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Marburg, Mittwoch, 28. November 1883.
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Höhung der Holzpreise beitragen. Bei der Justizverwaltung ergebe sich auch jetzt wieder ein erhebliches Minus, offenbar wirke aber hier die laxe Anwendung des Armenrechts auf die Verminderung der Einnahmen erheblich mit. WaS den neuen, jetzt vorgelegten Etat betreffe, so sei vor allem hervorzuheben, daß die Ueberweisungen der Einnahmen auS dem Reiche sich wiederum günstiger gestaltet hätten. Dieser erfreuliche jErfolg sollte doch die Zuversicht auch zu der inneren Politik des Reichskanzlers stärken. Es sei gewiß zu wünschen, daß man den großen Staatsmann, der sich um das Vaterland auf einem anderen Gebiete bereits unsterbliche Verdienste erworben, dabei unterstütze, dieses angefangene Werk zur Durchführung zu bringen. Wenn im übrigen seine (deS FinanzministcrS) heutige Ausführungen nicht ganz denen des Vorjahres zu entsprechen scheinen, so müffe er doch einer Unterstellung entgegentreten, als ob er früher absichtlich schwarz oder grau gefärbt habe. Andererseits glaube er auch nicht, daß für 1885/86 auf erhebliche VerwaltungSüberschüfse zu rechnen sein werde. ES sei vielmehr die Möglichkeit nicht auSgeschsoffen, daß wir wieder einen finanziellen Rückschritt machen müßten. Zwar erwarte er keinen Rückgang auS den Zolleinnahmen des Reichs; aber das letztere werde auf die Dauer eine Anzahl notwendiger eigener Bcdürfniffe nicht zurückstellen können. Deshalb müffe man die Notwendigkeit einer Erhöhung der preußischen Staatseinnahmen klar im Auge behalten. Die demnächst zu erwartenden Steuerreformvorschläge würden im wesentlichen dahin gehen: 1. die Einkommen bis zu 1200 Mk. von der direkten Personalsteuer ganz zu befreien, 2. die Steuer der Einkommen bis zu 1OOOO Mk. zu ermäßigen. Die Ausfälle aber, welche dadurch entstehen, sollen ausgeglichen werden 1. durch eine Besserung in der Veranlagung der Steuer, 2. durch Heranziehung der Aktiengesellschaften zu der Einkommensteuer, und namentlich 3. durch die Kapitalrentensteuer, betreffs welcher eine Vorlage dem Hause demnächst zugehen werde. Dieses Gesetz könne bei der Schwierigkeit der Materie aber jedenfalls erst mit dem 1. April 1885 in Kraft treten, und sei dasselbe von dem vorliegenden Etat, den er wohlwollend zu beurteilen bitte, nicht abhängig. (Bravo I rechts.)
Inzwischen hatten stch 7 Redner gegen und 5 für den Etat zum Wort gemeldet. Der erste Redner gegen denfelben ist
Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst: Er hält dafür, daß man so lange mit einem Defizit arbeite, als zur Balanzierung des Etats Ueberschüffe auS dem Vorjahre erforderlich seien. Verschiedene Positionen im Extraordi- narium (Ankauf von Kunst- und Waffensammlungen) kann der Redner mit Rücksicht auf die Finanzlage nicht billigen; das Land werde zu sehr sür die Hauptstadt in Kontribution gesetzt. Zeige auch der Etat einige Befferung, so habe
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vom Landtag.
Berlin, den 26. November.
In der heutigen (3.) Sitzung des Abgeordneten- uses wurde zunächst eine Reihe geschäftlicher Angelegen- iten erledigt. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung
Etats.
Finanzminister v. Scholz hält sich, trotzdem der Etat, eichend von dem früheren Usus, diesmal bereits bei Erling des Landtags gedruckt dem Hause vor gelegt ist, für flichtet, die Auffassung der Staatsregierung über die rnziage des Staats des Näheren darzulegen und die rte der Thronrede, daß die Finanzlage stch im Verhält- e zu den früheren Jahren günstiger gestaltet habe, ein- nd zu rechtfertigen. Vor allem hat das Etatsjahr 1882 1883 einen Ueberschuß von nahezu 26 Millionen er- ,en, wovon allerdings gemäß den Bestimmungen des senbahngarantiegesetzeS etwa 12^2 Millionen Mark zur lgung der Eisenbahnschuld zu verwenden sind. Die außer- entltchen Mehreinnahmen aus der Eisenbahnverwaltung mderS hat es ermöglicht, den Etat nach längerer Zeit der zum ersten Male zu balancieren; diese Thatsache eile die Nichtigkeit der eingeschlagenen Eisenbahnpolttik. e Auffassung, daß sich die Finanzlage gebeffert, stütze aber ebenso auch auf die Ergebnisse deS laufenden
>hl eine Ausnahme.*
„Erwartet werde ich nicht; ich gehe zu ihr, weil ich schickt wurde. Komme ich ihr ungelegen, haben eS Andere verantworten. Finde ich sie zu unfreundlich und gräm- h, so gehe ich wieder davon; sonst will ich schon fertig i ihr werden.*
.Wenn ich jemand zutraue, daß er ihr ein gute« Wort 6 einen freundlichen Blick abgewinnt, so sind Sie es,* werkte Abel nachdenklich; „ein mißliches Ding bleibt'» wierhin, wenn eine Person, die seit zwanzig Jahren und »hl länger mit ihrer Rede umging, als wäre jede einzelne Äe eine Wagenladung GoldeS wert gewesen, plötzlich Itteilsam werden soll.*
„So bin ich um so mitteilsamer.'
„Was für jeden Anderen eine Lust wäre, Miß Elly. k alte Lady denkt indeffen anders. Ich erlebte, daß
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jemand sie recht aus teilnehmendem Herzen anredete, sie hingegen, anstatt zu antworten, ihn mit ihren großen braunen Augen ansah, wie um eine Beleidigung zu strafen.*
„Kein schönes Bild entwerfen Sie von ihr; das darf mich indeffen nicht hindern, es dennoch mit ihr zu versuchen. Gelingt mir'S nicht, ihr Wohlwollen zu erwerben, so weiß ich, daß auch anderwärts Brod gebacken wird.*
„Ich hätte einen Vorschlag,* nahm Abel nach einer längeren Pause beinahe schüchtern wieder daS Wort, „ich meine, wenn Sie die alte Lady ein wenig näher kennen lernten, bevor Sie stch in ihre Gewalt begeben.*
„Wie wäre das zu ermöglichen?*
„Auf eine recht ehrenwerte und bequeme Art. Wir kommen nämlich an dem Gehöft vorbei, welches ich von meinen Eltern erbte. Da könnten Sie absteigen und mit Ihren Sachen vorläufig bleiben. Bei mir wohnt eine Verwandte, eine alte Witwe. Die ist sehr gutherzig und würde Sie aufrichtig willkommen heißen.*
„Nein, nein,* entschied Elly hastig, „das würde erst recht dazu dienen, Miß Blair zu verfdnden, sie wohl gar bewegen, mir später die Thür zu weisen.*
Abel Fancy schwieg. Die Pferde beobachtend, drängte eS ihn immer wieder, seiner schönen Nachbarin einen heimlichen Blick der Bewunderung zu zollen. Er meinte, stch nicht satt an ihr sehen zu können, wie sie neugierig und sorglos in alle Richtungen spähte, neugierig und sorglos wie ein Kind, welches zum ersten Mal die Grenzen deS elterlichen Heims überschreitet. Mehrfach kehrte er stch ihr mit einer energischeren Bewegung zu; er öffnete sogar die Lippen, als hätte eine Bemerkung ihm auf der Zunge geschwebt, doch wie über seine Kühnheit beschämt, sah er jedesmal wieder über die Köpfe der Pferde hinweg, während zugleich eine verräterische Glut auf seinen wettergebräunten
Geld.
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Die alte Lady.
Erzählung von Balduin Möllhausen.
„Und ich Abel Fancy, damit Sie von keinem Unbe-
Buchhandluna befetb#,; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvaltdendauti» Berlin; W. Thtene» in Elberfeld: 4- Schlotte t*
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Dietrich u. Co- in und Hannover; Th.
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stch doch die Lage des Volke» selbst nicht gebeffert. Der Redner spricht für eine Einführung der Börsensteuer; um sie durchzuführen, müffe man die Macht der Börst Krr rechten Zeit beschneiden. (Heiterkeit.) Er befürchte indes, daß auch die Kapitalrentensteuer an der großen Macht des Kapitals scheitern werde. Er bittet schließlich; dem Sperrgesetz und dem ganzen Kulturkampf ein Ende zu machen; selbst die „Köln. Ztg.* habe sich von dem letzteren bereits zurückgezogen. Gesicherte friedliche Berhältntffe im „Innern* gebe es zur Zeit noch nicht. Und waS die friedlichen Verhältnisse nach „Außen* betreffe, so könne man jeden Augenblick einen Krieg erwarten. In solchem gefahrvollen Momente würden aber die Katholiken an Mut und Opferwilligkeit hinter Niemandem zurückstehen. Aber die Regierung müffe auch dafür sorgen, daß die Katholiken dies thun könnten mit wahrer Begeisterung und in treuer Liebe zu dem Vaterlande.
Abg. Frhr. v. Minnigerode anerkennt gern, brö die Finanzlage sich günstiger gestaltet habe, und hofft zugleich, daß die Rückgänge in den Einnahmen einzelner Etatstitel keine dauernden sein würden. Im ganzen sei die günstige Finanzlage ein Beweis von der Fruchtbarkeit und Nützlichkeit der gegenwärtigen Finanzpolitik, deren ganze Vorteile übrigens erst die späteren Jahre in» rechte Licht stellen würden. Der Redner hofft auf eine Wiederholung der Holzzollvorlage im Reiche. In der Befreiung von zwei wetteren Stufen der Klaffensteüer erkennt er einen Beweis solider Finanzverhältniffe. Einer Erhöhung der Branntweinsteuer seien auch die Konservativen nicht entgegen, doch müffe dieselbe ohne neue Belastung deS Grund« besitze» erfolgen. Mit Befriedigung konstatiert er, daß ge« wiffe Beamtenkategorieen im Etat eine Gehaltsaufbesserung erfahren sollen, und daß der Minister der öffentlichen Arbeiten fortdauernd auf Verbefferung der Tarife bedacht ist, ohne Fiskalität zu üben. Der Redner geht demnächst auf die einzelnen Etats ein. Namentlich betont er dabei, daß der KultuSctat in bedenklicher Weife feit 1871 um 100 Prozent gestiegen sei. Er hofft, daß die von der Regierung geplante Steuerreform doch auch einmal zu stände kommen werde. Die Kapital-Rentensteuer stehe auf dem Programm der Konservativen. Dieselben würden die in der Thronrede hervorgehobenen Punkte ernstlich In Erwägung nehmen. Er sei überzeugt, daß dem auf Förderung de» Volkswohl« gerichteten Willen der Regierung aüf die Dauer der Erfolg nicht fehlen werde. (Zustimmung rechts.)
Abg. Rickert versucht, den der liberalen Finanz- wirtschast gemachten Vorwurf mit der Behauptung zurück- zuweisen, daß daS konservative Finanz-Kunststück lediglich darauf basiere, mit höheren Steuern Zahlungen zu leisten. WaS die Börse betreffe, so möchten doch die Konservativen daS Rezept angeben, wie die Börse noch mehr zu pressen > tät .......... i .................
Wangen emporflackerte. Es gab ja nichts Schöne», nichts Liebes und Trauliches, was er in der tiefen Waldeinsamkeit, durch welche der Weg führte, ihr nicht hätte zuraunen mögen.
Endlich dauerte Elly da» Schweigen zu lange, und lustig sprühten ihre Augen, indem ste zu Abel gewmdet anhob: „Jedem Anderen, als mir, hätte Ihre Schilderung der alten Lady vielleicht Furcht eingeflößt. Aber Gott fd Dank, Furcht kenne ich nicht. Mißfällt es mir bet thx, so biete Ich ihr Lebewohl, und wohin ich auch gehen mofy überall hin begleitet mich das Bewußtsein, daß ich meide gesunden Glieder gebrauchen lernte.*
„Leicht gesagt, doch wohin gleich?* nahm Abel stch dn Herz zu fragen, denn je öfter er die liebliche Gefährtin betrachtete, um so mehr schien sein Mut zu schwinden.
„Wohin Zufall oder gute» Glück mich führen,* hieß eS fröhlich von den schwellenden Lippen zurück.
„Vielleicht zu Verwandten,* fuhr Abel förmlich befangen fort.
Elly sah ihn groß an. Gutmütiger Spott lugte auS ihren braunen Augen, spielte um den lächelnd zuckenden Mund.
„Sie befinden sich auf dem besten Wege, mich auSzu« forschen und auf Umwegen obenein,* sprach ste nach kurzem Sinnen. Doch gleichviel; waS Ich nicht sagen will, verrate ich nicht. So viel mag ich Ihnen indeffen anvertraum, daß ich überhaupt keine Verwandte besitze, ich weiß wenigsten« von keinen. Mdnen Vater lernte ich kaum kennen. Meine arme Mutter überlebte ihn nur wenige Jahre. Dann starb die allerdings sehr hoch betagte Frau, deren Schutz und Pflege die Mutter mich anempfohlen hatte, nebenbei dne treue Seele, und jetzt stehe ich so allein in der Welt, wie der Vogel da drüben auf der Baumspttze, kann mich aber rühmen, daß ich noch nie einen Menschen traf, der mir unfreundlich begegnete.* (Fortsetzung folgt)
atsjahreS. Es sei zu erhoffen, daß dasselbe einen Ueber- uß von etwa 20 Millionen Mark ergeben werde. Auch r sei es wiederum die Eisenbahnverwaltung, welche einen iberfchuß von etwa 16Va Millionen erwarten lasse. Auch eise Einnahmen aus der Forstverwaltung würden ein Mehr <2 . 3 Millionen ergeben. (Links: Hört! hört!) Diese
^^Mehreinnahmen seien allerdings einigermaßen überraschend; aue , Zwischen seien die Ursachen bisher en. gültig noch nicht ^"^Wgestellt. Soweit stch bis jetzt übersehen laffe, resultiere fe Mehreinnahme zum Teil auS der befferen Ausnutzung Nutzholzes, zum anderen auS den erheblichen Fracht- äßigungen der Ostbahn. Jedenfalls trete als vor - berg eh end er Faktor hinzu die Aussicht auf die Er- ~l$ung deS Holzzolles. Wenn aber schon die Aussicht ' kt Erhöhung des Holzzolles so wohlthättg wirke, wie viel |U Kaß »ihr würde die wirkliche Erhöhung deS Holzzolles zur Er-
Miten gefahren werden.*
„Ich hörte den Namen bei dem Güterschuppen.*
„DaS verdirbt nichts, Miß Elly.* Aber eine Frage, He Sie nicht übel deuten mögen: Fürchten Sie nicht, zu her Unbekannten in’« Haus zu gehen?*
„Ich fürchte niemand; doch warum meinen Sie?*
„Die alte Lady, so wird sie allgemein genannt, Ist Hmlich eine seltsame Erscheinung. Da lebt kaum jemand h unserem Ort, der ihr nicht gern auS dem Wege ginge, pöitg kann ihr freilich niemand nachsagen; allein wenn ste iPiem begegnet, möchte man glauben, ste plane arges, so »rr und grämlich bewegt ste sich einher. Ich vermute, Me werden von ihr erwartet, und da macht ste mit Ihnen