XVffl. JrhlMg.
Marburg, Sonnabend, 8. Dezember 1883.
t. 287
ObnWHt ZeitiiW
ehl
-s
. an dl
ilein
^it der geheimen Stimmabgabe durchaus nicht zusammen. IWll £et wahre Schutz der Wabl-reiheit liege vielmehr in der
billigst
z
itis.
(Fortsetzung folgt.)
chuhk len II. Qi
t-ßch
pettmeii
ii ü ii i
iends.
ä 40
)urg. Deee„ 8t
VM
lichen Entwickelung.
Abg. Rickert ist befremdet, daß der Vorredner nach seinen materiellen Ausführungen zu der Ablehnung de- Antrages Stern habe kommen können. Die gestrige ganze Rede des Ministers v.Puttkamer, die keinen einzigen sachlichen Grund gegen die geheime Abstimmung beigebracht, beweise nur, daß man im Partikularstaate Preußen damit umgehe, das Deutsche Reich nach dem Wunsche der Junker md Orthodoxen umzugestalten. Die hier zur Erörterung stehende Frage sei einfach die, ob man einem sehr großen Teile der Beamten und Arbeiter die freie Wahl erhalten »olle. Und nun führe man gegen die geheime Wahl gar die öffentliche Moral anl Aber gerade die öffentliche Moral verlange die geheime Abstimmung! — Der Redner macht dann eine Exkursion auf das Gebiet der „parlamentarischen Regierung", ohne wesentlich Neue« vorzubringen, geht auf die angeblich aggressive Haltung der konservativen Presse und die Judenhetze ein, tritt dann für die Berliner Stadtverwaltung und auch für den gestern vom Herrn Minister erwähnten Fall Rosenfeld ein, welchen letzteren er übrigens selbst nicht vollständig zu rechtfertigen vermag. Den Anschuldigungen deS Ministers wegen unberechtigter
Wahlbeeinfluffung hält er solche (meist jetzt schon bekannte) Fälle entgegen, in denen die RegierungSorgane Wahlbeeinfluffung geübt haben sollen. Der Minister habe kein Recht, sich über die Anklagen der Liberalen zu beschweren, welche diese der gegenwärtigen „Parteiregierung" machen. DaS Beamtentum sei heute der Korrumpierung und Entwürdigung ausgesetzt, wie daS unter einem liberalen Regimente niemals der Fall sein würde. Der Minister des Innern glaube auf der Höhe seiner Macht zu stehen; er bedürfe einer Majorität. Aber er sollte seine Macht doch nur zu den Staatszwecken benutzen, zu welchen ihm dieselbe gegeben sei. Die gegenwärtige Debatte werde wesentlich dazu beitragen, den politischen Mut der Staatsbürger zu heben!
Minister des Innern v. Puttkamer entgegnet, wenn der Vorredner unter „Parteiregierung" verstehe, daß die Fahne des Königtums hochgehalten, daß der Tendenz der Auslösung und des Umsturzes entgegengewirkt, daß solche Beamte ferngehalten, die dem in sie gesetzten Vertrauen nicht entsprechen, daß eine gute Verwaltung geführt und gute Gesetze vorbereitet werden, dann nehme er die Bezeichnung der „Parteiregierung" gern an. — Ein Gegensatz zwischen Regierung und Beamtentum, wie ihn der Vorredner behauptet, bestehe in keiner Weise. Gewiß habe seiner Zeit das liberale Ministerium gegen politische andersdenkende Beamte alle Rücksicht geübt, wie er, der Minister, vaS seiner Zeit selbst im Reichstage öffentlich anerkannt habe. Aber habe denn nicht die liberale Partei dem entgegen damals unablässig die Puristkation deSBeamtenstandes gefordert? Die Absicht deS Abg. Rickert sei offenbar die, einen Gegensatz zwischen Regierung und Beamtentum zu konstruieren, der nicht vorhanden sei. Ein Druck auf die Beamten bet den Wahlen sei in keiner Weise geübt. Thatsächlich hätten auch die Beamten sehr zahlreich liberal gewählt; daS bedauere er zwar, aber Nachteile seien deshalb keinem Beamten zugefügt. Eine andere Frage freilich sei die, ob die Regierung sich verpflichtet oder nur berechtigt halten dürfe, Sr. Majestät solche Beamte zur Beförderung und Auszeichnung vorzuschlagen, die der Regierung dauernde Opposition machen. — Für die geheime Abstimmung sei nur ein Grund anzuführen: die Selbstständigkeit der Wähler zu schützen. Die öffenlliche Abstimmung sei allerdings manchen Ünzuträglichkeiten zugängig, aber er behaupte eben, daß das vorgeschlagene Heilmittel schlimmer sein werde, als das zu heilende Uebel selbst. Jede VerfaffungSbestimmung sei leider zu umgehen, habe man cS doch erlebt, daß sich eine große Partei unter den Schutz eines verfassungswidrigen Diätenfonds gestellt habe. Der Herr Minister verwahrt sich schließlich noch einmal gegen den Vorwurf der Korrumpierung des Beamtentums und der Parteiregierung. (Beifall rechts.)
Abg. Cremer will für den Antrag Stern stimmen, obwohl derselbe von ihm nicht sympathischer Seite kommt. Er ist dazu veranlaßt durch die bei den letzten hiesigen
vom Landtag.
Berlin, den 6. Dezember.
Wie von einer vergifteten Waffe getroffen lehnte Miß Eva sich zurück; abwehrend hob sie beide Hände empor.
„DaS wirst Du nicht thun", sprach sie leise und sichtbar von Todesangst ergriffen, „nein, nachdem das Kind el< eine ewige Drohung hier einzog, kann Deine Grausamkeit nicht noch weiter gehen—nein, Du kannst es nicht, darfst es nicht, und müßte ich auf die Straße hinauSetlen 8nb den ganzen Ort gegen Dich aufrufen" —.
„Du redest ohne zu denken", fiel der Einäugige hohnlachend ein, „und riefest Du die ganze Welt zusammen, <ver hätte dabet am meisten zu verlieren? Ich nicht, der ich sür ein lumpigeS Versehen meine Strafe verbüßte. Du hingegen, die hochgeachtete Miß Eva Blat — es ist zum Lachen — wenn man ihr vorhielte —
.Sprich es nicht aus, weun Du mich nicht auf der
Kommunalwahlen gemachten Erfahrungen. Der Redner schildert die Agitationsweise der Fortschrittspartei, sowie deren Angriffe gegen die Regierung nnd speziell der „Berl. Ztg>" gegen den Fürsten Bismarck, um daraus zu erweisen, daß der Fortschritt über die ihm gemachten Vorwürfe deS „RepublikaniSmuS" rc. sich nicht zu sehr beklagen dürfe. In ziemlich eingehender Weise geht dieser Abgeordnete dann auf die Vorkommniffe bei den letzten Berliner Wahlen ein und führt schließlich weiter aus, daß das parlamentarffche Regiment — abgesehen von der englischen — in keiner Verfassung enthalten sei. Was dir Linke „parlamentarische" Regierung nenne, sei die Verlegung des Schwerpunkte- per Regierung ins Parlament. Aber so lange eS Könige von Preußen gebe, werde es in Preußen bei der „konstitutionellen" Regierung verbleiben und kein Versuch mit der „parlamentarischeu" Regierung gelingen! Die Berechtigung deS vorliegenden Antrages erkennt er in der gegenwärtigen sozialen Bewegung, den Verhältnissen der großen Städte und in dem Widerstreben der Fortschrittspartei gegen die sozialen Reformen, welche in der kaiserlichen Botschaft vor- gezetchnet. Die Schwierigkeit der Einfügung der beantragten Aenderung In daS bestehende Recht verkennt er übrigens nicht.
Abg. Bachem sucht die Debatte zurückzuführen auf den zur Verhandlung stehenden Gegenstand, welchem gegenüber das Zentrum die objektivste Stellung einnehme. Daffelbe erwarte von dem geheimen Stimmrecht keinerlei Vorteile; es habe auch mit dem öffentlichen Stimmrecht gute Geschäfte gemacht. Die ganze vorliegende Frage dränge sich dahin zusammen, ob die verfassungsmäßige Freiheit der Wahl durch die Entwicklung unserer Verhältniffe bei der öffentlichen Abstimmung gefährdet und ob die Einführung dcr geheimen Abstimmung dagegen einen genügenden Schutz bietet. In letzterer Beziehung würde mindestens ein ge- wiffer Schutz gewährt; die erste Frage aber muffe unbedingt bejaht werden. Die gestern von dem Minister abgegebene Erklärung würde gerade bei den ReichStagSwahlen für die der Regierung am nächsten stehenden Parteien verhängnisvoll werden. Den Nationalliberalen würde -e» schwer gelingen, ihr Votum vor ihren Wählern zu rechtfertigen. Für die Einführung der geheimen Abstimmung führt auch dieser Redner die Verstaatlichung und die heutige Ausdehnung des industriellen Großbetriebes an. Die geheime Abstimmung hält er auch für ein Sicherheitsventil gegen die sich anhäufenden sozialen Gefahren; daS sollten die Konservativen erwägen. Wenn die geheime Abstimmung so gefährlich sei, wie der Minister sie geschildert, wie sei eS dann möglich, daß sie so vielfach bei anderen Wahlen zum Wohle des Ganzen in Hebung sei.
Abg. v. Rauchhanpt hält der Linken entgegen, daß die geheime Wahl sich im Reiche nicht bewährt habe, und daß daS Sozialistengesetz die Folge derselben sei. DaS geheime Wahlrecht schädige die Autoritäten deS Landes und auch das Wesen der Monarchie ertrage auf die Dauer nicht
«ich vor Not und Elend zu bewahren —"
„WaS verlange ich weiter?" nahm der Einäugige wieder sorglos daS Wort; „solltest überhaupt dankbar sein, daß ich beinah zwölf Jahre verstreichen ließ, ohne Dir meine Aufwartung zu machen. Und zwölf Jahre sind eine lange Seit, lang genug, um manchen guten Dollar beiseite zu itficn".
„Du beschworst, meine Schwelle nie wieder zu über- wrtten —"
sterben."
nichts verstehst, oder eS ist das letzte Mal, daß ich dem gräßlichen Zwange nachgebe, welchen Du auf mich ausübst."
„Lächerlich. Nenne mein Verfahren, wie eS Dir beliebt; mir soll'S die Lust nicht verkümmern, meine letzten paar Jahre so komfortabel zu verbringen, wie möglich. Und waS hindert, wenn alle Stricke reißen, mich häuslich bei Dir niederzulaffen, mit Dir und dem Mädchen Hand in Hand zu gehen. —"
„Lieber würde ich daS Haus über unseren Köpfen anzünden", hob Miß Eva tödlich erbleichend an, als der Einäugige sie lachend unterbrach:
„DaS wirst Du hübsch bleiben laffen. UebrigenS denke ich am wenigsten daran, mich irgendwo fest vor Anker zu legen. Rücke also heraus, was Du für mich erspartest, und mache keine wetteren Ausflüchte."
Miß Eva unterdrückte gewaltsam krampfhaftes Zittern. Mit den Bewegungen einer Somnambulen zog sie den Splndenschlüffel hervor, und ihn vor den Einäugigen auf den Tisch legend, sprach sie wie geistesabwesend:
„Oeffne selber und nimm alles, was Deine Begierde weckt. Nur Eins fordere ich von Dir, obwohl ich den Wert Deines Wortes kenne: Laß es das letzte Mal sein, daß Du mich heimsuchtest. Geh' fort von hier, so weit der Himmel blau. Geh' nach Kalifornien, wo niemand Dich kennt; suche auf rechtschaffene Art nach Gold und Schätzen. Wenn Du bet ehrlicher Arbeit erkrarckst und vielleicht in einem Spital Aufnahme findest, oder. Deine Kräfte erlahmen, so laß es mir durch einen glaubwürdigen Zeugen schreiben, und ich will für Dich thun, waS in meinen Kräften steht. Hinter einem Zaun soll- Du nicht
„Was sind Worte? Wind, leerer Wind."
„So beabsichtigst Du, mich nie mehr zu Atem kommen zu laffen, mich immer wieder zu quälen und zu martern, mich an den Bettelstab zu bringen, wie Du meinen Geist gebrochen hast?"
„Ich komme nur bann, wenn die Not mich zwingt. Verdammt! Leben will jeder Mensch, namentlich wenn er alt wird; war das Glück mir nicht hold, wie Dir, Isis am wenigsten meine Schuld."
„Und von Glück wagt er noch zu reden", versetzte Miß Eva, die Hände verzweiflungsvoll ringend, „von meinem Glück, die ich nur durch treuen Christenglauben davon abgehalten wurde, mich ins Grab zu legen."
„Unsinn, alte Lady, wie die Leute Dich heißen, Narren nehmen sich selbst das Leben, und keine vernünftige Menschen; denn jeder neue Tag kann neues Glück bringen. Und ists nicht zarte Rücksicht genug, daß ich zur Nachtstunde bei Dir vorspreche, anstatt am hellen Tage? Mein Pferd steht im Walde, und heimlich hergeschlichen bin ich, obwohl ich keinen zu fürchten habe. Denn stellt mich jemand, so brauch ich nur das Zertifikat vorzuzeiaen, laut dessen ich meine Strafe verbüßte und mich aus dem besten Wege zu einem gesitteten Lebenswandel befinde."
„Zu einem gesitteten Lebenswandel", wiederholte Miß Eva unsäglich herbe, „ja, wenn ich dafür eine Bürgschaft besäße, sollte mir kein Opfer zu schwer werden; aber noch sollst Du daS erste Versprechen leisten, um eS zu halten."
„Du wirst nicht von mir verlangen, mich auf meine alten Tage als Knecht zu verdingen?" fragte der Einäugige höhnisch.
„Ja, als Knecht oder Tagelöhner, wenn Du weiter
arburz, . 44.
70 Pf.
>0 „ r0 „
40 „ tr. an Weingut
Bild.
101 i
iar 101$ ion 101
101* 100
66 S 73* 95-
102l 97t 56
75, 71t
291 |i
In der heutigen (10.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses wurde die Beratung deS Antrages Stern »^Zunächst erhielt gegen den Antrag das Wort Abg. öobrecht, um zu erklären, daß die nationalliberale Artei aus der gestrigen Debatte keinen Grund habe er- Len können, von ihrem ablehnenden Votum abzugehen, das gerechtfertigte Verlangen nach freien Wahlen falle eben
„„ifltn nimmt entgegen: Wgrpebition d. BlatteS, £,ltb.annoncen-®ureaui
Dietrich u. Eo. in lld und Hannover; Th. Mch in Frankfurt a-M.; '^.fenftein u. Bögler in Öhtrt a. M., Berlin, r^ig, Köln Rudolf
in Berlin, Frank- F furt a. M. rc.
arlckeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirtteS Cotttttag<Haft durch die Addition (Kochfche Buchdruckerei) bezogen 84/* Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr)—'JnserttonSgebühr für bte gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annonceu.Burea«x een L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M-; Jüaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Juvalidendauk in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: 6- Schlotte in Bremen.
* Fran!, Rheins
^trolle der öffentlichen Meinung und in den Erurittc- Wgcn der WahlprüfungS- Kommission, soweit solche überhaupt möglich seien. Dabei nehmen die Nattonalliberalen chn keineswegs einen prinzipiell ablehnenden Standpunkt «s Einführung des geheimen Wahlrechts ein; im Gegen- Id! namentlich in Fabrikgegenden würde auch von seinen f Keunden vielfach die geheime Abstimmung für wünschenS- W) 1.4 jjert gehalten. Aber solche Aenderungen seien nur bet »oller Uebereinstimmung der Regierung und bei dem Vorhandensein einer konstanten Majorität möglich. Auch die gestrigen Erklärungen deS Herrn Ministers bezüglich der lhe p.! Intentionen auf Aenderung deS Reichswahlgesetzes, die ihn ,e pn § übrigens gar nicht überrascht hätten, könnten den Stand- stehen ui punkt seiner Freunde nicht alterieren. DaS abfällige Urteil, «eich S der Herr Minister des Innern leider über die Berliner Stadtverwaltung abgegeben, bedauert der Redner als ter bisherigen friedlichen Entwickelung derselben nicht förderlich. Die Ablehnung des vorliegenden Antrages aber empfehle sich im wohlverstandenen Jntereffe der frrihelt-
juh-Fai & Co.
60W
Hs. [ü
rangt rd in km ipinseln n Kahlti Hülini gt. N- xx echt dl kc in N echten» Lonlfti Erfrisch 25 Pf,- t in M kel. [21
oft 96 !' 223 * 117111 troU
ift 99’ [ IV ...M,. WMV , M/VM». .•• •, ----1
?teile in den Tod treiben willst", unterbrach die alte Lady
. ihn entsetzt, „sprich cS nicht aus, lasse Schonung walten, Bfn| nnd ich will Dir auShändigen, was dort in dem Spinde ’•*' liegt und was dazu beitragen sollte, in meinen letzten Tagen
13 Die alte Lady.
Erzählung von Balduin Möllhausen.