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gereist. — Der General-Feldmarschall Graf v. Moltke fist an stelle des kürzlich verstorbenen Oberst-Kämmerer» Grafm v. Rebern zum Kanzler des hohen Ordens vom Schwarze« Adler ernannt. — Der „Wests. Merkur" teilt bezüglich des sogenannten „Lohmannschen Zwischenfalls" in der Aus­arbeitung des neuen UnfallverstcherungS-Gefrtze» mit, der Reichskanzler habe einstweilen nachgegeben. Als wesent­liche Differenzpunkte in den beiderseitigen Ansichten bleiben nach dem „Wests. Merkur" bestehen, daß der Reichskanzler den Reichszuschuß und die Verstaatlichung der korporativen Genossenschaften verlange, während Geheimrat Lohmann dagegen sei. Woher der „Wests. Merkur" seine Wissen- schäft geschöpft hat, bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg." ist uns unbekannt; jedenfalls aber aus einer unzuvrrlässtgrn Quelle. Der wirkliche Sachverhalt ist der, daß der Ge­heimrat Lohmann oem Reichskanzler, bei dessen letzter An­wesenheit in Berlin, erklärt hat, er sei außer stände, die Vorlage des UnfallverflcherungS - Gesetzes in dem Sinne auszuarbeiten, wie der Reichskanzler rS verlangt und wie es den früheren Stadien entspricht. Infolge dessen hat der Reichskanzler den Geheimrat Lohmann vom der Aus­arbeitung des Entwurfs entbunden und den Geheimrat Gamp aus dem preußischen Handelsministerium und dm Geh. Rat Bödiker aus dem Reichsamt de» Innern damit betraut. — Von verschiedenen Seiten wird gemeldet, daß binnen kurzem dem Landtage eine Vorlage betreffend die Verlängerung de» kirchenpolitischen DiSkretionSgesetzeS zu­gehen wird, das bekanntlich am 1. April 1884 abläuft. Die Vorlage soll keinerlei Modifikationen enthalten, son­dern lediglich den bisherigen Zustand konservieren. — Die Minister Maybach und v. Scholz waren am Donnerstag und Freitag bet dem Reichskanzler in FriedrichSruh. Gegen­stand ihrer Besprechung soll die Frage deS Kaufpreise» der Berlin-Hamburger Bahn gewesen sein. — Der Magi­strat genehmigte in der gestrigm Sitzung einstimmig dm Vertrag mit der deutschen Edison-Gesellschaft »egm der elektrischen Beleuchtung eines großen Teil» von Berlins Der Beschluß des Magistrats wurde sofort zur Beratung und Beschlußfassung an die Stadtverordneten-Versammluug abgegeben.

Sternberg, 24. Rov. Die Stände haben gestern be­schlossen, dem Großherzog Friedrich Franz ein donum gratuitum von 24000 Thalern Gold zu offerieren. Ueber die Frage, ob die Regierung um Mitteilungen Über dir Verhandlungen wegen der Berlin-Hamburger Eisenbahn zu ersuchen sei, blieb der Beschluß ausgesetzt.

Breme«, 24. Rov. Der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin ist, von seiner Reise um die Welt zurückkommend, heute mit dem Norddeutschen Lloyd- Dampfer „Werra" von Newyork hier eingetroffen.

München, 24. Nov. In der heute vormittag statt­gefundenen Sitzung des Finanzausschusses der Abgeordnetem kammer wurde der Antrag Frankenburgers, die Beschluß, fassung über die Frage der Aufbefferung der Beamtengehälte,

nach. Dann schüttelte et zweifelnd den Kopf und mit er' höhtem Eifer gab er sich seiner Beschäftigung wieder hi«'

„Den muß ich früher gesehen haben, kann mich aber auch irren," bemerkte er, vom Wagen springend, zu dm Arbeitern, und er wies mit dem Daumen über die Schulter nach der Richtung hinüber, in welcher der Einäugige ver­schwunden war. Er trat neben die junge Fremde hin, um ihr auf den Wagen hinaufzuhelfm. Diese lehnte indrssm seinen Beistand ab und das eine Vorderrad als Trittbrett benutzend, schwang sie sich leicht hinauf. Abel nahm nrbm ihr Platz, ergriff Peitsche und Zügel, und nach einem mit den Magazinleuten gewechselten munteren Scheidegruß trieb er die Pferde an. Etwa zehn Minuten Aufemhalt ver­ursachten einige Bestellungen in zwei abgelegenen Häusern, und als er endlich zur Heimfahrt in die Landstraße rinbvg, war der unheimliche Einäugige längst vergessen.

Eine ziemliche Strecke ging es in scharfem Trabe auf dem staubigen Wege einher ohne daß da« Schwetgm unter­brochen worden wäre; dann aber mäßigte Abel die Gang­art der Pferde, und seiner Nachbarin sich zukehrmd, bemerkte er freundlich:

„Also zu der Miß Eva Blair wollen Sie?"

„Zu keiner anderen", ging da» Mädchm bereitwillig auf das Gespräch ein.

„Wohl verwandt mit ihr, oder doch wenigsten» bekannt?" hieß e» weiter.

„Weder das eine noch da» andere. Die mich zu ihr schickten, mögen sie kmnen, aber auch da« weiß ich nicht genau. Ich heiße Elly HounSlow, damit Sie wiflm, wm Sie fahren." (Fortsetzung folgt.)

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ivm. Jahr-Mg.

Marburg, Dienstag, 27. November 1883.

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ObcheUche Jcitimo

/MAeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da« Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrirl^ GgtMckrgStdM" durch die Spedition («»ch'sch« ^ ^ "uchdruclerei) bezogen 2‘/. Mart, durch die Postämter d«S Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) -^nserttonSgebühr für du gespaltene Zette 1» Vf».

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Vf»* berechnet.

bk Wirtschaftspolitik und das durch ste belebte Vertrauen auf Handel, Gewerbe und Verkehr ausüben, trotzdem die Ernte in diesem Jahr nur teilweise befriedigend ausgefallen ist. Daß angesichts dieser Besserung der Verhältnisse auch gesteigerte Aufwendungen für Unterrichtswesen, Schiffahrt, Bauten und Meliorationen gemacht werden können, wird überall freudig vernommen werden. Im ganzen werden 46 V2 Millionen Mark für außerordentliche Aufwendungen verausgabt werden können, die dauernden Ausgaben sind auf 1066205546 Mark veranschlagt, in Summa schließt der Etat in Einnahme und Ausgabe mit 1 Milliarde und 112781982 Mark ab, mithin gegen das laufende Jahr mehr 29 724099 Mark.

Das Bild, welches so die Finanzlage Preußen gewährt, ist ein sprechender Beweis von dem Segen der so viel ver­ketzerten Steuer-, Finanz- und Wirtschaftspolitik des Reichs und Preußens. In ganz gleicher Weife zeigt sich, wie die Thronrede erklärte, mit welcher der sächsische Landtag jüngst eröffnet wurde, die günstige Wirkung der Reichspolitik auch im Königreich Sachsen, ferner auch in anderen Bundes­staaten, z. B. Baden.

Wenn Preußen keine andere Aufgabe hätte, als die Ausgaben und Einnahmen in Einklang zu bringen und seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Reich ver­mindert zu sehen, könnte man stch mit dem bisher erzielten Erfolge begnügen. Die Zoll- und Reichssteuerreform hat unzweifelhaft wie dem Reich so den Einzelstaaten reichen Segen zugeführt. Aber noch ungelöst ist die mindesten« ebenso wichtige Aufgabe, die Steuerlast gleichmäßiger zu verteilen und die Lasten, welche die Kommunen und hiermit auch die sämtlichen Steuerzahler bedrücken, zu erleichtern durch teilweise Uebernahme dieser Lasten auf den Staat, beziehungsweise durch Umwandlung der direkten Kommunal­steuern in weniger drückende indirekte Reichssteuern. Diese Steuerreform hat nicht die Aufgabe, die Finanzlage zu ver­bessern und neue Einnahmen zu schaffen; sie hat nur den Zweck, die Lasten anders zu verteilen, und diese Reform wird nicht nur durch die gegenwärtige Finanzlage Preußens nicht überflüssig, sondern um so notwendiger, als der Fort­bestand der Mißstände in der Steuerverteilung schließlich auch auf die Finanzlage des Staates zurückwirken muß. Die gegenwärtige günstige Situation erleichtert in hohem Maße die Aufgabe der Steuerreform und enthält die Auf­forderung, an diefe Aufgabe unverzüglich heranzugehen; zugleich bürgt sie bei Anwendung der gleichen Grundsätze, welche die Finanzlage des Staate« gebessert haben, für die Erreichung des Zieles, welches gegenwärtig dem Landtage durch die Thronrede gesteckt ist.

„Wer kennt die nicht? Die Güter hier auf dem Wagen gehören ihr. Wir sind alte Freunde und ich leiste ihr öfter Dienste."

„Das läßt stch hören", erklärte die junge Reisende, und noch immer unentschlossen, sah ste um stch, während Abel und die Arbeiter sie gespannt beobachteten.

Plötzlich kehrte sie sich diesen wieder zu. Ihr Blick war auf den landenden Prahm und die in demselben befindlichen Menschen gefallen. Bei schärferem Hinüberspähen unterschied ste die Gesichtszüge eine« ziemlich bejahrten einäugigen Mannes, welcher das Pferd hielt. Im Uebrigen zeichnete sich derselbe durch einen schäbigen Anzug auS, der wenig im Einklänge mit dem schönen Pferde stand.

„Ich nehme Ihr Auerbieten mit Dank an", sprach sie lebhaft zu Abel, als hätte der Anblick des unheimlichen Alten ihren Entschluß gezeitigt, „sogar mit herzlichem Dank, daS heißt, wenn« Ihren Pferden nicht zu viel wird."

„Könnten Sie sich versechsfachen, würdS den Gäulen keinen Unterschied macken," versetzte Abel erfreut, und eiligst holte er Koffer und Tasche herbei. Dann erstieg er den Wagen, worauf er die Ladung so zu ordnen begann, daß sein Fahrgast einen bequemen Sitz fand, stch sogar an die übereinander geschichteten Ballen anzulehnen vermochte.

In seiner Arbeit störte ihn der Husschlag eines Pferde». Aufschauend bemerkte er den einäugigen Alten, welcher sein Pferd bestiegen hatte, wie um einer Begrüßung der Menschen vor dem Schuppen auszuweichen, auf dem Uferrande einher­ritt und erst in der Entfernung von etwa hundert Ellen nach der in den Wald einbiegenden Landstraße hinüberlenkte.

Noch eine Kiste in dm Händen, spähte Abel ihm scharf

Deutsche- Reich.

Berlin, 24. Nov. Der Kaiser ist von der Hof­jagd in Letzlingen um 88/< Uhr abends zurückgekehrt. — Der Spezialgesandte des Königs von Spanien, Marquis Hijofa de Alava, ist über München nach Madrid zurück-

Dte Finanzlage PrenßeuS.

Die Thronrede hat dem Lande verkündigt, daß „stch jk Finanzlage deS Staates günstiger gestaltet" hat. Diese Wige Wendung ist vor allem darin ersichtlich, daß der tot ,ett längerer Zeit zum ersten Male ohne Defizit ab- Mcßt und für die Bestreitung der außerordentlichen Aus­sen der StaatSkredit nicht in Anspruch genommen zu jcrbcti brnuc^t.

Diese hochersreuliche Thatsache kann nicht nachdrücklich iem betont, kann aber erst dann richtig gewürdigt werden, >NN aus die Ursachen dieser günstigen Wendung hingewiesen mb die Hauptmomente, aus benen, stch dieselbe zusammen- chj, hervorgehoben werden. Zunächst sind die Ergebnisse tr StaatSeisenbahnverwaltung so erfreuliche, daß aus sie Mn ein Ueberschuß von 13Vr Million Mark aus dem WungSjahr 1882/83 zurückzuführen ist, durch welchen ch die Einnahmen in dem neuen Etat für 1884/85 Ver­chen. Mit diesem finanziellen Resultat der Verstaat- ilhnng dürften dir Parteien, welche verständnisvoll da« öerk gefördert und die Regierung unterstützt haben, zu- mden fein, zugleich dürften hiermit aber auch die Gegner et Verstaatlichung verstummen und ihre hauptsächlichsten Baffen gegenüber weiteren Projekten zerbrochen fehen. Weiter at Preußen für das neue Etatsjahr eine größere HerauS- ihlung von feiten des Reichs aus den gesteigerten Ein- «hmen btt Zölle und der Tabaksteuer zu erwarten, — Ik Mchreinnahme gegen daS Vorjahr beziffert stch auf i6er 2 Millionen Mark — und ferner vermindert stch «folge jener gesteigerten Reichs-Zoll« und Steuererträgnisse Ach der Matrikularbeitrag Preußen« um 4*/2 Million Mark. Man darf hierin eine neue Bestätigung von der iichligkeit und Nützlichkeit des Weges erblicken, den die Rrichspolitik eingeschlagen hat, die noch deutlicher wird, »mn man in Betracht zieht, daß durch diese Maßregel eine dauernde Verminderung der direkten Steuern um ungefähr 21 Millionen Mark schon vor zwei Jahren hat bewirkt bilden können. Nicht minder ist in Betracht zu ziehen, daß stch die Einnahmen bet Betriebsverwaltungen anschläg- ßch um fast 33 Millionen Mark günstiger gestalten werben, alt für das laufende Jahr veranschlagt worden ist, während der anschlagSmäßige Mehrüberschuß für daS laufende Jahr (egen das vorangehende nur 20 Millionen Mark betrug, hierin prägt stch recht deutlich der Einfluß aus, welchen

Für den Monat Dezember nehmen alle | Manstalten (auf dem Lande die Landpostboten) nf die

Oberhesfische Zeitung

mb deren Gratisbeilage

Illustriertes Louutagsblatt

Stellungen entgegen.

1 Die alte Lady.

Erzählung von Balduin Möllhausen.

„Die Post trifft also im Dunkeln ein?" fragte das Rdchen zögernd. _

„Gewöhnlich eine Stunde nach Sonnenuntergang. Sie tytt hier an und dort wegen Briefschaften, da vergeht die Zeit."

„Da« wäre verdrießlich. An einem fremden Ort muß "an um stch sehen können."

„Nebenbei sparen Sie das Fahrgeld," meinte Abel er» "Egend.

„Kein Grund für mich. Ich bin nicht gewohnt, von Wannten Geschenke anzunehmen."

„Gefälligkeiten sind keine Geschenke."

. „Gewiß nicht," hieß eS spöttisch lachend zurück, „allein Halligkeiten verlangen Erwiderungen; dazu bin ich nicht W geschaffen."

„Doch, doch, junge Lady; ich bekochte es nämlich al» «he große Gefälligkeit, wenn Sie den Platz da neben mir ">s dem Sitzbrett annehmen."

Da» Mädchen sann wieder nach. Unbekümmert um die "ff ihm ruhenden freundlichen Blicke, fragte es darauf ^»ahmvoller:

„Ich setze voraus, Sie gehören in KeanSville zu Hause?"

„Bin da geboren und hoffe auch alt dort zu werden." „Es soll ein sehr kleiner Ort sein; da müssen Sie die

"tiften Einwohner kennen?"

„Alle miteinander. Nur wenige, die ich nicht mit eigenen Wn zuziehen sah."

„So kennen Sie eine Miß Blair?"

.i-tN nimmt entgegen: "f ftition d. Blattes. ' Annoncen-Bureaux ^Dietrich u. Co. in

und Hannover; Th. Äch in Frankfurt a-M.; “bnftetn u. Bögler tn Ä a- M., Berlin.

Köln ic.; Rudolf ff in Berlin, Frank- w fort a. M- re.

die Expedition b Blatte«, sowie b.Lnnoncen-Bnre«, ven@. L.Daube «.Le. in Frankfurt e. M-; Jtlaerfch« öud^^Qttblung ••fttvfl.i Hermansche Buchhanbl», daselbst; Zstwalwenbankt» Berlin; ». Thiene« t» Elberfeld; 6. Schlotte ta