein, den bestehenden izuträglichkeiten im Interesse des Publikums abzuhelfen.

t x Hielt; wenn auch mich nur jemand erlösen wollte. Der verruchte; um mir die letzte Lebensbedingung zu rauben, , Kanlaßte er die Ueberstedelung deS Kindes. Nachdem er tarvM bin 5>Qj£jn vergiftete, will er das entsetzliche Spiel an " " Euer Unschuldigen wiederholen. Nein, e» darf nicht geschehen tob müßte ich meinen letzten Atemzug daran fetzen."

Sie erhob stch, räumte den Tisch ab und beseitigte die ten Spuren ihres nächtlichen Besuches. Dann löschte die Lampe aus; stch unentkleidet auf'S Bett werfend, uchie ste im Schlaf Vergessenheit zu sinken.