XVffl. Jahrgang.
JHarButg, Donnerstag, 6. Dezember 1883,
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hrr Domänenerträge vorzugsweise im Regierungsbezirk Stral- ' junb, und zwar seit einer Reihe von Jahren schon, hervor-
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jrttf, und daß es Aufgabe der Verwaltung sein sollte, den gründen dieses Rückganges nachzuforschen. Der Redner Bpfiehlt eine erhebliche Parzellierung jener Domänen.
Minister der landwirtschaftlichen Angelegenheiten LuciuS llvidert, daß gerade in Neuvorpommern der Domänenbesttz tln verhältnismäßig großer sei, und daß allerdings ein Rückgang in den Pachterträgen eingetreten sei. Die Ursache liege offenbar darin, daß zum Teil infolge des Aufschwungs Hr Landwirtschaft in den 50er Jahren gegenwärtig zu hohe Pachtzinsen gezahlt werden, zumal eine Reihe von Miß- imten eingetreten seien. Dazu komme, daß dort indu- ßrielle Nebenbetriebe fehlten. ES mangele anscheinend den Lomänenpächtern an dem nötigen Anlagekapital. Deshalb »urde auch die Drainage nicht in ausreichender und zweckmäßiger Weise durchgeführt. UebrigenS seien auch die Bauten, welche in diesem Landesteile den Domänen aufgelegt (den, verhältnismäßig hoch. Die Staatsregierung habe deshalb Veranlassung genommen, diese Baulasten, sowie die Gewährung von Darlehen zwecks Ausführung von Drainagen zu erleichtern. WaS die Parzellierung betreffe, so könne er stch nach den gemachten Erfahrungen in Neu-Vorpommern nur für eine parzellenweise Verpachtung von Domänen aitschlteßen, welche aber auch noch immer von den besonderen Verhältnissen abhängig sein müßte. — Auf die darauf erfolgenden bezüglichen Anfragen der Abgg. Seelig nsp. Quadt erklärt der Herr Minister dann weiter, daß im letzten Etatsjahre 987 Hektaren zum Zwecke der Aufforstung aus dem Ressort der Domänen in die der Forst- derwaltung übergegangen sind, sowie daß die landwirtschaftliche Verwaltung sich trotz der bestehenden Hinderniffe die Regulierung der Inster und des Pregel angelegen sein laste.
Abg. Frhr. v. Minnigerode wies darauf hin, daß wch das Eisenacher Bauernprogramm allgemein die Domänenveräußerung verlange. Der Verpachtung von Do- mänenparzellen stimmten seine Freunde im Sinne des Herrn Ministers nach Maßgabe der Verhältniffe zu.
Abg. P a r t s i u S führt den Rückgang der Landwirtschaft im Regierungsbezirk Stralsund auf den Mangel anArbeitS- Kästen zurück. Die Auswanderung werde eben dadurch bnanlaßt, daß die Arbeiter nickt in der Lage seien, Grund-
8om Landtag.
Berlin, den 4. Dezember.
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^igen nimmt entgegen: Expedition d.Blatte», |*ie d.Annoncen-Bureank “jj. Dietrich u. Co. in
und Hannover; Th. KL» in Frankfurt a-M.; Anst-in u. Vogler in
In der heutigen (8.) Plenarsitzung des A b g e o r d n e t e n- such dej t,us e s wurde die Spezialberatung des Etats der Domänen- Ljoltung beim Tit. 3 (Ertrag von Domänenvorwerken: 13735 6 77 Mk, gegen das Vorjahr 464207 Mk. mehr)
Abg. ParisiuS wies darauf hin, daß der Rückgang
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d-Annoneen-Bmeanx den @. 8. Daube n. Sa. in Frankfurt a. M-; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Luckhandlung daselbst; gneeliberibenlin Berlin; B. Thiene» in Elberfeld: 6. Schlotte in
demselben nach, daß seine Vorschläge und Ausführungen der Regierung durchaus nichts neues bringen und dieselbe der Belehrung des Herrn ParisiuS in keiner Weise bedarf.
Abg. Seelig kann nicht anerkennen, daß die angegebenen Mitteilungen des Vereins für Sozialpolitik im stände seien, ein objektives Bild von dem deutschen Bauern- leben zu geben. Was die Ausbeutung durch jüdische Wucherer betreffe, so beschränke er stch auf die Bemerkung, daß im Jahre 1881 wegen Wucher- 21 Christen und 5 Juden verurteilt seien.
Abg. Dr. Wagner (Osthavelland) konstatiert dem Abg. Dirichlet gegenüber, wie auch der Herr Minister e- anerkannt habe, daß nicht die Aktiengesellschaften, sondern die landwirtschaftlichen Institute dem landwirtschaftlichen Kreditbedürfniste zu genügen geeignet seien. Die Zahlen des Abg. Seelig beweisen lediglich, daß das Judentum nach Maßgabe der Bevölkerung 16mal mehr als die Christen stch des Wucher- schuldig machen. Die Beschuldigung de- Abg. Dirichlet, daß heutige Gelehrte nach einer gewissen Mache ihre Doktrinen zurecht legen, well dieselben populär und nach oben beliebt seien, weist er mit Entschiedenheit zurück. Seinen Standpunkt, dem jüdischen Wucherer entgegenzutreten, werde er trotz aller Anfeindungen von der Linken und deren Presse nicht aufgeben. (Bravo rechts.)
Abg. Büchtemann entgegnet, daß die Konservativen das Odium für die antisemitische Bewegung einem Hofprediger und einem Professor überlassen, wobei es fraglich sei, ob diese damit ihrem eigentlichen Berufe entsprechen. Die Juden seien so gut Deutsche, wie andere. (Gelächter rechts.) Zur Beseitigung des Wuchertum» müsse namentlich auch die bessere Erziehung beitragen.
Abg. v. Ludwig hebt als Eigenschaften de-Eisenacher BauerntageS hervor, daß diejenigen Mitglieder „hinaus- geschmissen" würden, die nicht die Ansicht der Mehrheit teilten, und daß derselbe einen Unterschied der Interessen zwischen dem großen und kleinen Grundbesitz statuiere. Er bittet den Herrn ParisiuS, über die Gründe hierfür Auskunft zu geben.
Abg. Dirichlet, den der Vorredner als den „Normalbauer" bezeichnet hatte, will demselben heute nicht wiederholen, was er ihm deS Oeftrren bereits entgegnet. Wenn aber Abg. Wagner behauptet habe, daß der Herr Minister bezüglich des landwirtschaftlichen Kredits stch ganz so wie er selbst geäußert habe, so sei daS durchaus nicht der Fall.
Nachdem so die Debatte über den eingangs genannten Titel 3 in der skizzierten Weise etwa 2Vg Stunden in Anspruch genommen hatte, folgte eine Reihe zum Teil sehr erregter persönlicher Bemerkungen, worauf endlich der qu. Titel bewilligt wurde. Dagegen wurden alle übrigen gelten ihm Versprechen und Eide? Nur er kann eS gewesen sein, der meinen Aufenthalt verriet — ich war ihm noch nicht Sklavin genug; mein letztes Stück Brod will er mir gewaltsam entwinden, mir und anderen."
Bei den letzten Worten flackerte es in ihren Augen leidenschaftlich auf. Matte Glut eilte über ihr hagere- Antlitz, und vor das kleine Spinde hintretend, zog sie einen Schlüssel aus der Tasche. — Gleich darauf öffnete sich unter ihrem sicheren Griff die Thür des festgefugten Behälters geräuschlos. Ein Weilchen lauschte sie argwöhnisch, während ihre Blicke unstät im Kreise flogen. Dann aber, nachdem sie stch von der Sicherheit der Umgebung überzeugt zu habm glaubte, kehrte sie stch hastig dem Spinde wieder zu. Mit derselben fieberhaften Eile nahm sie von einem der mittleren Tragbretter eine mit Papiergeld gefüllte Brieftasche. Zwei fünfundzwanzig Dollarnoten zog sie hervor, und die legte sie neben eine bis znr Hälfte mit Silbergeld gefüllte kleine Mulde, wogegen sie die Brieftasche auf ihrem Körper barg. Auf der anderen Seite der Mulde lagen mehrere Rollen. Eine derselben öffnete sie; vier oder fünf Goldstücke zählte ste ab, und mit diesen beschwerte ste die beiden Scheine. Den Rest und die übrigen Rollen steckte ste zu sich, und behutsam, wie ste ihn geöffnet hatte, verschloß ste den Behälter wieder. Leisen Schrittes begab sie sich nach ihrem Bett hinüber, und sich auf dasselbe niedersetzend, hob ste gerade vor sich mit leichter Mühe eine lose Planke deö Fußbodens so hoch empor daß ste Brieftasche und Geldrollen unterhalb derselben hinabfallen lassen konnte. Sobald die Planke in ihre Fugen zurückgesunken war, atmete ste erleichtert auf. Einige Minuten säumte sie noch, wie um zu einem vor ihr liegenden schweren Werk Kräfte zu sammeln, dann schlich ste auf den Flur hinaus, wo sie den Riegel der HauSthür vorsichtig aus seiner Haft zog«
(Fortsetzung folgt.)
besitz zu erwerben. Es wäre sehr zu empfehlen, die landwirtschaftliche Enquete gerade auf diesen Regierungsbezirk zu erstrecken. Schon 1816 habe Ernst Martin Arndt dem Staatskanzler Fürsten v. Hardenberg empfohlen, eine andere Organisation der Domänen in seinem Heimatlande vorzunehmen.
Abg. Dr. Wagner (Osthavelland) betont, daß gegenwärtig alle Nationalökonomen dem Domänenbesttz des Staates nicht abgeneigt sind, wie das früher allerdings der Fall gewesen. Aber selbst, wenn man die Parzellierung für zweckmäßig anerkennen wollte, wie lange würden die neugeschaffenen Bauernschaften bei der Freiheit des heutigen Verkehrs stch intakt erhalten können. Gegenwärtig kann eS nur darauf ankommen, wie schon gestern gesagt, die bestehenden Bauernschaften zu erhalten. Welche Gefahren den Bauernschaften drohen, belegt der Redner durch näheren Hinweis auf die Berichte des Vereins für Sozialpolitik. Besonders betont er die Ausbeutung der Bauern durch das jüdische Kapital. Er scheue stch nicht, es offen aus- zusprcchen, daß das Judentum ein Finanzinstitut von großer Gemeingefährlichkeit geworden sei. Die Regierung möge ihr Auge auf diese Frage richten; eine Beschränkung der Wechselfähigkeit der Bauern wäre wohl in Aussicht zu nehmen. (Bravo rechts und im Zentrum.)
Abg. Dirichlet hält den Verein für Sozialpolitik für keine maßgebende Autorität. Die ganzen Ausführungen der Vorredners gegen das Judentum gehörten gar nicht zur Domänenverwaltung. Die Aenderung in der Anschauung der neuen Volkswirtschaft über die staatlichen Domänen imponiert ihm nicht. — Im übrigen lenkt er die Aufmerksamkeit deS Herrn Ministers auf gewisse Entwässerungen im Angerburger Kreise.
Minister der landwirtschaftlichen Angelegenheiten Dr. Lucius machte Mitteilung über die Sachlage der letztangeregten Frage. — WaS die Lage deS landwirtschaftlichen Kredits betreffe, so weist der Minister auf die Auffassung des LandeSökonomie-KollegiumS hin. Die wünschenswerte Befriedigung deS landwirtschaftlichen Real-Kredits würde zweifellos am besten durch die gemeinnützigen landwirtschaftlichen Kreditinstitute — statt durch Aktiengesellschaften — erfüllt. Daß jene stch bisher nicht besser entwickelt, liege, wie zuzugeben sei, vielleicht in den strengen Anforderungen der staatlichen Oberaufsicht selbst. Diese Sache nehme meist guten Fortgang. Inzwischen sei das Gebiet deS Personalkredits dasjenige, auf welchem die Befriedigung des ländlichen Kredits noch sehr mangelhaft sei. Hier würde eben die weitere Ausbildung des Genossen- fchaftS- und SparkaffeuwesenS in« Auge zu fassen sein. — Was die Ausführungen deS Abg. ParisiuS über die vor- pommerschen Verhältnisse betrifft, so weist der Minister
Widerstreben hob ste den Zettel empor. Augenscheinlich aus einem unsauberen Taschenbuch gerissen, war er während der kurzen Zeit ihrer Abwesenheit von der Straße aus dort hingelegt worden. Zögernd und unter dem vollen Eindruck des ste fast überwältigenden Schreckens senkte sie den Blick auf die mit einer Bleifeder ausgeführten Schriftzüge.
„Ich muß Dich noch in dieser Nacht sprechen," las ste; „wenn Du glaubst, daß das Mädchen eingeschlafen ist, laß mich herein. In einer halben Stunde ist alles abgemacht. Ich muß Dich sprechen, komme, wa« da wolle. Bevor Du die HauSthür öffnest, verhänge daS Fenster; wir gebrauchen keine Zeugen. Machst Du Umstände, so rufe ich daS Mädchen."
Wie von einer plötzlichen Lähmung befallen, ließ Miß Eva die Hände mit dem Papier sinken. Sie wußte, daß ste beobachtet wurde, und das allein gab ihr die Kraft, in ihrer Haltung nichts von dem zu verraten, waS in ihrem Innern vorging.
Endlich ermannte sie stch. Mit fester Hand schloß sie das Fenster und ließ sic den roten Vorhang nieder, sorgfältig darauf achtend, daß er die Scheiben vollständig bedeckte, und langsam begann ste in dem engen Raume auf und ab zu wandeln. — Wie um sich selbst dadurch zu ermutigen, lispelte ste ihre Gedanken vor sich hin.
„Ich glaubte, ihn sür tobt halten zu dürfen," hieß es da, „und jetzt, da ich ihn am meisten fürchten muß, erscheint er wieder. Die Hölle hat stch an seine Fersen geheftet, jagt ihn von Ort zu Ort, oder er wäre lieber in den Tod gegangen, als hierher zurückgekehrt. Und er versprach unter allen erdenklichen Schwüren, mich nie mehr Heimzusuchen."
Sie blieb stehen, sann einige Sekunden nach, und stch mit der Hand vor die Stirn schlagend, brach ste wieder in die von Verzweiflung etngegebenen Worte aus: „WaS
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirles Lomttagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2‘A Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr.) - JnsertwnSgebühr für bte gespaltene Zelle 10 Vfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von abreffen werben 25 Pfg. berechnet-
u Die alte Lady.
Erzählung von Balduin Möllhausen.
Ungestört ließ sic ihren jugendlichen Gast vor dem lkaminfeuer schalten; gleichsam willenlos duldete ste, daß Elly den Tisch mit den zur Hand befindlichen Erfordernissen deckle, daS einfache Mahl austrug und mit herzig fragendem Blick ihr gegenüber Platz nahm, sie zuvorkommens bediente. Dann aber vermochte sie ihr düsteres Schweigen nicht länger zu wahren; wie Unnatur erschien eS ihr so viel kindlichem Zutrauen gegenüber. Wenn auch ihren unerschütterlichen Gruft beobachtend, eröffnete sie ein Gespräch, welches, obwohl von ihrer Seite mit einer gewissen Einsilbigkeit geführt, Beide bis in die Nacht hinein munter hielt. Mit einer gewissen Sorglichkeit leuchtete ste Elly vom Flur aus nach dem Boden hinaus; erst nachdem diese niedergerufen hatte, keiner Hülfe mehr zn bedürfen, kehrte ste stch der Offenen HauSthür zu. Die Lampe zur Seite stellend, trat fit auf di» Schwelle. Lange blickte ste in die laue Sternen« nacht hinaus. Die tiefe Stille ringsum schien ihr wohl- Whun. Endlich aber seufzte ste tief aus. „Unbegreiflich, unbegreiflich," entwand es stch leise ihren Lippen, „ich "nnte an Verrat glauben, lägen nicht so viele Jahre Zwischen."
Sie schloß die Thür und schob den Riegel vor. Gleich darauf kehrte ste in'S Zimmer zurück, dessen kleines Fenster auch immer der erquickenden Nachtlust geöffnet war. Sie Zollte es zudrücken, als sie eines Zettels ansichtig wurde, der unterhalb desselben auf dem Tische lag; ein kleiner «rldstein beschwerte ihn.
Fester legten stch bei dieser Entdeckung ihre schmalen Appen aufeinander; zugleich wich der letzte Blutstropfen ihrem Antlitz. Einen gleichsam ersterbenden Blick sandte sie in die Dunkelheit hinaus; dann erst gewann sie über sich, den Stein zu lüften. Mit unverkmnbarem