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Marburg, Sonntag, 25. November 1883.

XVffl. Jahrgang.

-re. 276

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Die alte Lady.

Nachruf a« Fräulein Jost.

Zur Heimat ging nach mühevollen Jahren In düsterm Herbste unsre Fräulein Jost, Die Marburgs Töchtern guter Lehre Kost Einst gab, die ihr vrrtraut in Pflege waren.

In der Erziehungskunst war sie erfahren Und vielen Kindern gab sie Mut und Trost, Und wenn eins litt an Krankheit oder Frost, Ihr Herz schlug warm für alle Kinderscharen.

Die Ihr hier lebt als Mädchen oder Frauen Teilnehmend schlägt bei ihrem Tod da- Herz, Gebt Zeugnis jetzt von Liebe und Verträum, DaS sie verdiente! Wohl ihr! Mancher Schmerz, Den sie erfuhr, wird mit zu Grabe sinken, Und reicher Lohn wird ihr im Jenseits winken.

Lieblich kleidete sie das trotzige Selbstvertrauen, lieblich, daß Abel sich durch die Zurückweisung am wenigsten ver­letzt fühlte. Seine wachsende freundliche Teilnahme aber offenbarte sich in dem gutmütigen Lächeln, mit welchem er antwortete:Nun, junge Lady, ich fragte nicht aus Neu­gierde oder um Sie nur reden zu machen. Ich stehe näm­lich im Begriff, nach KeanSville zu fahren; da gedachte ich, eS möchte Ihnen angenehm sein, mit Ihrem Gepäck auf meinem Wagen Platz zu nehmen. Die Pferde sind flink; bevor die Post den halben Weg zurückgelegt hat, sind wir dort, und bet hellem Tageslicht obenein."

Wiederum betrachtete das Mädchen den jungen Farmer freimütig. Sein ehrliches Gesicht flößte ihm Vertrauen ein, und obwohl nicht sofort zustimmend, erwog es den Vor­schlag doch ernst. (Fortsetzung folgt.)

Fahrt von der Rhede bis in das Palais wurde der Kron­prinz von der alle Straßen dicht füllenden Bevölkerung mit lauten Zurufen und mit Hochrufen auf Deutschland begrüßt. Rach dem Empfange machte der Kronprinz eine Fahrt durch die Stadt zur Besichtigung der hervorragendsten Bauwerke. Heute abend findet im Großen Theater eine , Galavorstellung statt, nach deren Beendigung Se. Kaiser!.

König!. Hoheit die Reise nach Madrid antritt.

Valencia, 22. Nov., abends 6 Uhr. Se. Kaiser!. König!. Hoheit der deutsche Kronprinz ist heute nachmittag glücklich hier gelandet, nachdem das Geschwader einen schweren Sturm überstanden. Gestern wurde der Geburtstag Ihrer Kaiser!. König!. Hoheit der Frau Kronprinzessin an Bord gefeiert. Heute früh kam das spanische Geschwader, näm­lich die PanzerfregattenVittoria" undNumancia", so­wie die HolzfregattenCarmen" undBerenguela" unter dem Kontreadmiral Bula in Sicht und gab Salutschüsse ab. Als um 3 Uhr die Ankunft erfolgte, erschienen der deutsche Gesandte Graf zu SolmS und der Generaladjutant Blanco am Bord desAdalbert". Bei der Ehrenpforte am Landungsplätze befaneen sich die Spitzen der Behörden und die Ehrenwache. Der deutsche Kronprinz in Dragoner- Uniform hielt nach der Begrüßung Parade über dir ge­samte Garnison ab und nahm dann bet dem Generalkapitän das Diner ein. Die Bevölkerung von Valencia bewill­kommnete den Kronprinzen in sehr sympathischer Weise.

Valencia, 22. Nov., Mitternacht. Bei dem Diner im Palais des Generalkapitäns nahm Se. K. K. Hoheit der deutsche Kronprinz den Platz in der Mitte der Tafel ein, zu seiner Rechten die Generäle Salamanca und Mischte und der Bürgermeister von Valencia, zu seiner Linken der deutsche Gesandte Graf SolmS, der Präfekt, der Eisen­bahndirektor und der Präsident des Generalrats. Dem Kronprinzen gegenüber faß General Blanco und zu deffen Rechten General v. Blumenthal und der Präsident des Tribunals von Valencia, zu deffen Linken General v. Lo8, Major v. Sommerfeld, der Militärgouverneur von Valencia und Baron v. Nyvcnheim, daran schloffen sich zu beiden Seiten die übrigen Vertreter der Behörden an. Bei der Tafel erhob sich der deutsche Kronprinz und brachte einen Toast aus auf den König Alfons, aus Spanien und die Stadt Valencia, welche ihm einen so freundlichen Empfang bereitet habe. Der Bürgermeister erwiderte dankend mit einem Toast auf Deutschland, den Kaiser Wilhelm und den Kronprinzen uud gab den Wünschen nach Erhaltung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern Aufdruck. Nach dem Diner besuchte der Kronprinz das Theater, wo derselbe wiederum Gegenstand begeisterter Kundgebungen war. Nach Beendigung des zweiten Aktes nahm der Kronprinz die ihm von der Munizipalität und

Die Reise des Kronprinzen.

Nach einer durch stürmisches Wetter verursachten Ver- .zzerung ist Se. Kaiser!. Hoheit der Kronprinz vorgestern mittag glücklich auf spanischem Boden gelandet und seither unausgesetzt der Gegenstand der achtungsvollsten Aufmcrk^ samkett und der lebhaftesten Sympathiebezeugungen feitet* der spanischen Bevölkerung gewesen. Ueber die ßanbuÄ unseres Kronprinzen und den ihm in Valenci/ zu teil' gewordenen Empfang, sowie über deffen Arkunft in Madrid liegen die nachfolgenden Berichte vor:

Valencia, 22. Nov., nachmittags 4 Uhr 55 Min. Mer die Lansung deS deutschen Kronprinzen werden noch folgende Etnzelnheiten gemeldet: Die KorvetteAdalbert" hielt am Hafeneingange von Grao, an der Rhede Valen­cias dieSophie",Loreley" und daS aus 4 Fregatten bestehende spanische Geschwader hinter sich lastend. Der deutsche Gesandte, Graf zu SolmS, Generalleutnant v. Los, der Generalkapitän von Valencia und der Generaladjutant des Königs, General Blanco, hatten sich mittels einer spani­schen Schaluppe an Bord deSAdalbert" begeben, welcher ein Kanonensalut abgab. Nachdem die Korvette, sowie die .Sophie" undLoreley" im Hafen vor Anker gegangen waren, begab sich der Kronprinz mit den Würdenträgern und seiner Begleitung auf eine Schaluppe desAdalbert" unter dem Donner der Geschütze der spanischen und deut­schen Schiffe, sowie der Hasenbatterieen. Bet der Landung in Grao wurde der Kronprinz von dem Präfekten und den Zivilbehörden begrüßt. 12 Bäuerinnen in der Landes­tracht brachten Blumen und Früchte dar, welche der Kron­prinz, jeder der Geberinnen dankend, entgegennahm. Dann bestieg der Kronprinz den Wagen zur Fahrt nach der auf bei linken Seite des Flusses gelegenen Haupt - Promenade von Valencia, der Alameda, wo Se. Kaiser!. König!. Hoheit den Wagen verließ und umgeben von den Spitzen bet Behörden die aufgestellten Truppen Revue passieren ließ. Nachdem der Kronprinz dem Kommandierenden seine besondere Zufriedenheit ausgesprochen hatte, bestieg er wieder den Wagen und begab sich in daS Palais des General- Kapitäns, wo ein kurzer Empfang stattfand. Auf der ganzen

Deutsche, Reich. "

Berlin, 23. Nov. Unter dem Vorsitz des Staats- Ministers von Bötticher wurde am 22. Nov. eine Plenar­sitzung des Bundesrats abgehalten. Den zuständigen Aus« schüsten wurden zur Vorberatung überwiesen die Vorlage, betreffend die auf den Eisenbahnen Deutschlands aus­schließlich Bayerns noch vorhandenen Abweichungen vom Normalprofil des lichten Raumes sowie drei Gesetzentwürfe für Elsaß-Lothringen, betreffend: die Vereinigung des Ka.

So, das wäre daS letzte Stück," erschallte Abels Stimme, und seinen Worten folgte das Krachen, mit welchem eine Kiste in den Wagen glitt,das letzte Stück, und eine handliche Fuhre ists obenein geworden."

Die Fremde unter der Eiche verriet zum erstenmal Ungeduld, erzeugt vielleicht durch den Umstand, daß andere Leute schnell und pünktlich abgefertigt wurden, sie selbst aber noch immer zum Warten gezwungen war. Ihren Mißmut erhöhte, daß die Arbeiter sich anschickten, den Schuppen zu schließen, Abel dagegen seine Vorkehrungen zum Aufbruch traf, sich also die Aussicht für sie eröffnete, auf dem unwirt­lichen Platz inmitten der häßlichen Baumstümpfen allein zurückzubleiben. Sie erhob sich, und zu den Arbeitern hin­tretend, fragte sie freimütig, wie lange eS dauere, bis der nach dem Inneren bestimmte Postwagen rintreffe.

Eine halbe Stunde mindestens," hieß es bereitwillig zurück,kann aber auch deren zwei dauern; in diesem Teil des Landes übereilen sich die Postführer nicht."

Eine Stunde warte ich schon," versetzte das Mädchen grollend,und nach KeanSville soll eine ziemliche Strecke sein."

Drei Stunden Fahrt," erklärte der eine Mann, fügte aber ermutigend hinzu:Gute Pferde und ein scharfer Kutscher schaffen« schneller."

Also nach KeanSville?" fragte Abel Fancy mit unver­kennbarem freudigen Erstaunen, nachdem er die anmutige Gestalt so lange mit seinen bewundernden Augen gleichsam umfangen hatte.

Die junge Reisende warf einen prüfenden Blick auf Abel. Dann, wie über sich selbst erzürnt, ihm überhaupt Aufmetksamkeit geschenkt zu haben, kräuselte sie die Ober­lippe empor, daß zwei kleine alabasterweiße Zähne sichtbar wurden, und anscheinend gleichmütig erwiderte sie:Der eine geht hierhin, der andere dorthin. Man hätte viel zu thun, wollte man alle Well über seine Wege unterrichten."

Für den Monat Dezember nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande die Landpostboten) auf die

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Illustriertes SormtagSblatt

Bestellungen entgegen. 4

Erzählung von Balduin Möllhausen.

Heute nicht," antwortete ein dritter Mann, der, in bet Hand mehrere Frachtzettel, nunmehr ebenfalls erschien tmb zunächst einen Gruß mit Abel austauschte,nein, heute dicht," wiederholte er,aber schon vor vier Tagen, und ttenn ich dafür kein höheres Lagergeld berechne, so geschiehtS, veil die querköpfige Miß eine langjährige Kundin, der Abel Fancy dagegen der unverzagteste Bursche auf eine Tagereise Im Umkreise."

Sollte mir eine Lust sein, eS beweisen zu können," tief Abel Fancy lachend aus, und wohlgefällig strich er bett noch jugendlichen blonden Vollbart, welcher im Ein­klänge mit einem Wust wilder Locken, die unter dem etwas ^genutzten Strohhut hervorquollen, und nicht minder mit Dci grauen Augen, die ehrlich und übermütig In die Welt Mausschanten. Wie in der Thai nach einer Gelegenheit einer Kraftprobe spähend, sah er um sich. Kaum aber ftrelite sein Blick die junge Reisende, als er sie mit unver­kennbarer Bewunderung einige Sekunden betrachtete, seinen Hut ein wenig lüftete und einen heiteren, jedoch höflichen Gruß hinüberrief.

Jene neigte dankend daS Haupt, zog indeffen ihre Auf­merksamkeit nicht von den aus ihren Zaumeisen kauenden Pferden ab. Abel zuckte die Achseln, richtete eine kurze Bemerkung über das hoffärtige junge Dinge an die Ar­beiter und verschwand mit diesen im Schuppen. Eine Weile Alterten sie in demselben; bann erschienen sie einzeln ober W zweien im Freien, wohlverschnürte Ballen unb Kisten M den Weg hebenb.

Die junge Relsenbe hatte sich abgekehrt und betrachtete Aichmütig einen Prahmen, mittelst dessen ein einzelner wann unb ein Pferd von der anderen Seite des Stromes ^übergefchifft wurden.

Onjeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux »on @. L. Daube u. 6«. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalibendankin Berlin; SB- ThieneS in Evberfeld: E Schlotte in Bremen.

«meigen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blattes, -.«ied-Annoncen-Bureaux

Tb Diettich u. Co. in r-jsel und Hannover; Th. viArich in Frankfurt a M.; Aasenstein u. Vogler in Ukfurt 0. M., Berlin. Ung, ««in Rudolf Ue m Berlin, Frank- ** furt a. M. re.

dem Generalrat dargebotenen Erfrischungen an und verließ alsdann, geleitet von dem Präfekten unb btm Bürger­meister das Theater, und begab sicht nach dem Bahnhof, um gegen Mitternacht unter den Hochrufen der zahlreich znsammengeströmten Bevölkerung die Reise nach Madrid mittels Königlichen Hofzuges fortzusetzen. Bel der Ver­abschiedung von den Behörden äußerte der Kronprinz widerholt seine lebhafte Befriedigung über die warme Aus­nahme in Valencia. DaS JournalProvinziaS" sagt, eS habe sich noch kein Fürst in Valencia eines so herzlichen Empfanges zu erfreuen gehabt, als der deutsche Kronprinz.

Valencia, 23. Nov. LIS der Kronprinz gestern im Palais des Gouverneurs angelangt war, betrat er den Balkon, um der zahlreichen vor dem Palais harrenden Be­völkerung für die fortdauernden Begrüßungen durch Ver­neigen zu danken. Bei dem Lunch Im Theater toastete der Kronprinz abermals auf Valencia unb trank auf bas Ge- deihen Spaniens.

Alcazar (Vereinigungspunkt der Eisenbahnen von Valencia und von Sevilla nach Madrid), 23. Nov. Der deutsche Kronprinz ist heute früh um 8 Uhr hier einge­troffen und auf dem Hauptbahnhofe von den Behöröen empfangen worden. Eine Trnppenabtellung erwies ihm die militärischen Honneurs. Die Ankunft deö Kronprinzen in Madrid erfolgt heute mittags.

Madrid, 23. Nov. Von Valencia sandte der Kron­prinz ein Telegramm an den König Alfons, in welchem er seine Freude Über den ausgezeichneten Empfang daselbst aussprach. Der König antwortete alsbald telegraphisch, seinen erlauchten Gast herzlich willkommen heißend.

Madrid, 23. Nov. Der deutsche Kronprinz ist um HV2 Uhr mittags hier eingetroffen. Am Bahnhofe wurde er vom Könige auf« herzlichste empfangen. Der Kronprinz fuhr mit demselben gemeinsam in einem offenen Daumont- Wagen nach dem königlichen Schlöffe, wo die Minister und Großwürdenträger den hohen Gast erwarteten. Auf dem ganzen Wege wurde der Kronprinz von,ber dichtge- drängten Bevölkerung ununterbrochen mit sympathischen Zu­rufen begrüßt. Von den Balkons grüßten die Damen durch wehende Taschentücher.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllNstrirteS SormtagSblatt" durch die Expedition (Ä -«i'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Rerches 2 Mark 60 Pfg. (epi. Bestellgebühr.) JnfertionSgebühr für die gefallene Reite 10 Pfg.

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