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xvm. Jahrgang.

Marburg, Freitag, 7. Dezember 1883.

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:^8e Hl nimmt entgegen: Jahr j Spedition d. Blattes, ' TdÄnnoncen-Bureaur L/ttebU Dietrich u. Co. tn «tClm -" unb Hannover; Th.

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vom Landtag.

Berlin, den 5. Dezember.

*"Ert a. !vl., Berlin. gTwin re-; Kubelf ET in Berlin, Frank- My.- « m. re.

würde sein Antrag bezüglich der Kommunalwahlen durch- zuführen sein. Daß für die letzteren die Staatsregierung lübst die geheime Abstimmung für zulässig halte, beweise die sür Frankfurt a. M. oktroyierte Verordnung, sowie die 1876 vorgelegte Städteordvung des Ministers Grafen zu Eulenburg, welche Vie geheime Abstimmung enthalten habe. Dilatorisch dürfe das HauS jedenfalls die Frage nicht be-

Abg. Dr. Virchow hätte nicht erwartet, daß der Herr Minister v. Puttkamer infolge des Antrages fo weitgehende Erklärungen abgeben würde, und daß man damit bereit» umgehe, dem deutschen Volke als Belohnung für seinen Patriotismus die Entziehung des allgemeinen deutschen Wahl­rechts in Aussicht zu stellen, und der letzte Vorredner wünsche gar den Landtag auS den Provinziallandtagen her­vorgehen zu lassen; so weit also sei man schon gekommen l Das bestehende Wahlgesetz hält dieser Redner nicht für einen Bestandteil der Verfastung; letztere stelle nur ein Wahlgesetz in Aussicht, welches bisher nicht erlassen fei. Von der öffentlichen Stimmabgabe stehe in der Verfaffung nichts. Die Liberalen seien auch nie für die geheimen Abstimmungen gewesen. So lange die Regierung sich selbst in die Wahlen mische, sei es dringend geboten, die geheime Abstimmung auch da zu erstreben, wo sie bisher noch nicht bestanden. Niemals sei der Druck der Beamten auf die Wahlen so groß gewesen, als unter dem Ministerium von Puttkamer, unter dem auch die Ungeheuerlichkeit passiere, daß königliche Beamte schaarenweise bei den Kommunal- wahlen für die Sozialdemokraten ihre Stimmen abgegeben. Der Redner geht dann auf den verderblichen Einfluß der Regterungöpresse und die ungerechten Anschuldigungen ein, welchen seine Partei ausgesetzt sei, seit dieZweideutigkeit" derNordd. Allg. Zig." erfunden sei. Auch auf den alten Vorwurf des Republtkanismus, den Fürst Hohen» lohe in einer öffentlichen Note ohne jeden Grund gegen die Fortschrittspartei ausgesprochen, kommt der fortschritt­liche Führer zurück. Die Fortschrittspartei halte ihren Eid aus die Verfassung so gut wie jede andere und nehme nach ihrer Ueberzeugung die Interessen des Volkes wahr. Oder glaube man etwa, daß seine Freunde von anderen materiellen Interessen oder bloßem Ehrgeize geleitet würden? Wenn die geheime Stimmabgabe eingeführt wäre, würde man ja allen Seiten gerecht werden; die Fortschrittspartei habe nicht mehr über den Einfluß des Ministers zu klagen und andererseits der letztere nicht über die verderbliche Einwir­kung der Fortschrittspartei. An den einzelnen Wähler dürfe man bezüglich des Mutes seiner Meinung nicht zu große Ansprüche stellen, jedenfalls fo lange nicht, als sich die Regierung nicht von dem Wahlkampfe völlig fernhalte. Als erfahrene, politische Männer empfehlen die Antrag­steller die Annahme ihres Antrages. Den Gedanken aber, die geheime Abstimmung im Reiche zu beseitigen, möge sich die preußische Regierung doch noch einmal wohl überlegen.

Minister des Innern sv. Puttkamer entgegnet, daß die geheime Abstimmung keineswegs alS eine Grundsäule der mit großen Opfern erkauften deutschen Verfaffung an­zusehen sei. Allerdings würde die sorgfältigste Erwägung vorhergehen, die Regierung sei sich auch der Verantwortung

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Erzählung von Balduin Möllhausen.

In bas Zimmer zurückgekehrt, nahm Miß Eva ihren Gang wieder auf; aber gebeugt wandelte sie einher und die Hände auf dem Rücken zusammengelegt, als ov sie nunmehr erst zu dem vollen Bewußtsein der unerträglichen Schwere einer auf ihre Schultern gewälzten Last gekommen wäre. So verrann beinahe eine Viertelstunde, als sie das knarren unterschied, mit welchem die HauSthür nach innen geschoben wurde. Einige Sekunden dauerte es indeffen »och, bevor auch leise Schritte vernehmbar wurden.

Bei dem ersten zu ihr dringenden Geräusch war Miß 6t>a mitten im Zimmer stehen geblieben. Hoch aufgertchtet kehrte sie sich der offenen Thür zu, durch welche eine matte Beleuchtung auf den Flur hinaussiel. Ihre Augen blickten n>ohl mit ter gewöhnlichen ausdruckslosen Kälte; dagegen zeugten die todtenbleiche Farbe des Antlitzes uns der ver­kürzte Atem von einer gewaltigen inneren Erregung. Do stand sie da, wie aus Stein gemeißelt; selbst als die Gestalt eine« Mannes auf die Thürfchwelle trat, jedoch, wie aus Vorsicht, auf derselben stehen blieb und mit seinem Einzigen tückischen Auge argwöhnisch das Gemach durch- spähte, rührte sie sich nicht.

Ellenbogen auf den Tifch und das Haupt auf die Fäuste. Der abgetragene Hut wurde dadurch weit nach t em Hinter­kopf hinaufgeschoben, dem verwitterten und vernarbten Antlitz i,i erhöhtem Grade den Charakter zügelloser Wildheit ver­leihend. Da Miß Eva immer noch regungslos dastand und auf ihn, wie auf einen der Hölle entstiegenen Dämon hinstarrte, fuhr er mit scharf ausgeprägter grausamer Be­friedigung fort:Setz Dich zu mir, damit ich meine Stimme nicht über das Maß zu erheben brauche," und er wies mit einem Blick aus dem tückischen Auge nach der Zimmerdecke hinauf, wie daran erinnernd, daß Elly auf dem Boden sich in Hörweite befinde,mir liegt zwar nichts daran, ob das Mädchen mich steht, dagegen möcht'S Dir nicht angenehm sein."

Durch der alten Lady Gestalt lief ein Schauder. Sie kämpfte indeffen ihr Entsetzen nieder, und nachdem sie die Thür vorsichtig geschloffen hatte, k>brte sie an den Tisch zurück, wo sie ihrem unheimlichen Gast gegenüber Platz nahm.

Ich hatte gehofft," hob sie gezwungen ruhig an,Du würdest das letzte Versprechen, welches Du unter den drohendsten Verhältnissen vor mir ablegtest, heilig halten. Ich schützte Dich gegen Deine Verfolger, bezahlte Deine Flucht mit meinen letzten Ersparntffen, und die hätten für Dich ausgereicht, in irgend einem Landesteile ein kleines Geschäft zu eröffnen und unter einem anderen Namen einen neuen Lebenswandel zu beginnen."

Leicht gesagt," höhnte der Einäugige,aber da beginne einer einen neuen Lebenswandel, wenn der Winter fünfzig und eilige über sein Haupt hinweggegangen find, und so alt war ich damals. Und was Du hofftest? Verdammt, ich will's Dir sagen, denn ich las es aus Deinem Angesicht, alS Du mein Briefidu am Fenster lasest. Du hattest ge­hofft, daß der Teufel mich längst geholt habe, und damit war's zu Deinem Schrecken nichts. Freilich haben wir uns

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Das ist also Deine Art, die Leute zu empfangen?" brach der wüst dreinschauende alte Einäugige endlich mit geeämpfter Stimme das schweigen, und er schritt nach

Tisch hinüber, vor welchem er sich nachlässig auf einen Stuhl warf.Gut, hast Du kein Wort des Willkommens für mich, keine gastliche Aufforderung, so muß ich mir stlbcr Helsen."

Mit einem Ausdruck de« Behagens stützte er die

lange nicht gesehen; das ist aber so wenig meine Schuld, wie die Deinige. Verbargst Du mich und gabst Du mir ein paar Hundert Dollars mit auf den Weg, fo konntest Du hindern, daß ich später in die elendeste Falle ging, die je einem die Freiheit liebenden Manne gestellt wurde. Zehn Jahre ließen sie mich im Gefängnis schmachten, und ich konnte von Glück sagen, daß sie nicht schlechter mit mir verfuhren; und das nur, weil ich auf eines anderen Manne- Pferd eine Strecke geritten war."

Ich habe Deine Verbrechen nicht zu prüfen," versetzte Miß Eva, welche mehr und mehr ihre Ueberlegung zurück­gewann,bedrohte man Dich mit dem Aergsten, so wird man einen Grund dafür gehabt haben. Tras's Dich aber, fo wäre damit das Blut nicht von Deinen Händen ge­waschen worden."

Unsinn," fiel der Einäugige grimmig ein, doch sah er betroffen in eine andere Richtung;wer sich seiner Haut wehrt, ist nicht verantwortlich für den Weg seiner Kugel. Unsinn, mahne mich nicht an längst Geschehenes, sondern rede von anderen Dingen."

So sage, was Dich hierher führte, da Du doch wiffen solltest, daß, nachdem Du mich so oft ausplündertest, ich nicht« mehr für Dich habe; so wurde eS wenigstens vor zwölf Jahren, als Du meine Hülfe erflehtest, zwischen un­vereinbart."

Trotzdem hast Du noch manchen guten Dollar für mich," versetzte der Einäugige zuversichtlich,sprechen doch alle Menschen von Deinem blühenden Geschäft. Brauchst e« nicht zu leugnen; es soll mir sonst nicht darauf an­kommen, die von oben herunterzurufen nebenbei ein lustiges harmlofeS Ding die wird auf meine Erklärung wohl mit 'nem vernünftigen Wort den Ausschlag geben.*

(Fortsetzung folgt.)

Cfa der heutigen (9.) Plenarsitzung deSAbgeordneten- ,«seS, der am Ministertisch der Vizepräsident deS Staats- iMeriumS, Minister des Innern v. Puttkamer, von ainu der Sitzung an beiwohnte, kam der Antrag deS ba Dr. Stern, betreffend die Einführung der geheimen bftimmung bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus- und den Kommunalvertretungen, zur Verhandlung.

Der Antragsteller ging zunächst auf die Geschichte leier Frage ein und hob hervor, daß das Haus bisher Ws Anlaß der bezüglichen Petitionen zur Sache selbst keine Stellu' g genommen und auch das Staatsministerium die

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M-; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche »uchhanblung daselbst; Jnvalidendatü tn Berlin; SB. Thienes in Elberfeld: C Schlotte in Bremen.

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rechts ihren die Freiheit der Wahlen beschränkenden un­gebührlichen Einfluß übten. Dem gegenüber sei aber daran zu erinnern, welchen mechanischen Einfluß notorisch die Fortschrittspartei bei den Kommunalwahlen auf ganze Gruppen von Wählern geübt. DaS geheime Wahlrecht fördere die Heuchelet und Unselbständigkeit, und im geraden Gegensatz zu dem Anträge deö Vorredners werde die Re­gierung zu erwägen haben, ob sie nicht im BundeSrat den Antrag einbringen solle, das geheime Wahlrecht im Reichstage zu beseitigen. DaS Wahlrecht involviere zugleich eine Pflicht und Übertrage dem Einzelnen ein Amt, dessen öffentliche Ersüllung niemand scheuen sollte. Die Regierung dürfe aber nur von der Erwägung geleitet werden, nicht sowohl was zum Rechtsschutz deS Einzelnen wünschenswert sei, sondern waS dem Gesamtinteresse deS Staates diene, und darum werde sie niemals auf die öffentliche Stimmabgabe verzichten können. Der Herr Minister schildert demnächst mit drastischen Zügen die Me­thode der fortschrittlichen Wahlagitation, die, fern von jedem Appell an das politische Pflichtgefühl, lediglich den nackten Egoismus anruft. Aber nur bei geheimer Stimmabgabe werde solche Agitation ihre volle Wirkung ausüben. Einer Regierung, die es ernst meine mit der Monarchie, die eS ernst meine mit ihren Pflichten dem Lande gegenüber, werde dem Anträge Stern entschiedenen Widerstand entgegensetzen und, wie gesagt, envent. vielmehr in Erwägung darüber eintreten müssen, ob sie nicht auf einen Antrag ans Be­seitigung des geheimen Wahlrechts auch im Reiche bedacht sein solle. (Lebhafter Beifall rechts, Zischen links.)

Abg. Graf Pofadowsky hält der Linken entgegen, daß die Forderungen der Liberalen immer auf Oeffentlich- keit und Mündlichkeit gerichtet gewesen, daß mit dieser Forderung aber der vorliegende Antrag im krassen Wider­spruch stehe. Man lege fortschrittlicherseits übrigens viel zu viel Gewicht auf die Form der Stimmabgabe, da bei denselben Wahlbestimmungen ein nach den Parteiver- hältniffen durchaus verschiedenes Wahlergebnis erzielt sei. Daß bei den Einzellandtagen dasselbe Wahlrecht bestehen muffe, wie es im Reichstage gelte, kann er nicht zugeben. Eine geheime Abstimmung sei auch nicht vereinbar mit der Kiastfizierung der Wahimänner. Die geheime Abstimmung sei auch verfassungsmäßig vorgeschrieben; andernfalls würde man dem in der Verfaffung vorgefchriebcnen Erlaß des künftigen Wahlgesetzes präjudizieren. Jedenfalls aber liegen noch nicht hinreichende Erfahrungen vor, um von dem be­stehenden Wahlmodus für die Landtagswahlen abzugehen. Die öffentliche Stimmenabgabe bd den Kommunalwahlen würde das ganze System der Städteordnung alterieren, und hier fetze die freikonservative Partei dem Anträge einen entschiedenen Widerstand entgegen. I

handeln.

Minister des Innern v. Puttkamer erklärt eS für die Pflicht der Staatsregierung, die vorliegende Frage nicht mehr dilatorisch zu behandeln, sondern vielmehr ihren prin- jipiellen Widerspruch gegen den Antrag auszusprechen, der unzweifelhaft ein Verfloß gegen die bestehenden Ver- id, sieb sassungsverhältniffe sei. Nach den Darstellungen deS Vor­redners seien die Regierung, die Großgrundbesitzer und die Kapitalisten diejenigen, welche bei Ausübung dcS Wahl-

Xi Sache dilatorisch behandelt habe. Inzwischen sei allseitig mS Erkannt, daß es sich hier UM keine Parteifrag- im engeren - " «nne handle. Auch er, der Antragsteller, stelle sich auf den engeren Parteistandpunkt nicht, sonst würde er viel legen. Mi Mer in seinen Forderungen gegangen sein und namentlich Schirmen MEineS und gleiches Wahlrecht verlangt haben. Seine -kMwärtige Forderung beschränke sich deshalb aus die Be- ieitigung des dringenden Notstandes. Wer den Wahlen letzten Jahre gefolgt fei, müsse die schlechte Wirkung ter öffentlichen Wahlen anerkennen. Mit Mühe gelinge es Landtags- und Kommunalwahlen kaum, die Hälfte der Wähler zur Urne zu bringen, welche an den ReichStagS- nchlen teilnehmen. Die Freiheit der Wahl fei bet öffent- 131*1 lichen Wahlen tatsächlich oder wenigstens doch in derEin- 1111 öfciicung der Wähler notorisch beschräntt. Allerdings hätte lauch üe geheime Abstimmung bei den Reichstagswahlen ______ ihre Mängel, indes sei diesen unschwer abzuhelfen. Daß == die geheime Abstimmung für die Landtagswahlen eingeführt aaren- werden könne, ohne eine Aenderung der Verfassung vor- e, zunehmm, ist dem Redner zweifellos; eS bedürfe dazu ledig- taRPu lich einer Abänderung der Wahlbestimmungen. Noch leichter ct»a«T«a 1 iSo*» 6?"AntMert hHTrfls

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