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Marburg, Sonnabend, 24. November 1883.
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Die Lage -er bäuerliche» Verhältnisse.
Die Veränderungen im bäuerlichen Grundbesitz.
Die Frage, ob die durch das Edikt vom 9. Okt 1807 unb durch das Landeskulturedikt vom 14. September 1811 eingeführte Freiheit im An- und Verkauf von Grundstücken sich bewährt hat und für die Verteilung deS Grundbesitzes von segensreichen Folgen gewesen ist, wird sehr verschieden beantwortet. Statistische Ermittelungen, die bis zum Jahre 1859 reichen, haben ergeben, daß infolge dieser Freiheit deS Verkehrs mit Grundstücken sich seit dem Jahre 1816 der Großgrundbesitz nur um 2,21 Prozent, der Kleinbesttz um 0,48 Prozent vermehrt, der mittlere bäuerliche Besitz um nicht mehr als 2,69 Prozent vermindert hat. Allein es liegt auf der Hand, daß trotz dieses gewiß nicht abnormen Gesamtresultats die Verhältnisie stellenweise int einzelnen ein ganz anderes Bild gewähren können: eine bedeutende Verschiebung deS Grundbesitzes an der einen Stelle kann durch gegenteilige Erscheinungen an einer anderen Stelle wieder ausgeglichen werden, ohne daß diese Verschiedenheiten in einem statistischen Gesamtresultat zum Ausdruck kommen. 8r war daher von Wichtigkeit, daß den landwirtschaftlichen Vereinen aufgegeben wurde, über ihre Wahrnehmungen bezüglich der Parzellierung von mittleren und größeren Bauerngütern und bezüglich der Richtung, in der sich die Besttzveränderungen vollzogen haben, zu berichten.
Aus diesen Berichten geht nun hervor, daß sich der größere und mittlere bäuerliche Besitz nur in wenigen Gegenden widerstandsfähig erhalten und gekräftigt hat: es ist dies besonder- von Ostpreußen zu konstatieren, ferner dvn einigen Teilen der Provinz Brandenburg, von Usedom- Wollin und Demmin in Pommern, von Schleswig-Holstein, von dem deutschen bäuerlichen Besitz in Posen und auch von der Provinz Sachsen, ferner in Hannover (besonders Hildesheim, Arenberg - Meppen und Ostfriesland) und in Westfalen (besonders in Paderborn). Hier ist überall von einer bedenklichen Verschiebung des Besitzes zuungunsten der Bauern nicht die Rede. Freilich hat fast überall — so namentlich in Posen, Sachsen und auch Hannover — die Zahl der spannsähigen Nahrungen abgenommen, dagegen aber das Areal derselben sich vermehrt.
wohl noch lange in derselben zu weilen haben würde. Nach allen Richtungen flogen ihre großen nußbraunen Augen. Bald schienen sie die ringsum emporragenden Baumstumpfen zu zählen oder die vereinzelten Eichen und Hickories, die noch von der Axt verschont geblieben, bald wieder die zerstreut liegenden Häuser oder die Menschen, welche vor denselben ab- und zugingen. Ebenso betrachtete sie die mit riesenhaften Inschriften versehenen Schilder oberhalb der Thüren und auf den Giebeln, welche prahlerisch die großen Namen kleiner Geschäftsinhaber verkündeten, bis endlich das vor ihr liegende Magazin und die bei demselben beschäftigten Arbeiter ausschließlich ihre Neugierde fesielten. Bei jedem Ballen, bei jeder Kiste, welche in den Schuppen hniein geschafft wurden, mochte sie sich fragen, wer die Güter eingepackt und abgeschickt habe, in wessen Besitz sie nach und nach übergehen würden, und ob dieses oder jenes, vielleicht einige Ellen Kattun, ein paar Schuhe oder Wolle zu Strümpfen für sie selbst bestimmt sein könnte. Um die Arbeiter kümmerte sie sich weniger; sie bemerkte nicht einmal, daß bald dieser bald jener ihr einen freundlichen Blick zuwarf, auch wohl, mit dem Daumen verstohlen über die Schulter weisend, einige durch verständnisvolles Nicken gelohnte Worte an die Gefährten richtete. Unb die junge Fremde war in der That eine Erscheinung, nicht nur die Aufmerksamkeit aus sich zu lenken, sondern auch wohlwollende Teilnahme zu erwecken.
Jugend und Schönheit sind immer ein holde» Geschenk der Natur; wo dieselben aber mit Anmut in Haltung und Bewegungen sich einen, kindliche Unschuld, Frohsinn und Furchtlosigkeit den Ausdruck bestimmen, da wirken sie bezaubernd. So auch hier bei der jungen Fremden. Wie ein Heiligenbildchen saß sie da mit ihren frischen runden Wangen, mit den schwellenden Lippen und dem klugen
Dagegen wird eine entschiedene Abnahme deS Bauernstandes und eine erhebliche Zunahme der Kleinstellen im größten Teile von Pommern und Brandenburg, im polnischen Bauerbesttz, im Posenschen, ferner in Oberschlesten, in Göttingen, Lüneburg, Osnabrück und in den vom fränkischen Stamme bewohnten südlichen Teilen Westfalens, wo von jeher freie Teilbarkeit Sitte war, und ebenso in Rheinpreußen, wo überhaupt kein Bauernstand vorhanden, nachgewiesen. In Pommern wird aus der Gegend von Rummelsburg und von Stettin nahezu ein Verschwinden des Bauernstandes behauptet, — von 2502 bäuerlichen Grundstücken im Neustettiner Kreise sind im Laufe einer Generation 1300, d. h. 54 Prozent zerstückelt; die Zahl der Kleinstellen, welche auf Nebenverdienst angewiesen sind, hat sich verdreifacht. In Brandenburg hat der Bauernstand mit über 600 Morgen Besitz um 49,6 Prozent abgenommen. Von den 1858 vorhandenen 391 großen Bauerngütern sind jetzt nur noch 194, von 863 mittleren jetzt nur noch 118 übrig; dagegen sind 12688 Kleinstellen mehr entstanden. Einstweilen — so wird versichert — ist der noch erhaltene Bauernstand noch gesund, aber die Kleinwirtschaft ist in starkem Zunehmen begriffen.
Von einer Aufsaugung deS mittleren und kleinen Besitzes durch den Großgrundbesitz wird nur in Posen, Schlesien und Neustettin und vereinzelt in Ost- und Westpreußen, im Brandenburgischen, in Paderborn und Rheinpreußen berichtet. In Posen ist eS namentlich der polnische Bauernbesitz, welcher abnimmt und von dem Großgrundbesitz erworben wird. Im großen und ganzen wird aber der mittlere Besitz überall mehr zur Arrondierung anderen mittleren Besitzes und zur Errichtung von Kleinstellen parzelliert. Vornehmlich sind Schulden oder Erbteilungen die Veranlaffung.
Wenn der Bauer in Not geraten ist, schreitet er zur Parzellierung; nur da, wo sich keine Unternehmer und Käufer finden oder wo die verschuldeten Güter zu klein sind, kommt eS zur Sub ha statt on. Im ganzen wird eine Zunahme von Subhastationen ländlicher Grundstücke in Abrede gestellt, so namentlich in Ostpreußen, Pommern, Sachsen, Schleswig-Holstein, Paderborn, während aus Westpreußen, Pofen, Lüneburg, OstfrieSland und Arnsberg über häufige Subhastationen berichtet wird.
Fast überall wird mit Bezug auf eine gewiffe Periode der Ankauf von Grundstücken durch gewerbsmäßige AuS- schlächter konstatiert, aber auch übereinstimmend berichtet, daß die Ausschlachtungen in den letzten Jahren aufgehört haben: so in Ost- und Westpreußen, in Posen, Schlesien, Brandenburg, in Pommern, teilweise auch in Schleswig- Holstein, ferner in Hannover (besonders Göttingen, Lüneburg und Osnabrück), in Westfalen (besonders Münster) und in Kassel. Dagegen haben gewerbsmäßige Aus
schlachtungen überhaupt nicht, oder nur unbedeutend stattgefunden in Arenberg - Meppen, OstfrieSland, Arnsberg, Rastau, Rheinprovinz und Hohenzollern.
In jedem Falle aber ist eS immer — man kann sagen: naturgemäß — der mittlere bäuerliche Besitz, welchen die Parzellierungen treffen. Aber nicht immer zu seinem Schaden; so wird namentlich aus Ostpreußen und Schleswig-Holstein von für die Bauern günstigen Erfolgen der Parzellierung gesprochen. Anderseits ist anzuerkennen, daß die durch Parzellierung hervorgerufene Errichtung von kleinen Häuslerstellen in den verschiedenen Gegenden eine ganz verschiedene Bedeutung hat. In den gewerbreichen Gegenden von Sachsen wie im Westen, hat der Kleinbesitzer die Möglichkeit, seine überschüssige Kraft auch noch außerhalb der Landwirtschaft zu verwerten, wie anderseits industrielle Arbeiter durch den Erwerb von kleinen Stücken Land eine gewiffe Selbständigkeit erhalten können. In Posen, Pommern, Brandenburg kann aber die Entstehung von Zwergwirtschaften int allgemeinen nicht als ein Vortell erachtet werden.
Fasten wir das Bild, welches sich aus diesen Daten ergiebt, zusammen, so darf man von gesunden bäuerlichen Besttzverhältnisten und von einem leistungsfähigen Bauernstand vornehmlich in Ostpreußen und Schleswig - Holstein sprechen. Eine Abnahme des Bauernstandes ist in Westpreußen, Pommern, Brandenburg, Oberschlesten und bezüglich der polnischen Bauern in Posen zu konstatieren; hier fängt die Zwergwirtschaft an, bedeutende Fortschritte zu machen. In Sachsen, Hannover, besonders Hildesheim und Westfalen haben sich zwar die bäuerlichen Besitzer, aber nicht der bäuerliche Besitz vermindert. Was speziell Hannover und Westfalen anbetrifft, so hat man die vom fränkischen und sächsischen Stamme bewohnten Gegenden zu unterscheiden; in letzteren ist der Bauernstand noch kräftig, wenngleich sein Wohlstand wegen der Verschuldung und der hohen Produktionskosten als im Rückschritt begriffen bezeichnet wird; hier hat auch keine erhebliche Zunahme der Kleinstellen stattgefunden (so im Landvezirk Hannover, Hildesheim, Arenberg-Meppen, ferner in Paderborn). Dagegen hat in dem vom fränkischen Stamme bewohnten Gegenden (Göttingen, Münster und int Sauerland) eine Vermehrung der Kleinstellen stattgefunden. In Kaffel wird der Mittelbesih noch als widerstandsfähig bezeichnet, während von einem eigentlichen Bauernstände wegen der von jeher bestandenen unbegrenzten Teilbarkeit in Rheinpreußen und Nassau nicht die Rede ist.
Alles in Allem hat der Bauernstand in den letzten Jahrzehnten an Terrain verloren, und soweit er erhalten ist, hat er zum bei weitem größten Teil mit schwierigen Existenzbedingungen zu kämpfen.
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„BeltramS Landung" hatte sich noch nicht sonderlich aus den ersten Anfängen herauögearbeitet. Etwa dritthalb Dutzend Bretterhäuser und mehrere Waarenschuppen bildeten die junge Ansiedlung. DaS hinderte indeffen nicht, daß die ben Arkansas heraufkommenden Dampfböte dort anliefen, einen großen Teil ihrer Maaren löschten, Weizen und Mais als Rückfracht einnahmen und auf diese Weise -wischen zahlreichen landeinwärts wohnenden Farmern und der Außenwelt einen ziemlich regen Verkehr aufrecht «hielten. Doch auch Reisende trafen auf dem Wafferwege in BeltramS Landung ein, allerdings nicht in Hellen Haufen. Meist waren eS Landspekulanten, Feldmesser, neu zuziehende Ansiedler, Hausierer und fahrende Uhrmacher, kurz, lauter Menschen, welche der Kultur nach der einen oder der anderen Richtung hin gewtffermaßen die Wege ebneten, heute, an dem lieblichen Sommernachmittage, hatte der Dampfer, außer einer Ladung Kaufmannsgüter, nur eine einzige junge Reisende mitgebracht. Dieselbe befand sich offenbar zum ersten Mal dort, denn daS Schiff war längst wieder außer Sicht getrieben; da saß sie noch immer am Fuße einer Schatten spendenden Eiche, als hätte sie darauf geharrt, von Jemand abgeholt zu werden. Neben ihr stand auf der einen Seite ein Lederkoffer von mäßigem Umfange, auf der anderen eine Reisetasche, aus welcher sie eben ein bescheidenes Mahl gehalten hatte. Jetzt kehrte sie ihre Aufmerksamkeit der Umgebung zu, wie sich fragend, ob sie
*) Auf diese vortreffliche Erzählung aus der Feder eine» verkannten Feuilletonisten machen wir ganz besonder- aufmerksam.
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neugierigen Blick, wie ein Heiltgenbildchen in dem einfachen, jedoch keineswegs ärmlichen Anzuge und dem schmucklosen Strohhut auf dem starken, sorgfältig aufgesteckten kastanienbraunen Haar. War sie gezwungen, in einer ihr völlig unbekannten Umgebung länger zu weilen, so störte da» nicht int mindesten das von einem unerschütterlichen Sicher- heitSgefühl getragene Vertrauen, mit welchem sie in dir Zukunft sah. Und gewartet hatte sie augenscheinlich, denn als plötzlich da» Rollen eines ihr allerdings noch nicht sichtbaren Wagens herüberdrang, eilte ein Schimmer der Befriedigung über ihre Züge, und wie sich rüstend, betastete ste prüfend das Schloß der Reisetasche, fle zugleich nach der anderen Seite hinüber auf den Koffer stellend.
Sie war im Begriff, sich zu erheben, als der Wagm um das Magazin herumfnhr und vor besten offenem Thor« wege anhielt.
Mit einer Miene des Mißmutes warf die junge Reisende die Lippen empor. Doch keine Minute blieb sie unter dem Einfluß der erfahrenen Täuschung; dann betrachtete ste mit einer gewissen Teilnahme die beiden kräftigen Pferde, den offenen kastenartigen Farmerwagen und endlich den jungen Mann, welcher Zügel und Peitsche nachlässig zur Sette legte und von seinem Sitzbrett gewandt zur Erde sprang.
»Halloh l da ist Abel Fancy selberI" tönte ihm eine rauhe Stimme aus dem Schuppen entgegen, und zwei Arbeiter traten aus der Thür, um ihn durch einen kräftigen Händedruck zu begrüßen.
,3a, Abel Fancy selber," antwortete dieser gtttgelaunt, „und zwar um Euch schneller in Bewegung zu sehen, als einer ein Stückchen Tabak vom Pflock schneidet und zwischen die Zähne schiebt. Ich setze nämlich voran«, es sind Gäter für die alte Lady gelandet worden." (Fortsetzung folgt)
etc. nstungvl igenb. eidlich aius.
i Nachdruck verboten.)
Die alte Lady.")
Erzählung von Balduin Möllhausen.
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