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JRatßurg, Sonnabend, 1. Dezember 1883.
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erzwunglos sorglos, „er bat mich, eS hier abzusetzen. Heute abend noch wollte er hier sein und darüber bestimmen.*
Miß Eva sah dem jungeu Manne in die Augen, wie um die Wahrheit seiner Behauptung zu prüfen. Abel dagegen wich dem forschenden Blick auS, bestieg flink den Wagen und mit einem fröhlichen Scheidegruß fuhr er davon.
Die alte Lady zuckte die Achseln und begab sich in'S HauS zurück.
„Der hätte sich eine geeignetere Gelegenheit zum Auf« bewahren seines Bettel- suchen können,* sprach sie vor sich hin, „mich soll'- nicht kümmern, wa« draus wird. Kommt'- in unrechte Hände, bin ich nicht verantwortlich dafür;* damit schien Elly'S irdische Habe vergessen zu sein.
Da zu der späten Tagesstunde kaum noch Kunden zu erwarten waren, holte sie Zange und Hammer herbei, und unter ihren geübten Händen und starken Griffen öffneten die Kisten sich verhältnismäßig schnell. Sie hatte den Deckel der letzten zurückgeschlagen, al- hinter ihr bk Schritte eines Eintretenden vernehmbar wurden. In der Meinung, noch jemand bedienen zu müsien, kehrte sie sich nachlässig um, und ihr sonst so starre- Antlitz erhielt ein wenig mehr Leben, als sie eine ihr vollständig fremde Person vor sich stehen sah. Denn unter allen Menschen, welche in der Kolonie selbst oder in deren Nachbarschaft wohnten, gab e» keinen einzigen, desien Gesicht ihr nicht vertraut gewesen wäre. Elly hingegen, mit dem festen Vorsatz gekommm, sich nicht einschüchtern zu lasten, sah nicht sobald die großen Augen mit einer gleichsam ab» stoßenden Kälte auf sich gerichtet, als sie ihren Wut sinken fühlte. Nur mit Mühe vermochte sie einen von tiefer Verlegenheit zeugenden Gruß hrrvorzuhringen; ihre Verwirrung aber wuchs, al- sie vergeblich auf eine Erwiderung wartete.
(Fortsetzung folgt.)
das dampfende Pfeifchen aus dem Munde nehmend und einige Augenblicke in der Schwebe haltend.
„Wenigstens alles, was in dem Güterschuppen seit mehreren Tagen aus mich wartete,* antwortete Abel, und ohne Säumen begann er, Kisten und Ballen abzuladen, wobei Miß Eva ihn mit ihren starken Armen kräftig unterstützte.
Schweigend verrichteten sie ihr Werk; erst nachdem die letzte Kiste ihren Platz im Ladenraum angewiesen erhalten hatte, hob Abel wieder an: „Jst'S Ihnen recht, so komme ich, um die Deckel zu lösen, damit eS Ihnen keine Mühe verursacht.*
„Ueberflüsflg," hieß eS ausdruckslos zurück, „ich verstand mit Zange und Hammer umzugehen, als an Dich noch nicht gedacht wurde.*
Sie trat auf die Thürschwelle, zog zwei Dollar- hervor und reichte sie ihm.
„Unser alter Preis,* bemerkte sie grämlich, ohne den jungen Mann anzusehen, „brauche ich wieder jemandes Hülfe, so rufe ich Dich.*
„Wenn'- nicht ander- sein kann, nehme ich das Geld. Hätt'S sonst gern aus Gefälligkeit gethan und um unserer alten Bekanntschaft willen,* versetzte Abel, da- Geld nachlässig in die Tasche schiebend.
„Ich bedarf keines Menschen Gefälligkeit,* erwiderte Miß Eva kalt, „am wenigsten der Deinigen. Willst Du nicht um Lohn fahren, so thun'« zehn andere für Dich.* Sie wurde Elly'S Gepäck ansichtig, welche- neben der Thür auf der Erde lag. — Wie eine Wolke des Mißmutes eilte eS über ihr Antlitz, und auf den Koffer weisend, fragte sie mürrisch: „War soll daS Ding hier? Packs auf und mach' daß Du fort kommst. Bring'- dem, welchem eS gehört.*
„Ich nahm'S für einen Fremden mit,* erklärte Abel
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Die alte Lady.
Erzählung von Balduin Möllhausen.
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i nimmt entgegen: Spedition d.Blatte». * Annoncen-Bureaux Rn, 'Dietrich u. Co. in »U'und Hannover; Th. Ää» in Frankfurt a-M.; Einstein u. Vogler in öWri a. M., Berlin, Köln ic.; Rudolf Efe in Berlin, Frank» ™ furt a. M- ic-
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»»zeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncrn-Bmeaux »en @. L. Daube u. Le in
Man hatte sie nie ander- gesehen, als mit einem über dm Kopf gebundenen knallroten baumwollenen Tuch, nie mderS, als in einem dunkelfarbigen, etwas schlotterigen, jkdvch sauberen Kleide, desien Stoff regelmäßig mit den beiden HauptjahrcSzeiten, Sommer und Winter, wechselte. Wie um daS Männliche in ihrem Wesen noch zu ver« Hälfen, im Grunde wohl nur, um in ihrer Einsamkeit ßch wenigstens einen die Geselligkeit ersetzenden Genuß zu bnschaffen, huldigte sie eifrig dem Tabak. Selten sah man fr ohne die kurze Thonpfeife zwischen den Lippen. Mochte du Geschäft in ihrem Laden noch so glänzend gehen, daß fr, um die Kunden schnell zu befriedigen, mit sechs Händen Wte ausgerüstet fein müsien, so hinderte sie das nie, die USgebrannte Pfeife frisch zu füllen und in Brand zu setzen. Die Kunden aber waren an ihre Seltsamkeiten gewöhnt N> rechteten mit denselben nicht, weil jeder sich für überzeugt frtften durfte, von ihr peinlich ehrlich bedient zu werden.
Die von Abel angekündigte Stunde der Fahrt war * »ch nicht ganz verstrichen, als der Wagen die ersten Häuser ,nl to Kolonie erreichte. Dort stieg Elly ab — so war eS Mdach einer ernsten Beratung zwischen den beiden jungen 76» Leuten vereinbart worden — züchtig schüttelte sie ihre Röcke, 7*1 tot runden Strohhut band sie etwas fester, worauf sie sich 8* dchen dem Wege auf einen Baumstumpfen niederließ, Ja Wettb Abel mit einem letzten flüchtigen Gruß weiter ü7l Khr. Einige Minuten später hielt er vor der Blockhütte to alten Lady, die beim Heranrvllen des Wagen« in die H<msthür trat und ihn durch kaum bemerkbares Neigen ^8 Hauptes willkommen hieß.
„Ich vermute, Du bringst alle«,* sprach sie eintönig,
Händen der Lavdrätr, als in denen der Amtsvorsteher, die übrigen« in geeignetem Maße schwer zu beschaff«! seien. Ein Teil der Konservativen halte allerdings die Verwicklung der OrlSPvlizei auf dem Lande für rin hergebrachte- Ehrenamt de« AmtSvorstcherS und werde gegen die Vorlage sein, wenn die Regierung bei ihrem bezüglichen Vorschläge beharre. Indes hoff« er, daß die Angelegenheit in der Weise geordnet werden könne, daß der Landrat nur für den Fall eintrete, daß ein geeigneter Amt-vorstcher nicht zu beschaffen sei. Den Wünschen deö hannoverschen Provinzial-Landtage- stehen die Konservativen sympathisch gegenüber und wünßchen, daß die Regierung denselben eine möglichste Berücksichtigung zu teil werden lasie. Redner schließt mit dem Anträge, daß die Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen werde. (Beifall recht-.)
Abg. v. M ey er-Lrn-walde erklärt, zu demjenigen Teile der Konservativen zu gehören, welche nW in allen Punkten dem vorliegenden Entwürfe zustimmten. Die Behandlung hannoverscher Verhältnisse sei im allgemeinen eine schwierige, wie er auS Erfahrung wiffe. Indes müsie er den Hannoveranern doch an'S Herz legen, dem Institut d«r Landräte keine solchen Vorurteile entgegenzubringen. Die Einführung der Landräte rühre eigentlich von Wallen« stein her, der solche Beamte al-KriegSkommiffare eingesetzt habe; daher wohl die öfteren kriegerischen Anwandlungen derselben. (Hesterkeit.) Im einzelnen auf die Ausführungen der Vorredner eingehend, hält Redner die aufgestellte Behauptung, als könne man in Hannover nicht die nötig« Anzahl geeigneter Amtsvorsteher beschaffen, für ein her Provinz anSgestellte« Armutszeugnis; hierin liege entschieden eine Unterschätzung der Qualifikation unserer Landräte. Freilich komme e- häufiger vor, daß angetragene Amtsvorsteher-Stellen abgelehnt würden. Allein die» sei nicht nur in Hannover der Fall, und die Erfahrung habe gelehrt, daß diese Männer, welche anfangs sich ablehnend verhielten, später doch „ja* gesagt haben. WaS die vielfachen Angriffe gegen die „Welfen* betreffe, so hält Redner dieselben für verkehrt. Die Partei der Welfen sei eine notwendige und natürliche, da man vaterländische Treue nicht wie einen Rock wechsele. (Bravo! bei den Welfen.) Wenn Leute dieser politischen Stellung in dir Verwaltung einträten und den Eid leisteten, so erwiesen str sich stet- als tüchtig, und er traue ihnen unbedingt. Befremdlich erscheine eS, daß man für Hannover die Einführung von nur zwei verwaltungsgesetzlichen Instanzen beabsichtige; dadurch greife man in da- Kompetenzgesetz ein. Redner beschäftigt sich demnächst mit der Frage der Zusammensetzung deS Provinziallandtags und zieht Vergleiche zwischen den einschlägigen Verhältnissen in der Provinz Branden« bürg. DaS Verhältnis zwischen städtischer und bäuerliche^ Vertretung schwanke häufig zu ungunsten der letzteren.
nach Hannover versetzten Beamten willig anerkannt werde. Die nach der Annexion für Hannover geschaffene Provinzialordnung funktioniere im allgemeinen recht befriedigend, und man wünsche ihre Beibehaltung, weil sie den historischen Verhältnissen sich anbequeme. Die so geschaffenen gedeihlichen Zustände heute wiederum ändern zu wollen, sei wahrlich kein Zeichen einer konservativen Politik. Heute solle die Ritterschaft mit Gewalt herauSgedrängt werden, um für die politischen Freunde des Herrn v. Cuny Platz zu schaffen. DieS Beginnen halte er für durchaus verkehrt, denn nach seiner festen Ueberzeugung sei eine Selbstverwaltung ohne eine tüchtige Aristokratie — die indes keineswegs allein auf dem Boden familiärer Tradition zu suchen sei — unmöglich. Da- hat sich gerade in Hannover ge- zeigt, wo man seiner Zeit die Aristokratie anö der ersten Kammer herauSgedrängt hatte. Damals forderten die Landgemeinden energisch deren Rückkehr, da ihnen dieselbe als ein Schutz gegen die Macht der Büreankratie erschien. Aehnlich solle eS jetzt werden, indem die Vertreter der Landgemeinden dann lediglich den Landräten gegenüber stehen würden, die dann allein die „Selbstverwaltung* repräsentieren. (Sehr richtig! im Zentrum.) WaS den ans dem letzten hannoverschen Provinzial-Landtag gemachten Vorschlag betreffe, so könne derselbe erst dann richtig beurteilt werden, sobald daS einschlägige statistische Material vorliege. Man möge e- an« diesen Gründen ruhig bei dem alten Zustande in Hannover taffen; das sei wahrhaft konservativ und habe größere Erfolge als alle jene sogen. Reorganisationen, auf die er nichts gebe. (Beifall im Zentrum.)
Abg. v. Liebermann (für) bedauert, bei aller sonstigen Anerkennung der Autorität deS Vorredners, namentlich auf Gebieten, wie dem vorliegenden, den einseitigen Stand« »unkt desselben zu der Vortage. Die allmähliche Ein« nhrung der Reorganisation in allen Landesteilen halte er (Redner) für unabwcislich, doch denke er mit seinen ton» crvativen Freunden nicht daran, historisch Entwickeltes ein» ach zu ignorieren und allen Provinzen die „gleiche Uni» orm* — wie Wtndthorst sich ausdrücke — anzuziehen. Die Staatsregierung hat den Entwurf gegenüber einem früher vorgelegten insofern abgeändeit, alS sie in wohlwollender Weise eine Reihe von auS der Provinz Hannover laut gewordenen Wünsche berücksichtigt habe. Die Ausübung der Ortspolizei auf dem Lande betreffend, habe die Regierung an dem Gedanken festgehalten, dieselbe den Land- räten zu übertragen, auS welchem Grunde allein die Bil- dung verhältnismäßig kleiner Kreise vorgeschlagen werde. Hieran sei aber keineswegs Anstoß zu nehmen, denn gerade dies entspreche der historischen Entwickelung in den einzelnen Provinzen. Im übrigen sähe die Bevölkerung ihrer Mehrzahl nach die Verwaltung der Polizei viel lieber in den
Berlin, den 29. November.
Das Haus ist anfangs schwach besetzt. Am Mintster- Me: Geh. Ober-RegiernngSrat Haase und mehrere Kom- Marien, später der Minister deS Innern v. Puttkamer.
Präsident v. Köller eröffnete die heutige (6.) Plenar- iitang deS Abgeordnetenhauses um ll1/* Uhr mit geschäft- £tt Mitteilungen. Der erste Gegenstand der Tagesordnung jß die erste Beratung deS Entwurfes einer Kreisordnung für die Provinz Hannover, und deS Gesetzentwurfes, betr. die Einführung der Provinzialordnung vom 29. Juni 1875 in der Provinz Hannover. Die Rednerliste ergiebt je ihres h8 5 Redner für und gegen die Vorlage. Es erhält zunächst
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Abg. Dr. Windthorst (gegen). Derselbe anerkennt Garanti >mr die hohe Bedeutung deS Entwurf«, spricht sich aber magisch gegen die Umgestaltung der Verhältnisse in Hannover auS. Es sei die Aufgabe einer gesunden Politik, .oetenprt ^^ffch gewordene Verhältnisse möglichst unberührt zu taffen, da die Einführung von Neuerungen stets Unzu» siiedenheiten im Gefolge habe, was doch mit den Tendenzen dü Ministers gewiß nicht im Einklänge stehe. Die bisherigen Zustände in Hannover hätten zwar auch ihre Mängel, doch seien dieselben nur solcher Natur. daß trotzdem die Beibehaltung der seitherigen Verhältnisse in der Provinz allgemein gewünscht würde. Aber auch abgesehen davon, finne er (Redner) nicht eher für die Annahme der vor- Magenen Neuerungen stimmen, bevor dieselbe nicht für die anderen neuen Provinzen ebenfalls fertig vorliege. Auf dm materiellen Inhalt der Vorlage näher eingehend, betont Redner, daß mit Einführung derselben eine Gleich- frllung Hannovers mit den alten Provinzen (welche Redner die „Garde - Provinzen* nennt) keineswegs herbeigeführt werde, da von Selbstverwaltung kaum die Rede sein könne. Solche Neuerungen würden vielfach vom jüngeren Beamten- tiim angeregt, denn mit der Abschaffung alter Zustände würden auch alte Beamte beseitigt, aus deren Abgang dann die junge Beamtenwelt spekuliere. Wie da« vorliegende Gutachten beweise, sei die alte Aemterverfassung in Han- M6cr durchaus praktisch, waS selbst von den erst später
Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Juvalidendouk ia Berlin; B. Thiene- ia Elberfeld; E Schlitte ia
Ärf4«int täglich außer an den Werttagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „IllnstrtrteS SotMtagSblatt* durch die 4-pedittan lK • chffch« Buchdruckerei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches S Mark 50 Pf«. (e$cL Bestellgebühr^ - Jnfertronsgebahr für d,e gespaltene Zecke 1® Pfß.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden S5 vfg- berechnet.
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