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xvm. Jahrgang.

Marburg, Dienstag, 11. Dezember 1883.

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Landwirtschaft im Abgeordneteuhaafe.

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Doch nein — der Liberalismus will auch etwas für die Landwirtschaft thun. Er will ihr neue Steuern aufhalfen und die D omSne n Pa r zellieren. Was die Vermehrung der Steuern bedeutet, ist nach dem Ge- agten klar: sie bedeutet eine weitere Verschlechterung der Lage der Landwirtschaft. WaS aber die Parzellierung der Domänen anbctrifft, so versteht stch von selbst, daß die­selbe den jetzt angesessenen Bauern, die mit schweren Ver­hältnissen zu kämpsen haben, gar nichts nützen kann. Auch andere und wichtige Fragen wurden im Interesse der Landwirtschaft besprochen und von konservativer Seite (Abg. Dr. Grimm. Die Red.) die Notwendigkeit hervor­gehoben, daß auch der Wald durch Anlage intensiver Futter­produktion (Rieselwiesen) in den Thälern der Flüsse und Bäche der Landwirtschaft beispringen müsse, damit vor allem Mittel beschafft würden, den Viehstand und damit die Bodenkultur zu kräftigen und zu heben.

Gerade an der landwirtschaftlichen Frage und an der Art und Weife, wie er ihr näher tritt, beweist der Liberalis­mus feine völlige Unfähigkeit. Jene Frage bildet den Felsen, an dem er scheitern muß. Mag er das Bestreben, den Grundbesitz zu erleichtern und den Bauernstand zu er­halten, „agrarisch" oder sonst wie nennen: gegen die Macht der Thatsachen, welche die agrarische Frage jetzt in-Par­lament gedrängt haben, wird er nur zu feinem eigenen Schaden ankämpfen.

Die Landwirtschaft ist früher vom Parlament stet« als «»,ubrödel behandelt worden; von den Jntereffen derselben AAVArHrh" ttnh mit vielem Vrädikat

clltti und bi V, dar«

führen sind."

Erzählung von Balduin Möllhausen.

.Ich kann Dir nicht mehr geben," erklärte Miß Eva nunmehr entschlossen, „besäße ich mehr, s° wäre auch meine Geduld zu erschöpfen. Geh hin und mache Deine Anreeme zeltend, verfuch's, ob Du jemand findest, der folche Ansprüche

sammentreffen derselben die Wahrscheinlichkeit eines kirchen­politischen Ausgleichsversuche» folgert, so läßt stch das zwar hören, besonderen Scharfsinnes bedarf es dazu «cher nicht. Selbst das „Berl. Tagebl." will die gleiche Wahrnehmung gemacht haben. Alles weitere bleibt in Dunkel gehüllt, und die Vermutungen, die man zwar nicht anstelle« aber doch anstellt, zeigen nur, daß man stch in der äußersten Verlegenheit befindet. In ähnlicher Lage hat stch die „Rat.- Ztg." fchon früher damit zu helfen gesucht, daß sie da» Zentrum als den düpierten Teil hinstellte. Auch von her neuesten Entwickelung der Dinge behauptet sie, dieselbe sei „über die Köpfe der deutschen Klerikalen" wrggegangen. Daß stch dies thatsächlich so verhält, mag sein. DaS Wesentliche an der Sache wird aber doch wohl sein, ob stch die von der „Nat.-Ztg." vermuteten kirchenpolitischen Ver­änderungen in ihrem Sinne vollziehen oder in Hem Sinne derer, welche in dem kirchlichen Frieden die VoräuSfetzvMg einer gedeihlichen inneren und äußeren Entwickelung de» Reiches erblicken. Daß die „National - Zig." da« erstere nicht für wahrscheinlich hält, giebt sie selbst zu verstehen. Das weitere wird stch finden.

Dresden, 8. Dez. Heute hat die gesamte Frachtschiff­fahrt auf der Elbe wegen Treibeises den Verkehr eingestellt. Die Kettendampfer sind bemüht, die entladmen Kähne in Sicherheit zu bringen.

Darmstadt, 8. Dez. Heute nachmittag 3 Uhr sand in Gegenwart der Mitglieder der großherzoglichen Familie die feierliche Einweihung deS dem Andenken der Großher­zogin Alice gewidmeten AlicehospitalS.statt, das au» frei­willigen Gaben aus England und von hier gegründet worden ist.

«o,eigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annonrrn-Bureemr non iS. L. Daube u. 6e. in Icankfurt a. M; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; ;divatibenbaist in Berlin; W. LhieneS,b Elberfeld: C Schlotte in Bremen-

. RuUn Sechen, galt als „agrarisch", und mit diesem Prädikat - Schum» .«bte der Liberalismus seine Gegner in den Augen der . BeetU »Men Welt ein für alle Mal brandmarken zu können. - Jens» «k ist die Landwirtschaft im politischen Kurse hoch ge- 1 Brahms atu heule kommen ihre Interessen laut im Parlamente . Beetho^ Worte, seit die Vertretung stch zu gunsten der konser-

Deutsche» Reich.

Berlin, 8. Dez. Der Kaiser ist mit seinen Jagd- gästen abends 7 Uhr aus KönigSwusterhausen zurückgekehrt. Morgen findet zu Ehren des dänischen KronprinzenpaareS beim Kaiserpaar ein Diner von 100 Gedecken statt. — Die Nachricht Madrider Zeitungen, wonach der deutsche Kronprinz nach Rom reisen und dem Papste einen Besuch abstatten werde, ist dahin zu vervollständigen, daß dieser Besuch erst in zweiter Linie nach dem Zusammentreffen de« Kronprinzen mit dem Könige Humbert in Betracht kommen kann. — Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Madrider Nachricht, der Kronprinz beabsichtige, stch nach Rom zu begeben, um dem Papste einen Besuch abzustatten, als auS der Luft gegriffen. Bei einer etwaigen Reise des Kron­prinzen nach Nom könnte es sich selbstverständlich in erster Linie nur um einen Besuch deS Königs von Italien handeln. — Die liberale Presse ist durch die gleichzeitig auftretenden Nachrichten von der Begnadigung deS Bischofs von Limburg und den Besuch des Kronprinzen in Rom, selbst wenn derselbe auch noch nicht feststehend wäre, der­maßen überrascht, daß die „Nat.-Ztg." zugiebt, nicht „im Geheimnis" gewesen zu sein. Daß sie eS in der That nicht ist, merkt man an der Art, wie sie jene Nachrichten zu kombinieren sucht, deutlich genug. Wenn sie aus dem Zu-

„Menschlichk-it?" versetzte der Einäugige geringschätzig, jedoch seine Stimme wieder mäßigend, „Menschlichkeit genug, um auch an mich selber zu denken, wenn die Not heran« tritt — aber Du bist schon geschmeidiger geworden. Ei, so sage doch, womit Du mein Verschwinden von hier er- kmfen möchtest."

Um Dich nach kurzer Zeit wieder vor mir auftauchen zu sehen," erwiderte Miß Eva, mit allen Kräften nach Faffung ringend.

„Es hängt von Dir selber ab," hieß eS zurück, und da will ich Dir einen Vorschlag macken,, auf welchen Du gern eingehst, oder ich müßte Dich nicht kennen. Du händigst mir jetzt tausend Dollars ein. Ein anderes Tausend wirst Du mir nach sechs Monaten auszahlen, und zwar will ich Dir eine Adresse aufgeben, an welche Du das Geld schicken kannst, wenn mein Besuch Dir unangenehm ist. Trifft das Geld nicht pünktlich ein, so komme ich selber, um eS in Empfang zu nehmen. Von da ab wirst Du mir so lange vierteljährlich nur zweihundert Dollars über­mitteln — Du siehst, ich bin nicht unbillig — biS der Tod zwischen unS tritt." ,,,

Mit den Blicken eines beutegierigen Luchses betrachtete er nach diesen Worten die alte Lady, die endlich aufge­sprungen, dann aber stehen geblieben war und ratloS vor stch niedersah. Die Drohung, Elly zu rufen, übte offenbar eine vernichtende Wirkung auf sie aus. Hätte sie die ge­forderte Summe hingeben können, ohne ihr übriges Geld zu teigen, so würde sie nicht gezögert haben, sick um solchen Preis deS Unholdes zu entledigen. Gab eS doch eine Möglichkeit, dem hüllosen Druck für alle Zukunft dadurch auSzuweichen, daß sie die zeitige Heimstätte aufgab und heimlich nach einem anderen Landesteile verzog, wo sie nicht zu befürchten brauchte, abermals von ihrem unermüdlichen

Ausland.

Rom, 8. Dez. Der deutsche Kronprinz wird voraus­sichtlich am 17. oder 18. d. M. von Genua hier eintreffen. — Das nächste Konsistorium wird dem Vernrhmxn nach nicht vor dem 6. Jan. k. I. stattfinden.

Genna, 8. Dez. Die Ankunft des deutschen Kron­prinzen wird hier am 16. d. M. erwartet. Der Kronprinz wird diesmal ebenfo wie auf der Heimreise nach Spanien im hiesigen königlichen Schlosse Wohnung nehmen.

Pari-, 8. Dez. Eine Zuschrift der chinesischen Ge­sandtschaft an mehrere hiesige Zeitungen teilt mit, daß Marquis Tseng dem Ministerpräsidenten Ferry am 5. Dez. eine Note der chinesischen Regierung überreicht habe. — Der „Agence Havas" zufolge ist die vom chinesischen Ge­sandten Tseng dem Ministerpräsidenten Ferry am 5. d. überreichte Note lediglich die Antwort TfengS auf die im Gelbbuch publizierte Note FerryS vom 30. November c. — Der Marinewinister hat Nachrichten aus Tonking erhalten, die bis zum 27. November reichen. Nach denselben hatten

Verfolger aufgefunden zu werden. Wenn [et nur dieses Mal noch ging und sie einige Monate Zeit zur Ausführung des ihr vorläufig noch in unbestimmten Umrisien vor- schwebenden Planes gewann.

„Kannst Dich schwer vom Gelbe trennen," bemerkte der Einäugige, wohl gewahrend, daß in ihrem Jnnem ein schwerer Kampf wogte, „und doch gab e» Tage, in welchen Du Millionen für mich geopfert hättest."

„Erinnere mich nicht an jene Tage," fiel Miß Eva hastig ein, und die Röte des aufflammenden Zorne« färbte ihre hageren Wangen flüchtig, „Dich aber beschwöre ich bei diesen Erinnerungen: stehe ab davon, durch schamlose Mittel mich der letzten sauer erworbenen Habe zu berauben. Du zwingst mich, und ich beuge mich unter das Verhängnis, so weit ich im Stande dazu bin. Außer dem Gelds bort kann ich Dir j tzt nichts geben. Meine Ersparniffe be­finden sich auf einer Stelle, auf welcher sie fremden Händen unzugänglich. In meiner Gewalt allein liegt eS, sie fiüfflig zu machen. Ich will Dir geben, was ich eutbehren kann, ohne mich selbst zu ruinieren. Fünfhundert Dollars schicke ich Dir innerhalb der nächsten drei Tage, wenn ich dafür die Sicherheit eintausche, in den ersten sechs Monaten ver­schont zu bleiben. Kann eS dann nicht anders, sein, so bin ich bereit, ein zweites ähnliches Opfer zu bringen, jedoch nur unter der Bedingung, daß Du mein HauS nie wieder betrittst. Vergiß nicht: der zäheste Bogen kann so straff gespannt werden, daß er bricht. Treibst Du mich zum Aeußcrsten, so führe ich selber das au», womit Du mich bedrohst, und müßte mir da» Herz darüber brechen. Du aber magst zusehen, wie Du mit Deinem, -Gewissen und der Welt Dich abfindest."

(Fortsetzung folgt)

vertritt."

Der Einäugige war wieder an den Tisch getreten. Wie seinen Ohren nicht trauend, betrachtete er Miß Eva erstaunt tiitib zugleich drohend. Indem aber die heftige Erregung ihm das Blut nach dem Kopfe trieb, erhielt seinAntlitzmit f btm tückisch funkelnden Auge einen geradezu schrecklichen , Ausdruck. , - n

Du glaubst wirklich, mich wie einen einfältigen Gaffen- kluben abfertigen zu können?" sprach er zähneknirschend.

„Raube mir daS Leben," erwiderte Miß Eva kalt, »Mehr, als dort liegt, gebe ich Dir nicht, kann ich Dir

So?" höhnte der Einäugige mit teuflischem Grinsen, »Dein Leben meinst Du? O, Dein Leben hat einen gu hohen Wert für mich, al» daß ich eS auf irgend eine Art dnkürzt wissen möchte. Giebt eS aber zu dieser Stunde ^außen niemand, der, wie Du glaubst, meine Rechte ver­tritt, so findet sich vielleicht eine Person hier im Hause, die sich meiner um so wärmer annimmt," und mit der Faust den Tisch schlagend, daß Teller und Flaschen klirrten, Illi fügte er laMer hinzu: „Die aber wird stch wundern, wenn ' U. n r 44

„Hall einl" fiel Miß Eva ihm bestürzt in's Wort, «6b fie wollte stch erheben, aber die Kräfte versagten ihr, ---»halt ein um alter Erinnerungen willen, wenn noch ein K»uke von Menschlichkeit In Deiner Brust wohnt."

♦ „,nnimmt entgegen:

Edition d. Blattes, . Ännoncen-Bureaux -m! fr Dietrick u. Co. in 1 I 8 und Hannover; Th.

X I in Frankfurt L.M.;

Nein u. Vogler in Ä °- M., Berlin,

Den Partei geändert hat.

Der landwirtschaftliche Minister Dr. Lucius wie» auf l Ursachen deS Rückgangs der Landwirtschaft wie auf

Mittel ihr zu helfen hin. Die Technik der Landwirt- nit sei in hohem und erfreulichen Aufschwünge begriffen folgerte hieraus, daß es der landwirtschaftlichen Be- Elwert’si JLung keineswegs an Strebsamkeit und Tüchtigkeit fehle, bte Ungunst der Produktionsbedingungen, die _unö

>i litna und Besttzverhältniffe vielfach auferlegen, $u über« [i iMn. Den Privatbesitzer hemmen vie steigenden Lasten ------- . Steuern und Schulden — an einer günstigen Ent-

Mng, in diesen Punkten mutz ihm also geholfen werden.

e Berichte der landwirtschaftlichen Vereine betonen ganz onderS die steigende Höhe der Staats- und Kommunal-, esondere der Schullasten, welche die Leistungsfähigkeit Grundbesitzes überschreiten und ihn von vornherein

Mer dem Nichtgrundbesitzer benachteiligen. „Der- ae der nur aus Kapitalvermögen eine Rente von

M Mark hat, bezahlt nur Klassensteuer davon; der iel Scki ö-uerngutsbesttzer, der dieselbe Rente aus Grundbesitz hat, - $%abit außer der Klassensteuer noch Grund- und Gebäude- mer, und dann noch die auf Grund derselben repartierten .- -iiiinmmtalen Zuschläge".

und Ns Die Schlußfolgerungen hieraus springen in die Augen, r, Schi Lu Landwirtschaft ist vor allem von feiten deS S taate» üuriiev such eine Entlastung von Kommunal- und 8ckreib» schulsteuern zu helfen; die geplante Steuerreform

9 i Meist sich also gerade auch im Interesse der Landwlrt- iche, XQl »ringend geboten.

—3 Man kann sagen, daß über diese Dinge zwischen dem Imdwirtschastlichen Minister und den Parteien der Rechten inb des Zentrums fast völlige Ueberelnftlmmung besteht. Die Erhaltung des Bauernstandes und die Erleich- , Itrung seiner Existenzbedingungen ist die Aufgabe, über gegeilüWerm Notwendigkeit auf dieser Seite Einigkeit herrscht.

——' Auf liberaler Seite verschließt man ober vor diesen

Angen die Augen und Ohren. Hier sagt man „daß ein !■* Mland der Landwirtschaft nicht existiert und daß die

Schwierigkeiten, die in einzelnen Gegenden doch bestehen, m auf die geringere Befähigung der Besitzer znruckzn-