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fllacOurg, Sonntag, 18. November 1883.

XVm. JllhkMg.

eigen nimmt entgegen: Expedition d. Blattes, < oröie d.Annoncen-Bureaux 1 xh. Dietrich u. Co. in

und Hannover; Th. L-trich in Frankfurt a M.; Lafenftein u. Vogler in Stfurt a- M., Berlin, ffleffe in Berlin, Frank­furt a. M rc.

OdchkssiHc jritniig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoneen-Bureanx von <8 8. Daube u. St. in Frankfurt a. M-; JLaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; ». Thiene» in Elberfeld: S Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Bonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirtes GomttagsSlatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*A Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfst- (excl. Bestellgebühr., JnsertionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Konservative ReichSlazS-Wahlversammlaug in Marburg am 16, November 1883.

Die in den Saal des Cafs Quentin anberaumte Ver­sammlung war recht zahlreich besucht. ES waren gegen 150 Personen auS allen Berufsklasien anwesend.

Herr Direktor vr. Wünsch er eröffnete die Versamm- [Uttg mit einem Hinweis auf die Worte des Kaiser-, mit denen er die Gründung deS deatschen Reichs in Versailles begleitet und sich als Mehrer des Reichs im Frieden hin- gestellt hätte, und wie- daraus hin, daß eS dem Kaiser gelungen sei, ein FriedenSfürst zu sein und ein friedliches Band um die meisten europäischen Staaten zu schlingen, st daß nach außen der Frieden gewahrt worden.

Im Innern herrsche im Reiche noch nicht dieser Frieden, dort stünden sich die Parteien noch schroff gegenüber, allein dennoch seien auch dort auf fast allen Gebieten Fortschritte zum Bessern zu erkennen, und seien auf vielen Gebieten ter Gesetzgebung mit Hilfe der konservativen Partei wich­tige Resultate erreicht, und gelte eS jetzt, einen Mann von hier in den Reichstag zu senden, der gewillt und im stände sei, auf den beschrittenen Bahnen weiter vorzugehen. AlS solchen Mann empfehle er Herrn Justtzrat Dr. Grimm, der von einem engeren Kreis von Männern als ReichötagS- kandieat aufgestellt sei, sich bereit erklärt habe, eine Wahl anzunehmen, und im Sinne der Partei wirken werde. Hierauf ergriff der Herr Justizrat vr. Grimm das Wort und äußerte sich ungefähr folgendermaßen:

Meine hochverehrte Herren! Ich danke dem Herrn Vorsitzenden für die ermunternden Worte, welche er mir auf den dornenvollen Pfad deS parlamentarischen Lebens mttgegeben und begrüße die Gelegenheit mit großer Freude, welche eS mir vergönnt, heute zu meinen verehrten Mitbürgern vor der Wahl zum Reichstage zu reden. Un­willkürlich, wenn ich diese Stelle betrachte, auf der ich hier stehe, muß ich mich erinnern, wie vor zwei Jahren hier mein verehrter Freund Profeffor Arnold zum letztenmal zu Ihnen sprach. Sein früher Tod, der ihn mitten in der Erfüllung seiner politischen Pflichten traf, wird von uns auf das tiefste beklagt und wir werden sein Andenken in dankbarem Herzen bewahren. Ich brauche nicht an seine Wirksamkeit im Reichstage zu erinnern, seine trefflichen Reden über die Sonntagsheiligung und zu der Börsensteuerfrage sind in unser aller Gedächtnis. Sein idealer Charakter wände sich ab von dem Streit und Hader der Parteien, zu den großen Errungen­schaften de« deutschen Volkes in seiner Einigung zu einem mächtigen deutschen Reiche. Wäre ihm doch ver­gönnt gewesen, daß er das großartige Fest erlebt hätte, welches wir vor einigen Monaten auf t en herrlichen Höhen

des Rheines zum ewigen Gedächtnis der Einigung des Vaterlandes unter dem Hohenzollernkaifer gefeiert, des Ge­denktages an die ruhmwürdigen Thaten unseres deutschen Heere», wo unser Heldenkaiser zu seinem Volke die un­vergeßlichen Worte gesprochen. ES war ein Moment, wo die Begeisterung, die Vaterlandsliebe wieder laut zum Ausdrucke kam, wo der kleinliche Hader und Streit zurücktrat und neuer frischer Mut die Herzen der Patrioten erfüllte.

Meine Herren ! Wenn wir heute die wesentlichen Auf­gaben betrachten, welche der parlamentarischen Thätigkeit deS Reichstages gesteckt sind, so möchte ich im Hinblick auf diefe festliche Erinnerung im Sinne meines verewigten Freundes sagen: Befestigen wir unser deutsches Reich durch den Frieden nach Außen und im Innern!

Wenn wir mit Bewunderung erfüllt werden über die Weisheit des großen Staatsmannes, der Deutschlands Ge­schicke lenkt, mit welchen er in Europa den Frieden in den schwierigsten Lagen erhalten, so werden wir die Not­wendigkeit erkennen, daß wir nach altem Sprichwörter Si vis pacem para bellum, uns gerüstet halten, jeden Friedensstörer zurückzuweisen. Die Angriffe auf das volks­tümlichste deutsche Institut, auf unsere Armee, wie sie leider die letzte Vergangenheit seitens unserer Gegner gebracht werden wir mit Energie zurückweisen. Und die heutigen Tage lehren uns die Augen offen halten die Annäherung Spaniens an das deutsche Reich der friedliche Besuch unseres Kronprinzen hat unsere leicht erregbaren Nachbarn jenseits deS Rheins bereits zu Demonstrationen und Thaten hingerissen, welche eine ernste Zurückweisung erfahren haben. Solche Situation soll unS aber doppelt mahnen, unsere HeereS- einrichtung hoch zu halten und diese volkstümlichste unserer deutschen Einrichtungen zu pflegen. Unter den Ge­fahren, welche dem neuerstandenen Reiche im Innern drohten, war nicht die geringste der Kampf zwischen Kirche und Staat, der eine hohe Erregung der konfessionellen Gegensätze mit sich führte. Schon 1876 hat die konser­vative Partei den dem Staate und der Kirche verderbltcheen Kulturkampf zu beseitigen gemahnt. Unter meiner persön­lichen Mitwirkung sind seit 1879 die Gesetze, welche den Frieden anbahnten zu Stande gekommen, um für die katholischen Untertanen die gesetzten Bestimmungen besei­tigten, welche ihr Gewissen bedrückten.

Die im Laufe des Kampfes erlaffenen Gesetze hatten eS möglich gemacht, daß die katholischen Priester, wenn sie ihren Glaubensgenossen die Tröstungen ihrer Religion spen­deten, nur darum, weil die Pfarreien nicht oronun «mäßig besetzt, inS Gefängnis geworfen wurden, eine doppelte und schwere Gewissensbedrängnis nicht allein für die katholischen

Untertanen, welche der Seelsorge entbehrten, sondern auch für die Priester, die ihre heiligsten eidlichen Pflichten brechen, oder sich ins Gefängnis werfen lasten mußten. Die Re­gierung Sr. Majestät hatte dies anerkannt und in der letzten LandtagSsesston einen Gesetzentwurf vorgelegt, der diese Ge­wissensnot der katholischen Untertanen beseitigte und der zu meiner lebhaften Genuzthuung von der überwiegenden Mehrzahl deS Landtags gegen ein kleines Häuflein von Kulturkämpfern angenommen wurde. Sie wiffen, m. H., daß wegen dieser meiner Haltung der liberale Gegen­kandidat vor meiner Wahl ab gern ahnt und das An­denken Luthers und das evangelische Bewußtsein in die Schranken gerufen hat.

M. H.! So anmaßlich ein solches Vorgehen erscheint, so wenig konfessionelle Motive bei der Wirksamkeit im Reichstage mitzureden haben, wo wir Recht und Gerech­tigkeit für alle Konfessionen mit gleichem Maße zu messen haben, so habe ich die Sache nicht sehr ernsthaft genommen. Die Erregung der Liberalen liegt ja auf einem andern Felde. Dieselben haben in unbegreiflicher Ver­blendung von der Wirtschaft-- und Steuerreform de- Reichskanzlers sich abgewendet und durch die Unter­stützung, welche die Konfervattven feiten- de- Zentrums erfuhren, ist die Mehrheit gewonnen, welche jenen Reformen den Sieg verschafft haben. Damit war die Herrschaft der Liberalen gebrochen, und das deutsche Volk wandte sich von ihnen. DaS ist der Grund der Verstimmung und der Angriffe.

Die Wirtschaft-« und Steuerreform sind die Gebiete, auf denen die greifbarsten Resultate ge­wonnen sind zum Segen deS Reichs, denn dasselbe ist dadurch nicht allein finanziell selbständig geworden, sondern e- wird an den Einzelstaaten so viel abgeführt von seinen Ein­nahmen, daß in Preußen ganz wesentliche Steuer- Erlasse, an der Klastensteuer 21 Millionen Mark, haben eintreten können. Allein da- hier erreichte ist noch keines­wegs daS Endziel der Steuerreformgedanken des Reich-« kanzler- sondern diese gehen weiter und bezwecken Entlastung der Gemeinden in betreff der Kommunalabgaben und durch Uebernabme der drückenden Schullasten auf den Staat, streben eine weitergehende Minderung der Klaffensteuer und Reform derselben in der Art an, daß die Ungleichheit beseitigt wird, welche in der dermaligen Doppelbesteuerung des Grund-Besitzer- in Stadt und Land gegenüber dem Kapital«Besitze liegt. Die Mittel hierzu und zur Befriedigung anderer dringender Bedürf- niffe im staatlichen Leben, ich erinnere an die Aus­gleichung der Beamten- und Lehrerbefoldungen, sollen ge­schaffen werden durch Verbrauchsauflagen, da auch solche Lebensbedürfniffe gelegt werden, die nicht zu den un­

55 Angeltea.

Novelle von C-Lenzendorf.

Angelika fühlt sich etwas unwohl,* entgegnete Aida und betrachtete wie nachdenklich die gestickten Rosen des kostbaren indischen Teppichs, der zu den Füßen der Damen ausgebreitet war,utto sie hat deshalb schon seit ein paar Tagen ihr Zimmer nicht vetlaffen. Indessen, * fuhr sie rasch fort, als sie einen Ausdruck von Besorgnis in dem Gesichte idreS Besuches gewahrte,die Krankheit Angelika'S ist von keiner roett<ren Bedeutung. Anfangs war ich aller­dings erschrocken, als ich bemerkte, daß Angelika allmählich stiller und ernster wurde, im Gegensatz zu ihrem bisherigen fröhlichen Wesen und ihr ganzes Aussehen ähnelte auch immer mehr dem einer Leidenden. Ich zog sofort einen bewährten Arzt zu Rate, derselbe meinte jedoch, daß Angelik.'s Seiten lediglich seelischer Natur sei, daß ihr körperliches Wohlbefinden im Allgemeinen nichts zu wünschen übrig lasse und daß sich erst durch längere Beobachtung die Ursache der GemütSverstimmung meiner Tochter erkennen kaffen werde. Ich konnte eS aber nicht über mich ge- rvinnen, Angelika länger leiden zu sehen und als ich sie b°her In liebevoll m Tone frug, ob sie ihrer Mutter nicht den Grund ihres geheimen Leiden- mitteilen wolle, da Mars sie sich an meine Brust und gestand mir unter ^hrinen, daß sie Herrn van Blombirk nimmermehr lieben könne und die Aussicht, dereinst die Seine zu werden, sie Mit Grauen erfülle. Ich war natürlich höchst beunruhigt burch dieses unerwartete Geständnis, und als ich nun weiter ® Angelika drang, da* die Baronin stockte und sah ihre Schwägerin erwartungsvoll an,da versicherte sie mir, ihr Haupt von neuem an meine Brust bergend, daß ste Abrecht, Ihren Sohn, innig liebe und nie aushören würde,

Bildnis im Herzen zu tragen!*

Wie!" rief Frau von Wulfenstein im Tone freudiger Ueberraschung aus,Angelika hat Ihnen gestanden, daß ste Albrecht liebt? O, nun wird Alles gut, denn daran, daß Albrecht feine Koustne wiederliebt, zweifle ich nicht und somit sind die Bedingungen in der Testamentsklausel Sigismunds auf das Glücklichste erfüllt.*

Die Baronin sah ihren Besuch bei den letzten Worten erstaunt an und widerholte in forschendem Tone:Testaments­klausel ? W >S für eine Klausel meinen Sie, liebe Schwägerin ?*

Ich glaube, ich habe Ihnen schon einmal von dieser Klausel in dem Testamente Ihre- Gatten gesprochen und Sie sollen jetzt selbst hiervon Notiz nehmen,* entgegnete Frau von Wulfenstein und zog eine Abschrift des Testaments Baron Sigismunds, besten Bestimmungen wir schon kennen, au« der Tasche; sie hatte sich diese Abschrift eigen» zu ihrem heutigen Besuche vom Notar BoretiuS schtcken lasten. Bitte, lesen Sie!"

Die Baronin von Roden nahm das Testament ihres Gatten hastig aus den Händen ihrer Schwägerin entgegen und durchlas dasselbe; als ste geendet hatte, faltete sie in tiefer Beweouug das Dokument wieder zusammen, reichte ihrer Schwägerin beide Hände hin, welche dieselbe herzlich drückte und sagte:Nach diesen letztwilligen Bestimmungen meines theuern Gatten stellt sich der Sachverhalt allerdings anders bar, als nach der Färbung, welche ihm Herr van Blombirk zu geben beliebte. Ich sehe hieraus namentlich, daß ich gegen Herrn van Blombirk keinerlei Verpflichtungen habe, wie ich anderers.itS mit Dankbarkeit erkenne, wie mein Gemahl bemüht gewesen ist, auch nach seinem Tode meine und Angelika'S Stellung zu einer gesicherten und unabhängigen zu machen. Jndesten bin ich im Zweifel darüber, welches Verhalten ich zunächst gegen Herrn van Blombirk beobachten soll."

Sie blickte bei diesen Worten Frau von Wulfenstein

unschlüssig an, welche jetzt mit ruhiger, aber überzeugender Stimme sagte:Ihr Verhalten, liebe Aida, ist sehr einfach; Sie müssen Herrn van Blombirk anSeinandersetzen, daß verschiedene Umstände Sie nötigten, die Verlobung Angelika'S mit ihm aufzuheben und falls er aufbrausen will, so weisen Sie ihm dies Dokument, durch welche- seine Handlungs­weise gegen Sie die rechte Beleuchtung erhält. Außerdem fragen Sie ihn doch hierbei, wie e- mit der Bezahlung der Kaufsumme für die indische Kaffee-Plantage steht, welche Sigismund bei seiner Abreise von Indien an den Vater deS Herrn van Blombirk Überließ, ich selbst bin begierig, welche Antwort der junge Herr Ihnen hierauf erteilen wird. Aber lasten Sie sich nur nicht einschüchtern, beste Aida, wenn Herr van Blombirk e- wagen sollte, Ihnen in irgend einer Weise zu trotzen und sollte dieser Fall ein­treten, ich will e- allerdings nicht hoffen, dann lassen Sie mich eS sofort misten, ich werde dann mit Herm BoretiuS, dem erprobten Rechtsbeistand Sig'-mundS, übet die weiteren Maßregeln sprechen, iudesten ist nach meiner Ueherzeugung da« Testament in Ihren Händen schon eine genügende Waffe, um Herrn »an Blombirk zu zwingen, daS Feld zu räumen."

In jedem Falle weiß ich," versetzte die Baronin von Roden mit fester Stimme, daß eS sich jetzt um das Glück meiner Angelika handelt und ich werde Herrn van Blombirk ganz entschieden gegenübertreten, zumal ich nun feine wahre Gesinnung durchschaue. Doch sprechen wir jetzt lieber von Angelika und Albrecht. Angelika ist noch immer etwa- nervös und aufgeregt und der Arzt hat ihr daher die äußerste Ruhe empfohlen; wenn ste indessen die beglückende Nachricht empfängt, daß Albrecht sie wieder liebt, so wird sie wohl, denke ich," fügte die Jndierin lächelnd hinzu, wohl rasch wieder gesunden." (gottfetima folgt.)