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-re. 278

JRarßurg, Donnerstag, 22. November 1883.

xvm. Jahrgang.

«lueigan nimmt entgegen: ^Expedition d. Blattes, | (.„je d.Annoncen-Bureaux ’’ xh. Dietrich u. Co. in e-ffel und Hannover; Th. «etrich in Frankfurt a.M.; öuiasenstem u. Vogler tu Ankfurt a. M-, Berlin, ^.tg, Köln re.; Rudolf iMe in Berlin, Frank- furt a. M- re-

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»n,eigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoneen-Bnreanx von @. 8. Daube n. Co. in

Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung dnseibst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Soim- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllttflrtrteS SomttagSblatt durch die Sxpeditton (R e ch^che Buchd,Ulkerei) bezogen 8'/. »tert, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mart SO Pf«, (excl. Bestellgebühr.) — JnserttonSgebühr für die gespaltene Zetle 10 Pf,.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 86 Pfg. berechnet-

Eröffnung des Landtags.

Berlin, 20. November.

Die II. Session der 15. Legislatur-Periode des Land­es wurde heute mittag 12 Uhr im Weißen Saale des königlichen Schlosses in den Formen eröffnet, welche her­kömmlich sind, wenn Se. Majestät der Kaiser und König w feierlichen Akt nicht Allerhöchstselbst vollzieht. Der xhronseffel blieb demgemäß verhüllt. Nachdem die Mit- gflebtr beider Häuser des Landtags sich ziemlich zahlreich versammelt hatten, erschienen auf geschehene Meldung sämt­liche Mitglieder des Staatsministeriums — mit Ausnahme veS Ministerpräsidenten — und nahmen nach ihrer Ancienne- t$t links vom Throne Aufstellung. Ihnen schloß sich der Unterstaatssekretär im königlichen Staatsministerium an. Alsbald verlas der Vizepräsident deS Staatsministeriums, Minister des Innern v. Putt kam er, nachdem er sich vor der Versammlung verneigt, nachfolgende Eröffnungsrede: Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden

Häusern des Landtage»!

Se. Majestät der Kaiser und König haben mich mit der Eröffnung des Landtages der Monarchie zu beauftragen geruhet. Die Finanzlage des Staates hat sich günstiger gestaltet. Das letzte abgeschloffenc Rechnungsjahr hat, dank den erfreulichen Ergebniffen der StaatSeisenbahn-Verwaltung, einen verfügbaren Ueberschuß von erheblichem Betrage hinter­lassen. Das laufende Jahr zeigt ungeachtet des nur teil» «elfe befriedigenden Ausfalls der Ernte keinen Rückgang in der bisherigen allmäligen Befferung der Verhättniffe und läßt auf wachsende Erträgnisse der meisten eigenen Einnahmequellen deS Staates schließen. Der Staatshaus­halts-Etat für 1884/85, der Ihnen alsbald vorgelegt werden wird, hat sich unter diesen Umständen, und da wir nach dem bereits festgestellten ReichshauShaltS-Etat einen wesent­lich geringeren Matrikularbeitrag zu entrichten und wiederum höhere HerauSzahlungen aus dem Ertrage der Zölle und der Tabakssteuer zu erwarten haben, bei strenger Prüfung und Beschränkung jedes neuen oder vermehrten AuSgabe- bedarss so aufstellen lasten, daß die Einnahmen und Aus­gaben ohne eine ergänzende Inanspruchnahme des Staats- keütS das Gleichgewicht halten. Hierin kann indesten selbst nur dafür, daß bei weiterem Verzicht auf die Befriedigung vieler an sich anzuerkennender Bedürfniste die Etats der folgenden Jahre sich ebenso gestalten lasten werden, ein ge­nügender Anhalt nicht schon gefunden werden. Dagegen ist cs gewiß, daß das seit Jahren hervorgetretene und von der Staatsregierung geltend gemachte Mißverhältnis zwischen dm Mitteln dcS Staates und den Aufgaben, die ihm nament­lich auS dem immer härter empfundenen Drucke der Kom­munal- und Schullasten und aus der Unzulänglichkeit der

Beamtenbesoldungen erwachsen, unvermindert fortbesteht. Die in dieser Richtung Ihnen bereits angekündigten speziellen Gesetzentwürfe sind inzwischen vorbereitet und zum Teil auch soweit gefördert worden, daß Ihnen werden entsprechende Vorlagen gemacht werden können. Soweit es an der Hand derselben gelingt, jene Bedürfnisse des Landes, welche über die, Preußen allein zur Verfügnng gebliebenen Mittel hinauS- gehen, zu förmlicher Anerkennung zu bringen und im Ein­verständnisse mit Ihnen gesetzlich festzustellen, wird auch die Mitwirkung deS Reichstages zur endlichen Eröffnung der notwendigen neuen Hilfsquellen auf dem Gebiete der in­direkten Steuern, zu welchen die verbündeten Regierungen ihre einmütige Bereitwilligkeit bereits wiederholt Ausgesprochen haben, nicht dauernd vergeblich in Anspruch genommen werden. Darauf rechnet die Staatsregierung mit derjenigen Zuverflcht, mit welcher sie von Anfang an jene großen Ziele nur hat ins Auge fasten können, und ohne welche ste auf deren weitere Verfolgung zu ihrem tiefen Be­dauern würde verzichten müssen. Die zur besonderen Freude Sr. Majestät in der letzten Session von Ihnen angenommene Befreiung wenigstens der zu den beiden untersten Stufen der Klastensteuer eingeschätzten Bevölke­rung von dem Drucke dieser Steuer und der Heimsuchung mit Steuerexekution kann nach übereinstimmender Auffassung der Staatsregierung und des Landtages nicht als Abschluß einer Reform der direkten persönlichen Staatssteuern gelten, sondern nur als der erste dringlichste Schritt zu einer solchen. Dem unveränderten Königlichen Willen folgend, der auf baldige weitergehende Befreiung der nur geringes Ein­kommen habenden Bevölkerungsklassen gerichtet ist, und zu­gleich den bei den Verhandlungen des Landtages in weit­gehender Uebereinstimmung geäußerten Ansichten über die sonstigen steuerpolitischen Ziele gern entgegenkommend, hat die Staatsregierung sich die Ausarbeitung eines weiteren Gesetzentwurfs zur Umgestaltung der direkten persönlichen Steuern und Einführung einer Kapitalrentensteuer ange­legen sein lasten, der Ihnen binnen kurzem unterbreitet werden wird. Mit der Ueberführung der meisten größeren Privat-Eisenbahnunternehmungen in die Hände des Staates und der gleichzeitigen Erweiterung des Staatseisenbahn­netzes durch Herstellung neuer wichtiger Schienenverbin­dungen ist das Staatseisenbahnsystem in dem größten Teil der Monarchie mit steigendem Erfolge zur Durchführung gelangt. Um die bedeutungsvolle Reform zum weiteren Abschluß zu fördern und die Vorteile derselben auch den­jenigen Landesteilen zuzuwenden, welche der Staatsbahnen bisher zum Teil noch gänzlich entbehrten, wird Ihnen die Staatsregierung den Erwerb einer weiteren Reihe wichtiger Privatetfenbahnen in Vorschlag bringen. Die mit den Gesellschaften vereinbarten Verträge bieten wiederum zu­

gleich dir Mittel für eine der LandeSwohlfahrt dienende Erweiterung und Vervollständigung deS Staatseisenbahn- netze« in den verschiedensten Teilen des Landes; über die Verwendung dieser Mittel wird Ihnen eine Vorlage zu­gehen. Von der angelegentlichen und unvermindertm Für­sorge, welche die Staatsregierung der Entwickelung der natürlichen wie der künstlichen Wasterstraßen zuwendet, wird auch der Entwurf des StaatShauShaltS-EtatS Zeug­nis ablegen. Nachdem Dank Ihrer Zustimmung die Or­ganisation der Verwaltung die dem Bedürfniste des Lande- entsprechende einfachere und übersichtlichere Einrichtung er- erfahren hat, ist es an der Zett, der weiteren Ausdehnung des Reformwerke- näher zu treten. Zu dem Ende werden Ihnen zunächst dir Entwürfe einte Kreis- und Provinzial- Ordnung für die Provinz Hannover vorgelegt werden, da die hiervon abhängige Einfügung diese- LandeStelleS in den Behördenorganismus der Gesamtmonarchie al- eine der dringlichen Aufgaben unserer inneren Politik zu bezeichnen ist. Der Entwurf einer für die ganze Monarchie be­stimmten Jagdordnung, welcher den Mängeln der be­stehenden Jagdpolizei-Gesetze Abhülfe verschaffen soll, wird Ihnen im Lause ihrer Beratungen zugehen. Meine Herren! Indem ich Sir am Eingänge einer neuen Session im Namen Sr. Majestät begrüße, lade ich Sie dazu ein; Ihre Arbeiten unter dem Schutze gesicherter, friedlicher Ver­hältnisse wieder aufzunehmen und in einträchtigem Zu­sammenwirken mit der Äaat-regieruug einem gedeihlichen Ziele entgegenzuführen. Im Auftrage Sr. Majestät de- Kaifer- und Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet. — Nachdem somit der Landtag eröffnet war, brachte der Präsident deS Herrenhauses Herzog v. R a t i b o r, das Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König aus, in welche» die Versammlung mit einmütiger Be­geisterung dreimal einstimmte. — Die anwesenden Mitglieder deS Landtages gehörten anscheinend vorzugsweise den kon­servativen Parteien an; besonder- zahlreich aber war da- Herrenhaus vertreten. In der Diplomatenlogr bemerkte man den türkischen Botschafter mit seinem Botschafter- Personal. — Kurz vor Eröffnung des Landtag- hatte sich da- Gerücht verbreitet, daß Se. Majestät der Kaiser und König den Landtag in Person eröffnen werd«. DaS Ge­rücht war wohl nur dadurch veranlaßt, daß Se. Majestät gerade um die Zeit der Eröffnung des Landtag», nachdem Allerhöchstderselbe dem Gottesdienste im Dome betgewohnt, Ihrer König!. Hoheit der Großherzogin Mutter von Mecklenburg-Schwerin, die bekanntlich im Königlichen Schlöffe Wohnung genommen, einen Besuch abstattete.

Das Herrenhaus hielt feine erste Sitzung um */<2 Uhr. Am Ministertische bemerkte man den Justizminister

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Kann. iT rburg, 44.

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Novelle von C-Lenzendorf.

„Recht gern," versetzte Herr von Singer und fuhr fort: „Dieser Herr van Blombirk ist ein falscher Spieler, ein Betrüger der schlimmsten Sorte und ich habe ihn auch stark im Verdachte, daß er Wechsel gefälscht hat; außerdem hat er auch noch an einigen Stellen große Anleihen auf genommen, ohne im Geringsten Miene zu machen, seine Gläubiger zu befriedigen — saubere Geschichten da«! Aber ich werde jetzt seinen ganzen Lebenswandel im Klub ent­hüllen und wehe dem Elenden, wenn er dort anwesend sein sollte; doch entschuldigen Sie, lieber Wulfenstein, daß ich mich jetzt von Ihnen trennen muß; der Klub beginnt heute ieitiger als gewöhnlich und da da» Klublokal In der Maximilianstraße liegt, so habe ich noch ein tüchtiges Stück Weg zurückzulegen. Ich werde mir daher erlauben, in Uesen Tagen auf Bevem vorzufprechen, wo ich dann hoffentlich nähere Mitteilungen über den Erfolg deS heutigen Abends machen kann."

Die Beiden waren bei diesen Worten Herrn von Ringers an einer Straßenecke angelangt, wo sich der letztere von Albrecht von Wulfenstein verabschiedete, «ährend dieser seinen Weg nach Hause fortsetzte. Nach seiner Rückkehr teilte er seiner Mutter mit, daß ihn Angelika von Dioden durch ihr Jawort beglückt habe und Frau von Wulfenstein äußerte in herzlichen Worten ihre Freude darüber, ihre Nichte nun auch al« ihre Schwiegertochter umarmen zu können und sah mit Ungeduld dem von Albrecht angekündigten Besuch ihrer indischen Schwägerin und Angelika'- entgegen. Dieser erfolgte denn auch am i6>dten Tage, an welchem Albrecht da» beglückende Jawort dvn bett Lippen Angelika'- entgegengenommen hatte und «tit Bewegung drückte Frau von Wulfenstein beim Empfang

ihrer Gäste einen Kuß auf die reine Stirn Angelika'S. Die beiden Liebenden zogen sich indessen bald In einen Winkel des geräumigen Empfangsaalcs auf Schloß Bevern zurück, um hier ungestört miteinander zu plaudern und zu kosen, während Frau von Wulfenstein und Aida ihre Meinungen betreffs der offiziellen Verlobung ihrer Kinder, den Termin für die Vermählung u. s. w. austauschten. Im Laufe des Gespräches meinte Aida von Roden: „Ach, liebe Schwägerin, ich vergaß ganz, Ihnen mitzuteilen, daß mich gestern Ihr Herr Bruder und die Gräfin von Roden ganz unerwartet, aber desto angenehmer mit einem Besuche überrascht haben —"

„Wie," unterbrach Fran von Wulfenstein die Sprecherin, und das Aufleuchten ihrer Augen verrleth, wie sie durch diese Nachricht erfreut wurde, „mein Bruder und meine Schwägerin, die Gräfin, sind bei Ihnen gewesen? O, ich kann Ihnen kaum sagen, mit welcher Freude mich diese Kunde erfüllt! So sind die Vorstellungen, weiche ich Maximilian gemacht habe, doch nicht nutzlos gewesen, er und meine Schwägerin haben nun eingesehen, wie ungerecht die kühle Zurückhaltung war, welche ste bisher gegen Sie beobachteten und ich hoffe nun bestimmt, daß sich bald ein reger Verkehr zwischen allen Mitgliedern unserer Familie entwickeln wird."

„Ja," entgegnete Alna von Roden, „ganz in demselben Sinne äußerten sich auch Ihr Bruder und die Gräfin, und übrigens suchten ste mir auf jede Art zu beweisen, wie leid ihnen ihre bisherige Zurückhaltung mir und Angelika gegenüber thue; die Gräfin hat wich auch dringend einge­laden, sie einmal zu besuchen und ich bin gesonnen, mit Angelika in diesen Tagen dieser freundlichen Einladung Folge zu leisten."

„Wohl thun ste das," sagte Frau von Wulfenstein in herzlichem Tone, „je eher Sie dieser Einladung Folge

leisten, desto bester beweisen Sie, daß Sie gegen meinen Stuber und gegen meine Schwägerin keinen Groll hegen. A propos, Sie haben doch unsere Verwandten gelegentlich ihres Besuches von der Verlobung unserer Kinder in Kenntnis gesetzt?"

„Gewiß," erwiderte die Baronin und blickte zu dem jungen Paar hinüber, da« in traulichem Geflüster hinter einem Gummibaume saß, besten große Blätter bie Lieben» ben halb und halb verdeckten, „und Baron Maximilian wie auch die Gräfin waren von dieser Nachricht natürlich in hohem Grude überrascht, aber sie drückten mir ihre Teil­nahme an diesem freudigen Ereignisse in so herzlichen Worten aus, daß ich keinen Grund habe, die Versicherung Ihres Bruders zu bezweifeln, daß er die Verbindung Albrechts mit Angelika als ein neues festes Band zwischen ben einzelnen Zweigen unserer Familie betrachtet."

In tiefem Augenblicke melbete ber Diener Herrn von Singer an, welcher auch gleich barauf in da- Zimmer trat, zunächst bie beiden Damen unb bann auch die Verlobten begrüßend. Kaum hatte er Platz genommen, als er au8» rief: „Wissen Sie das Reuest», meine Herrschaften, wodurch die Chronique scandaleuse unserer Stadt wieder um einen Fall bereichert worden?"

Aller Blicke richteten sich bei diesen Worten auf Herrn von Singer, welcher fortfuhr: „Herr van Blombirk hat die Residenz bei Nacht und Nebel mit Hinterlastung einer kolossalen Schuldenlast verlassen; wohin er sich begeben hat, ist unbekannt, doch vermutet man nicht mit Unrecht, daß er die größten Städte de- Kontinents mit seiner Anwesenheit beglücken wird, um vielleicht dort unter anderem Namen die Rolle in der Gesellschaft weiter zu spielen, welche er hier so lange gespielt hat."

(Schluß folgt)