Marburg, Sonntag, 9. Dezember 1883
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sammenthun. Dadurch werten praktische Anleitungen möglicht, denen der Landmann viel zugänglicher ist, doktrinären Erörterungen.
Getreidezolls den Ausführungen der Abgg. Ricktert und Büchtemann gegenüber. — Abg.Bachem betont die Ueber- bürdung mit Schullasten. Für Volksschulbauten seien im Jahre 1874 bis 1881 allein 118 Millionen Mark verwendet; das müsse zum Ruin namentlich der ländlichen Bevölkerung führen. Am allerschlimmsten damit stehe es in der Provinz Westfalen. Die ländliche Bevölkerung wisse sich vor den bürcaukratischen Maßregelungen nicht zu schützen. Er begrüße deshalb den Herrn Minister nach seinen neulichen Ausführungen mit Freuden als einen Bundesgenossen in dem Kampfe gegen diesen Mißbrauch. Abg. Knebel giebt zu, daß vor der Hand für die Schulbauten genug geschehen sein möge. Im übrigen seien die Bauten, die seit dem Jahre 1872 durchgeführt, allerdings notwendig gewesen. — Alle angestellten Ermittelungen über die Lage der Landwirtschaft hätten übereinstimmend ergeben, daß ein Mangel in der Organisation des Kreditbedürfnifses der kleinen Landwirte vorhanden sei. Die Konfesston der Kreditgeber habe man mit Unrecht in diese Frage eingemischt. Thatsache aber sei, daß die Schulden der bäuerlichen Wirte erheblich gewachsen seien. Der Redner macht Vorschläge bezüglich der Organisation, welche die nötigen mit den Kreissparkaffen zu verbindenden bäuerlichen Darlehenskassen haben müßten, um die Bauern, die überhaupt solide seien, auS den Händen der Gelddarleiher ganz zu befreien. Abg. Schulz-Lupitz führt aus, daß die Lage unserer Landwirtschaft deshalb im Rückgänge sei, weil der RoggenpreiS ein stagnierender, die Produktionskosten gestiegen und der Geldwert gesunken fei. Dazu komme die amerikanische Konkurrenz, die mit der Zeit nur noch intensiver werden würde. Da helfe nur, Arbeit gegen Arbeit setzen und die Produktion deS Landes steigern! Als von großem Segen habe sich bei uns die steigende Zuckerproduktion erwiesen; jedenfalls seien wir augenblicklich in dieser Produktionsweise Allen voran. Und diese Industrie sei groß gezogen durch eine weise Gesetzgebung. — WaS den Etat selbst betreffe, so erkennt er die eingestellten Mehr- sorderungen darckrnd an, wünscht aber, daß die Finanzverwaltung in die Lage kommen werde, bezüglich der verschiedenen Zweige der Landwirtschaft noch weitere notwendige Mittel zu bewilligen. Der Redner bittet namentlich um weitere Nutzbarmachung der Meteorologie für die Landwirtschaft, sowie daß die auswärtigen Konsulate mehr als bisher dem Interesse der Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Dann verbreitet er sich des weiteren über die Wichtigkeit einer gründlichen, aber billigen Düngung des Bodens, um die Produktion zu heben, und bezeichnet die geeigneten Dungmittel. Er ist im übrigen der Meinung, daß, wenn man auf dem von ihm bezeichneten Wege fortschreite, man es mit der auswärtigen Konkurrenz in Deutschland ruhig ausnehmen könne.
Minister der landwirtschaftlichen Angelegenheiten Dr.
vom Landtag.
Berlin, den 7. Dezember.
«n der heutigen (11.) Plenarsitzung des Abgeord- ,tenhauses wurde die Etatsberatung fortgesetzt.
Bei dem Extraordinarium der Domänen erklärte der wirtschaftliche Minister vr. Lucius auf Anfrage deS g. Seer, daß die Höhe deS Zinsfußes für Darlehen Aomänenpächter zu Drainagean'.agen jedesmal nach den llbältnissen des EinzelfallS brmesien und wenn thunlich 2 ß Prozent normiert werde. Im übrigen wurden die «aligen und außerordentlichen Ausgaben dieses Etats n( Debatte bewilligt.
Kap. 4 Tit. 6 des Etats der Forstverwaltung wirft M Ankauf von Grundstücken zu den Forsten die Summe m 1050 000 Mk. aus. Außerdem erscheinen zum gleichen im,cke im Extraordinarium noch 950000 Mk. Es liegt ig dem Hause der Antrag (konservativer Mitglieder) vor, ganzen 2000000 Mk. ins Ordinarium zu übernehmen, ba v. Meyer-ArnSwalde, der bekanntlich seit einer Reihe
Jahren die energische staatliche Aufforstung empfohlen 8t hätte wohl gewünscht, daß man diesen Fonds noch um W000 Mk. erhöht hätte, und empfiehlt den obigen Antrag.
Minister vr. Lucius erklärt, daß eS für die Reffort- .„altung zwar ziemlich gleichgültig sei, ob die Mittel im rdtnarium oder Extraordinarium bewilligt werden, daß aber den Wünschen der Finanzverwaltung entspreche, Mionen, deren Stabilität noch nicht feststeht, vorläufig di Extraordinarium zu bewilligen. Abg. v. Benda be- At, daß es sich um eine reine Formfrage handle; daS n Abg. Frhr. v. Minnigerode, wenigstens für die Munft, nicht zugeben. Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst «ist daraus hin, daß dock Jahre kommen könnten, wo die Mel fehlen. Ebenso hält Abg. Rickert dafür, daß die Summe, so bald die Mittel vorhanden, im Extraordinarium W erhöht werden könnte. DaS HauS beschließt dem- Mst auch, die qu. 950000 Mk. im Extraordinarium zu itlassen; im übrigen wurden die 2 Millionen zum Zwecke ta Aufforstung bewilligt.
Es folgt der Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung. Ne Einnahmen wurden ohne Debatte bewilligt. Beim tit. 1 der Ausgaben (Gehalt deS Ministers) kommt Abg. «.Ludwig auf frühere Wünsche bezüglich der Hebung M landwirtschaftlichen Kredits zurück, zugleich anerkennend, ich dieselben zum Teil schon Berücksichtigung gefunden Men. Abg. Spangen berg spricht dem Herrn Minister ta Dank für die Fürsorge auS, welche derselbe den land- cktschaftlichen Vereinen, wie verschiedenen Zweigen der iondwittschast mit Erfolg gewidmet, und knüpft daran einige livrfchläge zur Hebung namentlich der bäuerlichen Wirt- Wen. Abg. von Meyer-Arnswalde rechtfertigt seine -kulich ausgestellte Behauptung über die Wirkung deS
Mitteln zu greifen. Der Aermsten Heil wäre es gewesen, ich hätte sie von dannen gewiesen; denn lieber sehe ich sie in ihrem Sarge, als daß auch ihr Leben durch Dich vergällt wird."
„Ich verdenkS Dir kaum," erklärte der Einäugige gleichmütig „und cS liegt in Deiner Gewalt, sie sern von mir zu halten. Doch genug des Redens, denn heute noch einen Messias aus mir zu bilden, möchte Dir schwerlich gelingen", und er nahm den Schlüsiel an sich, „denken wir daher an wichtigere Sachen. Kannst Dir vorstellen, daß ich nicht von einer wohlbesetzten Tafel aufgestanden bin, und da ists zum Erstaunen, daß Du mich trockenen Mundes unter Deinem Dache sitzen läßt. Trage auf, was Du zur Hand hast, alte Lady. Ich bin nicht wählerisch. Auch eine Flasche Whiskey hol auS Deinem Laden, und einen guten Vorrat Tabak. Er säumte einige Sekunden, und da Miß Eoa sich nicht sofort erhob, fügte er spöttisch hinzu: „Macht DirS zu viel Mühe, will ich« gerne selber besorgen, und die oben wird mir gewiß mit Freuden zur Hand gehen, wenn ich sie herunterrnfe."
Wir im Schmerz preßte Miß Eva ihre Lippen fester aufeinander. Sie wußte, daß sie sich in der Gewalt jemandes befand, der kein Mitleid, kein Erbarmen kannte. Schweigend erhob sie sich, und mit vorsichtigen Bewegungen, um Elly nicht zu wecken, brachte sie alle« herbei, was der Einäugige verlangte. Dann nahm sie wieder Platz, mit anscheinend unerschütterlicher Teilnahmlostgkett beobachtend, wie ihr unheimlicher Gast den Speisen und dem Whiskey nach Herzenslust zusprach. Kein Wort kam über ihre Lippen, so oft auch immer jener eine Bemerkung an sie richtete. Sie ergab sich in das Unabänderliche, wie jemand, der mit dem Leben abgeschlosien hat.
So verlief daS Mahl, welches der Einäugige spöttisch für daS beste erklärte, was seit Menschengedenken über seine Zunge gekommen. Nachdem er darauf feine Thonpfeife gefüllt und angezündet hatte, ergriff er mit einem sorglosen: „Jetzt an die Arbeit," die Lampe, und gefolgt von den angstvollen Blicken Miß Eva'S schritt er nach dem Spinde hinüber. Mit leichter Mühe öffnete er dessen Thür.
Ein zufriedenes „Ah" bewies, daß daS Geld ihm in die Augen gefallen war. Kaum aber hatte er sich überzeugt, daß nur zwei Fünfundzwanzig-Dollarnoten von den wenigen Goldstücken beschwert wurden, die Mulde dagegen ausschließlich Silbermünzen enthielt, alS er sich mit einem entsetzlichen Fluch Miß Eva zukehrte, und, wenn auch gedämpft, in die drohenden Worte auSbrach: „Du willst mich doch nicht glauben machen, die« seien Deine ganzen Ersparnisse? Zum Henker mit Deiner Schlauheit. Wo ist Dein Geld? Denn hängen will ich, bevor der Tag in diese Baracke hereinscheint, wenn Du in den letzten zwölf Jahren nicht mindestens Deine vier bis fünftausend Dollars erübrigt hast."
„WaS ich erwarb, steckt im Geschäft," antwortete Miß Eva sinkenden Herzens, obwohl äußerlich ruhig; „nimm, was da vor Dir liegt, und Segen mag eS Dir obeueiu bringen, schon allein, weil es ehrlich verdient wurde."
„Ob ehrlich oder durch Gauneret," sprach der Einäugige erbittert, „daS steht dem Gelde heut niemand mehr an. Ich aber weiche nicht von dannen, und müßte ich sechs Monate hier hausen, daS laß Dir gesagt sein, bevor Du mir eine entsprechende Entschädigung dafür zahttest, daß ich während der letzten zwölf Jahre meine Anrechte «r daS Geschäft nicht geltend machte." (Fortsetztmg folgt.)
hilflich sein könnten.
Abg. Frhr. v. Minnigerode hält nach seinen Erfahrungen die Wirksamkeit der landwirtschaftlichen Wanderlehrer lediglich da für erfolgreich, wo bäuerliche Gemeinden, die weniger vom Großgrundbesitz durchsetzt sind, sich
Abg. Dr. Schläger betont, daß die Ausgaben Tierarzneischulen mit jedem Jahre wachsen, während ... Einnahmen damit nicht Schritt halten. Ein Ausgleich
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Amumcen-Bmranx Den®. L.Daube u.Co. in Frankfurt a. M-; Jäaerfche Buchhandlung daselbst;
Hermansche Buchhanblmlg<I ♦ daselbst; Zmvaluendanktiz.
Berlin; ß. LhteneS in Elberfeld: ». Schlotte ta
Lucius dankt für die ihm von verschiedenen Seiten.gewordene Anerkennung und sagt gern zu, daß alle geäußerten Wünsche von der Verwaltung ernstlich erwogen werden würden. Im allgemeinen sei seit einer Reihe von Jahren von der StaatSregterung der Landwirtschaft mehr Aufmerksamkeit erwiesen, als früher. Aber zu den großen Gesichtspunkten trete dir fortlaufende Fürsorge der eigentlichen landwirtschaftlichen Verwaltung. Soweit ^mallgg4 meinen die deutsche Landwirtschaft, besonders in den landwirtschaftlichen Nebengewerben und in der Agrikulturtechnik, erfreulicher Weise auck vorgeschritten sei, so stehe ste doch hinter anderen Ländern, namentlich auch in bezug auf die Wafferwirtschaft, dem Obst- und Weinbau zurück- Der Herr Minister geht dann deS Näheren auf die von den Vorrednern geäußerten Wünsche bezüglich der DarlehenS- kaffeu, bezüglich der Förderung der Meliorationen und der Drainagen ein, welchen letzteren er von selten deS Staat» eine wohlwollende Unterstützung in ähnlicher Weise in Aussicht stellt, wie ste in früherer Zeit dem Chaussfehsu zu teil geworden.
Abg. Di richtet will dem Abg. Schulz allenfalls zugeben, daß Deutschland sein Getreidebedürfni» selbst befriedigen kann, aber unmöglich könne man neben diesen auch die anderen Bedürfniffe an Holz, Bekleidung rc. befriedigen wollen. Die Klagen des Abg. Bachem über xu große Schullasten hält auch er für berechtigt; aber eS sei nicht richtig, daß die östlichen Provinzen mehr belastet seien, als die westlichen. Abg. Wolff empfiehlt die Förderung der Moorkulturen, und zu diesem Zwecke Genossenschaften zu bilden, die sich über ven ganzen Staat erstrecken müßten. — Der Titel 1 wurde darauf bewilligt und der Rest deS Kapitels ohne Debatte.
Hierauf wird die Debatte geschloffen und dann der Rest des Etats bewilligt, wobei Abg. Spangenberg auf die Petitionen der VermeffungS - Beamten hinweist, Abg. Dr. Lottchtu» die GehaltSverhältnisie der Dozenten an den pomologischen Instituten zur Sprache bringt, und die Abgg. Berger-Witten und Dr. Seelig sich über die Lage de» Obstbaues äußern. Letzterer hebt hervor, daß es in Deutschland zu sehr an tüchtigen Obstgärtnrrn fehle, welche den Landwirten bei ihren Einrichtungen br-
täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quarta,^m«.bet^ntWen Klag'■ MMIIir
Ruckdruckerei) bezogen g1/» Marl, durch die Postämter des Deutschen Reiches g Marl 50 Pf«, (exel- Bestellgebühr) —JnserttonSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Vf».
Äuchvruaerei- oezogen b# ^ebit4on ,u ^heilende Auskunft und Annahme von Adreflen werden g5 Mg- berechnet-
< Die alle Lady.
Erzählung von Balduin Mvllhausen.
„Verdammt Nach Kalifornien ist ein weiter Weg," fegte der Einäugige. „WaS Du für mich thun willst, st «tqutmer, hier in Empfang zu nehmen. Halloh, so schüttelst Du mich nicht ab. Hab zu lange auf die Zeit gewartet, in welcher es mir unbenommen sein würde, meine Ansprüche m Dich geltend zu machen; und Mittel, Dich an Deine Pflicht zu gemahnen, besitze ich jetzt mehr, denn je zuvor. Nebenbei ist eS gewiß anerkennenswert, daß ich Int Ge. fingnis nicht viel Redens über meine frühere Lage machte, »och weniger Deinen Namen nannte."
„Um mich hinterher desto sicherer und schwerer treffen ft können." _ , „
Gleichviel, was mich dazu bewegte. Meine Nachsicht Nieicht ihr Ende, sobald ich sehe, daß Du Deinen eigenen ivpf aussetzest. Oder meinst Du, eS habe mich keine Mühe, liünste und Zeit gekostet, d°S Mädchen auszuspüren und »och hier auf den Weg zu bringen?"
„Meine Ahnung betrog mich also nicht. Du warst eS, btt es schickte?" fuhr Miß Eva verachtungsvoll aus.
„Ich schickte es gerade nicht," gab der Einäugige gelassen ft, aber ich wirkte ein wenig mit guten Worten auf dessen alte "Pflegerin ein. Wäre schon vor sechs Monaten hier gewesen hätte ick nickt zuvor des KindeS Eintreffen bei Dir "bwarte'n wollen. Hab'S selber überwacht auf dem ganzen Hege, damit cs nicht in unrechte Hände fallen sollte. Und
vcnke, seitdem Du eS kennen lerntest, bist Du nach- Miger gegen mich geworden."
„Ich ahnte es, o, ich ahnte es lange," lispelte Miß Eda erschüttert, „nur ein Teufel ist im Stande, zu derartigen
XVm. Jahrgang.
j.,n nimmt entgegen: Spedition d. BlatteS, ^.dAnnoncen-Bureauz ^ Dietrich u. Co- in Aund Hannover; Th. Ach in Frankfurt a-M.; ■’Lftetn u. Vogler in Lrt M., Berlin. K Köln ic.; Rudost f in Berlin, Frank- n. M. io.