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gangen war, um frische Luft zu genießen. DaS Gespräch zwischen der Baronin und dem Holländer hatte sich anfangs um gleichgültige Gegenstände gedreht, da es der Ersteren schwer wurde, dem Gespräch die von ihr gewünschte Wendung zu geben. Da hatte Herr van Blombirk sich selbst der Baronin durch die Frage, wann denn eigentlich die Rückreise nach Indien angetreten werden solle, den Weg hierzu gezeigt; von der Baronin war ihm zu seiner grenzenlosen Ueberraschnng die ruhige Antwort zu Teil geworden, daß sie überhaupt gar nicht daran dächte, wieder nach Indien zurückzukehren und nun hatte ein Wort daS andere, eine Erklärung die andere gegeben, bis sich schließlich eine Überaus heftige Scene entwickelte. Aida erklärte endlich dem Holländer, daß die ihr von glaubwürdiger Seite zugegangenen Mitteilungen über seinen verschwenderischen Lebenswandel und anderes mehr sie nötigten, seine Verlobung mit ihrer Tochter aufzuheben, zumal ihr Angelika erklärt habe, daß ihr Herz nimmermehr ihm gehören könne.
Herr van Blombirk war hierdurch in die höchste Aufregung versetzt worden und hatte sich so weit vergrsien, der Baronin vorzuwerfen, daß sie und Angelika im Grunde doch von ihm abhängig seien, da sie gar nicht im Stande seien, irgendwie selbständig zu handeln und überdies habe ihm Baron Sigismund auch ausdrücklich die Sorge für seine Familie aufgetragen und ferner seine Verlobung mit Angelika gut geheißen. Da hatte ihm Aida die Abschrift des Testamentes ihres verstorbenen Gatten gezeigt, aber obwohl Herr van Blombirk hierdurch seine ganze Handlungsweise blosgestellt sah und die Unhaltbarkeit seiner Stellung gegenüber Aida von Roden und deren Tochter begreifen mußte, so schien er die» doch nicht einsehen zu wollen und war schließlich in einer Weise aufgetreten, daß ihm vie Jndierin förmlich die Thür hatte weisen müflen
und unter Verwünschungen und wilden Drohungen war dann Herr van Blombirk davongegangen.
Die Baronin lehnte noch ganz erschöpft von der aufregenden Scene in der Ecke eines Divan«, als Angelika, von ihrem Spaziergange soeben zurückkehrend, in da« Zimmer ihrer Mutter trat, in welchem sich der ganze Auftritt mit Herrn van Blombirk abgespielt hatte. Al« Angelika die Aufregung bemerkte, in der sich ihre Mutter noch befand, eilte sie rasch auf dieselbe zu, schlang die Anne um bereit Hal« und frug mit dem Tone der zärtlichsten Be- lorgnis: „Liebste Mama, Du bist ja ganz aufgeregt, denn Deine Wangen brennen und Dein Pul« geht fieberhaft, bitte, sage mir schnell, was vorgefallen ist."
Die Baronin, welcher Angelika nicht gern erzählen mochte, was sich soeben zwischen ihr und dem Holländer ereignet hatte, entgegnete, indem sie mit der Rechten liebevoll über daS weiche Haar ihree Tochter strich: „ES ist von keiner weiteren Bebentnng, ich habe mich nur ein wenig geärgert, doch ängstige Dich meinetwegen nicht, mein liebes Kind."
Angelika ließ indesien nicht nach, ihre Mutter mit Bitten zu bestürmen, 61« diese nachgab und Angelika, wenn auch in schonendster Form, da« Vorgefallene mitteilte. Al« sie schwieg, preßte Angelika ihre frischen Lippen zusammen, tote im unterdrückten Zorne und die Röte de« Unwillen« stieg dem jungen Mädchm in die Wangen, als es jetzt entgegnete: „Der Elende! zu drohen wagt er un«, weil er sich in feinen niedrigen Spekulationen verrechnet hat und die Millionen, die er sicher in feinen Händen zu haben glaubte, ihm nun entschlüpft sind! Doch lasten wir un« hierdurch nicht schrecken, thenre Mama, wir haben ja treue Freunde, auf deren Hilfe wir fest bauen können."
Eortf etzao, folgt.)
-re. 271.
Marburg, Dienstag, 20. November 1883.
xvm. Jahrgang.
OIichcsMk Mintz
-«.eigen nimmt entgegen! Expedition d. BlatteS, ,,'o>e d.Annoncen-Bureaur ' xh. Dietrich u. Co. in
und Hannover; Th. tetrid) in FranffurtaM.; ^asenstem u. Vogler tu Clfurt a. M., Berlin, gjLig. Köln rc.; Rudolf Wr in Berlin, Frank» furt a. M. rc.
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Erscheint täglich außer an den Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wvchentlichen Beilage „Jllustrlrte« SmmtagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchd,uckerei) bezogen 2*/» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1t Psg.
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Bei der Reichstagswahl
Dienstag, den 20. November
-ordern wir alle Wähler auf, sich an der Wahl .u betheiligen und ihre Stimmen für den konservativen Kandidaten
Herr« Justizrat Dr. Grimm abzugeben. Wir halten es für eine Ehrenpflicht, daß ein jeder Wähler an der Wahlurne erscheine.
Die Wahl beginnt um 10 Uhr Vormittags unb endet um 6 Uhr Abends.
Die Stubt Marburg ist in folgende 4 Bezirke geteilt: I, Wahllokal in der höheren Bürgerschule. (Der Bezirk umfaßt die Barfüßerstraße, Nikolaistraße, Steingaste, Ritterstraß-, Kugelgaste, Am lutherischen Kirchhof, Schneisersberg, Wendelgaste, Rübenstein, Am Plan, Augustinergaste, UniversttätSstraße, Kasernenstraße, WilhelmSstraße, Wörthstraße, Vor dem Barfüßerthor, Vor dem KalbSthor, Rotenberg, Schwanallee, OckerS- häuserallee.)
II. Wahllokal im Rathaus. (Der Bezirk umfaßt die Untergaste, KrcbSgaste, Langgaste, Hofstadt, Metzgergaste, Hirschberg, Reitgaste, Marktgaste, Schuhmarkt, Markt, Mainzergaste, Judengaste, Schloßtreppe, Schloßberg, Schloß, Wettergaste, Neustadt, Renthof- straße, Hainweg.)
III. Wahllokal im MädchenschulhauS [UniversttätSstraße). (Der Bezirk umfaßt den Stetnweg, Rotengrabrn, Zwischenhausen, Kctzerbach, Marbacherweg, Hinter den Höfen, Elisabethstraße, DeutschhauSweg, Wehrdaerwcg, Bahnhofstraße, Rosenstraße, Lahnstraße, Klinikstraßc, Im Afföller, Neue Kasteler Straße, Alte Kastrier Straße.
IV. Wahllokal im vorhinntgen Schulgebäude [Grün 6]. (Der Bezirk umfaßt den Pilgrimstein, Biegenweg, Mühltreppe, Lahnthor, Frohnhof, Grün, Kämpfrasen, Frankfurterstraße,Rudolphsplatz,Weidenhausen,Lingel- gaste, KappeSgaste, Hahnengasse, Auf dem Wehr, Krummbogenweg, Kaffweg, Alter Kirchhainerweg, Kapplerstraße, Großseelheimerstraße.
Wer nach dem 1. Oktober umgezogen ist, wählt in demjenigen Bezirke, wo er vor dem 1. Oktober wohnte.
Das konservative Wahlkomitee.
Deutsche- Reich.
Berlin, 17. Nov. Der Kaiser ist von der Jagd bei Springe um 9 Uhr abends hier wieder etngetroffen. —
Der Kronprinz hat heute vormittag 8^/* Uhr mit dem fahrplanmäßigen Kurierzuge der Anhaltischen Bahn seine Reise nach Madrid angetreten. Mit Höchstdemselben zugleich sind auch der General der Infanterie Graf von Blumenthal und die anderen Herren des kronprinzlichen Hofstaates abgereist. Der Kronprinz und seine Begleiter reisten sämtlich in Zivil. Bei der Abreise hatten sich die erbprinzlichcn Herrschaften von Sachsen - Meiningen, die spanische Gesandtschaft, der frühere persönliche Adjutant deS Kronprinzen Major v. Pfuhlstein, sowie die Herren der 4. Armeeinspektion rc. zur Verabschiedung auf dem Anhaltischen Bahnhofe eingefunden. Die Ankunft in Genua erfolgt in der Nacht zum Montag um 12 Uhr und die Einschiffung nach Spanien im Laufe deS nächsten Tage«. Dem Vernehmen nach werden der Kronprinz und die persönlichen Adjutanten desselben die Uebersahrt auf der Korvette „Prinz Adalbert", die Generale Graf v. Blumenthal und Mischke auf der Korvette „Sophie" und die anderen Herren auf dem Aviso „Loreley" unternehmen. Auch soll, wie verlautet, die Landung im Hafen von Valencia anS- geführt werden. — Die Abwesenheit des Kronprinzen von Berlin dürste etwa 4 Wochen dauern. — Wie wir von anderer Seite erfahren, so beabsichtige der Kronprinz nach seinem Besuch in Madrid durch Portugal über Listabon und demnächst über Hamburg zurückzukehren. — Das heute ausgegebene Armee-Verordnungsblatt veröffentlicht die allerhöchste Ordre, durch welche angeordnet wird, daß durchweg in der Infanterie der älteste Stabsoffizier als regelmäßiger Stellvertreter des Regiments-Kommandeurs fungieren soll, um eventuell im Mobilmachungsfalle die Führung neu formierter Reserve-Regimenter zu übernehmen. Er soll daher nirgends mehr Bataillons-Kommandeur sein. Demgemäß sind zahlreiche Ernennungen neuer Bataillons-Kommandeure resp. von Majors zu Oberstleutnants erfolgt. — Zn den abweichenden Angaben über den Hafen, in dem der Kronprinz in Spanien landen soll, wird nun die Erklärung mitgetetlt, daß ursprünglich hier selbständig Barcelona in Aussicht genommen war, während die spanische Regierung, ohne davon Kenntnis zu haben, von Anfang an Valencia als den geeignetsten Landungshafen ansah. Von spanischer Seite ist also keineswegs etwa unter Hinweis auf die in Barcelona zahlreichen sozialistischen Elemente oder auf die Pariser Hetzereien eine ursprünglich in Madrid getroffene Disposition geändert worden und es war selbstverständlich, daß hier der spanische Vorschlag angenommen wurde. Der Kronprinz hat denn auch heute früh bei der Verabschiedung geäußert, daß die Landung in Valencia erfolgen werde. Nach Madrider Telegrammen deS „Berl. Tagebl." zirkuliert in Handelskreisen in Barcelona ein an daS spanische Kabinett gerichteter starker Protest gegen die Annahme, daß daS katatonische Volk eS an Achtung fehlen lasten könnte gegen den
Repräsentanten der edlen deutschen Ration, beten Moralität und Arbeit dem Volke von Katalonien wohlverwandt sei. Ferner veröffentlicht der „Diluvio", ein republikanisches Blatt von Barcelona, im Namen der dortigen Franzosen einen Protest gegen den Verdacht, daß sie durch Demonstrationen den Frieden deS Landes stören könnten, wo sie Gäste feien. — Die Eröffnung des Landtags findet am Dienstag, mittag« um 12 Uhr, statt. — Unter dem Vorsitze des Staate» Ministers von Bötticher wurde am 15. November eine Plenarsitzung deS Bundesrats abgehalten.- Den zuständigen Ausschüssen wurden zur Vorberatung überwiesen: die Vorlage betreffend den Entwurf eine» Gesetzes über die Feststellung d-S LandeShauShaltSetatS von Elfaß-Lothringen für 1884/85; ein Antrag BaiernS betreffend die Durchfuhr von frischem Kalbfleisch auS Tirol auf der Eisenbahn von Kufstein über Rosenheim nach Salzburg. Mehrere, bei den Kaiserlichen Disziplinarkammern in Düsteldorf, Posen, Frankfurt a. M., Potsdam und Hannover erledigte Mitgliedstellen gelangten zur Wiederbeschung; auch wurden die wegen Ablauf der AmtSdauer erforderlichen Nenwahlen der vom Bundesrat zu wählenden Mitglieder der Reichs- fchuldenkommisston vollzogen. Gemäß den Anträgen der AuSschüstc wurde beschlosten, den Umlauf der Reichskasten- scheine in Abschnitten zu 20 Mark vorläufig nur auf 20000000 Mark herabzusetzen. Eine Eingabe betreffend die Postbefördernng von Kalendern mit beigefügtem Bleistift, wurde dem Herrn Reichskanzler überwiesen. Dem Gesuche eines Postbeamten um Bewilligung eine» Ruhegehaltes gab die Versammlung Folge. Nachdem dieselbe ferner bezüglich der Rechnung der Kaste der preußischen Ober-RechnungSkammer für das Etatsjahr 1881/82, soweit sie den Rechnungshof des deutschen Reiche« bekifft, die Entlastung erteilt hatte, wurde schließlich über die geschäftliche Behandlung mehrerer Eingaben von Privatm Beschluß gefaßt. — Au« der Antwort, welche der rumänische Ministerpräsident Bratiano auf eine Interpellation be« Abg. Stolojan, die auswärtige Politik betreffend, erteilt hat und die jetzt im Wortlaut vorliegt, ist folgende Stelle interestant. Der Minister sagte, nachdem er über die Ereigniste vor Plewna und Alexander II. gesprochen: „AIS ich nach diesen Ereignisten nach Berlin kam, zur Zeit deS Kongrestes, hatte ich die Ehre, mehrmals den Fürsten Bismarck zu sprechen. Er hat mir vor allem mit Nachdruck von den Vorteilen des Frieden« gesprochen und schloß mit den Worten: Es bleibt Ihnen überlasten, zwischen dem Frieden und dem Krieg zu wählen. Wenn Ihr den Frieden wollt, könnt Ihr eine Anlehnung bei un« finden; wenn Ihr aber den Krieg wollt, müßt Ihr Euch an andere wenden. Und al« ich jetzt wieder nach drei Jahren beim Fürsten Bismarck war, habe ich sehen können, wie konsequent er hierin ist und daß er ebenso wie früher
26 Äugelten.
Novelle von E.Lenzenborf.
„Dies ist auch meine Ansicht," pflichtete Frau von Wulfenstein gleichfalls lächelnd bei, „und ich werde Albrecht schleunigst hierüber in’« Gebet nehmen, denn mir hat es schon seit einiger Zeit geschienen, als ob er für Angelika nicht blos die Gefühle eines Vetters hege."
Die beiden glücklichen Mütter besprachen noch längere Zeit in traulichem Gespräch die Zukunft ihrer Kinder und als Frau von Wulfenstein schied, besprach sie, daß ihr Sohn Albrecht in den nächsten Tagen auf Schloß Gnanstein «scheinen würde, um sich das Jawort au« dem Munde Angelika'S selbst zu holen.
Die Baronin von Roden war durch die jüngste Unterredung mit ihrer Schwägerin in ihrem schon längst gehegten Vorsätze, die Verlobung Angelika'S mit Herrn van Blombick auszuheben und überhaupt alle Verbindungen mit demselben zu lösen, nur noch bestärkt worden. Denn bas, waS ihr Frau von Wulfenstein über ben Charakter unb ben Lebenswandel Herrn van Blombirk« mitgeteilt hatte , war durchaus nicht übertrieben gewesen unb auch von anberen Seiten waren Gerüchte über das ausschweifende Leben, welches der junge Mann in der Residenz führte, bi« zu der Baronin gedrungen, so daß eS für dieselbe sogar zur Pflicht wurde, die projektierte Verbindung ihrer Tochter mit dem Holländer zu lösen, ganz abgesehen davon, daß Angelika Albrecht liebte. Aida beschloß, den Bruch mit bem Herrn van Blombirk sobald als möglich herbeizuführen und die Gelegenheit hierzu bot sich schon am folgenden Nachmittag. Herr van Blombirk war gekommen, ben Damen auf Schloß Gnanstein seine Aufwartung zu vachen unb von Aioa allein empfangen worben, ba Angelika k Begleitung ihrer Dienerin in ben Park hinunter ge-