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Marburg, Mittwoch, 21. November 1883.
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Novelle von C-Lenzendorf.
Flucht vorgeworfen hatten, erkannte der Gerichtshof gegen die Redakteure Stephany, Klausner, Berghausen auf je 150, gegen Redakteur Berger auf 100, gegen Redakteur Zrhltke auf 30 Mark. Die Widerklage des Redakteurs Stephany gegen das Flugblatt Liebermanns fei anzuerkennen, Liebermann fei aber durch die Lage zu den scharfen Ausdrücken genötigt gewesen und darum sei er freizusprechen. — Die Eröffnung des Landtages im Weißen Saal des königlichen Schlöffe» wird, wie nun feststrht, durch Herrn v. Puttkamer erfolgen. Daran schließen sich die ersten Sitzungen beider Häuser des Landtages. Im Abgeordnetenhause wird nur die Verlosung der Mitglieder in die Abteilungen, die Präsidentenwahl aber erst am folgenden Tage stattfinden. Im Herrenhause dagegen erfolgt sofort die Wahl der Präsidenten und Schriftführer und schon am folgenden Tage die Entgegennahme von Regierungsvorlagen. In diesem Hause steht die Wiederwahl des vorjährigen Präsidiums zu erwarten. Auch im Abgeordnetenhause dürfte ohne Schwierigkeiten das vorjährige Präsidium wiedergewählt werden. Auf dem Büreau des Abgeordnetenhauses haben sich schon zahlreiche Abgeordnete gemeldet, so daß an der Beschlußfähigkeit in der ersten Sitzung nicht zu zweifeln ist.
— Am 16. d. MtS. hat der LandeS-Eisenbahnrat seine zweite diesjährige ordentliche Sitzung in Berlin abgehalten. Derselbe hat beraten über die ihm nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 1. Juni 1882 vor der Vorlage an den Landtag mitzuteilende Ueberstcht der Normal-Transport- gebühren für den Personen- und Güterverkehr, zu welcher er zur Zeit nichts zu bemerken fand. Dagegen wurde die Königliche Staatsregierung ersucht, eine statistische Ueber- sicht vorzulegen, durch welche der LandeS-Eisenbahnrat in die Lage gesetzt werde, über die finanziellen und wirtschaftlichen Wirkungen der Beseitigung einiger in -einzelnen Landesteilen noch bestehenden Ungleichheiten in den Normal- TranSport- und Expeditionsgebühren ein Urteil zu gewinnen. Diese Ungleichheiten haben im Wesentlichen ihren Ursprung in den besonderen Verhältniffen der betreffenden Landesteile. Der LandeS-Eisenbahnrat hielt eS für wünschenswert, daß die allmähliche Herbeiführung gleicher Normaleinheitssätze angestrebt werde. Dem Landes-Eisenbahnrat waren außerdem von dem Minister der öffentlichen Arbeiten die im Laufe des Jahres von der Regierung ge- nehmirten AuSnahmetartfe für Tafelglas zum Export und für Spiritus und Sprit zum Export zur nachträglichen Kenntnisnahme und die Anträge auf Einführung eines Ausnahmetarifs für Torfstreu zum Export zur Aeußerung vorgelegt. Die beiden ersteren Gegenstände wurden durch die Kenntnisnahme für erledigt erachtet, die Einführung des Ausnahmetarifs für Torfstreu wurde befürwortet. Die weiter zur Beratung stehenden Anträge aus dem Lenne-
Aufschrift „Albrecht von Wulfenstein." Aida übergab die Karte schweigend ihrer Tochter, doch kaum hatte Angelika «inen Blick darauf geworfen, als hohe Röte ihr Antlitz bedeckte und, liebliche Verwirrung in den Zügen, eilte sie hastig aus dem Zimmer, ehe ihre lächelnde Mutter etwas bemerken konnte.
erst auf Grundlage jener Erhebungen mit Instruktionen versehen werden dürften. —Der Bundesrat wird sich demgemäß vorläufig mit größeren gesetzgeberischen Arbeiten nicht zu beschäftigen haben; gegenwärtig liegen ihm der LandeShauShaltSetat für Elsaß - Lothringen bezügliche Entwürfe zur Beratung vor. Auch dürfte die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes für Berlin, welcher mit dem 29. d. M. abläuft, demnächst für ihn in Frage kommen. — Die Regierung beabsichtigt, dem Reichstage rin neues Gesetz über da» Erwerbs- und Wirtschafs - Ge- nosienschaftSwesen vorzulegen. Die Notwendigkeit einer Reviston des bestehenden Gesetzes ist vom Reichstage in der Sitzung vom 18. Mai 1881 anerkannt, und sind mehrere darauf bezügliche Anträge der Regierung als Material überwiesen worden, nachdem der Staatssekretär des Reichö- Zustizamts vr. v. Schelling die Erklärung abgegeben hatte, daß die verbündeten Regierungen mit einer Revision des GenoffenschaftSgesetzeS beschäftigt seien. Gegenwärtig finden nun Verhandlungen zwischen den beteiligten ReffortS über die Feststellung der Grundzüge des neuen Entwurfs statt, und hofft man dieselben bis zum Zusammentreten des Reichstags zum Abschluß zu bringen. — Wiederum macht in der OpposittonSpresse die Meldung von neuen Nach- tragSetatS zum ReichShauShaltSetat die Runde. Da jedoch in kompeteten Kreisen von solchen NachtragSctatS zur Zelt nichts bekannt ist, soll jene aus der Luft gegriffene Meldung offenbar nur dem Zweck dienen, die frühzeitige Feststellung des Etats für 1884/85 nachträglich im oppositionellen Parteiintereffe zu illustrieren. — In der Privatklage des Liebermann von Sonnenberg gegen die Redakteure der Berliner Zeitungen legte Prediger Hapke heute den Eid vor dem jüdischen Richter durch Ablesen der EiceSformel ab, was der Richter ihm auf seine Bitte gestattet hatte. — In der Privatklage Liebermanns wegen Beleidigung gegen die Vosstsche und andere Zeitungen hier, welche dem Liebermann die Veruntreuung konservativer Gelder und heimliche
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und zwar mit jenem Herrn van Blombirk, wie Sie ja wissen; sie ist eS aber seit heute nicht mehr, denn ich habe alle unsere Beziehungen aus gewiffen Gründen, welche Ihnen vielleicht von Ihrer Mutter mitgeteilt worden sind, zu Herrn van Blombirk abgebrochen und ich hoffe, daß er uns nie mehr durch seine Gegenwart auf Schloß Gnanstein belästigen wird."
„Angelika ist also ganz frei!" rief der junge Mann lebhaft aus und sprang ungestüm von seinem Sitze auf, „wo ist das theure Mädchen, daß ich aus seinem eigenen Munde das Geständnis seiner Gegenliebe empfange?"
„Gemach, gemach, Herr Neffe I" sagte die Baronin, welche sich gleichfalls erhoben hatte, lächelnd, „fast fürchte ich, daß Sie durch Ihr Ungestüm meine Angelika noch nervöser machen, als sie es schon ist. Doch, bleiben Sie einen Augenblick hier, ich werde einmal nachsehen, wo Angelika zu finden ist."
Mit diesen Worten verließ Aida da» Gemach, ihren Neffen in einem Sturm der wonnigsten Empfindung zurück« loffend; nach wenigen Minuten erschien sie indessen wieder, die über und über erglühende Angelika bei der Hand führend.
„Hier bringe ich Ihnen Angelika," sprach die Baronin, „fragen sie Ihre Koustne nun selbst, lieber Albrecht, ob Ihnen ihr Herz gehört."
Mit einem Jubelruf eilte Albrecht von Wulfenstein Angelika entgegen, ergriff stürmisch ihre Hände und zog die nnr leise Widerstrebende an seine Brust, während die Baronin das Zimmer verließ, um das junge Paar in dem ersten Glücke des SichfindenS nicht zu stören.
AIS sie nach einiger Zeit wieder erschien, saß das junge Paar, eng aneinander geschmiegt, da und sowohl auf dem Gesichte Albrechts wie auf demjmtgen Angelika» spiegelte sich die hohe, innere Glückseligkeit wieder, welche Beide empfanden. Beim Eintritt ihrer Mutter entwand sich
Deutsche- Reich.
Berlin, 19. Nov. Der Kaiser empfing heute den Feldmarschall Grafen Moltke, um Mittag den früheren Megsminister General v. Kameke und konferierte später mit dem Minister Maybach. — Im BundeSrat hat die Prüfung des neuen Aktiengesetzes durch die zuständigen Ausschüsse noch nicht beginnen können, und ist der Zeitpunkt dafür auch noch nicht abzusrhen, da verschiedene Bundesregierungen sich mit den Organen der interessierten wirtschaftlichen Kreise ihrer resp. Länder wegen Begutachtung deS Entwurfs in Verbindung gesetzt haben und die Prüfung desselben bei seinem großen Umfange längere Zeit beansprucht, die betreffenden BundeSbevollmächtigten aber
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l Albrecht von Wulfenstein hielt inne und blickte seine
1 harrte mit dem AuSdrucke größter Spannung an. Diese
1 ihn jetzt in freundlichem Tone, neben ihr Platz zu - Amen, welcher Aufforderung Albrecht nachkam und fuhr
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»«»eigen nimmt entgegen: »ie Expedition d.Blatte», t.»ie d.Annoncen-Bureaux ' Tp. Dietrich u. Co. in äaffel und Hannover; Th. «iekrich in Franlfurt a.M.; Lafenftein u. Vogler in Aankfurt a. M., Berlin,
«ässe in Berlin, Frankfurt a. M. rc-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Watte», sowie d.Aimoncen^vureanx »en®. L.Daube u. 6e. in Frmckfurt a. M-; Jägeesche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; 5stwali»endank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C- Schlotte in
bezirk im Kreise Altena auf Frachtermäßigungen im Interesse der Drahtindustrie de» genannten Bezirk» wurden — nnd zwar einstimmig — al» zur Berücksichtigung ge- eignet nicht erachtet. Endlich beriet der standeS-Eistnbahn- rat über eine Anzahl von der ständigen Tarifkommisston der deutschen Eisenbahnen vorberatene und für die 8k schlußnahme der Generalkonferenz der deutschen Eisenbahnen vorbereiteten AbänderungSanträge von allgemeinem Interesse zu den Tarifvorschriften und der Güterklasifikation. Der LandeS-Eisenbahnrat trat, wie auch der Ausschuß, in allen wesenllichen Punkten teils einstimmig, teil» mit über« wiegender Mehrheit dm Vorständen der ständigen Tarif- Kommission bet. Bezüglich der Anträge auf Ermäßigung der Fracht für gehobelte Fußbodenteile ypd harte» Holz, deren Ablehnung von der Tarifkommisston beantmgt wird, hielt der LandeS-Eisenbahnrat die Anstellung weiterer Ermittelungen darüber für wünschenswert, ob diese Ermäßigung auch im Jntereffe der norddeutschen Forstwirtschaft liege; auch wurde bet der Regierung befürwortet, die Beschlußfassung über die Anträge der Tarifkommisflon, betreffend bie anderweite Deklaration der Position Rohzucker deS Spezialtarifs I, zu vertagen und eine nochmalige Beratung dieser Angelegenheit in der Tarifkommtsfion herbeizuführen.
Mainz, 17. Nov. Am gestrigen Tage hat unsere Polizei wieder verschiedene Hau»such«ngen in den Wohnungen von Sozialdemokraten vorgenommen; bei einem der Ver- dächtigm, einem Schuhmacher namen» St., wurden eine Menge Schriften sozialistischm Inhalte» konfisziert, K. selbst aber verhaftet.
A«-laud.
Wie«, 19. Nov. Der Kaiser gmehmigte, die Pm« sionierung des Admirals Freiherrn v. Pöck und deS Contre- AvmiralS Ritter v. Millostcz und ernannte den seitherigen Contre-Admtral Freiherr« v. Sterneck zum Vize-Admiral, zum Chef der Marinescklion und zum Marinekommandanten, sowie den seitherigen Contre-Admiral Eberau von Eberhorst zu dessen Stellvertreter.
Sankt Anton (Tirol), 19. Nov. Anläßlich der hm- tigen Eröffnung des Arlbergtunnels herrscht hier ein sehr reges Leben. ES ist rin kalter, reiner Wintextag; fortwährend langen neue Gäste an. Arbeitergruppeu füllen den Ort und umstehen den langen, mit Laternen versehenen, reich geschmückten, zur Einfahrt bereit stehenden Zug. Vor- mittags um 9 Uhr wurde eine Meffe unter freiem Himmel an dem geschmackvoll verzierten Triumphbogen vor dem Portal deS Tunnels gelesen, dann bewegte sich der Zug von dem Portale 4100 Meter einwärts, von wo pu» die Wagen bis auf weitere 540 Meter vorgeschoben wurden;
Angelika errötend den Armen Albrechts und eilte auf Erstere zu, mit den Worten: „Mama, wie bin ich so glücklich!" ihr Haupt an deren Brust bergmd. Ue Baronin flüsterte ihrer Tochter liebevolle Worte inS Ohr, worauf ,fie Angelika wieder Albrecht zuführte und sich selbst neben dem glücklichen Paare niederließ. In baulicher Unterhaltung mit seiner Verlobten und der Baromn weilte Albrecht nun fast bis zum Dunkelwerden auf Schloß Gnanstein und al» er endlich schied, mußte er da» Versprechen geben, nunmehr jeden Tag auf Schloß Gnanstein zu erscheinen und man kann sich denken, mit welcher Freudigkeit der junge Manu die» Versprechen gab.
Als Albrecht Meder in eiligem Schritte die bereit» hell erleuchtete Moritzstraße passierte, der kürzeste Weg, um von Schloß Gnanstein nach Bevern zu gelangen, hätte er an einer Straßenbiegung beinahe einen dicht eingehüllten Herrn umgestoßen, welcher ebenso eilig seinen Weg kreuzte. Albrecht warf rasch einen Blick auf den Herrn, welcher mit einem Ausrufe deS UnwillmS sich umgedreht hatte, und rief plötzlich auS: „Wie, Herr von Singer? Ich bitte um Entschuldigung, daß ich so unsanft mit Ihnen kollidierte, aber ich war in Eile und Sie sind e», wie mir scheint, nicht minder." 1
„Allerdings, Herr von Wnlfenstein," entgegnete der Angeredete und schritt jetzt langsam neben Albrecht her. „Heute ist nämlich Klub-Avmd und da wollte ich dm Antrag stellen, diesem säubern Herrn van Blombttk dm Laufpaß zu geben, btnn ich habe seltsame Dinge Über ihn erfahrm."
„So?" sagte der junge Wulfmstein in einem erwartung»- vvllm Tone, „wollen Sie mich nicht ein rpenig hierüber aufklären, denn mich interessiert dieser Herr van Blombirk mehr, al» Sie sich vielleicht denken." (Fortsetzung folgt)
69? t*«« wweryvze ug .jgucu yeycnuvcu uicjio wi|iuuvuw, 292« i aber noch quält eine bange Ungewißheit mein Herz, fe 96 “ -- - -
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Erscheint täglich außer an den Werttaam nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllustrirtkl Smmtagstzlntt" durch die Expedition (R 0 chfche Buchdeuckeeei) bezogen 8*/« Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr.) - JnfertionSgebühr für die gespaltene Zette 10 Pfg. Für tn der Expedition zu erthettende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 85 Pfg. berechnet.
Die Baronin erteilte der Jndierin jetzt in indischer Sprache den Befehl, den Herrn hereinzuführen und wenige Augenblicke später trat Albrecht von Wulfenstein in das E^cmach. Rasch eilte er auf die Baronin zu, ergriff die •** ' Rechte derselben, welche er ehrerbietig an die Lippen führte #nb sagte in bewegtem Tone: „Liebe Tante — Sie ge- 101V statten mir wohl, daß ich mich jetzt dieses vertraulicheren Ausdruckes bediene — Sie werden ohne Zweifel den Grund innil aeint6 Herkommens erraten, das keinen anderen Zweck hat, als mir die beseligende Gewißheit, daß Angelika mich wieder liebt, von Angelika selbst bestätigen zu lasten, ^eit« Mutter brachte mir gestern von Schloß Gnanstein toe mich so unendlich beglückende Botschaft mit, daß Angelika vir zugeneigt sei und ich habe sofort meiner Mutter Schanden, daß mein Herz schon lange Angelika gehöre und Mite widerhole ich Ihnen gegenüber dieses Geständnis,
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