p
te D0
;ei
280
Marburg, Freitag, 30. November 1883.
xvm. JahrgMg.
...eigen nimmt entgegen: Spedition d. BlatleS. .«ied.Annoncen-Bureauk
Dietrich u. Co. in t unb Hannover; Th.
Kfenftetn u. Vogler tn Grt a. M-. Berlin, kAig. Köln rc.; Äubolf Stoffe8 i" Berlin, Frank- ^" furt a. M. re-______
WkitzUihe Bfitmij.
Ln,eigen nimmt entgegen: die Expedition b. Mattes, sowie b.ÄTmoncen4Suteen$ von ®. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jiaerlche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Krvalidendanii» Berlin: B. Thiene» in EKerseld: C Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für da» Quattal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrirtes Lomrtagsblatt" durch die Expedition (Jt • ch'sche Buchd,uckerei) bezogen 2 V. Mark, durch die Postämter de» Deutschen Reiche» 2 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr) — JnsetttonSgebühr für die gespaltene Sette !• Pf,.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werben 25 vffi- berechnet.
ygT Für dm Monat Dezember nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande die Landpostboten) auf die
Oberhesfische Zeitung
und deren Gratisbeilage
Illustriertes Sonutagsblatt
Bestellungen entgegen.
N
0
vom Landtag.
Berlin, den 28. November.
Präsident v. Köller eröffnete heute die anfangs spärlich besuchte 5. Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses um IlVz Uhr. Am Ministertische: Eisenbahnminister Maybach atib mehrere Kommiffarten. Die Tagesordnung ist wie scht festgesetzt:
1. Erste Beratung deS Gesetzentwurfs, betreffend den «eiteren Erwerb von Privateisenbahnrn für den Staat. F 2. Erste Beratung deS Gesetzentwurfs, betreffend die Haftung der Versicherungsgelder für die Ansprüche der Inhaber von Privilegien und Hypotheken im Bezirk deS chemaligen AppellationSgerichtShofeS zu Köln.
Der Abg. Marcard (Tecklenburg) ist gestern nach- mittag 5Vr Uhr gestorben. Die Mitglieder ehren da» An- denken desselben durch Erheben von den Sitzen. Nach -«eiteren geschäftlichen Mitteilungen seitens des Präsidenten tritt daS Haus in die Tagesordnung ein. ES handelt sich am Uebernahme der Verwaltung und deS Betriebes der Oberschlestschen, der Breslau - Schweidnitz«Freiburger, der , Rechten Oderufer- und der Posen-Kreuzburger Bahn, sowie 1 um den Erwerb der Altona»Kieler Bahn, sowie deS tn fürstlich Schaumburg - Lippeschem Gebiete belegenen Teiles der Hannover - Mindener Eisenbahn. ES erhält zunächst
oln.
EfcUt»
zfWM (4082
e
4084
-5W
da« Wort
Adg. Dr. Meyer (Breslau). Derselbe erklärt, mit einem großen Teile seiner Freunde nach wie vor gegen daS Verstaatlichungs-System zu sein, daS er im weiteren Verlaufe feiner Rede einer abfälligen Kritik unterzieht, wobei er eine Reihe offener Fragen aufwirst und namentlich gegen dar Tarifsystem sich wendet. Vor etwa 10 Jahren habe der Abg. Lasker hier eine Rede gehalten, welche den Anstoß zur Eisenbahn-Enquete gegeben, deren Beratungen den Ver- ftaatlichungS - Gedanken reifen ließen. ES sei ihm (dem Redner) unbegreiflich, daß der Abg. Wagner gestern gegen LaSker ausfällig geworden sei. Er müffe für denselben, der Jahre lang ein hervorragendes Mitglied dieses Hauses gewesen, jetzt aber durch een Ozean von ihm getrennt sei (Heiterkeit), entschieden eintreten. Der Abg. LaSker sei »imals ein Freund des Jobbertums gewesen, für welches
Die alte Lady.
6
9
irfcurg, 44.
10
10
10
10
10
<1
7
9
10
> Möbel t mit Ki Nr. 21
3. W. Sehen »ver.
•d».
101b
ir 101%
101
100t
1011
1001
661 9. 95$
102
971
56, 7b l
701
293 । fe 96
220, 116’ joo|j f 99»
Erzählung von Balduin Möllhausen.
Mit sichtbarer Spannung hatte Abel Elly'S Mitteilungen gelauscht, und als sie schwieg, säumte er noch einige Sekunden, vie überlegend, bevor er antwortete: „Auch mir ist er nicht fremd, obwohl ich ihn nur einmal im Leben fah. Aber eS ist, wie Sie andeuten: Wer ihm einmal begegnete, vergißt ihn so leicht nicht wieder, und ein guter Mann ist er am wenigsten, daS steht auf seinem Gesicht geschrieben, und daß er hier irgendwo in den Wald eindrang, zeugt nicht für ein gutes Gewiffen. Ich war noch ein Kind, als er «inkS Tages gegen Abend in unserer Kolonie erschien. Ich lief ihm gerade in den Weg, und da fragte er mich nach dn alten Lady. Er soll auch bei ihr gewesen sein und Selb von ihr erhalten haben. Sie selber sprach nie darüber, aber entsinne ich mich recht, so trafen folgenden Sages Leute ein, die nach einem Pferdedieb forschten und unverrichteter Sache wieder hetmkehrten. Doch das ist jetzt io lange her, daß wohl kaum noch jemand an die Geschichte denkt. Mir wäre si- nimmermehr eingefallen, hätte fein erster Anblick mich nicht an den heillosen Schrecken ßanahnt, welchen der Strolch mit seinem einzigen grimmigen Rüge mir damals einjagte/
„Möglichen Falls beabsichtigt er, sein Glück abermals ’ M der Miß Blair zu versuchen," bemerkte Elly nachdenklich.
„Wohl schwerlich," erwiderte Abel, „er wird erwägen, N er sein einäugiges Gesicht nur in ihre Thür zu stecken 9 taucht, um sogleich wiedererkannt zu werden, und ihr erster ä Ruf ein halbes Dutzend handfester Nachbarn zur Stelle schafft. Heber da«, wa» ihm damals vielleicht zur Last
, WWW lywi 0”- ■*”1-
fllegt wurde, ist heute längst Gras gewachsen; wir möchten Mst, sollte er die Kolonie abermals betteten, nicht allzu Ht mit ihm verfahren."
man auf jener Seite stets den Begriff „Börse" unterstelle. Er war vielmehr seit jener großen Gründer - Rede der tn Jobberkreisen bestgehaßte Mann, wie eine nach der Rede von hier abgegangene Börsen-Depesche des Inhalts beweise: „Flau nach LaSker". (Heiterkeit.) WaS die zur Debatte stehende Vorlage betreffe, so beantrage er die Verweisung derselben an eine Kommission von 21 Mitgliedern. (Beifall links.)
Abg. v. Wedell-Malchow erklärt sich gleichfalls für die KommisstonSberatung der Vorlage und wendet sich dann im einzelnen gegen die Ausführungen des Vorredners. DaS Verstaatlichungs-System hat sich bis jetzt als eine durchaus segensreiche Einrichtung bewährt. Der Vorredner habe eine Reihe von Fragen deshalb aufgeworfen, ohne indes eine Antwort darauf zu geben. Unzweifelhaft fei eS, daß der Ausbau des SekundärbahnnetzeS den Privatbahngesellschaften nie in dem Maße hätte gelingen können, wie eS de» Staat durchgeführt. Was die Feststellung der Tarifsätze betreffe, so sei eS immerhin bester, daß der Minister dieselben regele, als wenn dies von privater Seite geschehe. Bezüglich de» bekannten, auch vom Vorredner wieder ins Feld geführten manchesterlichen Grundsatzes vom „freien Spiel ber Kräfte* und der zweckmäßigsten Regelung der Verhältnisse durch „Angebot und Nachfrage" bemerkte der konservative Redner treffend, daß in dem gegebenen Falle der Vorteil naturgemäß denjenigen zugefallen, welche die Macht besaßen, und daS waren die Aktionäre. Die vom Vorredner berührte Affaire LaSker möge man endlich in Ruhe lasten, mit Personalien habe man sich in diesem hohen Hause nicht zu be- fasten. (Sehr richtig!) WaS die gegen seine (deS Redners) Person wiederholt von liberaler Seite unternommenen Angriffe betreffe, so seien dieselben durch daS unentwegte, jahrelange Vertrauen seiner Wähler hinlänglich widerlegt worden; er halte eS daher unter seiner Würde, hier darauf einzugehen. (Bravo I recht».)
Eisenbahnminister Maybach entwickelt tn längerer, vielfach von lebhafter Zustimmung seitens der Rechten begleiteter Rede die leitenden Grundsätze der Eisenbahn-Verstaatlichung, zu deren Vervollständigung er noch weitere Vorlagen in Aussicht stellt. In bestimmter Weise widerlegt der Minister hierauf die gegnerischen Aeußerungen, deren Widersp-üche er im einzelnen beleuchtet. WaS den auf jener Seite vielfach geltend gemachten Vorwurf des Wagen - unb Utensilien - Mangels betreff«, so sei ersterer fast gänzlich geschwunden, während auf die Beseitigung deS letzteren eine weitere Vorlage htnziele. Wenngleich die staatliche Betriebs - Uebernahme in erster Ktnie die Hebung deS Verkehrs wie überhaupt der wirtschaftlichen Jnteresten des Landes im Auge habe, so bleibe doch die Hoffnung auf weitere Mehreinkünfte aus den Staatsbahnen bestehen. Bezüglich der vielbe-
„Ob ich Miß Blair erzähle, daß wir ihm begegneten?" „Wer weiß, ob's ihr angenehm wäre, an jemand er? innert zu werden, der vielleicht in keinem guten Andenken bei ihr steht. Er trüg' Ihnen wohl gar bösen Willen ein; denn sie ist eine seltsame Frau, und wer täglich mit ihr verkehren soll, muß auf der Hut sein. Ich widerhol's: Sie redet nicht viel; aber in ihren Augen und um die schmalen Lippen liegt etwa», daS ist bitterer, als die herbsten Worte sein könnten."
„Die Zeit wird'» lehren," versetzte Elly, und wie ernsteren Betrachtungen sich entwindend, sah sie munter um sich, „jedenfalls bin ich Ihnen dankbar für Ihre Ausschlüste; denn die erleichtern eS mir, in meinem Verkehr mit der alten Lady vorsichtig zu Werke zu gehen, daß ich nicht unbedacht ihren Zorn herausfordere."
„Unb elngebenl werden Sie bleiben, daß meine» VaterS Haus keine fünfhundert Ellen weit, wenn'S Ihnen einmal über den Kopf wachsen sollte," bemerkte Abel Fancy dringlich; „ist mir doch, als gehöre solch srischeS junge» Leben nicht in die Gesellschaft jemandes, der mit allen irdischen Freuden abgeschlossen hat."
„Oder vielmehr erst recht," verbesserte Elly lachend, „weil eS gilt, ein trübes Erbendasein zu erhellen. Aber, wie die Zeit entschwand! Wir haben geplaudert, wir haben' geschwiegen, unb barüber ist die Sonne immer tiefer hinab- gesunken. Auch kühler wurde eS nach dem heißen Tage, daß ich zu Fuß gehen möchte, um die frische Luft in tieferen Zügen einzuotmen.
„Unb in finsterer Nacht an Ihrem Ziel einzwtteffen," fügte Abel hinzu unb lustig knallte er mit ber Peitsche; „in einer Stunde schaffen'« die Gäule; eine andere Stunde dauert'» dann noch, bis die Sonne sich schlafen legt"
Lebhafter griffen die Pferde aus, lebhafter folgte ihnen
sprochenen Tariffrage betont der Minister, daß er sich zur Zurücknahme einmal bewilligter Ermäßigungen nicht entschließen könne. Was die Beamtengehälter betreffe, so greife depen Erhöhung nach Maßgabe der Steigerung der individuellen Leistungsfähigkeit Platz; eine Bevorzugung dm Beamten anderer Ressorts gegenüber solle nicht stattfinden. Hinsichtlich der neu zu erwerbmdeu Bahnen hebt der Minister lebhaft hervor, daß sie für die Zwecke der Landes- Verteidigung von hohem Interesse seien, und daß schon aus diesem Grunde ihr Erwerb notwendig erscheine, der übrigen« unter günstigen Bedingungen sich vollziehe. Bewilligen Sie — so schloß der Minister — auch diese Vorlagen, so werden Sie sich dadurch den erneute» Dank des Landes verdienen. (Lebhaftes Bravo!)
Abg. B ü ch t e m a n n erklärt sich namens seiner Freunde vom Fortschritt gegen die Vorlage. Er wolle heute auf Erörterungen von Prinzipienfragen wegen der Eisenbahn« Verstaatlichung nicht eingehen. DaS aber wolle er konstatieren, daß sich bis jetzt zwar finanzielle, nicht aber wirtschaftliche Vorteile ergeben haben. Er habe Vorteile der letzteren Art bisher noch nicht erkennen können und er verlange zu deren Herbeiführung andere Garantiem al» solche, wie sie bisher geboten vmrd«. Er müffe daher mit seinen Freunden nach wie vor die Verantwortlichkeit für den weiteren Ausbau be» Staatsbahnsystems von sich weisen unb stimme aus den angegebenen Gründen gegen die Vorlage. (Beifall beim Fortschritt.)
Abg. v. Tirdemann-Bomst (freikons.) wendet sich zunächst gegen den Vorredner, indem er hervorhebt, daß seine politischen Freunde, im Gegensätze zu denjenigen des Vorredners, die materiellen Jntereffen des Lande» höher stellten, als gewiffe formale Rechte de» Hauses. Wa» die Behauptung H Abg. Büchtemann betreffe, daß der von Privatunternehmern begonnene Ausbau de» Sekundär- bahnnetzeS ja aus Privatmitteln bestritten sei, so stehe dem gegenüber, daß die Privatgesellschaften immer nur rentable Strecken gebaut hätten (sehr richtig! rechts), während der Staat sich bei seinen Bahnbauten stet» von der Erwägung be» LandrS-Jntereffe» leiten lasse. Die gleiche Erwägung komme bei der staallichen Feststellung der Tarifsätze in betracht. Wenn man heute daS erfreuliche Ergebnis der bisherigen Verstaatlichungspolitik überblicke, so müsse man sich in der That fragen, wie da» Privatbahn - System so lange habe wirtschaften können. (Beifall recht».)
Nachdem Abg. Dr. Meyer (Breslau) nochmals da» Wort ergriffen, um sich kurz gegen die Ausführungen be» Abg. v. Tiedemann zu wenden, erklärt
Abg. Dr. Hammacher-Essen, daß er mit feinen nattonalliberalen Freunden für die Vorlage eintreten werde, vorbehaltlich der Kommissionsberatung. Seine Partei werde bei der Unterstützung der Verstaatlichungs-Politik von dem ber Wagen, und so ging eS dahin durch die liebliche Landschaft, welche, bei ber unablässigen Bewegung in fielet Wanblung begriffen, die beiden jugendlichen Reisenden mit den frohen leichten Herzen von allen Seiten freundlich zu grüßen schien.
II.
Es war genau so, wie Abel Fancy sagte: Jeder in der jungen Kolonie KeanSville ging Miß Eva Blair gern alldem Wege, wenn nicht eben GeschäftSangelegenhetten ihn zum Verkehr mit ihr zwangen. Unb doch lebte fie schon seit zwanzig Jahren in dem Oertchen, also feit der Zett, in welcher erst ein Dutzend Blockhütten die Kolonie bildeten. Woher sie stammte, wußte niemand. Sie war eine» Tage», wie auS den Wolken gefallen, erschienen, hatte die geräumigste Blockhütte für baareS Geld käuflich erworben, mit ausgiebigen Mitteln einen echt westlichen Kaufladen für alles eingerichtet, und wie sie heute auSsah und sich trug, war es schon vor neunzehn, zwanzig Jahren gewesen. Also matt scheute Miß Eva. Aber kein Wunder; denn abgesehen von ihrer ungewöhnlichen Länge und dem starken knochigen Gliederbau, war ihr Antlitz so hart und starr, al» ob es aus einem Stück Hickoryholz geschnitzt gewesen wäre. Dazu einten schmale Lippen, eingefallene Wangen, vorstehende Backenknochen und eine große gebogene Nase sich zu einem zwar nicht abschreckend häßllchen, doch auch nicht Vertrauen erweckenden Bilde. Wohl besaß sie große braune Augen, die vor fünfzig, sechSzig Jahren recht munter in die Welt hinauSgeschaut haben mochten; allein heute blickten sie unendlich düster, ein Ausdruck, welcher durch die buschigen schwarzen Brauen und da» tief über dir Stirn gescheitelte dunkelbraune starke Haar noch auffälliger gemacht wurde. (Fortsetzung folgt)